Bad Blankenburg (bis 1911 Blankenburg) ist eine Kleinstadt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen, die an der Thüringer Porzellanstraße liegt. Der staatlich anerkannte Erholungsort bezeichnet sich selbst als Lavendelstadt.

In Bad Blankenburg wurde 1840 von Friedrich Fröbel das Konzept des Kindergartens entwickelt und erstmals umgesetzt. Die dafür verwendete Wortneubildung hielt als deutsches Lehnwort Einzug in mehrere Sprachen, u. a. das Englische.

Geographie Lage mini|links|Blankenburg mit Burgruine um 1900 mini|Rathaus

Bad Blankenburg bildet mit den Städten Saalfeld/Saale und Rudolstadt das Städtedreieck Saalebogen mit 60.000 Einwohnern.

Bad Blankenburg liegt am Nordrand des Thüringer Schiefergebirges, wo die Rinne in die Schwarza mündet. Die Stadt ist das Tor zum Schwarzatal, einer Tourismusregion.

Stadtgliederung Zu Bad Blankenburg gehören acht Ortsteile (in Klammern: urkundliche Ersterwähnung):Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 2., verbesserte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2001, ISBN 3-934748-58-9, S. 11–67. Böhlscheiben (1361), 65 Einwohner Cordobang (1071), 84 Einwohner, 410 m ü. NN Fröbitz (1375), 54 Einwohner, 380 m ü. NN Großgölitz (1362), 72 Einwohner Kleingölitz (1362), 66 Einwohner Oberwirbach (1286), 94 Einwohner Watzdorf (1261), 118 Einwohner Zeigerheim (1350), 117 Einwohner

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Bechstedt, die Stadt Königsee, die Stadt Rudolstadt, Saalfeld/Saale und Schwarzburg.

Geschichte mini|Ansicht um 1858 mini|Fröbelkindergarten auf Initiative von Eleonore Heerwart 1908 eröffnet mini|Die Ruine des Hotel Chrysopras zeugte von der früheren Bedeutung als Kurort (abgerissen 2016) mini|Marktplatz mit Leerständen und einem dem Verfall überlassenen Gebäude 2010, seitdem unverändert

Mittelalter Blankenburg wurde 1267 erstmals in einem Stiftungsbrief des Saalfelder Nonnenklosters erwähnt. Der Bau der Stadtkirche wurde 1385 begonnen und nach einem Brand baute man weiter, sodass 1794 die Einweihung erfolgen konnte.Lieselotte Swietek, Wolfgang Swietek: Stadtkirchen in Thüringen (= Kleine Thüringen-Bibliothek. Bd. 31). Verlagshaus Thüringen, Erfurt 1993, ISBN 3-86087-023-8, S. 22–23. Der Ort geht auf die einst ebenfalls Blankenburg genannte Burg Greifenstein zurück, unter der sich die Siedlung als nach der Burg genannter Burgweiler bildete und 1267 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Stadtrecht ist seit 1323 urkundlich verbürgt.

Neuzeit 1744 kam es zu einem schweren Stadtbrand, der nahezu alle Gebäude der Stadt zerstörte. Im Jahr 1840 gründete Friedrich Fröbel in Blankenburg den ersten Kindergarten der Welt. Im selben Jahr begann auch der Kurbetrieb im Ort, durch den Blankenburg 1911 von den damaligen Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt der Titel Bad verliehen wurde. Bis 1918 gehörte der Ort zur Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt.

Am 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde Watzdorf eingegliedert.

Zu DDR-Zeiten wurde das ehemalige Sanatorium Schwarzeck als Parteischule der SED umgebaut und später als Hotel betrieben, aber nach 2000 dem Verfall preisgegeben.

Am 19. Juni 1992 wurden Böhlscheiben und Zeigerheim eingemeindet, am 23. März 1993 folgten Gölitz und OberwirbachRechtsverordnung des thüringischen Innenministers Schuster vom 1. Februar 1993: Thüringer Verordnung über die Auflösung der Gemeinden Gölitz und Oberwirbach und ihre Eingliederung in die Gemeinde Bad Blankenburg, GVBl. 1993, S. 220 f. (Digitalisat hier). und am 8. März 1994 Cordobang.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): 1834: 1.256 1933: 4.557 1939: 5.307 1960: 10.126 1994: 8.323 1995: 8.197 1996: 8.136 1997: 8.076 1998: 8.037 1999: 7.963 2000: 7.909 2001: 7.764 2002: 7.688 2003: 7.658 2004: 7.613 2005: 7.498 2006: 7.363 2007: 7.281 2008: 7.235 2009: 7.173 2010: 7.047 2011: 6.873 2012: 6.816 2013: 6.724 2014: 6.644 2015: 6.767 2016: 6.666 2017: 6.515 2018: 6.407 2019: 6.334 2020: 6.191 2021: 6.075 2022: 6.015 2023: 5.978 2024: 5.843 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik

Stadtrat Nach der Stadtratswahl am 26. Mai 2024 ergab sich folgende Verteilung der 20 Sitze im Vergleich zur Wahl 2019: Partei Sitze +/− CDU 9 +2 FWG 7 −1 Die Linke 4 −1 Gesamt 20 ±0

Bürgermeister Seit 2024 ist Thomas Schubert (CDU) Bürgermeister von Bad Blankenburg. Er wurde bei einer Wahlbeteiligung von 60,1 Prozent mit 52,9 Prozent der gültigen Stimmen im ersten Wahlgang gewählt. Er löste damit Mike George (Freie Wähler) ab, der seit 2018 Bürgermeister gewesen war.

Wappen Blasonierung: „In Grün ein aufgerichteter hersehender goldener Löwe mit roter Zunge und Bewehrung.“

Städtepartnerschaften Seit 1990 besteht eine Städtepartnerschaft mit der nordhessischen Stadt Hofgeismar. 2013 wurde eine Partnerschaft mit der polnischen Stadt Tarnów Opolski (Landkreis Opole, Partnerlandkreis des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt) vereinbart.Website Bad Blankenburg – Partnerstädte, abgerufen am 9. April 2018

Kultur und Sehenswürdigkeiten Überblick mini|Ev. St.-Nicolai-Kirche mini|Stadthalle von 1930 mini|Landessportschule Thüringenim Bauhausstil

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen neben der Burg Greifenstein das jährlich stattfindende Lavendelfest.

Zwei Kilometer südsüdwestlich des Zentrums der Stadt liegt rechts der Schwarza die Wallanlage Hünenkuppe, geschützt durch die angrenzenden Steilhänge. Es ist wahrscheinlich eine Befestigungsanlage der jüngeren Bronze- oder älteren Eisenzeit. Die siedlungsunfreundliche Lage deutet auf einen Kultstandort hin. Er wird aber auch mit den damaligen Goldfunden in der Schwarza in Verbindung gebracht.Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Vorchristliche Kultstätten und Kultverdachtsplätze in Thüringen. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 185.

Bad Blankenburg war ab 1926 Tagungsort des Vertreterconvents (VC) der akademischen Turnerschaften,Hochschulpolitisches Amt des VC (Hrsg.): Verband der Turnerschaften auf deutschen Hochschulen. Selbstverlag des VC, Charlottenburg 1926, S. 3 ff. eines Verbands von Studentenverbindungen. In Bad Blankenburg wurde vom Vertreterconvent eine Sportstätte für die Turnfeste errichtet, die heute die Landessportschule Thüringen beherbergt. Ebenso errichteten die Mitglieder des VC die Stadthalle und restaurierten den Turm auf Burg Greifenstein.Erich Müller (Hrsg.): Turnerschafterbuch. Verlag des Turnerschafterbuches, Mainz 1933, S. 277 f. In der DDR betrieb der DTSB im Ort die Zentralschule "Artur Becker".1985 - kommunismusgeschichte.de

Heute findet in Bad Blankenburg jährlich im Herbst die Greifensteintagung des Coburger Convents (CC) statt.

Ein Gedenkstein auf dem Gelände des evangelisch-kirchlichen Anna-Luisen-Stiftes erinnert seit 2001 an die mehr als 200 behinderten Kinder, die dort von den 1920er Jahren bis in die 1940er Jahre gefoltert und schließlich getötet wurden. 54 von ihnen wurden 1941 in die Thüringer Landesheilanstalt Stadtroda gebracht, von denen 24 nicht zurückkehrten, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Euthanasieprogramm T4 zum Opfer fielen.Holger Spierig: „Herr, vergib uns unsere Schuld“. Kirchliches Pflegeheim in Bad Blankenburg arbeitet die dunklen Stellen seiner Geschichte auf. In: Glaube + Heimat. 37, vom 15. September 2002, S. 3.

Am Oelberg (im häufig so genannten Wohngebiet Dörfchen) wurde 1985 für die Opfer des Todesmarsches von Häftlingen des KZ Buchenwald, der den Ort im April 1945 passierte,Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 232. ein Gedenkstein aufgestellt.

Durch Bad Blankenburg verläuft der Bergwanderweg Eisenach–Budapest.

Bislang wurde von Gunter Demnig nur ein Stolperstein in der Stadt verlegt.

