mini|hochkant=1.1|Jenny von Westphalen um 1835. Gemälde von unbekannter Hand.Das Gemälde erwarb das Museum für Deutsche Geschichte 1953 von Frédéric Longuet, einem Urenkel von Karl Marx. Longuet war selbst Kunstmaler, Landschaftsmaler vor allem. Er besuchte die Stationen des Lebens seines Urgroßvaters und trug Skizzen, Federzeichnungen und Aquarelle zu einer Bildmappe zusammen (ein Auftrag des Instituts für Marxismus-Leninismus der KPdSU); er war auch Gast der damaligen Marx-Gedenkstätte in Salzwedel. (Erste Abbildung in: Museum für Deutsche Geschichte (Hrsg.): Marx-Engels-Ausstellung im ehemaligen Zeughaus unter den Linden. Berlin 1953, S. .) Johanna Bertha Julie Jenny Marx, geborene von Westphalen (* 12. Februar 1814 in Salzwedel; † 2. Dezember 1881 in London), war eine deutsche Sozialistin und die Ehefrau von Karl Marx.
Leben Herkunft mini|Geburtshaus von Jenny Marx in der Jenny-Marx-Straße in Salzwedel Jenny von Westphalen war die Tochter des Landrats von Salzwedel, Ludwig von Westphalen, und seiner Frau Caroline von Westphalen, geborene Heubel (1780–1856). Ihr Großvater Philipp von Westphalen war der Geheim-Sekretär des Herzogs Ferdinand von Braunschweig und erhielt 1764 den Titel „Edler von Westphalen“.
Aus der ersten Ehe ihres Vaters stammten ihre Halbgeschwister Ferdinand von Westphalen (1850–1858 preußischer Innenminister), Louise von Westphalen (1800–1863), Carl von Westphalen (1803–1840) und Franziska von Westphalen (1807–1896).Heinrich Gemkow: Edgar von Westphalen. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. 25. Jg., 1999, S. 404. Ihre Geschwister waren Helena Laura Cecilia Charlotte Friderike von Westphalen (* 16. März 1817; † 3. April 1821)Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. Köln 1993, ISBN 3-89144-185-1, S. 871 und 874 f. und Edgar von Westphalen.
Jenny wurde am 15. Februar 1814 im Haus der Familie von Westphalen in Salzwedel getauft.Ihre Taufpaten waren: „Gräfin von der Schulenburg, Johanne geb. Meyer, Frau Kreisamtmännin Gerlach, Frau Majorin von Groeben, Frau Prediger Krausen, Herr Tribunalrichter von Heeringen, Herr Tribunalrichter Johann Christ, Wilhelm Schulz, Herr Stallmeister Heubel, Frau Kaufmann Mertens, Frau Kaufmann Krause, Frau Postdirektor Meinecke, Frau v. Nordeck, Frau Rector Solbrig“. Faksimile in: Wolfgang Schwalbach: Jenny Marx – bedeutendste Tochter der altmärkischen Stadt Salzwedel. Biographische Skizzen. S. 4.
Trier Im April 1816 wurde der Vater nach Trier versetzt, um dort als Regierungsrat bei der Bezirksregierung zu wirken. In Trier wohnte die Familie von Westphalen im Haus Nr. 389 (heute Neustraße 83).Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. Köln 1993, S. 873. Am 3. April 1821 starb ihre Schwester Laura an „Stickhusten und Scharlachfiber“, sie wurde am 5. April in Trier beerdigt.Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. Köln 1993, S. 874 f. Später benannte Jenny ihre zweite Tochter nach ihrer Schwester.
Am 30. März 1828 wurde sie in der Dreifaltigkeitskirche in Trier konfirmiert.Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. Köln 1993, S. 835. 1831 warb der Sekondeleutnant Karl von Pannewitz (1803–1856) um Jenny, sie aber lehnte eine Verlobung ab.„Jenny war ein mit den Reizen der Jugend ausgestattetes, schönes Mädchen, ausdrucksvollen Antlitzes, durch ihren hellen Verstand und energische Charakter-Anlagen die meisten ihrer Altersgenossinnen überragend. Es konnte nicht fehlen, daß sie unter den jungen Männern aller Augen auf sich zog; ein Offizier der Garnison, ein Herr v. Pannwitz aus Schlesien, warb um ihre Hand; […] indeß Jenny schlug schließlich diese Bewerbung aus.“ (Ferdinand von Westphalen: Lebenserinnerungen. Zitiert nach Heinrich Gemkow: Aus dem Leben einer rheinischen Familie im 19. Jahrhundert. Archivalische Funde zu den Familien von Westphalen und Marx. S. 512 f.) Zu ihrem 18. Geburtstag 1832 bekam sie von ihrem Vater 100 Reichstaler für eine Reise nach Paris oder in die Schweiz geschenkt.Heinrich Gemkow: Aus dem Leben einer rheinischen Familie im 19. Jahrhundert. Archivalische Funde zu den Familien von Westphalen und Marx. S. 512.
