Der Ausdruck Amt Rosenberg (ARo) im engeren Sinne bezeichnet eine Dienststelle für Kulturpolitik und Überwachungspolitik des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg, die im Jahre 1934 im Zusammenhang mit seiner Ernennung zum Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP (DBFU, für Der Beauftragte des Fuehrers) unter der Bezeichnung „Dienststelle Rosenberg“ (DRbg) in der Margaretenstraße 17 in Berlin-Tiergarten (gegenüber der Matthäuskirche im Diplomatenviertel; heute Scharounstraße) eingerichtet wurde. Aufgrund des langen Namens von Rosenbergs DBFU-Dienststelle (Amt des „Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Erziehung der NSDAP“) wurde ab 1934 ebenso die Kurzbezeichnung „Reichsüberwachungsamt“ verwendet.Jan-Pieter Barbian: Literaturpolitik im »Dritten Reich«. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder. Nördlingen 1995, ISBN 3-423-04668-6, S. 276; auch wurde die Bezeichnung „weltanschauliches Überwachungsamt der NSDAP“ benutzt, vgl. Reichspropagandaleitung der NSDAP (Hrsg.): Unser Wille und Weg. In: Monatsblätter der Reichspropaganda-Leitung der NSDAP. München 1934, S. 195. In der Literatur finden sich ferner die Begriffe „Überwachungsamt Rosenberg“ und schlicht „Überwachungsamt“.Beispielsweise: Hildegard Brenner: Die Kunst im politischen Machtkampf 1933/34. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1962, 10. Jg., Heft 1, S. 34 und 41; ifz-muenchen.de (PDF; 1,2 MB).

Seit der Nachkriegszeit wird der Begriff Amt Rosenberg auch als eine Sammelbezeichnung für verschiedene Dienststellen von Rosenberg verwendet, die er zwischen 1928 und 1945 in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus unterhielt.Reinhard Bollmus: Amt Rosenberg. In: Wolfgang Benz u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. dtv, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-423-34408-1, S. 400–402. Dazu werden neben dem „Außenpolitischen Amt der NSDAP“ (APA) der Kampfbund für deutsche Kultur (KfdK) und die später aus dem KfdK hervorgegangene NS-Kulturgemeinde (einschließlich KdF-Theater sowie der Reichsverband Deutsche Bühne) gezählt; ferner die dem APA angegliederte Nordische Gesellschaft sowie die Hohe Schule und der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR). Nicht zum „Amt Rosenberg“ zählte der Historiker Reinhard Bollmus das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete (RMfdbO), weil es sich hier um eine „staatliche Organisation“ gehandelt habe. In diesem Artikel geht es ausschließlich um Rosenbergs Dienststelle als DBFU.

Entstehungsgeschichte KfdK und Amt Rosenberg Zwar wurde der Begriff Amt Rosenberg auch während der Zeit des Nationalsozialismus im Zusammenhang mit dem Außenpolitischen Amt der NSDAP (1933–1943) benutzt,Franz Theodor Hart: Alfred Rosenberg. Der Mann und sein Werk. 2. Auflage. München 1935, S. 47. zurückzuführen ist er allerdings seit der Nachkriegszeit in seiner Verwendung als Sammelbezeichnung für diverse Dienststellen von Rosenberg auf eine vom Historiker Reinhard Bollmus im Jahre 1970 veröffentlichte Schrift, die den gleichlautenden Haupttitel Amt Rosenberg trägt. Bollmus stellte in diesem Buch insbesondere einen strukturellen Zusammenhang zum „Kampfbund für deutsche Kultur“ (KfdK) heraus, indem er betonte, dass „Entstehung, Aufbau und Funktion dieses Amtes“ teilweise „schon aus der Geschichte des Kampfbundes und seiner Verhältnisse zur Partei, wie es sich bereits vor der Machtergreifung entwickelte“, zu erklären sei.Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 27. George Leaman merkte dementsprechend im Jahre 1994 an, dass das sogenannte „Amt Rosenberg“ (ARo) dieselbe Anschrift und Telefonnummer wie der „Kampfbund für deutsche Kultur“ hatte und beispielsweise Gotthard Urban führende Positionen in beiden Organisationen erhielt.George Leaman: Deutsche Philosophen und das »Amt Rosenberg«. In: Ilse Korotin (Hrsg.): Die Besten Geister der Nation. Philosophie und Nationalsozialismus, Wien 1994, S. 60. Der Sitz des KfdK lag ab 1929 in der Barer Straße 50 in München-Schwabing.Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 31, 252 und 265. Ab dem 27. April 1934 befand sich die Dienststelle Rosenberg (DRbg) in der Berliner Margaretenstraße 17; zwischen 1941 und 1943 im ehemaligen, umgebauten „Hotel am Knie“ (späterer Ernst-Reuter-Platz) auf der Bismarckstraße 1 in Berlin-Charlottenburg, das am 22. November 1943 durch einen Luftangriff zerstört wurde. Danach zog die DRbg bzw. das Amt Rosenberg wieder zurück zur Margaretenstraße.