Friedrich-Fröbel-Museum

mini|hochkant|Friedrich-Fröbel-Museum

Das Museum wurde 1910 in dem Gebäude eröffnet, in dem Friedrich Fröbel 1839/40 den ersten Kindergarten der Welt „stiftete“. Der handschriftliche Nachlass des Museums umfasst über 1000 Briefe. Zudem verfügt das Museum über eine Bibliothek mit über 3000 Bänden nationaler und internationaler Fröbel-Sekundärliteratur. Das Museum ist auch Forschungs- und Tagungsstätte für Wissenschaftler, die sich mit Friedrich Fröbel beschäftigen.

Zahlreiche Orte aller Art in und um Bad Blankenburg, bis hin zu einem Aussichtspunkt, wurden nach Fröbel benannt.

Einstiges Kurviertel Südöstlich der Altstadt, am Eingang ins Schwarzatal, mit Blick auf die großen Mischwälder des Thüringer Schiefergebirges, zeugt das einstige Kurviertel vom mondänen Charme vergangener Zeiten.

Entlang der Schwarza erstrecken sich ausgedehnte Parkanlagen, mit dem Kurpark, dem Pavillon der Antonius-Quelle und einer Kneippanlage. Hier befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Schwarza, zu beiden Seiten der Georgstraße, das große Villenviertel, mit einer Rehaklinik und einstigen und noch bestehenden Hotels, die vom früheren Kurbetrieb zeugen. Jenseits der Schwarza, am Waldrand, liegt das dem Verfall preisgegebene Hotel Schwarzeck, im Stil eines Grandhotels aus der Belle Epoque.

Ein dichtes Wanderwegenetz beginnt an den Parkanlagen und erschließt das Thüringer Schiefergebirge.

Sport 2021 bewarb sich die Stadt zusammen mit Rudolstadt und Saalfeld als Host Town für die Gestaltung eines viertägigen Programms für eine internationale Delegation der Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin. 2022 wurde sie als Gastgeberin für Special Olympics Sudan ausgewählt. Damit wurde sie Teil des größten kommunalen Inklusionsprojekts in der Geschichte der Bundesrepublik mit mehr als 200 Host Towns.

Verkehr Der Bahnhof Bad Blankenburg (Thüringerw) liegt an der seit 1895 bestehenden Bahnstrecke Arnstadt–Saalfeld. Außerdem verläuft die Bundesstraße 88 (Ilmenau–Naumburg) durch den Ort.

Von 1884 bis 2000 wurde zudem noch die Bahnstrecke Rudolstadt-Schwarza–Bad Blankenburg betrieben.

Wirtschaft Die Städte Bad Blankenburg, Rudolstadt und Saalfeld/Saale arbeiten seit 1997 als Städteverbund Städtedreieck am Saalebogen zusammen und begannen eine Diskussion über einen möglichen festeren Zusammenschluss. Ein Ergebnis ist u. a. die Zusammenlegung der Wirtschaftsförderungen zu einer regionalen Wirtschaftsförderagentur im Juli 2007.

Medien Im Bereich der Medien sind in der Stadt Verlage wie auch größere Druckereien vertreten. Bad Blankenburg gehört zum Verbreitungsgebiet der Ostthüringer Zeitung (OTZ) und wird im Bereich der elektronischen Medien neben den allgemeinen öffentlich-rechtlichen und privaten Angeboten Thüringens vom SRB, dem regionalen Bürgermediensender, versorgt.

Elektro- und Elektronikindustrie In Bad Blankenburg gab es zwei Hersteller von Antennentechnik: Blankom Antennentechnik GmbH und Antennentechnik Bad Blankenburg AG. Beide sind Nachfolgebetriebe des VEB Antennenwerke Bad Blankenburg. Blankom wurde wegen Insolvenz zum 31. Januar 2017 aufgelöst. ABB verlagerte seinen Geschäftssitz nach Weimar.

Die Stadt war bereits seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Standort von Elektro- bzw. Radioherstellern. 1919 entstand in Bad Blankenburg die Hermann Pawlik – Elektrotechnische Fabrik Heliogen. Eines ihrer Produkte waren Detektorempfänger. 1946 wurde der Betrieb nach der LiquidationThüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Schriftverkehr im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Thüringen. 1924 bis 1959. Betriebsverzeichnisse, SAG-Betriebe, Reparationen. in eine Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) umgewandelt, bevor sie 1950 zum VEB Fernmeldewerk Bad Blankenburg wurde. Ab 1961 produzierte der Betrieb unter dem Namen VEB Antennenwerke Bad Blankenburg.Veröffentlichungen der Firmen-Webseite der .