Nachdem Marx seine beiden Bonner Studiensemester absolviert hatte, verlobte er sich im Sommer 1836 in Trier „heimlich“ mit Jenny von Westphalen. Als erste wussten seine Schwester Sophia und sein Vater davon. Marx schickte Jenny Gedichte („Buch der Liebe. Erster Theil“,„Buch der Liebe. Meiner theuren, ewiggeliebten Jenny v. Westphalen. Berlin 1836, am Ende des Herbstes. K. H. Marx.“ (Marx-Engels-Gesamtausgabe 2. Abteilung I. Band 1, Berlin 1975, S. 477–521.) „Buch der Liebe. Zweiter Theil“,„Buch der Liebe. Meiner theuren, ewiggeliebten Jenny v. Westphalen. Berlin 1836. November“. (Marx-Engels-Gesamtausgabe 2. Abteilung I. Band 1. Berlin 1975, S. 523–553.) „Buch der Lieder“„Buch der Lieder. Meiner theuren, ewiggeliebten Jenny v. Westphalen. Berlin 1836. von Karl Marx.“ (Marx-Engels-Gesamtausgabe 2. Abteilung I. Band 1. Berlin 1975, S. 555–613.) und „Volkslieder“„Volkslieder aller deutschen Mundarte, spanische, griechische, lettische, lappländische, esthnische, albanesische etc. zusammengestellt aus verschiedenen Sammlungen u.s.w. für mein süsses Herzens-Jennychen. K. H. Marx. Berlin 1839. ‚Hab’ Deiner nie vergessen, / Hab’ Allzeit an Dich gedenkt, / Du liegst mir stets am Herzen, / Herzen, Herzen, / Wie d’ Ros’ am Stiele hängt.‘ Altes Volkslied.“ (Marx-Engels-Gesamtausgabe 2. Abteilung I. Band 1. Berlin 1975, S. 773–855.)). Die Verlobungszeit dauerte sieben Jahre.
Am 2. August 1837 weilte Prinzessin Marie, die Gattin des Prinzen Karl von Preußen, in Trier. Ein Komitee veranstaltete „einen Ball“, um die Prinzessin „zu verherrlichen“. Jenny war mit ihren Eltern und ihrem Halbbruder anwesend.Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. S. 876. Noch 1863 erinnerte Karl Marx seine Frau:
1838 reiste sie gemeinsam mit ihrem Halbbruder Carl zur Kur nach Niederbronn im Elsass.Heinz Monz: Zwei Briefe aus Niederbronn (Elsaß). Carl starb am 8. März 1840. Sein Tod erschütterte die Familie. Im September 1841 wurde Jenny Patin von Anna Elisabeth Charlotte Jenny von Westphalen, der Tochter von Ferdinand und Louise Mathilde Cassot von Florencourt.Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. Köln 1993, S. 879.
Trauung in Kreuznach mini|In der Wilhelmskirche fand die Trauung statt. Am 3. März 1842 verstarb ihr Vater Ludwig von Westphalen. Kurz danach verzog ihre Mutter mit Jenny nach Kreuznach.
Am 28. Januar 1843 gab Marx’ Mutter Henriette ihre notarielle Einwilligung zur Hochzeit.Heiratsurkunde No. 51/1843. Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. S. 844 ff. Die Aufgebote in Trier, Bonn, Köln und Kreuznach wurden am 4. und 11. Juni gestellt. Am 12. Juni wurde ein Ehevertrag geschlossen, der künftige Gütergemeinschaft vorsah,Marx-Engels-Gesamtausgabe 1. Band 1/1, Berlin 1927, S. 310–312. und am 19. Juni 1843 wurde die zivile Trauung von Oberbürgermeister Franz Buss vorgenommen. Am gleichen Tag wurden sie kirchlich in Kreuznach von Pastor Johann Wilhelm Schneegans getraut.Heinz Monz: Karl Marx. Trier 1973, S. 351.Da die Kreuznacher Pauluskirche zu jener Zeit renoviert wurde (vgl. Albert Rosenkranz: Geschichte der evangelischen Gemeinde Kreuznach. Bad Kreuznach 1951, S. 166), fand die Trauung vermutlich in der Wilhelmskirche statt. Siehe dazu auch Angelika Limmroth: Jenny Marx. Die Biografie. S. 82. Die Trauung zeigten beide in Zeitungsanzeigen in Kreuznach und Trier an, was damals noch ungewöhnlich war.Kreuznacher Zeitung Nr. 98 vom 20. Juni 1843, S. 4, und Trierer Zeitung Nr. 166 vom 22. Juni 1843. In: Heinz Monz: Bad Kreuznacher Reminiszenzen an Karl Marx.
Ende Juli 1843 traf Arnold Ruge zu Gesprächen über die Deutsch-Französischen Jahrbücher in Kreuznach ein. Er fand, dass Jenny „sehr eingeweiht in die neue Philosophie“ war.Helmut Elsner: Karl Marx in Kreuznach 1842/43. Daten – Personen – Kreuznacher Exzerpte. In: Studien zu Marx’ erstem Paris-Aufenthalt und zur Entstehung der Deutschen Ideologie. Trier 1990, ISBN 3-926132-16-7, S. 117. Die Hochzeitsreise führte das Paar zur Burg Ebernburg und nach Bingen, anschließend nach Baden-Baden.Heinz Monz: Von Bad Kreuznach nach Baden-Baden. Verifizierung und Ambiente einer Hochzeitsreise.
