Gordola ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin. Die Gemeinde umfasst die Fraktionen GordemoGordemo auf ETHorama, ScalateScalate auf ETHorama, RongiaRongia auf ETHorama, GaggioleGaggiole auf ETHorama und Monti di Motti und gehört zum Bezirk Locarno sowie zu dessen Kreis Navegna.

hochkant=0.9|mini|Luftbild aus 1500 m von Walter Mittelholzer (1919) mini|hochkant=0.9|Gordola. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1946). mini|hochkant=0.9|Gordola. Historisches Luftbild von W. Friedli (1964).

Geographie Das Dorf liegt auf einer Höhe von am Eingang ins Verzascatal und am Südfuss von mit Kastanien und Weinbergen bestandenen Hängen, an der Strasse Bellinzona–Locarno und 5,5 km nordöstlich von Locarno. Es verfügt über eine Station der Linie Bellinzona–Locarno der Schweizerischen Bundesbahnen. Die Gemeinde grenzt an den Speichersee Lago di Vogorno und den Lago Maggiore.

Geschichte Gordola wurde erstmals im Jahr 1200 urkundlich als Gordora erwähnt. Hier entdeckte man 1881 55 Gräber aus der Eisenzeit. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sah man dort noch die Überreste eines Hafens. 1189 waren die Muralto von Locarno vom Bischof von Como mit dem Schloss beim Kloster Santa Maria belehnt; 1257 und 1263 war es ein Lehen der Muralto und der Orelli. Es wurde 1380 in den Kämpfen zwischen Welfen und Ghibelline zerstört. Die Capitanei von Locarno besassen Güter und Grundrechte. Sie besassen auch den grössten Teil des terraticum oder terradegium, einer Art von Ausfuhr- und Transitgebühr, die seit 1263 erwähnt wird und 1510 von Ludwig XII. und 1514 von den Eidgenossen zurückgekauft wurde, die bis 1797 den Capitanei eine Abgabe entrichteten. Gordola teilte zum grössten Teil die Geschicke der pieve Locarno; 1497 gehörte es zu der von Ludovico Sforza geschaffenen, aber nur kurze Zeit bestehenden Grafschaft Angera, und unter der schweizerischen Herrschaft ernannte es ein Mitglied des Generalrats der pieve. Die vicinia bestand schon im Mittelalter.

Im Zweiten Weltkrieg entstanden in der gesamten Schweiz Internierungslager für Flüchtlinge. Das Lager in Gordola wurde bekannt durch seine Insassen, die vor allem Kommunisten waren und hier einer strengen Kontrolle unterlagen. Bekannte Insassen waren zum Beispiel Hans Teubner und Rudolf Singer. Am 2. Februar 1944 wurde das Lager Gordola von der Zentralleitung der Arbeitslager in der Schweiz aufgelöst.Grund hierfür waren die Partisanentätigkeiten Italienischer internierter Genossen in Gordola. Sie lieferten Waffen, schmuggelten Waren und halfen bei illegalen Grenzübertritten. Laut einem Bericht von Meuthen, einem Lagerinsassen, übte die deutsche Regierung Druck auf die Schweiz aus, das Lager zu schliessen. Ca. 51 Personen wurden auf verschiedene Lager in der Schweiz neu verteilt. Rudolf Singer wechselte zusammen mit 41 Internierten in das Arbeitslager Bassecourt (Berner Jura).

Gordola bildet nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.Corporazione dei Patrizi Gordolesi. In: patriziativerzaschesi, abgerufen am 12. Juli 2024 (italienisch; mit Fotos)

Bevölkerung Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten

Verkehr Auf dem Schienenweg erschlossen wird die Gemeinde über die gleichnamige Bahnstation an der Bahnstrecke Giubiasco–Locarno der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). mini|120px|Verzasca-Damm in Contra

Wirtschaft Camping CampofeliceCamping Campofelice auf ETHorama Camping MiralagoCamping Miralago auf ETHorama Camping TamaroCamping Tamaro auf ETHorama Camping RivabellaCamping Rivabella auf ETHorama

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=.7|Typisches Rustico in Gordola mini|hochkant=.7|SBB-Zug bei Gordola Pfarrkirche Sant’Antonio Abate mit Gemälde Ecce Homo von Gerrit van Honthorst (erste Hälfte des 17. Jahrhunderts)Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 162–163. Verzasca-Damm in Contra Betkapelle del vescovo im Ortsteil Selvatica mit Fresko der Kreuzigung Schalenstein im Ortsteil Miesc ()Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 72 f.Franco Binda, Due suggestive curiosità sul Monte Miesc in Valle Verzasca. (italienisch) auf e-periodica.ch (abgerufen am 15. Januar 2017).

Persönlichkeiten Cherubino Patà (1827–1899), Maler Leone Pandolfi (* 23. März 1879 in Savosa; † 23. Juli 1975 in Gordola), Bildhauer Alexander Rapp (1893–1987), SchriftstellerAlexander Rapp auf portal.dnb.de (abgerufen am: 20. Juni 2016.) Fritz Hochwälder (1911–1986), österreichischer Dramatiker Kathrin Rüegg (1930–2011), Schweizer Buchautorin und Fernsehmoderatorin Bruno Storni (* 1954), Ingenieur, Gemeinderat und Nationalrat (SP) Pierluigi Tami (* 1961), ehemaliger Fussballspieler und heutiger Fussballtrainer Fabio Regazzi (* 1962), Jurist, Politiker, Unternehmer Alessandro Speziali (* 1983), aus Locarno, Studien an der Universität Lausanne, Administrator Masterplan Valle Verzasca 2030, Politiker (FDP), Tessiner Grossrat, Präsident des Partito Liberale Radicale TicinesesAlessandro Speziali auf ch.linkedin.com/in/Alessandro Speziali Präsident des FDP Tessin (mit Foto) (italienisch) auf ticinolive.ch/2020/11/22/

Sport Gordola CalcioGordola Calcio. In: matchcenter-ftc.football.ch, abgerufen am 13. Juli 2024 (italienisch) Associazione Sportiva VerzaschesiAssociazione Sportiva Verzaschesi. In: matchcenter-ftc.football.ch, abgerufen am 13. Juli 2024 (italienisch)

Literatur Piero Bianconi: Gordola. In: I dipinti murali della Verzasca. Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1934, S. 34, 55 (Gaggiole), 68, 71. Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 323, 328, 367–368; Idem: I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Band III: L’alto Verbano II. I circoli del Gambarogno e della Navegna (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 73). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1983, ISBN 3-7643-1500-8, S. 165–181. Giovanni Lombardi: Gli impianti idroelettrici in Ticino. In: Arte&Storia. Il Ticino dell’acqua. Dalla formazione geologica del Cantone alle attività economiche. Edizioni Ticino Management, 12. Jahrgang, Nummer 54, April–Juli 2012. Lugano 2012, , S. 84–91. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana (Hrsg. GSK). Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 162–163. Giuseppe Mondada: Gordola. In: Catalogo delle pitture murali fino alla metà dell’Ottocento. Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1934, S. 89–91.

Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 116. Celestino Trezzini: Gordola. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 3: Egloff – Güttingen. Attinger, Neuenburg 1926, S. 603 f. (Digitalisat; PDF; 24,3 MB).

Weblinks

Amt für Statistik des Kantons Tessin: Daten der Gemeinde Gordola (italienisch) Gordola: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin in festung-oberland.ch (abgerufen am: 2. Mai 2016.)

Einzelnachweise

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