mini|hochkant|Logo der Mairie des 15. Arrondissements mini|Karte des 15. Arrondissements mini|Stadtviertel im 15. Arrondissement mini|Rathaus des 15. Arrondissements Das 15. Pariser Arrondissement, das Arrondissement de Vaugirard, ist eines der 20 Arrondissements von Paris und das mit der größten Einwohnerzahl. Es entstand im Jahre 1860 durch die Eingemeindung der Gemeinden Vaugirard und Grenelle in die Stadt Paris.

Geographische Lage Das 15. Arrondissement liegt auf dem linken Ufer der Seine. Im Osten grenzt es – getrennt durch die Gleise des Gare Montparnasse – an das 14. Arrondissement, im Westen – durch die Seine getrennt – an das 16. Arrondissement und im Süden – getrennt durch den Boulevard périphérique – an die Gemeinden Malakoff, Vanves und Issy-les-Moulineaux. Die Abgrenzung zum 7. Arrondissement im Norden bilden die Straßen Avenue de Suffrèn, Rue Pérignon, Avenue de Saxe, Rue de Sèvres und Boulevard du Montparnasse. Östliche Grenzlinie bis zum Bahnhof Montparnasse ist der Straßenverlauf Rue de Départ – Avenue du Maine sowie eine Linie durch den Jardin Atlantique bis zum Eingang des Gare Montparnasse. Darüber hinaus hat der Bezirk Anteil an einer Grünfläche außerhalb des Boulevard périphérique – dem Parc omnisports Suzanne Lenglen.Siehe Umriss des Arrondissements bei Google Maps; aufgerufen am 31. Januar 2025

Zentrale Straßen finden sich vor allem an den Rändern des Bezirks: Seine-seitig der Quai de Grenelle, parallel zu den Gleisanlagen des Gare Montparnasse die Rue Castagnary und ihre weiter Richtung Stadtzentrum führende Fortsetzung Rue Falguière. Durch den Norden des Arrondissements führen der Boulevard Garibaldi und seine Weiterführung Boulevard Pasteur. Im Süden, rund 200 Meter vom Boulevard périphérique entfernt, führen Boulevard du Géneral Martial Valin, Boulevard Victor und Boulevard Lefebvre von der Seine ausgehend in Richtung 14. Arrondissement. Dieser innere, in den beiden anderen Außenbezirken links der Seine fortgesetzte Straßenring verläuft im Wesentlichen entlang der Stadtgrenzen, wie sie durch die 1844 vollendete Thierssche Stadtbefestigung festgelegt wurden.

Eine Durchgangsstraße mit langer Geschichte ist die Rue de Vaugirard. Sie beginnt am Boulevard Saint-Michel, durchquert den Bezirk in diagonaler Richtung von Nordost nach Süd und endet an der ehemaligen Porte de Versailles. Flankiert wird sie von der parallel verlaufenden Rue Lecourbe – eine Verlängerung der Rue de Sèvres, die ebenfalls den gesamten Bezirk durchzieht. Als an der Seine gelegenes Arrondissement partizipiert das 19. an mehreren Seine-Brücken. Flussaufwärts von Süd nach Nord sind dies: Pont Aval (Seine-Überquerung des Boulevard périphérique), Pont du Garigliano, Pont Mirabeau, Pont de Grenelle und Pont de Bir-Hakeim. Die beiden letzten überqueren die künstlich aufgeschüttete Insel Île aux Cygnes – einen lediglich 20 Meter breiten Streifen, der administrativ zum 15. Arrondissement zählt und sich in der weiteren Umgebung des Eiffelturms befindet.

Markantester – weil sichtbarster – Punkt des Bezirks ist der Tour Montparnasse in seiner Nordostecke. Das – ästhetisch umstrittene – Bauwerk ist 210 Meter hoch und nach dem Eiffelturm das zweithöchste von Paris. An der Ostkante schließt sich der Gare Montparnasse und seine nach Süden führende Gleistrasse an. Im Süden des Bezirks finden sich ausgedehnte Grünflächen: der Parc Georges Brassens, der Parc André-Citroën sowie die jenseits des périphérique gelegene Sportanlage Parc omnisports Suzanne Lenglen. Um périphérique und inneren Boulevardring herum konzentrieren sich weitere funktionelle Gebäudekomplexe wie die Expo Paris sowie der – mitunter auch als „Stadt in der Stadt“ bezeichnete – Immobilienkomplex Grand Pavois de Paris. Während sich die Südflanke des Bezirks in unmittelbarer Nachbarschaft des Eiffelturms befindet, wird das Seine-Ufer vor allem von dem Verkehrszubringer Quai de Grenelle, Industrieanlagen, Hochhäusern sowie modernen Funktionsbauten geprägt.