Paris Anfang Oktober 1843 trafen Jenny und Karl Marx in Paris ein. Hier lernten sie jetzt auch Arnold Ruges Frau Agnes Wilhelmine kennen, ebenso Georg und Emma Herwegh, German Mäurer, Michail Bakunin, Karl Ludwig Bernays, Moses Heß und seine Frau Sybille sowie Heinrich Heine, der auch mit Jenny korrespondierte.Rolf Hecker, Angelika Limmroth (Hrsg.): Jenny Marx. Die Briefe. Karl Dietz Verlag, Berlin 2014, S. 62.
Am 1. Mai wurde ihre Tochter Jenny Caroline in Paris geboren.Yvonne Kapp: Eleanor Marx. Family Life. Vol. I. Lawrence and Wishart, London 1972, ISBN 0-85315-248-9, S. 25.„Das meine Tochter Jenny Marx in Paris am 1. Mai von einem gesunden Mädchen glücklich entbunden, zeige ich meinen theilnehmenden Freunden ganz ergebenst an. Trier, den 4. Mai 1844. Geheimrätin von Westphalen“. Zitiert nach Christa Krause: Geburtsanzeige von Marx’ Tochter Jenny. S. 115. Ende Mai reiste Jenny mit ihrer Tochter Jenny zu ihrer Mutter Caroline nach Trier. Dort blieb sie bis Anfang September. In Trier traf sie mit Karls Schwester Sophia und deren Tochter Henriette zusammen. Sie erlebte die Hochzeit der todkranken Schwester Karls, Henriette Marx, und den „Humbug mit dem heiligen Rocke“ in Trier. Mit der Amme „Gretchen aus Barbeln“ kehrte sie nach Paris zurück, nachdem Friedrich Engels dort mit Marx für zehn Tage zusammengekommen war, um Die heilige Familie zu schreiben.
Das Attentat von Heinrich Ludwig Tschech auf König Friedrich Wilhelm IV. vom 26. Juli 1844 kommentierte Jenny so:
Am 25. Januar 1845 erhielt Marx den Ausweisungsbefehl. Er und damit auch seine Frau und seine Tochter mussten Paris verlassen. Marx reiste am 1. Februar 1845 mit Heinrich Bürgers nach Brüssel. Jenny musste ihren Haushalt auflösen. Sie vermutete, dass Alexander von Humboldt im Auftrag der preußischen Regierung die Ausweisung „eingefädelt“ hätte.Jenny Marx an Karl Marx, 10. Februar 1845. (Rolf Hecker, Angelika Limmroth (Hrsg.): Jenny Marx. Die Briefe. Karl Dietz Verlag, Berlin 2014, S. 64.) Dieser Meinung war Friedrich Engels noch 1881.„Die preußische Regierung verfolgte Marx sogar in Paris. Mit Bedauern muß ich erwähnen, daß ein Mann wie A. v. Humboldt sich bereit fand, gemeinsam mit der preußischen Regierung zu erwirken, daß die Regierung Louis-Philippe Marx aus Frankreich auswies.“ Zitiert nach Friedrich Engels: Rede am Grabe von Jenny Marx. In: Marx-Engels-Werke. Band 19, S. 293. Humboldt hatte aber nachweislich mit der Ausweisung nichts zu tun.Kurt R. Biermann: Alexander von Humboldt und seine vermutete Beteiligung an Marx’ Ausweisung aus Paris 1845. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Berlin, 26. Jg., 1984, Heft 6, S. 779–782.
Brüssel mini|hochkant|Einzige erhaltene Seite des Manifests der Kommunistischen Partei in der Handschrift von Jenny Marx und Karl MarxIm Juni 2013 wurde das Manifest in das UNESCO-Dokumentenerbe aufgenommen:
In Brüssel wurde ihre Tochter Jenny Laura am 26. September 1845 geboren.Acte des Naissance. No. 364. (Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. S. 849 f.) Sie lernte Friedrich Engels kennen, der Anfang April 1845 dorthin gekommen war und seit dem 26. August 1845 im Nebenhaus (Rue de l’Alliance 7) wohnte.Michael Knieriem: Bekannte und unbekannte personengeschichtliche Daten zu Karl Marx und Friedrich Engels, während der Brüsseler Zeit 1845–1848. S. 91 f und S. 83 f. Außerdem lernte sie in Brüssel auch Wilhelm Wolff, Ferdinand Wolff, Georg Weerth, Stephan Born, Carl Wallau und andere kennen.Stephan Born: Erinnerungen eines Achtundvierzigers. Hrsg. und eingeleitet von Hans J. Schütz. J. H. W. Dietz Nachf., Berlin/Bonn 1978, ISBN 3-8012-0031-0, S. 38 ff.