mini|hochkant=1.2|Das Deutschordensmünster Das Deutschordensmünster im Deutschhof in Heilbronn ist eine katholische Kirche, die vom Deutschen Orden erbaut wurde, deren Ursprünge im 13. Jahrhundert liegen und die auf einen älteren Vorgängerbau zurückgeht.
Baugeschichte Die Kommende Heilbronn des Deutschen Ordens wurde allem Anschein nach in den 1220er Jahren gegründet. Die Konventsgebäude des Deutschhofs wurden in der Folgezeit errichtet, wobei die zur Kommende gehörende Kirche im 13. Jahrhundert zunächst als Marienkapelle bezeichnet wurde.
In den Jahren 1994/95 wurden bei Renovierungsarbeiten in der Südwand der Chorturmkapelle Mauerwerk und unter der Seitenkapelle Fundamentreste aus Kalkstein gefunden, die noch älter als die heutige Bausubstanz sind. Die Funde blieben jedoch undatiert, und ihr Ursprung bleibt offen.
Die romanische Kirche „St. Marien“ um 1225 250px|mini|Grundriss der romanischen Kirche Die erste Ordenskirche wurde wohl 1225–1235 aus Sandstein gebaut und der Heiligen Maria geweiht. Der eindrucksvolle spätromanische Turmchor im Untergeschoss des Chorturms dieser Anlage, der mit der ungefähr gleichzeitig erbauten Weinsberger Stadtkirche größte stilistische Ähnlichkeit aufweist, dürfte dabei entstanden sein. Im Turmchor befindet sich ein romanischer Sarkophagaltar aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Das Rippengewölbe in diesem Turmchor enthält einen maurischen Schlussstein und stammt aus derselben Epoche.
Der gotische Neubau der „Marienkapelle“ von 1340 bis 1360 250px|mini|Grundriss der frühgotischen Frauenkirche
Die im Volksmund genannte „Marienkapelle“Wilhelm Steinhilber: Die Heilbronner Deutschordenskirche St. Peter und Paul und ihre Gemeinde. In: Josef Baumgärtner: Festschrift zur Einweihung des Gemeindehauses St. Peter und Paul. Selbstverlag des katholischen Stadtpfarramtes St. Peter und Paul, Heilbronn 1964, S. 23–62, dort: S. 30. wurde zu einer Wallfahrtskirche. Dadurch wurde 1340 eine Erweiterung nötig. Der jetzt bestehende Bau stellt diese Erweiterung dar, die man im Norden unmittelbar neben die ältere Anlage gesetzt hatte. Allerdings war diese in der Zeit der Gotik eine dreischiffige Pfeilerhalle zu drei Jochen. Die Pfeiler hatten einen Querschnitt von 92 cm. Sie trugen ein Gewölbe mit einer Scheitelhöhe von 10 Metern. Die Pfeiler standen auf zwei Reihen von jeweils vier Einzelfundamenten in der Größe von jeweils 1,60 m × 1,60 m, in einer Tiefe von 1,80 m. Die acht Pfeilerfundamente sind alle aus behauenen Sandsteinen hergestellt, mit Kalkmörtel vermauert. Die beiden Fundamentreihen sind derart angeordnet, dass sie das Kirchenschiff in Längsrichtung in drei fast gleich große Felder unterteilen. Als das Schleichtor freigelegt wurde, wurden Teile der gotischen Pfeiler entdeckt, die bei der Barockisierung 1720 entfernt worden waren. Der Turmchor der romanischen Kapelle blieb zwar als Kirchturm der neuen Anlage erhalten, doch wurde das vorromanische Schiff zu der romanischen Turmchorkapelle aufgehoben, wobei es in den anschließenden Sakralbau aufging.
An die Pfeilerhalle schloss sich ein schlichter, von Strebepfeilern außen gegliederter Chor an, dessen Apsis aus fünf Seiten eines Oktogons konstruiert war.
Die 2. Erweiterung 1490 bis 1510 und „Kirche zu unser Lieben Frau“ o. „Frauenkirche“ 250px|mini|Deutschordensmünster mit spätgotischen Chor (Erweiterung 1490–1510) Von 1490 bis 1510 wurde die Kirche unter den Baumeistern Hans von Karstädt, von Welden und von Liebenstein unter dem Altkomtur Sachenheimer, weiter ausgebaut, acht große gotische Fenster eingesetzt und das Schiff um ein Drittel erhöht.Josef Baumgärtner: INTROI BO AD ALTARE DEI. Sonntag Gaudete 1969. Festschrift zur Altarweihe St. Peter und Paul. Heilbronn 1969, S. 43. (Zeittafel) Der Chor wurde um drei Joche im Stil der Spätgotik erweitert und erhielt eine Apsis mit 5/8-Schluss. Das Innere des Chors von einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Reste des Gewölbes wurden bei der Sanierung 1994 gefunden.
