Barbados ([], oft auch [], daneben auch die englische Aussprache) ist ein Inselstaat im Atlantik und Teil der Kleinen Antillen. Barbados liegt nordöstlich von Venezuela in der Karibik und wird geografisch zu Mittelamerika gerechnet. Die ehemalige britische Kolonie wurde 1966 vom Vereinigten Königreich unabhängig, blieb aber als Commonwealth Realm souveräner Mitgliedstaat des Commonwealth of Nations und war bis 2021 mit der britischen Krone in Personalunion verbunden. Seit dem 30. November 2021 ist Barbados eine Republik.
Geografie mini|Luftbild der Hauptstadt Bridgetown Barbados ist die östlichste Insel der Inselkette der Kleinen Antillen und liegt im Atlantischen Ozean. Im Gegensatz zu vielen der benachbarten Karibikinseln ist Barbados nicht vulkanischen Ursprungs, sondern stellt eine sogenannte Vorschwelle () eines Akkretionskeils dar, der wiederum durch ehemals unterseeische Riffkalke in die Höhe wuchs.Frisch & Meschede: Plattentektonik – Kontinentverschiebung und Gebirgsbildung. 5. Aufl. Darmstadt, 2011. Dieses Kalksteinplateau erreicht im Mount Hillaby eine Höhe von 336 m. Die ältesten Schichten entstanden in einer Warmzeit vor 125.000 Jahren, in welcher der Meeresspiegel vier bis sechs Meter höher lag als derzeit. Mit einer Fläche von 430 km² ist Barbados etwa so groß wie das Bundesland Bremen. Zu Barbados gehört neben der Hauptinsel noch das winzige, direkt vor der Ostküste gelegene Culpepper Island.
Ungefähr 180 km westlich liegt der nächstgelegene Nachbar-Inselstaat St. Vincent und die Grenadinen.
Klima Das Klima von Barbados ist ganzjährig warm mit geringen Temperaturunterschieden und einem Jahresmittel von 26 °C. Die Niederschläge konzentrieren sich auf die Regenzeit von Mai bis Oktober und erreichen im zentralen Hochland 2000 mm pro Jahr. Trotz dieser Niederschlagsmengen gibt es aufgrund des porösen Kalksteinuntergrunds keine größeren Gewässer auf der Insel.
Barbados liegt im Einzugsbereich der atlantischen Hurrikans, wo gewöhnlich zwischen Anfang Juni und Ende November die atlantische Hurrikansaison andauert. In dieser Zeit steht Barbados verstärkt unter Beobachtung des staatlichen meteorologischen Dienstes (Barbados Meteorological Services), der mit Hinweisen und Voraussagen vor möglichen Naturkatastrophen warnt.
Flora und Fauna mini|Pfauenstrauch, auch Stolz von Barbados genannt Früher bedeckte tropischer Regenwald fast die gesamte Insel. Mittlerweile wurde er von weitläufigen Zuckerrohrplantagen und Kulturland weitgehend verdrängt. Nur im Turner’s Hall Wood im Bezirk St. Andrew finden sich auf einer Fläche von etwa 18 Hektar noch Restbestände des Tropenwaldes. Die Nationalblume ist die Red Pride of Barbados (Pfauenstrauch), sie ist im Wappen des Landes enthalten.
Die Tierwelt umfasst nur wenige Arten. In erster Linie gibt es verschiedene Affenarten, Mungos (Mangusten), Hasen und Eidechsen. Im April und Mai legen Lederschildkröten an den Stränden ihre Eier ab. Neben Kolibris finden sich viele Wasservögel wie Möwen und Reiher. In den Gewässern rund um die Insel kommen Barrakudas, Papageienfische und fliegende Fische vor.
