Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 () war die 19. Ausspielung des bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 in Südafrika und damit erstmals auf dem afrikanischen Kontinent statt.

Weltmeister wurde zum ersten Mal Spanien, das im Finale die Niederlande besiegte. Den dritten Platz belegte die Mannschaft Deutschlands, die mit Thomas Müller, der während des Turniers fünf Tore erzielte, auch den Torschützenkönig stellte. Titelverteidiger Italien schied, wie auch der Vizeweltmeister der WM 2006, Frankreich, bereits in der Gruppenphase aus.

Vergabe Aufgrund eines von der FIFA beschlossenen Rotationsprinzips wurden für die WM 2010 nur Bewerbungen afrikanischer Länder angenommen. Neben Südafrika wurden noch Ägypten und Marokko als Bewerber zugelassen. Eine gemeinsame Bewerbung von Libyen und Tunesien war zuvor abgelehnt worden, woraufhin Tunesien sich zurückzog. Libyen machte klar, dass eine Beteiligung Israels in seinem Land nicht zugelassen würde, und schied kurze Zeit später als Bewerber aus. Die offizielle Begründung der FIFA war, dass die Infrastruktur Libyens nicht ausreiche, um eine Weltmeisterschaft auszutragen. Nigeria hatte entgegen ersten Ankündigungen keine Bewerbung eingereicht. Bereits im ersten Wahlgang sicherte sich Südafrika mit 14 zu 10 Stimmen gegenüber Marokko den Sieg. Ägypten erhielt keine Stimmen. Der Beschluss des Exekutivkomitees des Weltfußballverbands FIFA fiel am 15. Mai 2004 in Zürich. Den genauen Termin der WM 2010 gab die FIFA am 6. Dezember 2006 in Zürich bekannt. Der Funktionär Chuck Blazer gestand 2013, Bestechungsgeld für seine Stimme angenommen zu haben.Blazer gesteht, Schmiergelder angenommen zu haben Süddeutsche Zeitung 4. Juni 2015

Spielorte Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in zehn Stadien in neun verschiedenen südafrikanischen Städten ausgetragen. Soccer City in Johannesburg gilt als „Heimat des südafrikanischen Fußballs“ und wurde als Austragungsort des Eröffnungs- und Finalspiels ausgewählt. Das Stadion ist ein reines Fußballstadion und bietet nach einer Erweiterung für die WM etwa 84.490 Zuschauern Platz. Die beiden Halbfinalspiele fanden in Kapstadt und Durban statt, das Spiel um Platz drei wurde in Port Elizabeth ausgetragen. Insgesamt fanden in Soccer City sowie in Kapstadt und Port Elizabeth acht Partien statt, der Johannesburger Ellis Park war wie das Stadion in Durban Schauplatz für sieben Spiele. In Rustenburg, Bloemfontein und Pretoria wurden jeweils sechs Spiele ausgetragen. Für die beiden Stadien in Polokwane und Nelspruit standen jeweils vier Gruppenpartien an.Freitickets für Südafrikaner, Finale in Johannesburg. In: spiegel.de, 24. November 2007, abgerufen am 10. Juni 2010.

Johannesburg Durban Kapstadt Soccer City. In: Fifa.com, (deutsch), abgerufen am 12. Juni 2010. Ellis-Park-Stadion Moses-Mabhida-Stadion Green-Point-Stadion Kapazität: 84.490 Kapazität: 55.686 Kapazität: 62.760 Kapazität: 64.100 Gesamtzuschauerzahl: 670.859 Gesamtzuschauerzahl: 372.843 Gesamtzuschauerzahl: 434.631 Gesamtzuschauerzahl: 507.340 Schnitt: 83.857 Schnitt: 53.263 Schnitt: 62.090 Schnitt: 63.418 200px|Soccer City 200px|Ellis-Park-Stadion 200px|Moses-Mabhida-Stadion 200px|Kapstadt-Stadion Pretoria Port Elizabeth Loftus-Versfeld-Stadion Nelson-Mandela-Bay-Stadion Kapazität: 42.858 Kapazität: 42.486 Gesamtzuschauerzahl: 234.092 Gesamtzuschauerzahl: 285.643 Schnitt: 39.015 Schnitt: 35.705 200px|Loftus-Versfeld-Stadion 200px|Nelson-Mandela-Bay-Stadion Bloemfontein Polokwane Nelspruit Rustenburg Free-State-Stadion Peter-Mokaba-Stadion Mbombela-Stadion Royal-Bafokeng-Stadion Kapazität: 40.911 Kapazität: 41.733 Kapazität: 40.929 Kapazität: 38.646 Gesamtzuschauerzahl: 196.823 Gesamtzuschauerzahl: 139.436 Gesamtzuschauerzahl: 143.492 Gesamtzuschauerzahl: 193.697 Schnitt: 32.804 Schnitt: 34.859 Schnitt: 35.873 Schnitt: 32.283 200px|Free-State-Stadion 200px|Peter-Mokaba-Stadion 200px|Mbombela-Stadion 200px|Royal-Bafokeng-Stadion