Kirchweihtag war der 25. April 1510 am St.-Marx-Tag. Mit der zweiten Erweiterung erfolgte die Namensänderung. Seitdem hieß der Sakralbau „Kirche zu unser Lieben Frau“, später einfach die Frauenkirche.
Die „Speydelsche Kapelle“ mini|Bronzenes Epitaph zum Andenken an Ludwig Speydel In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde an der Nordseite des spätgotischen Chors die Speydelsche Kapelle mit Kreuzrippengewölbe und Wendeltreppe erbaut.Albert Laub: Die Heilbronner Deutschordenskirche im Wandel der Jahrhunderte. Selbstverlag des katholischen Stadtpfarramtes St. Peter und Paul, Heilbronn 1952, S. 18. Erbaut wurde sie nach einer testamentarisch vermachten Stiftung von Ludwig Speydel, der 1484 verstarb.Kath. Pfarrgemeinde St. Peter und Paul (Hrsg.): Deutschordensmünster St. Peter und Paul Heilbronn. S. 11. 1968 wurde die intakte spätgotische Kapelle zugunsten einer neuen, modernen eingeschossigen Sakristei abgebrochen. Die Gewölberippen, Spolien und ein Schlussstein mit mittelalterlichem Gesicht wurden wiederverwendet. Ein Schlussstein der Kapelle zeigt das Wappenschild (3 Keile oder Speitel) des 1484 verstorbenen Stifters Ludwig Speyel und befindet sich heute im Lapidarium.Daten nach Stadtarchiv Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur ZS-12922, Eintrag zu Ludwig Speydel in der Datenbank HEUSShttp://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?f=/_bin/img.php&imgf=/bilder/95074.jpg&
Das „Schleichtor“ 1530 1530 bekennen sich Rat und Bürgerschaft zur Augsburger Konfession. Somit werden die Stadt Heilbronn und die Pfarrkirche Heilbronns protestantisch. Die Liebfrauenkirche des Deutschhofes gilt nach der Reformation in Heilbronn als Zufluchtsort und Mutterkirche der Heilbronner Katholiken. Da der Rat der Stadt das Hauptportal der Liebfrauenkirche des Deutschhofes mit Ketten verriegeln ließ, schlichen die Heilbronner Katholiken über ein Seitenportal aus dem Deutschordensfriedhof in die Kirche hinein. Dieses Seitenportal wird seitdem „Schleichportal“ genannt.
Die Renaissance-Umbauten der Kirche um 1602 250px|mini|Grundriss des Deutschordensmünsters mit Gang in der Seitenkapelle (1602) Als im kleinen Deutschhof der sogenannte Stein-Kallenfels-Bau um 1600 entstand, wurde ein Zugang von dem heute als Pfarrhaus genutzten Bau in die gotische Kirche geschaffen. Das romanische Langhaus wurde im Westen um die Hälfte gekürzt. Es entstand der noch heute existierende Renaissancegang. Der Gang besteht aus zwei Geschossen und zeigt vier Pfeiler mit drei Archivolten. Das erste Geschoss des Ganges zeigt ein aus Backsteinen gemauertes Kreuzgewölbe mit Sandsteinrippen. Zwischen dem gotischen Langhaus und dem Glockenturm wurde ein Treppenhaus eingefügt.
Die barocke Kirche „St. Peter und Paul“ um 1720 250px|mini|Grundriss der barocken Kirche „St. Peter und Paul“ um 1720 mini|Deutschordensmünster, Blick zum Hochaltar (Stuckateur Franz Joseph Roth u. Freskenmaler Luca Antonio Colomba) Nachdem er zuvor schon verschiedentliche Renovierungen an der Kirche durchgeführt hatte, hoffte der Heilbronner Komtur Georg Adam von Speth vom baufreudigen Landkomtur Karl Heinrich von Hornstein in Ellingen, Sitz der Verwaltung der Deutschordensballei Franken, die Erlaubnis zu einer durchgreifenden Umgestaltung der Kommendekirche zu erhalten.Joachim Hennze: Zum Umbau und der Neuausstattung der ehemaligen Deutschordenskommendekirche St. Peter und Paul in Heilbronn von 1720 bis 1725. In: Historischer Verein Heilbronn: Jahrbuch für schwäbisch-fränkische Geschichte. 32/1992. Der Landkomtur schien der Bitte des Heilbronner Komturs von Speth um eine Erneuerung nicht abgeneigt gewesen zu sein, denn er bat ihn, ihm einzelne Baumaßnahmen zu nennen. Am 18. April schrieb von Speth nach Ellingen und erklärte:
Hornstein antwortete dem Komtur am 29. April 1720 und versprach ihm, dass er zusammen mit seinem Baumeister Franz Keller den Umfang besprechen wolle, sobald dieser nach Ellingen zurück sei. Am 13. Mai erklärte von Hornstein, dass er die Sache mit seinem Baumeister besprochen habe und schlug vor, dass Keller „dieses Werk künftiges Jahr vorzunehmen habe“.