Bis in die 1970er-Jahre war das 15. Arrondissement ein Arbeiterbezirk. Heute gilt es als eher bürgerliche Wohngegend, weil es für Pariser Verhältnisse relativ ruhig gelegen ist. Lediglich im Süden und Südwesten – speziell dem Quartier de Javel – befinden sich viele Sozialwohnungen. Die vier Quartiere des Arrondissements vierteln den Bezirk in vier ungleichmäßig große Rechtecke: die beiden kleineren und stadteinwärts gelegenen Grenelle und Necker sowie die beiden größeren, stadtauswärts gelegenen Quartiere Javel und Saint-Lambert. Eine noch feinteiligere Aufgliederung des Bezirks offeriert die Seite Rental Paris, die den Bezirk in elf nach touristischen und immobilientechnischen Kriterien untergliederte Nachbarschaften aufteilt.Discover the 15th arrondissement of Paris: Attractions, History, and Travel Tips, parisrental.com, 22. September 2023, aufgerufen am 31. Januar 2025 (englisch)

Geschichte mini|Vaugirard und Javel („Javelle“) 1805 In der Antike und im frühen Mittelalter war das Gebiet des heutigen 15. Arrondissements Teil der umliegenden Agrarlandschaft von Lutetia, dem späteren Paris. Es bestand hauptsächlich aus Feldern, Weinbergen und einigen kleinen Siedlungen. Ab dem Mittelalter kristallisierte sich eine festere Besiedlungsstruktur heraus aus mit drei unterschiedlich alten Ansiedlungen. Die bedeutendste war Vaugirard. Vaugirard war seit dem Mittelalter ein kleines Bauerndorf. Sein Name leitet sich vom lateinischen „Vallis Gerardus“ ab und geht möglicherweise auf einen gewissen Gérard zurück, dem einst Land in dieser Gegend gehörte.Siehe Ansiedlungen Grenelle, Vaugirard und Javel („Javelle“) an der südwestlichen Stadt-Pheripherie auf der Karte Plan der Stadt Paris mit ihren umliegenden Gegenden, 1805

Die Bedeutung dieser Ansiedlung für den Austausch mit den mittelalterlichen Paris dokumentiert die gleichnamige, mittlerweile bis zum Boulevard Saint-Martin verlängerte Straße. Im Mittelalter begann sie außerhalb der Pariser Stadtmauer und verlief in südsüdwestlicher Richtung bis Vaugirard. Die beiden anderen Ortschaften auf dem Gebiet entstanden später. Das südlich des heutigen Marsfelds gelegene Grenelle entstand im 17. Jahrhundert auf Veranlassung von Ludwig XIII., der an private Unternehmer eine Ansiedelungslizenz erteilte. Der Name geht vermutlich auf einen alten keltischen Begriff zurück, der sumpfige Gebiete bezeichnete, da die Gegend damals von feuchten Wiesen geprägt war. Die dritte Ansiedlung auf dem Terrain des heutigen Bezirks war Javel – ursprünglich ein kleiner Weiler, der längs der Seine lag und wahrscheinlich zu Vaugirard gehörte.

mini|Passage Bourdon in Vaugirard (19. Jahrhundert) mini|Rue de Vaugirard (1900) mini|Gare Montparnasse (1900–1910) mini|Populäres Modell des Automobilherstellers Citroën: der 2CV Die städtische Verdichtungsphase setzte im 19. Jahrhundert ein. Grenelle, das mit Vaugirard bis dahin eine dörfliche Einheit gebildet hatte, konstituierte sich in den 1830ern als eigenständige Gemeinde. Im Jahr 1860 wurde Vaugirard zusammen mit Grenelle und Javel im Zuge der Stadterweiterung in Paris eingemeindet und zum 15. Arrondissement geformt. Bis dahin fungierten diese Gebiete als Vororte und behielten auch nach der Eingemeindung zunächst ihren kleinstädtischen Charakter.Colin Jones: Paris. Biography of a City. Penguin, London 2006, ISBN 978-0140282924, S. 124 und 223 (englisch) Lediglich temporäre Folgen hatte für das Gebiet die Pariser Kommune 1871: Bei der Rückeroberung der aufständischen Hauptstadt im Zug der blutigen Maiwoche besetzten das II., IV. und V. Korps der Regierungstruppen das Terrain bereits am ersten Tag – am Morgen des 22. Mai.Thankmar von Münchhausen: 72 Tage. Die Pariser Kommune 1871 – die erste »Diktatur des Proletariats«. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2015, ISBN 978-3-421-04440-2, Klappenkarte hinten sowie S. 350 ff.