Qualifikation

Für die Teilnahme an der 19. Fußball-WM hatte sich die Rekordzahl von 200 Fußballnationalmannschaften beworben. Die Startplätze wurden innerhalb der sechs Kontinentalverbände durch ein Qualifikationsturnier vergeben, das auch als WM-Vorrunde bezeichnet wird. Die Auslosung der Qualifikationsgruppen fand während des Preliminary draw am 25. November 2007 in Durban statt.

Der europäischen UEFA wurden dabei 13 WM-Teilnehmer garantiert, der afrikanischen CAF 6, einschließlich des Gastgeberlandes. Dagegen musste die asiatische AFC ihren fünftplatzierten Kandidaten in einem Play-off gegen den Sieger der OFC-Qualifikation aus Ozeanien antreten lassen, durch das sich Neuseeland für die WM qualifizierte. Aus der nord- und mittelamerikanischen CONCACAF qualifizierten sich drei Mannschaften, da Uruguay sich in der Relegation als fünfter südamerikanischer Starter für den Verband CONMEBOL durchsetzte.

Teilnehmer Für die Endrunde qualifizierten sich folgende 32 Nationalmannschaften aus den jeweiligen Kontinentalverbänden:

13 aus Europa 5 aus Südamerika 3 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik 6 aus Afrika (Gastgeber) 4 aus Asien 1 aus Ozeanien Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 nahmen Serbien und die Slowakei zum ersten Mal als eigenständige Nationen teil. Serbien war bei früheren Turnieren als Teil der jugoslawischen und 2006 als Teil der serbisch-montenegrinischen Mannschaft vertreten. Die Slowakei war bereits zuvor mit der tschechoslowakischen Nationalmannschaft vertreten.

mini|zentriert|600px|Weltkarte der Teilnehmer und deren Platzierungen

Auslosung Am 2. Dezember 2009 gab die FIFA die Lostöpfe für die Auslosung bekannt. Entgegen der früheren Praxis wurde erstmals nur auf die FIFA-Weltrangliste (vom Oktober 2009) zurückgegriffen, um die gesetzten Mannschaften festzulegen. In den vorangegangenen Jahren war immer eine Mischung aus Weltrangliste und den Ergebnissen vergangener Turniere zum Einsatz gekommen. Neben Gastgeber Südafrika (Rang 85) waren die europäischen Mannschaften aus Spanien (Rang 2), den Niederlanden (3), Italien (4), Deutschland (5) und England (7) gesetzt, sowie aus Südamerika Brasilien (1) und Argentinien (6). In: Fifa.com, 16. Oktober 2009, abgerufen am 22. Juni 2010. Ihnen wurde jeweils eine Mannschaft aus Nord- und Mittelamerika, Asien, Australien und Ozeanien, einer der übrigen Vertreter aus Afrika und Südamerika und eine der restlichen europäischen Mannschaften zugelost. Zusätzlich zu dieser Regelung legte die FIFA zudem fest, dass Brasilien und Argentinien keine andere südamerikanische und Südafrika keine andere afrikanische Mannschaft zugelost werden durfte.

Die Auslosung zur Finalrunde fand am 4. Dezember 2009 in Kapstadt statt.. In: Fifa.com, 4. Dezember 2009, abgerufen am 10. Juni 2010. Sie ergab folgende Gruppenzusammensetzung:. In: Fifa.com, 4. Dezember 2009, abgerufen am 10. Juni 2010.

Gruppe AGruppe BGruppe CGruppe D Gruppe E Gruppe F Gruppe G Gruppe H Für Informationen zu den einzelnen WM-Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Regelwerk und Modus Zur WM 2010 nahm die FIFA zwei Änderungen im Regelwerk vor. Die erste betraf die Regel der Gelbsperre von Spielern, die nach zwei gelben Karten für das folgende Spiel gesperrt sind. Anders als bei der WM 2006 verfielen vorhandene gelbe Karten nun nicht mehr nach der Gruppenphase, sondern erst nach dem Viertelfinale. In: Fifa.com, 18. Juni 2010, abgerufen am 26. Juni 2010. In: de.fifa.com, 18. Juni 2010, abgerufen am 13. Juli 2010. Die zweite Neuerung betraf die Ausführung von Elfmetern. Hier durfte der Schütze zwar weiterhin seinen Anlauf, nicht aber den Schuss verzögern. Bei Verstoß gegen diese Regel war der Elfmeter zu wiederholen, der Schütze konnte mit einer gelben Karte bestraft werden.. In: Antenne Bayern. 14. Juni 2010, abgerufen am 26. Juni 2010.