Gemäß dem Accord (Vertrag) sollte Keller den alten Dachstuhl abbrechen, die Hauptmauern um 15 Schuh erhöhen und das Langhaus mit einem steinernen Hauptgesims versehen. Besonderen Wert wurde auf die Gestaltung der Fassade mit dem Giebel und einem reich geschmückten Portal mit vier Säulen, Gesimsen und Wappen gelegt.
Kellers Aufriss zeigt uns die „Faciaten gegen die Stattgass“ als eine hohe, nahezu ungegliederte Wand, die von seitlichen Lisenen eingefasst wird. Der Mittelteil der Fassade wird akzentuiert vom Portal und einem hohen spitzbogigen Fenster. Das profilierte Gesims verläuft nicht horizontal, sondern schwingt in der Mitte über die Spitze des Fensters segmentbogig auf. Die Giebellinie läuft, von seitlichen Postamenten ausgehend, in sanftem konkaven Schwung nach oben und endet in einem profilierten Giebeldreieck. Die Fassade erhielt als weiteren Akzent einen prächtigen Eingang. Über eine zweiläufige Freitreppe führt der Weg zu dem breiten, segmentbogig geschlossenen Portal. Flankiert wird es von schlanken, kompositen Säule, die durch ihre enge Stellung, ihre Verdoppelung etwas aufdringlich wirken. Sie tragen einen Architrav, einen gebauchten Fries und ein Gesims, das sich in der Mitte hochschwingt und damit das Motiv des geschwungenen Giebelgesimses aufnimmt. Auf dem Gesims befinden sich die Wappen von Hauskomtur, Landkomtur und Hochmeister des deutschen Ordens. Flankiert werden sie von Helmen, Harnischen und anderen Armaria des Ordens. Die Durchführung der Umbaumaßnahmen nach den Vorschlägen Franz Kellers erfolgte unter der Bauleitung von dessen jüngerem Bruder Johann Michael Keller der Ältere, der in Neckarsulm ansässig war –„an Baumeister Johan Michael Keller von Neccarsulm vor alle an besagter Kirche und Thurm.“
Die Stuckarbeiten schufen der Mergentheimer Stuckateur Franz Joseph Roth, der auch am Deutschordenschloss in Ellingen gearbeitet hatte.Julius Fekete et al.: Denkmaltopographie Baden-Württemberg Band I.5 Stadtkreis Heilbronn. Edition Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 42.Joachim Hennze: Zum Umbau und der Neuausstattung der ehemaligen Deutschordenskommendekirche St. Peter und Paul in Heilbronn von 1720 bis 1725. In: Historischer Verein Heilbronn: Jahrbuch für schwäbisch-fränkische Geschichte. 32/1992, S. 93. Roth schuf die vier großen Stuckfiguren der vier Kirchenväter Augustinus, Ambrosius, Gregor sowie Hieronymus. Zwei Hermen aus Stuck stützten die Kämpfer, die den breiten segmentbogigen Gurt zwischen dem zweiten und dritten Joch im Langhaus trugen.Albert Laub: Die Heilbronner Deutschordenskirche im Wandel der Jahrhunderte. Selbstverlag des katholischen Stadtpfarramtes St. Peter und Paul, Heilbronn 1952, S. 28. Die beiden gewölbetragenden Hermen wurden erst bei den Umbaumaßnahmen in den 1960er Jahren entfernt.
Die Stuckmarmorarbeiten an den Altären schuf Dinkelsbühler Stuckateur Christian Kurz.
Für die Ausmalung der Ordenskirche konnte der italienische Maler Luca Antonio Colomba gewonnen werden. Ihm wurde für „die fresco malerei in der Kirche am Chor, lanhaus und Kapelle oben am gewölb“ 1200 Gulden bezahlt. Die Ausmalung erfolgte ab Sommer 1722.
Andere mitwirkende Künstler waren der Heilbronner Bildhauer Ignatius Schupp sowie der Münnerstädter Maler Eberhard Würth mit seinem Lehrjungen Nicolaus Spiegel.
Als die gotische Liebfrauenkirche in eine Barockkirche umgewandelt wurde, wechselte vermutlich auch das Patrozinium zu St. Peter und Paul, was erst 1766 erwähnt wurde. Nach Auflösung des Deutschen Ordens und der Einrichtung einer Stadtpfarrei übernahm 1806 der erste Diözesanpriester, Josef Schmalstieg die Pfarrei.
Die Zerstörung 1944