Die Rennrodelbahn Oberhof (Sponsorenbezeichnung seit 2020: LOTTO Thüringen Eisarena Oberhof) ist eine Kunsteisbahn für den Rennrodel-, Skeleton- und Bobsport bei Oberhof in Thüringen. Sie wurde als weltweit zweite künstlich vereisbare Rodelbahn von 1969 bis 1970 erbaut und 1971 eingeweiht. Ihre Gesamtlänge beträgt nach mehreren Umbauten 1354,5 Meter bei fünfzehn Kurven (Wettkampflänge 1069,70 Meter und vierzehn Kurven). Aufgrund der hohen Geschwindigkeit und der kurzen Abfolge von engen Kurven gilt die Bahn als technisch schwierig. In den Jahren 1973, 1985 und 2008 wurden auf dieser Bahn die Rennrodel-Weltmeisterschaften ausgerichtet. Für die Weltmeisterschaften 2023 wurde die Kunsteisbahn zum vierten Mal für diese Titelkämpfe ausgewählt. Auf ihr finden Rennrodel-Weltcups statt, jedoch keine Bob- und Skeleton-Weltcups, weil die für den Bobsport nötige Anschubstrecke fehlt. Sie ist auch für den Tourismus ein Anziehungspunkt, da sie mit Gästebobs befahrbar ist. Hierbei kam es im Februar 2023 zu einem Unfall.Ein Toter und mehrere Verletzte bei Unfall auf Bobbahn auf spiegel.de, 24. Februar 2023. Die Bahn wird regelmäßig von verschiedenen Nationalmannschaften einschließlich der deutschen Rennrodler und Bobfahrer als Trainingsbahn benutzt.

Lage alternativtext=Im Vordergrund die Rodelbahn mit dem erneuerten Witterungsschutz. Im Hintergrund über den Baumwipfeln das Hotel Panorama mit seiner prägnanten dreieckigen Silhouette.|links|mini|Die Bahn liegt in Sichtweite zum Hotel Panorama Die Rodelbahn befindet sich etwa 1,5 Kilometer nordwestlich von Oberhof am nördlichen Hang des 903,8 MeterThüringer Landesvermessungsamt (Hrsg.): Oberhof und Umgebung. 1:25.000. Erfurt 2002, ISBN 3-86140-183-5. hohen Schützenbergs an den Fallbächen und an der Landesstraße 128 von Oberhof nach Steinbach-Hallenberg und etwa einen Kilometer zum Grenzadler mit der Lotto Thüringen Arena am Rennsteig. Der Startbereich der Bahn liegt direkt an der Straße nach Steinbach-Hallenberg, der Zielbereich in der Nähe des Oberen Schweizer Hofes, des ehemaligen Gästehauses des Politbüros der SED. In der Nähe des Zieles befindet sich die Talstation der Zweier-Seilbahn Fallbachlift, die über die Rodelbahn zur Bergstation verläuft. Die Rodelbahn liegt etwa 800 Meter über Normalhöhennull und ist durch ihre zentrale Lage im Thüringer Wald im Winter relativ nebelanfällig.

Beschreibung Die Rodelbahn ist eine Sportanlage des Leistungszentrums Oberhof des Olympiastützpunktes Thüringen, des Zentrums der Wintersport-Nachwuchsförderung in Thüringen und steht Spitzen- und Nachwuchssportlern der dort stationierten Sportfördergruppe der Bundeswehr und dem Sportgymnasium zur Verfügung. Die Bahn dient Rennrodlern und Bobfahrern aus allen Ländern zum Fahrtraining und für die Durchführung von Wettbewerben. Sie wurde als reine Rennrodelbahn konzipiert und verfügt deswegen nicht über die übliche Anschubstrecke für den Bobsport. Aufgrund der kurz hintereinander liegenden engen Kurven gilt die Bahn als technisch anspruchsvoll und als eine der schwierigsten weltweit. Im Gegensatz zu den meisten anderen Rodelbahnen hat sie keine langen Gleitpassagen, sondern die Kurven gehen ineinander über. Seit der Eröffnung musste die Bahn mehrfach durch Umbau an die zunehmenden Geschwindigkeiten angepasst werden, indem teilweise Kurven verlagert und aufgeweitet wurden. links|mini|Jugendstart und Kurve 7 Wettkampfmäßig wird sie nur für Rennrodeln und Skeleton genutzt. Internationale Bobrennen finden nur bei Einladungsveranstaltungen wie dem Hoppe-Challenge-Cup statt. Die Bahnbetreiber bieten Sommerbobfahren und im Winter Gästebobfahrten an, bei denen die Bobs von erfahrenen Bobfahrern gelenkt werden.

