Das Gedankenexperiment vom Josephspfennig geht zurück auf den britischen Moralphilosophen, Geistlichen und Ökonomen Richard Price (1723–1791) und illustriert in der Zinsrechnung das im englischen Sprachraum als bekannte Wachstum eines über einen langen Zeitraum angelegten Vermögens durch Zinseszinsen.

Ursprung Richard Price berechnete in seiner Schrift An Appeal to the Public on the Subject of National Debt im Jahr 1772 die schwer vorstellbaren Beträge, welche durch die Annahme von über lange Zeit gleichbleibendem schrittweise exponentiellen Wachstum aufgrund von Zinseszinseffekten rechnerisch erhalten werden, anhand eines zu Christi Geburt angelegten Pennys:

Im Anschluss schlug Price vor, die Regierung solle diesen Effekt nutzen, um ihre Finanzen zu verbessern.

Die von Price angewandte Zinsrechnung selbst war bereits den Babyloniern bekannt, ein mathematisch verwandtes Beispiel zur Illustration der Auswirkungen exponentiellen Wachstums ist die Weizenkornlegende Sissa ibn Dahirs.

Kritik Price berücksichtigte in seinen Überlegungen keine das Wachstum beschränkenden Randbedingungen, was ihm posthum diesen Spott (bzgl. seines Beispiels) im dritten Band des Kapitals einhandelte:

Josephspfennig und ähnliche Gedankenexperimente in der Literatur Als Beispiel zur Zinseszinsrechnung hat dieses Gedankenexperiment Eingang in die Lehrbuchliteratur gefunden, so zum Beispiel im Handbuch der Mathematik von 1879, herausgegeben von Oskar Schlömilch,Oskar Xaver Schlömilch (Hrsg.): Handbuch der Mathematik. E. Trewendt, 1879, S. 183. und in dem 2003 erschienenen Lehrbuch Analysis für Fachoberschulen von Karl-Heinz Pfeffer.Karl-Heinz Pfeffer: Analysis für Fachoberschulen. Ein Lehr- und Arbeitsbuch zur modernen Mathematik. 6. Auflage. Vieweg, Wiesbaden 2003, S. 167, Aufgabe 3.82.

Im Theaterstück Die Partisanen Gottes. Brakteatenspiel greift Heinrich Malzkorn Ende der 1950er Jahre die Rechnung als Negativbeispiel auf. Am Vorabend der Französischen Revolution diskutieren die Figuren einige vorausdenkende spätantike und insbesondere hochgotische Geldsysteme, nämlich die im Zusatz zum Titel genannten Brakteaten. Die entscheidende Rede führt ein gegenüber der Amtskirche dissidenter Priester mit Blick auf die durch den Jesuspfennig finanziell und hier auch moralisch ausgelöste Schuld.

Im Roman Eine Billion Dollar von Andreas Eschbach erbt der Protagonist, ein junger Amerikaner italienischer Abstammung, 1995 ein Vermögen, das einer seiner Vorfahren 500 Jahre zuvor angelegt hatte. Mit der Verwaltung war eine Anwaltsfamilie betraut, die das Vermögen über Generationen betreut hat.

Im Kinderbuch Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch berechnet die Geldhexe, welchen Wert ein Josephspfennig bei 6 % Zinsen heute hätte, um sich geistig abzulenken.

Einzelnachweise

Kategorie:Zinsgeschäft Kategorie:Gedankenexperiment