mini|hochkant=1.8|Ehemaliges Stammesgebiet der Assiniboine und heutige Reservate in Montana (USA) und Saskatchewan (Kanada)
Die Assiniboine (Aussprache: Assinabeun) sind ein Volk der Indianer Nordamerikas, die historisch zum Kulturareal der Prärie-Indianer gerechnet werden. Sie lebten ursprünglich als reine Jäger und Sammler und sprechen eine Sioux-Sprache, die sehr nah mit dem Idiom der Yanktonai-Sioux verwandt ist, von denen sie sich vor 1640 abspalteten. Das Wort Assiniboine leitet sich sowohl vom Anishinabe-Wort Asiniibwaan als auch vom Cree-Wort Asini Pwat (oder Asini Pwat-sak – Plural) her und bedeutet ungefähr: „Jene Sioux (‚Feinde‘), die auf Steinen kochen“ – die Fremdbezeichnung übernahmen sie als Spitznamen und nannten sich Assseeneepoituc. Sich selbst nannten die Assiniboine hingegen Nakonabi (Singular: Nakona – ‚Freundliches Volk‘, ‚Verbündete‘, ‚Alliierte‘),History of the AssiniboineHeute nennen sie sich selbst (verstärkt unter Sioux-Einfluss) oft Nakoda oder Nakota in Kanada werden sie Stoney genannt (dies führt oft zur Verwechslung mit den Stoney, die auch Nakoda genannt werden).
Wohngebiet Vor der Unterwerfung durch die Weißen lebten die Assiniboine im Osten westlich von York Factory an der südwestlichen Küste der Hudson Bay, Lake Nipigon, Ontario, und des Lake Superior (Oberer See) bis in die Rocky Mountains (in Assiniboine: In-yan-he-tonga – ‚Große Berge‘) des westlichen Alberta und des östlichen British Columbias. Hierbei dominierten sie Mitte des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts die kanadischen Prärieprovinzen (den Südosten Saskatchewans, Südwesten Manitobas sowie den Osten Albertas) und lebten in den Tälern des Saskatchewan Rivers und des Assiniboine Rivers (in Assiniboine: Hohe Wakpa – ‚Fluss der Rebellen‘, d. h. der Assiniboine). Im Süden beherrschten sie die amerikanischen Plains bis zum Milk River und Missouri River im Nordosten Montanas und Nordwesten North Dakotas in den USA. Im Norden streiften und wanderten sie bis in die Prärie-, Wald- und Seengebiete der borealen Wälder entlang des Athabasca, McLeod und North Saskatchewan River. Zudem dominierten sie die Handelsrouten zu den Handelsposten der Hudson’s Bay Company entlang des Hayes, Nelson und Churchill River. Die Assiniboine waren eng mit den Plains Cree und Plains Ojibwa verbündet, mit denen sie gemeinsam die Cree-Konföderation (Cree: Nehiyaw-Pwat, Nehiyawak – ‚Plains Cree‘, Asini Pwat – ‚Assiniboine‘)Joachim Fromhold: The Western Cree (Pakisimotan Wi Iniwak) bildeten und fast ständig im Krieg gegen die verwandten Sioux (Lakota, Nakota und Dakota), die Blackfoot, Sarcee und Gros Ventre lagen.
Stammesgebiete, regionale Stammesgruppen und Lebensweise Die Unterscheidung zwischen Woodland Assiniboine / Woods / Bush Assiniboine („Assiniboine der Wälder bzw. des Buschlandes“) – bzw. auf Grund der geographischen Lage ihrer Stammesgebiete auch als Northern Assiniboine („Nördliche Assiniboine“) bezeichnet – und den südlich von ihnen lebenden Plains Assiniboine („Assiniboine der Plains (Ebenen)“) – bzw. Southern Assiniboine („Südliche Assiniboine“) – war wie bei den eng verwandten Stoney primär eine ökologische und geographische.William C. Sturtevant: Handbook of North American Indians Plains, 2 Parts: 13. Bernan Association, 2001, ISBN 978-0-16-050400-6.