Die Bahn wird im Oktober künstlich vereist und dann durch Kühlung bis zum Ende der Wintersportsaison erhalten. Dazu wird durch die in der Bahn verlaufenden Kühlrohre Ammoniak gepumpt, das dem Beton die Wärme entzieht. Aufgesprühtes Wasser gefriert auf dem unterkühlten Beton sofort zu Eis, das nach der Präparierung bis zum Frühjahr hält. Trainingsbetrieb findet auf der Bahn bis zu Außentemperaturen von 18 Grad Celsius statt. Seit dem Jahre 2001 hat die Rodelbahn im Zielbereich eine spezielle Startanlage, auf der die Sportler den Rodel- und Bobstart trainieren können. Die Bahn wird bei starker Sonneneinstrahlung mit Sonnensegeln abgedeckt, um das Schmelzen des Eises zu verhindern. Die Segel schützen auch vor Niederschlägen.

Bahndaten Die Rodelbahn überwindet einen Höhenunterschied von beinahe 100 Metern. Der Herrenstart befindet sich auf 831,50 Meter über Normalnull und das Ziel auf 735,13 Meter. Das durchschnittliche Gefälle beträgt 9,2 Prozent.Thüringer Schlitten- und Bobsportverband (TSBV), Stadt Oberhof (Hrsg.): 25 Jahre Kunsteisbahn Oberhof. Bei der größten Wettkampflänge sind vierzehn Kurven zu befahren. Beim letzten Umbau im Jahre 2006 wurde eine weitere Kurve 15 hinter dem Zielbereich als Auslauf angefügt. Die gefahrene Zeit wird jedoch bereits nach der Kurve 14 gemessen. Die Kurven sind mit einem Radius zwischen zwölf und etwa zwanzig Metern mit Ausnahme der Kurve 9 (Radius 30 Meter) sehr eng. Auf der Bahn werden Höchstgeschwindigkeiten bis zu 120 Kilometer pro Stunde erreicht.

Je nach Sportart und Geschlecht gibt es mehrere Startpositionen. Das oberste Starthäuschen, der Herrenstart, wird für Rodeln, Skeleton und Bob benutzt. Bahnabwärts folgt vor Kurve 4 der Damenstart. Dieser dient dem Rodeln und Skeleton der Frauen und dem Männerdoppel. Der Juniorenstart mündet bei Kurve 8 in die Bahn, der Pionierstart für die jüngsten Fahrer vor Kurve 12. Die Rodelbahn hat seit ihrem letzten Umbau im Jahre 2006 eine Gesamtlänge von 1354,50 Metern, wobei die maximale Wettkampflänge (Herrenstart) 1069,70 Meter beträgt. Beim Damenstart beträgt die Wettkampflänge 945,60 Meter. Zwischen den beiden Umbauphasen 1996 und 2006 betrug die Gesamtlänge der Bahn 1235,00 Meter bei einer Wettkampflänge beim Herrenstart von 1063,50, beim Damenstart von 930,40 und beim Jugendstart von 665,40 Metern.Wintersport-Förderverein Rennsteig e. V. (Hrsg.): 39. Europameisterschaften – Rennrodeln – Oberhof/Thüringen. S. 9. Von der Eröffnung 1971 bis zum ersten Umbau 1996 war die Gesamtlänge der Bahn 1113,11 Meter (Wettkampflänge vom Herrenstart 1032,89 Meter und vom Damenstart 930,40 Meter). links|mini|Ausfahrt Kurve 14 und Zielstrich Die Startanlage für den Bob-Start ist insgesamt 117 Meter lang, die Anfahrtsstrecke hat eine Länge von 32 Metern mit einem Gefälle von zwei Prozent. Das Mittelstück ist 40 Meter lang und hat ein Gefälle von sieben Prozent, der Auslauf ist 45 Meter lang bei einer Steigung von 20 Prozent. Für das Rennrodeln beträgt die Gesamtlänge 77 Meter, die Anfahrtsstrecke ist 16,25 Meter lang bei einem Gefälle von 26,8 Prozent. Das 15 Meter lange Mittelstück hat kein Gefälle, der Auslauf ist 42 Meter lang bei einer Steigung von sieben Prozent.

Liste der Rekorde Die Bahn wurde 1996, 2006 und von 2020 bis 2022 umgebaut, wobei sich jeweils die Bahnlänge änderte. Nach jedem Umbau gab es neue Bahnrekorde. Aufgeführt ist auch der erste Bahnrekord. Eine weitere Liste nennt die Startrekorde.