Die Nähe zur Seine und der Bau von Infrastruktur wie dem Gare Montparnasse sowie mehreren Brücken förderte die Ansiedlung von Industrie. Besonders in Javel entstanden bedeutende Fabriken. Am bekanntesten ist die Citroën-Fabrik, die 1915 eröffnet wurde und bis 1975 Autos produzierte. Der Name Javel war bis dahin vor allem mit der Herstellung von Chemikalien, insbesondere Bleichmitteln („Eau de Javel“), verbunden.Colin Jones, Paris, S. 226–227 (englisch) Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich das 15. Arrondissement zu einem klassischen Arbeiterbezirk. Das Citroën-Stammwerk in Javel beschäftigte in seinen Hochzeiten mehrere Tausend Arbeiter. Für eine zusätzliche Konzentration der Automobilbranche in der Region sorgte die Präsenz von Renault in der auf dem anderen Seine-Ufer gelegenen Stadt Boulogne-Billancourt.Colin Jones, Paris, S. 411 ff.(englisch)

Parallel zur Industrialisierung erfolgte eine Verdichtung der umliegenden Bausubstanz. Zunächst war die Architektur weitgehend durch den typischen Pariser Stil geprägt: fünfstöckige Häuser mit Zinkdächern und Balkonen. Zu einem zentralen Mittelpunkt sportlicher wie anderer gesellschaftlicher Ereignisse avancierte die im nördlichen Teil des Bezirks gelegene Radsporthalle Vélodrome d’Hiver. Eröffnet 1910, war das an der Ecke Rue de Grenelle / Rue Nélaton gelegene Vélodrom nicht nur regelmäßiger Austragungsort von Sechstagerennen sowie anderer Radsport-Veranstaltungen. Genutzt wurde die Halle auch für Boxkämpfe, Zirkusveranstaltungen und anderes. Eine zentrale Rolle spielte sie im Zug der ab 1941 einsetzenden Judenverfolgungen. Im Zug der unter der Bezeichnung Rafle du Vélodrome d’Hiver bekannten Razzia im Juli 1942 fungierte das Velodrome als Sammelort, von dem aus rund 13.000 jüdische Einwohner und Einwohnerinnen der Stadt in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden. Als Radsport-Rennbahn genutzt wurde die Halle bis 1958. Unbrauchbar geworden durch einen Brand, wurde sie 1959 abgerissen.Colin Jones, Paris, S. 482 ff. (englisch)

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Gesicht des Arrondissements stark. Ab den 1960er Jahren wurden im Zuge von Urbanisierungsprojekten viele ältere Gebäude abgerissen, um Platz für moderne Hochhauskomplexe zu schaffen. Besonders die Gegend um den Front de Seine, das Ufergebiet zwischen der Pont de Bir-Hakeim und der Pont Mirabeau, wurde mit über 20 die Höhe 120 Meter übersteigenden Gebäuden zu einem Symbol dieser städtebaulichen Modernisierung.Colin Jones, Paris, S. 515, 538 ff.(englisch) Eine ähnliche Auswirkung auf die Umgebung hatte der Bau des Tour Montparnasse 1973. Das zweithöchste Pariser Gebäude entstand parallel zum Neubau des Gare Montparnasse in dessen unmittelbarer Nachbarschaft. Neben Prestigebauten – darunter das mitunter als „Stadt in der Stadt“ klassifizierte Gebäudeensemble Le Grand Pavois, der Palais des Sports oder die Expo Paris – wurden großzügig konzipierte Grünflächen-Arreale verwirklicht: die Parks George Brassents, André Citroen sowie die jenseits des Boulevard périphérique gelegene Extension Parc Suzanne Lenglen.Auf Entdeckungstour im 15. Arrondissement von Paris, parisjetaime.com, aufgerufen am 2. Februar 2025

Mit dem Niedergang der Industrie – insbesondere nach der Schließung der Citroën-Fabrik – wurde das 15. Arrondissement attraktiver für die Mittelklasse. Die großen Wohnblöcke aus den Nachkriegsjahren boten relativ erschwinglichen Wohnraum, während andere Teile wie die Rue de Commerce oder das Quartier Saint-Lambert weiterhin mit traditionellen Altbauten aufwarten. Das neue Image als Ausweichquartier für das überfüllte Pariser Zentrum hat auch im 15. Arrondissement die entsprechenden Probleme zur Folge wie steigende Mieten sowie andere Formen von Gentrifizierung.Stadtviertel von Paris, cometoparis.com, aufgerufen am 2. Februar 2025Paris und die ewige Suche nach Raum: Herausforderungen einer besonderen Hauptstadt, Gerd Kaiser, bpb.de, 21. Januar 2013, aufgerufen am 2. Februar 2025

Viertel im 15. Arrondissement Das Arrondissement besteht aus den folgenden vier Stadtvierteln: Quartier Saint-Lambert