Die Woodland Assiniboine bewohnten die borealen Wald- und Seen-Regionen westlich der Rainy Lake-Lake-of-the-Woods-Region im Südwesten Ontarios und Südosten Manitobas bis zum Churchill River, Nelson River und Hayes River im Nordosten Manitobas. Westwärts erstreckte sich ihr Stammesgebiet entlang des Saskatchewan River bis zu den Oberläufen des Athabasca, McLeod sowie zwischen dem North Saskatchewan River und den Eagle Hills südlich des Battle Rivers im mittleren Alberta und westlichen Saskatchewan. Die Woodland Assiniboine lebten vom Frühjahr bis Frühherbst vom Fischen, Fallenstellen und der Jagd auf Wasservögel, Kleinwild (Bibern, Bisamratten, Stachelschweinen) sowie auf Großwild (Wapitihirsche, Dickhornschafe und Schneeziegen), ergänzt durch das Sammeln von Früchten, Beeren und Wurzeln. Die Woodland Assiniboine kontrollierten zudem die Handelsrouten entlang der Flussläufe des Hayes, Nelson und des Churchill River. Südliche Bands der Woodland Assiniboine, die entlang des North Saskatchewan und Battle River lebten, zogen oft in die Aspen Parklands genannten Waldsteppen-Gebiete, die ein Übergangsgebiet zwischen Plains und borealem Wald darstellen, sowie auf die angrenzenden Plains im Süden, um dort zusammen mit ihren Stammesverwandten, den Plains Assiniboine, auf Bisonjagd zu gehen. Im Gegensatz zu den Plains Assiniboine besaßen die Woodland Assiniboine sehr wenige oder keine Pferde und unternahmen daher alle Wanderungen zu Fuß oder per Kanu.
Die Plains Assiniboine lebten vom Red River of the North im Osten, westwärts entlang des Assiniboine und Qu’Appelle River, zwischen dem North und South Saskatchewan bis zum Red Deer River. Die Plains Assiniboine jagten im Gegensatz zu ihren nördlichen Stammesverwandten meist nur Großwild (Dickhornschafe, Hirsche, Elche, Präriebisons), ergänzten ihre Nahrungsbasis ebenfalls durch Bisamratten, Stachelschweine und Biber sowie durch das Sammeln von Früchten, Beeren und Wurzeln. Da die Plains Assiniboine zudem weit mehr Pferde besaßen als ihre nördlichen Verwandten, waren sie mobiler und glichen sich der Lebensweise auf den Plains immer mehr an. Als Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts viele Plains Assiniboine die Flussläufe des Assiniboine und Qu’Appelle Rivers verließen und weiter nach Süden sowie Südwesten auf die nordwestlichen und nördlichen Plains zogen, wurde die Bisonjagd bald die Hauptquelle für den Nahrungserwerb. Die meisten Bands streiften nun im Westen zwischen den Cypress Hills im Süden der kanadischen Provinzen Saskatchewan und Alberta und den Little Rocky Mountains (auch Little Rockies genannt) entlang des Missouri River bis zum Musselshell River, dann über die Plains bis zur Mündung des Powder River in den Yellowstone River, ostwärts entlang des nördlichen Ufers des Yellowstone bis zu dessen Mündung in den Missouri. Das Gebiet erstreckte sich dann den Missouri flussabwärts bis zur Mündung des White Earth River sowie nordwärts entlang des westlichen Ufers des White Earth bis zu den Sweet Grass Hills in den Plainsgebieten von Montana und North Dakota.James L. Long: Land of Nakoda: The Story of the Assiniboine Indians. Riverbend Pub (März 2004), ISBN 978-1-931832-35-9. Wichtige Jagdgründe waren zudem die Flusstäler des Milk River, Poplar River und Souris River (in den USA Mouse River genannt) im Osten. Im Gegensatz zu benachbarten Plains-Stämmen blieb der Fisch weiterhin für die Plains Assiniboine eine bedeutende Nahrungsquelle – zudem galten sie unter benachbarten Stämmen sowie bei weißen Händlern und Militärs als regelrecht pferdearm und wurden daher zu gefürchteten und geschickten Pferderäubern, um weiterhin auf den Plains erfolgreich auf Jagd gehen zu können sowie sich militärisch gegenüber anderen Stämmen zu behaupten.