Bahnrekorde Rodeln Männer Rodeln Frauen Rodeln Doppelsitzer Männer Rodeln Doppelsitzer Frauen Rodeln TeamstaffelZweierbob Bahnrekorde bis 1996 (erster und letzter) 49,751 Sekunden – 1971 46,185 Sekunden – 1971 46,172 Sekunden – 1971 / Reinhard Bredow – – 48,80 Sekunden – 1974 / Horst Bernhardt 44,283 Sekunden – 1987 41,289 Sekunden – 1989 41,434 Sekunden – 1994 / Jan Behrendt – – 44,62 Sekunden – 1989 / Bogdan Musiol Bahnrekorde 1996 bis 2006 44,129 Sekunden – 1998 41,206 Sekunden – 2006 41,111 Sekunden – 2006 / Gruber – – Bahnrekorde 2006 bis 2020 42,714 Sekunden – 2018 41,074 Sekunden – 2018 40,630 Sekunden – 2019 / Sascha Benecken – 2:20,952 Minuten – 2018 Bahnrekorde Saison 2020/21 42,673 Sekunden – 2021 41,009 Sekunden – 2021 40,792 Sekunden – 2021 / Lorenz Koller – 2:23,648 Minuten – 2020 Bahnrekorde seit 2021 42,274 Sekunden 2025/26 41,403 Sekunden 2025/26 41,274 Sekunden 2025/26 41,952 Sekunden 2025/26 3:10.452 Minuten – 2025/26

Merle Fräbel Tobias Wendl, Tobias Arlt

Felix Loch Dajana Eitberger, Magdalena Matschina

Startrekorde im Rennrodeln Einsitzer Männer Einsitzer Frauen Doppelsitzer Männer Doppelsitzer Frauen Startrekorde bis 2020 7,088 Sekunden – 2014 6,723 Sekunden – 2017 6,549 Sekunden – 2016 / Tobias Arlt Startrekorde Saison 2020/21 7,126 Sekunden – 2021 6,795 Sekunden – 2021 6,522 Sekunden – 2021 / Patrick Rastner Startrekorde seit 2021 7,063 Sekunden 2025/26 7,492 Sekunden 2025/26 7,235 Sekunden 2024/25 7,567 Sekunden 2025/26

Geschichte mini|Alte Bobbahn Oberhof;1953, mit den Fahrern Erich Hansen, Kirchner, Feist, Schelter In Oberhof gab es bereits 1905 die erste Bobbahn. Die Wadebergbobbahn wurde im Jahre 1908 mit einer Länge von 1908 Metern, einem maximalen Gefälle von zwölf Prozent und einem durchschnittlichen Gefälle von neun Prozent in Betrieb genommen. Die Bahn hatte als erste in Deutschland einen elektrischen Schlitten- und Personenaufzug und eine elektrische Zeitnahme. Im Laufe der Zeit wurden in Oberhof mehrere Rodel- und Bobbahnen gebaut, so dass die Bahnen gleichzeitig von verschiedenen Vereinen genutzt werden konnten. Oberhof war das Zentrum im Renn- und Bobsport in Deutschland. Auf der Wadebergbobbahn fanden im Jahre 1931 die Bobweltmeisterschaften im Zweierbob statt. Die Rennen auf dieser Bahn, wie zum Beispiel zahlreiche Deutsche Meisterschaften, zogen teilweise bis zu 40.000 Besucher an.Jan Knapp u. a.: 100 Jahre Wintersport in Oberhof.

Planung mini|Zieleinfahrt 1980 Ende der 1960er Jahre war die Bobbahn am Wadeberg nicht mehr zeitgemäß, die anderen Bahnen waren bereits früher stillgelegt worden. Die Vorbereitung der Bahn war in jedem Winter mit einem hohen Aufwand verbunden. Wärmeeinbrüche über einen längeren Zeitraum verhinderten häufig die Durchführung geplanter Wettbewerbe. Damit haben alle Bahnen der Welt Probleme, wenn sie nicht, wie beispielsweise St. Moritz, auf großer Höhe liegen. Im Berchtesgadener Land am Königssee wurde 1969 mit der Kunsteisbahn Königssee die erste künstlich zu vereisende Rodelbahn der Welt errichtet.Rolf Hackel: Oberhof – Vom Hospiz der Johanniter zur Stadt am Rennsteig. S. 163. In Oberhof reiften Pläne, auch dort eine Bahn künstlich zu vereisen, um sie wetterunabhängig zu machen. Am 8. April 1969 beschloss das Politbüro des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) die Entwicklung des Leistungssports bis zu den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo in allen Sportarten.Gerd Falkner: Chronik des Skisports in der Deutschen Demokratischen Republik. S. 91. Um den Sportlern bestmögliche Trainingsbedingungen für das bevorstehende Großereignis zu bieten, wurde der Bau einer Kunsteisbahn beschlossen. Vorgesehen waren eine natürlich zu vereisende Rennschlittenbahn in Oberwiesenthal und eine künstlich zu vereisende Bahn in Oberhof, dem Zentrum des Wintersports in der DDR. Hierbei spielten die Kosten nur eine untergeordnete Rolle. links|mini|Lange Gerade Mit der Planung des Bahnverlaufs und der Berechnung der Kurvengeometrie war ab 1968 die Staatliche Projektierung Sportbauten mit Sitz in Leipzig betraut.