Es gab acht Gruppen mit je vier Teilnehmern. Innerhalb jeder Gruppe spielte jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft. Die jeweils ersten beiden Mannschaften qualifizierten sich für das Achtelfinale. Die Platzierung der Mannschaften in den Gruppen ergab sich dabei in folgender Reihenfolge:Artikel 39, Absatz 5 des . In: Fifa.com, 3. August 2007, abgerufen am 7. Juli 2010 (PDF; 467 kB).

Anzahl der Punkte aus allen Gruppenspielen (Sieg: 3 Punkte; Unentschieden: 1 Punkt; Niederlage: 0 Punkte); Tordifferenz aus allen drei Spielen; Anzahl der erzielten Tore; Anzahl Punkte aus den Direktbegegnungen der punkt- und torgleichen Mannschaften; Tordifferenz in den Direktbegegnungen der punkt- und torgleichen Mannschaften; Anzahl der in den Direktbegegnungen der punkt- und torgleichen Mannschaften erzielten Tore; Losentscheid durch die FIFA-Organisationskommission.

Gruppenphase Alle Anstoßzeiten in der Ortszeit (UTC+2) entsprechen der Mitteleuropäischen Sommerzeit. Der Spielstand zur Halbzeit ist in Klammern gesetzt.

Gruppe A

mini|hochkant=1|Die Südafrikaner beim Jubeln nach dem 1:0 im Eröffnungsspiel gegen Mexiko am 11. Juni 2010 Fr., 11. Juni 2010 um 16:00 Uhr in Johannesburg (Soccer City) Südafrika — Mexiko 1:1 (0:0) Fr., 11. Juni 2010 um 20:30 Uhr in Kapstadt Uruguay — Frankreich 0:0 Mi., 16. Juni 2010 um 20:30 Uhr in Pretoria Südafrika — Uruguay 0:3 (0:1) Do., 17. Juni 2010 um 20:30 Uhr in Polokwane Frankreich — Mexiko 0:2 (0:0) Di., 22. Juni 2010 um 16:00 Uhr in Rustenburg Mexiko — Uruguay 0:1 (0:1) Di., 22. Juni 2010 um 16:00 Uhr in Bloemfontein Frankreich — Südafrika 1:2 (0:2) Uruguay galt im Vorfeld nicht als Topfavorit der Gruppe A. Das Auftaktspiel gegen die favorisierten Franzosen in Kapstadt war über weite Strecken arm an Höhepunkten. Am Ende stand ein 0:0, sodass die Südamerikaner im zweiten Spiel gegen Gastgeber Südafrika schon unter Zugzwang standen. In einer einseitigen Partie traf Uruguays Stürmerstar Diego Forlán nach 24 Minuten zum 0:1-Pausenstand, auch danach dominierten die „Urus“ das Geschehen. Nach einem Foul von Südafrikas Torwart Khune an Suárez in der 80. Minute sah dieser die rote Karte, der anschließende Elfmeter wurde erneut von Forlán verwandelt. Den 0:3-Endstand markierte Pereira in der Nachspielzeit, sodass Uruguay im letzten Spiel schon ein Unentschieden gereicht hätte, um das Achtelfinale zu erreichen. Das letzte Spiel der Gruppe A gegen Mexiko konnte durch einen Treffer von Suárez in der 44. Minute ebenfalls gewonnen werden. Uruguay feierte somit erstmals seit der WM 1990 wieder den Einzug ins Achtelfinale und kassierte neben Portugal als einzige Mannschaft in der Gruppenphase kein Gegentor.

Als Gruppenzweiter setzte sich Mexiko durch. Zwar gerieten die Mexikaner im Eröffnungsspiel gegen Südafrika kurz nach der Pause in Rückstand, jedoch konnte das Ergebnis in der 79. Minute egalisiert werden, als Rafael Márquez völlig frei im Strafraum der Gastgeber zum Schuss kam. Am Ende blieb es beim 1:1. Im zweiten Spiel gegen Frankreich dominierten die Mittelamerikaner den überraschend passiv agierenden Vize-Weltmeister. Tore durch den zuvor eingewechselten Chicharito in der 69. Minute und ein Foulelfmeter durch Altstar Cuauhtémoc Blanco brachten den ersten Sieg für die Mexikaner bei dieser WM. Somit war im letzten Gruppenspiel gegen Uruguay noch die Achtelfinalteilnahme möglich. Dieses ging zwar mit 0:1 verloren, aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber Südafrika reichte es dennoch für den Einzug in die Runde der letzten 16.