Administrative Gliederung Barbados ist in elf Parishes (Bezirke/Kirchspiele) gegliedert, die auf die Gliederung der anglikanischen Kirche von 1645 zurückgehen.
mini|Parishes (Bezirke/Kirchspiele) von Barbados
Parish Hauptort Einwohner FlächeChrist Church Oistins 54.336 57St. Andrew Belleplaine 5.139 36St. George The Glebe 19.767 44St. James Holetown 28.498 31St. John – 8.963 34St. Joseph Bathsheba 6.620 26St. Lucy – 9.758 36St. Michael Bridgetown 88.529 39St. Peter Speightstown 11.300 34St. Philip Six Cross Roads 30.662 60St. Thomas – 14.249 34 Quellen: Barbados ParishesCity Population Barbados
Städte Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Bridgetown und den Vororten. Weitere Schwerpunkte sind die touristisch geprägte Südküste (Parish Christ Church) und die Westküste (Parish St. James). Außer der Hauptstadt gibt es drei weitere Städte: Speightstown, Holetown und Oistins. An der Ostküste ist der Badeort Bathsheba ein Zentrum des Tourismus. Regionales Zentrum im Osten der Insel ist Six Cross Roads.
Bevölkerung Die Einwohner der Insel werden Barbadier genannt, das zugehörige Adjektiv ist barbadisch. Die Barbadier bezeichnen sich als Bajans [].
Demografie und Bevölkerungsstruktur
2022 hatte Barbados 282.000 Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,2 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 10,8 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 9,1 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,6, die der Region Lateinamerika und die Karibik betrug 1,8. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 38,9 Jahren. Im Jahr 2023 waren 16,6 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 16,8 Prozent der Bevölkerung betrug.
Die Bevölkerung setzt sich zu etwa 90 % aus den Nachkommen der afrikanischen Sklaven, etwa 4 % Weißen vorwiegend britischer und irischer Abstammung sowie Asiaten (Inder, Chinesen) und Menschen gemischter Abstammung zusammen. Im Jahr 2017 waren 12,1 % der Bevölkerung im Ausland geboren.
Sprachen, Religion, Bildung und Gesundheit
Bajan, ein auf dem Englischen basierender kreolischer Dialekt, ist die überwiegend im Alltag verwendete Sprache. Die Amtssprache ist Englisch, das in Schreibung und Aussprache größtenteils dem Britischen Englisch entspricht.
Rund 30 % der Bevölkerung sind anglikanischen Glaubens und 18 % gehören der Pfingstbewegung an. Weitere bedeutende Religionsgruppen sind Methodisten und Adventisten, 4 % der Bevölkerung sind katholisch.
Die Alphabetisierungsrate liegt bei 97,6 %.
Die Lebenserwartung der Einwohner von Barbados ab der Geburt lag 2022 bei 77,7 Jahren (Frauen: 79,6; Männer: 75,7). 2022 betrug die Sterblichkeit bei unter 5-Jährigen 10,9 pro 1000 Lebendgeburten.
Geschichte
Die voreuropäischen Einwohner waren Arawak und Kariben. Jedoch scheint um 1600 v. Chr. eine erste Besiedlung durch Zuwanderer aus Südamerika stattgefunden zu haben, wenn sie auch nicht von Dauer war.Barbados. In: Britannica. Um 350 n. Chr., 800 n. Chr. und im 13. Jahrhundert erreichten drei weitere Einwanderungswellen die Insel. Dazwischen und danach war die Insel vom Festland isoliert. Die Bewohner nannten die Insel Ichirouganaim.
Frühe Neuzeit Den Namen Barbados (portugiesisch os barbados, spanisch los barbados ‚die Bärtigen‘) erhielt die Insel 1536, da der portugiesische Entdecker Pedro Campos sich durch die frei herabhängenden Wurzeln der Feigenbäume an Bärte erinnert fühlte und die Insel danach benannte. In den folgenden 15 Jahren versklavten spanische Eroberer zahlreiche Bewohner für die Plantagenarbeit auf anderen Inseln. Der Rest der einheimischen Bevölkerung floh vermutlich.
So fanden die Engländer eine verwaiste Insel vor, als sie diese 1625 von den Portugiesen übernahmen. 1627 begann die Besiedlung der menschenleeren Insel durch Großbritannien. Sklaven aus Irland und Indentur-Sklaven von den gesamten britischen Inseln wurden angesiedelt,siehe auch: An African Song or Chant from Barbados (Manuskript) bald kamen afrikanische Sklaven hinzu, von niederländischen Schiffen herbeigeschafft, nachdem Nordbrasilien (Pernambuco) als Markt verlorengegangen war.