Begriffliche Unbestimmtheit Neben der allgemeinen Bezeichnung des Begriffs „Amt Rosenberg“ für verschiedene Dienststellen Rosenbergs im Sinne einer analytischen Kategorie und Sammelbezeichnung verwendete Bollmus 1970 in seinem Buch Das Amt Rosenberg ebenso einen engeren Begriff, indem er schrieb: „Am 24. Januar 1934 beauftragte Hitler Rosenberg mit der Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP, was Anlass zur Gründung der Dienststelle war, deren Entwicklung wir untersuchen wollen. Er behielt die Leitung dieses Amtes auch bei, als er am 17. Juli 1941 zum Reichsminister für die besetzten Ostgebiete ernannt wurde.“Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 20. (Anpassung des Zitats an die ref. dt. Rechtschr.) Im Jahre 1970 datierte Bollmus die Gründung des Amts Rosenberg somit auf das Jahr 1934 und band den Begriff, im Unterschied zu einer zeitgenössischen Verwendung aus dem Jahre 1935, enger an Rosenbergs Amt des DBFU als an das APA. Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Ämter Rosenbergs. So unterschied der Historiker Ernst Piper die Dienststelle für den „Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“ (DBFU) vom Außenpolitischen Amt der NSDAP.Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe, München 2005, S. 296. Eine partielle Überschneidung gab es allerdings hinsichtlich einer gemeinsamen Adresse: So kamen 1941 einige Abteilungen des APA, die nicht in das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete (RMfdbO) überführt wurden, als Mieter in der „Dienststelle Rosenberg“ in der Bismarckstraße 1 unter.Andreas Zellhuber: „Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe zu …“ Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und die deutsche Besatzungsherrschaft in der Sowjetunion 1941–1945. München 2006, ISBN 3-89650-213-1, S. 76. (Quelle: Schreiben Rosenbergs an Lammers, 2. Mai 1941, BA R 6/21, Bl. 27 f.) Die Folge der unterschiedlichen begrifflichen Darstellungen in der Literatur ist, dass es bislang keine einheitliche und somit eindeutige Verwendung des Ausdrucks Amt Rosenberg im engeren Verständnis gibt. Der Ausdruck wurde sowohl auf Rosenbergs Amt des DBFU als auch auf das APA bezogen. So schrieb Rosenbergs Mitarbeiter Franz Theodor Hart im Jahre 1935 beispielsweise über das APA: „Bis zum 2. Halbjahr 1934 hat das Amt Alfred Rosenbergs über 10.000 ausländische Besucher empfangen. In einer Anzahl von Fällen ist dem A.P.A. auch eine starke Initiative zur Hebung des deutschen Außenhandels zu danken.“Franz Theodor Hart: Alfred Rosenberg. Der Mann und sein Werk. 2. Auflage. München 1935, S. 47.