Geschichte Erste Kontakte zu europäischen Händlern und Bündnis mit den Cree mini|Frau der Assiniboine mit Kind, Edward Curtis, 1928
Schon vor dem ersten Kontakt mit den Weißen hatten sich die damals noch in den borealen Wald- und Seengebieten zwischen Rainy Lake, Lake of the Woods und den südlichen Lake Manitoba und Lake Winnipeg (in Assiniboine: Mi-ni-tonga – ‚Großes Wasser‘) lebenden Assiniboine von den Wazikute (‚Shooters Among the Pines‘) der Upper Yanktonai abgespaltet und wurden von den Europäern im Gegensatz zu den Dakota (‚Südliche Nakoda‘) in Minnesota als Nördliche Nakoda bezeichnet. Diese südöstlichen Assiniboine-Gruppen lebten vom Fischfang, der Jagd auf Vögel und Wild, dem Anbau von Feldfrüchten sowie der Ernte von Wildreis. Nachdem die Franzosen und Engländer Anfang des 17. Jahrhunderts erste Handelsposten im Gebiet der Großen Seen sowie entlang der Hudson Bay errichtet hatten, waren diese Gruppen der Assiniboine ab 1650 die ersten unverzichtbaren Mitspieler im Pelzhandelsnetzwerk der Odawa (Adawe – ‚Händler‘) und Franzosen der westlichen Großen Seen. Da die Franzosen bestrebt waren, den Pelzhandel mit den Assiniboine zu erweitern, errichtete Daniel Greysolon Dulhut 1678 einen Handelsposten am Lake Nipigon.
Jedoch hatten Swampy Cree und Woodland Cree, die nördlich der Assiniboine entlang der südlichen Hudson Bay und James Bay wohnten, bereits früher Kontakt zu den europäischen Händlern und deren Produkten (Eisenwaren, Waffen, Munition, Perlen). Besonders als 1670 die Hudson’s Bay Company mitten in deren Gebiet die Handelsstation York Factory errichtete, hatten die Cree einen unmittelbaren militärischen Vorteil gegenüber den benachbarten Stämmen, den sie gegenüber den südlich lebenden Assiniboine ausspielten. Bereits von Feinden im Osten (Ojibwa) und im Süden (Dakota) umgeben, verbündeten sich die Assiniboine mit den Cree, mit der Absicht, Frieden zu wahren.David Miller, Dennis Smith, Joseph R. McGeshick: The History of the Assiniboine and Sioux Tribes of the Fort Peck Indian Reservation, Montana, 1800–2000. Montana Historical Society, 2008, ISBN 978-0-9759196-5-1. Beide Stämme lebten daraufhin oft zusammen und gingen in großer Zahl Mischehen ein – wobei die Cree-Gruppen meist versuchten, sich in unmittelbarer Nähe der Handelsstationen anzusiedeln, während die Assiniboine weiterhin ihrer semi-nomadischen Lebensweise nachgingen. Die Assiniboine und Cree (Anfang des 18. Jahrhunderts schlossen sich die west- und südwestwärts gezogenen Plains Ojibwa an) bildeten eine starke Militärallianz, die als Cree-Konföderation oder Iron Confederacy bezeichnet wurde – sie selber bezeichneten ihre Allianz als Nehiyaw-Pwat (in Cree: Nehiyaw – ‚Cree‘ und Pwat oder Pwat-sak – ‚Sioux (Feinde)‘). Bereits im 17. Jahrhundert berichteten die europäischen Händler und Reisenden, dass die Assiniboine Cree als Zweitsprache nutzen. Viele Cree-Gruppen sprachen ebenfalls Assiniboine.
Zwischenhändler im Pelzhandel und Expansion auf die Plains Die Cree-Konföderation ermöglichte es den verbündeten Stämmen ab 1680 ein umfangreiches Kanu-Handelssystem aufzubauen: Entlang des Lake Winnipeg und des Nelson River, Rainy Lake, Lake of the Woods, Winnipeg River und Lake Winnipeg nordostwärts bis zur York Factory an der Hudson Bay sowie als alleinige Zwischenhändler zwischen Engländern und Franzosen und den Stämmen im Westen (Blackfoot, Gros Ventre, Sarcee), im Norden (Chipewyan, Dogrib) und im Süden (Hidatsa, Mandan). Ohne die Cree und Assiniboine, die die Kontrolle über die einzigen Transportwege, die mit den sogenannten Pelzhandelskanus befahrenen Flüsse und Seen, innehatten, hätte es den Pelzhandel in dieser Form nie gegeben.W. Hildebrandt: Views from Fort Battleford: Constructed visions of an Anglo-Canadian west, Regina: Canadian Plains Research Center 1994, S. 8. Gleichzeitig gestattete ihnen die bessere Waffenausrüstung die Expansion nach Westen, Süden und Norden, wobei sie militärisch gegen die Chipewyan im Norden und die Dakota im Süden (1670–1700) vorgingen. Für die Sioux (Dakota, Nakota, Lakota) gehörten die Assiniboine nunmehr nicht mehr zu den Oceti Sakowin (‚Das Feuer der sieben Stämme‘, ‚Die sieben Ratsfeuer‘) – sie waren für sie nur noch Feinde, die sie als Hohe (‚Rebellen‘) bezeichneten.