Barbados’ Wirtschaft fußte ab den frühen 1640er Jahren auf der großmaßstäblichen Produktion von Rohrzucker auf Sklavenplantagen. Er wurde nach England verschifft. Damit war Barbados prägend für andere Inseln der Karibik oder auch Suriname, die dieses Modell nachahmten. Man spricht vom Barbados-Modell. Im Jahr 1655 beispielsweise exportierte die Insel etwa 8000 Tonnen in das europäische Mutterland und war damit einer der größten Zuckerproduzenten der Welt.Niels Steengaard: Trade of England and the Dutch before 1750. In: Trade in the pre-modern era, 1400-1700. Band 1, S. 426. Zwischen 1641 und 1665 wurden fast 2/3 aller auf britischen Schiffen nach Amerika transportierten Sklaven auf Barbados verkauftDavid Richardson, Principles and Agents, The British Slave Trade and its Abolition. New Haven 2022, 27. Die Insel bzw. der Hafen von Bridgewater diente aber auch für den Weiterverkauf von afrikanischen Gefangenen in spanische und französische KolonienGregory E. O’Malley, Final Passages, The Intercolonial Slave Trade of British America, 1619–1807. University of North Carolina Press, Omohundro Institute of Early American History and Culture 2014, 357. Die Aufzeichnungen der Hafenbehörden sind jedoch nicht erhalten, was genaue Angaben schwierig machtGregory E. O’Malley, Final Passages, The Intercolonial Slave Trade of British America, 1619-1807. University of North Carolina Press, Omohundro Institute of Early American History and Culture 2014, 361f..
Barbados blieb bis weit in das 20. Jahrhundert stark von der Zucker-, Rum- und Molasseproduktion abhängig.
Barbados blickt auf eine lange parlamentarische Geschichte zurück. Es verfügt über das drittälteste Parlament im Commonwealth (nach Westminster und Bermuda). Bereits 1639 wurde mit dem House of Burgesses das erste Parlament eingerichtet. Nach Konflikten mit England wurden die Rechte des Parlaments und die der Bürger von Barbados 1652 in der „Charta of Barbados, or Articles of Agreement“ niedergelegt. Diese Verfassungsurkunde garantierte britischen Männern mit Landbesitz unter anderem die Religionsfreiheit, die Rechtsstaatlichkeit, das Privateigentum und weitgehende parlamentarische Rechte.
19. und 20. Jahrhundert mini|148x148px|Briefmarke Barbados von 1925 Die in den Anfängen nur für die englischen Plantagenbesitzer geltenden Rechte wurden nach der vollen Sklavenemanzipation 1838 bis hin zur Unabhängigkeit am 30. November 1966 auf die schwarze Bevölkerungsmehrheit ausgedehnt. Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurden im Oktober 1950 eingeführt.Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 30. Von 1958 bis 1962 war Barbados eine Provinz der Westindischen Föderation.
Republik Barbados Die damals regierende Democratic Labour Party hatte bereits im Jahr 2015 angekündigt, die Verfassung zu ändern und Barbados im Jahr 2016 als Republik zu konstituieren, was aber nicht geschah.Süddeutsche Zeitung, 25. März 2015, S. 6. Die nächste, von der Barbados Labour Party gebildete Regierung von Barbados gab am 15. September 2020 bekannt, dass sie beabsichtige, bis zum 30. November 2021, dem 55. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit, eine Republik zu werden, was zur Folge hätte, dass der erbliche Titel der Königin oder des Königs von Barbados durch das gewählte Amt des Präsidenten von Barbados ersetzt werden würde. Barbados bliebe aber Mitglied des Commonwealth of Nations. Sandra Mason, die Generalgouverneurin von Barbados, erklärte im Rahmen der Thronrede 2020: „Es ist an der Zeit, unsere koloniale Vergangenheit vollständig hinter uns zu lassen. Die Barbadier wollen ein barbadisches Staatsoberhaupt.“ Am 3. Juni 2021 wurde in den lokalen barbadischen Medien berichtet, dass die Öffentlichkeit über E-Mail Vorschläge zur Frage der Republik einreichen könne.