DBFU und Amt Rosenberg In seinem 1970 veröffentlichten Buch legte sich Bollmus bereits im ersten Satz seiner Einleitung fest, indem er schrieb, dass die Dienststelle des DBFU im „allgemeinen Sprachgebrauch Amt Rosenberg genannt“ werde.Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 20. Die Ernennung von Rosenberg zum DBFU durch Adolf Hitler erfolgte am 24. Januar 1934 aufgrund eines diesbezüglichen Vorschlags von Reichsorganisationsleiter Robert Ley; die offizielle Bekanntgabe fand am 1. Februar 1934 statt.Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 20, 54 ff. und 59; vgl. auch Alfred Rosenberg: Letzte Aufzeichnungen, Göttingen 1955, S. 176. Der Auftrag von Rosenberg als DBFU bezog sich insbesondere auf die NSDAP, alle „gleichgeschalteten Verbände“ sowie auf die politische Organisation Kraft durch Freude (KdF). Nach der Ernennung gab Gotthard Urban seinen Posten an einer Bank auf, zog in der Folgezeit von München nach Berlin und baute Rosenbergs Amt Rosenberg unter dem Vorzeichen der „Erziehungsführung“ mit auf.Alfred Rosenberg: Letzte Aufzeichnungen, Göttingen 1955, S. 168. Die offizielle Gründung des Amts Rosenberg im engeren Verständnis von Bollmus erfolgte am 6. Juni 1934. Der Historiker Jan-Pieter Barbian vermied in einem von ihm 1995 veröffentlichten Buch die Bezeichnung Amt Rosenberg und sprach mit Bezug auf die Gründung von Rosenbergs Dienststelle an diesem Datum konkret vom Amt des DBFU.Jan-Pieter Barbian: Literaturpolitik im »Dritten Reich«. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder. Nördlingen 1995, S. 275. Noch am selben Tag, am 6. Juni 1934, wurde der KfdK mit der „Deutschen Bühne“ zusammengelegt und erhielt den neuen Namen „Nationalsozialistische Kulturgemeinde“ (NSKG), kurz „NS-Kulturgemeinde“ (NS-KG).Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 66 ff. Die NSKG sollte von nun an die Führung des kulturellen Lebens innerhalb der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ sowie durch Programmgestaltung für das von ihr getragene und gepflegte Kunst- und Kulturleben auch im Rahmen der ganzen Partei übernehmen. Ferner bestand ihre Aufgabe, wie Rosenberg in seinem Tagebuch festhielt, in der Schaffung und geistigen Durchbildung einer Jugendorganisation, „in deren Eigenleben sich neue Formen des kulturellen Lebens entwickeln sollten, die die große Gesamtorganisation weiterbildend aufzunehmen bestimmt war“.Hans-Günther Seraphim: Das politische Tagebuch Alfred Rosenbergs. 1934/35 und 1939/40. Göttingen / Berlin / Frankfurt 1956, S. 37.

Amt Rosenberg als Amt des DBFU Abteilungen und Personen Rosenberg setzte als seinen stellvertretenden Leiter der NSKG den Theaterwissenschaftler und Dramaturgen Walter Stang ein, der neben Gotthard Urban zum wichtigsten Mitarbeiter Rosenbergs im Amt des DBFU wurde.Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 31. Urban war als Stabsleiter im Amt Rosenberg für die Koordination der Ämter zuständig, diese Funktion übernahm Mitte September 1941 nach Urbans Tod Helmut Stellrecht.Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 68, 263. Rosenbergs Überwachungsamt wurde recht zügig zu einem Musterbeispiel des Bürokratismus, wie er sich in der NS-Zeit besonders ungehemmt entfaltete.Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe, München 2005, S. 326. In der Anfangszeit bestand das Amt Rosenberg aus folgenden vier Abteilungen: Amt Schulung unter der Leitung von Otto Gohdes, ab 1934 Max Frauendorfer, ab 1936 Friedrich Schmidt und ab 1942 Heinrich Bruhn.Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 137f. Der Aufgabenbereich dieser Abteilung lag in der Reichslehrgemeinschaft sowie der Reichsarbeitsgemeinschaft für die Schulung der gesamten Bewegung. Im Jahre 1938 wurde das Amt Schulung in Amt Lehrplanung umbenannt, 1942 in Hauptamt Schulung und Erziehung. Amt Kunstpflege, das unter der Leitung von Walter Stang stand.