Ala Littoria S.A. war ab 1934 der Name der staatlichen Fluggesellschaft des faschistischen Italiens. Sie entstand durch die Umbenennung der 1928 gegründeten, ebenfalls staatlichen Società Aerea Mediterranea (SAM) und durch die Eingliederung privater Fluggesellschaften.
Die Bezeichnung Ala Littoria setzt sich zusammen aus den italienischen Worten ala (dt. „Flügel“) und littorio (dt. „Liktor“). Nach dem Liktorenbündel war während des Faschismus auch der Flugplatz Rom-Urbe benannt, seinerzeit Heimatflughafen der Fluggesellschaft.
Geschichte mini|Eine Savoia-Marchetti SM.74 der Ala Littoria. Ursprünge Ala Littoria entstand im August 1934 durch eine unter staatlicher Regie durchgeführte Fusion der Fluggesellschaften
SAM – Società Aerea Mediterranea (gegr. 1928 in Rom, in Staatsbesitz, Vorgänger der Ala Littoria; von 1959 bis 1976 als Chartergesellschaft der Alitalia erneut tätig)Paolo Ferrari: L'aeronautica italiana: una storia del Novecento. Franco Angeli Editore, Mailand 2005. S. 76 Transadriatica (gegr. 1925 in Ancona, 1931 von SAM übernommen)Transadriatica auf timetableimages.com SANA – Società Anonima Navigazione Aerea (gegr. 1925 in Genua)Details auf airticketshistory.com AEI – Aero Espresso Italiana (gegr. 1923 in Rom)Aero Espresso Italiana auf timetableimages.com SISA – Società Italiana Servizi Aerei (gegr. 1922 in Lussinpiccolo).La S.I.S.A. – Società Italiana Servizi Aerei – e la linea aerea nr. 1, auf expo.fsfi.it
1935 übernahm Ala Littoria auch die Adria Aero Lloyd (Albanien-Routen) und die Nord Africa Aviazione (gegr. 1931). Die zum Fiat-Konzern gehörende Fluglinie ALI (Avio Linee Italiane) nahm an diesem Zusammenlegungsprozess hingegen nicht teil.
Aus der 1938 entstandenen Atlantik-Abteilung der Ala Littoria wurde 1939 die Tochtergesellschaft Linee Aeree Transcontinentali Italiane (LATI) gegründet, die vom Flugplatz Rom-Guidonia aus Luftpost-Flüge nach Südamerika anbot.
Der privaten, 1920 gegründeten Compagnia Nazionale Aeronautica verdankte Ala Littoria den Aufbau ihres 1928 eröffneten Heimatflughafens Aeroporto del Littorio in Rom-Urbe, der im Zug der Gründung der Ala Littoria ebenfalls verstaatlicht wurde.
Das Symbol der Ala Littoria war eine Schwalbe (rondine) auf einem Liktorenbündel. Das Schwalbensymbol wurde von der SAM übernommen, die es ihrerseits von der Transadriatica hatte.
Entwicklung bis 1941 Die größte Herausforderung bestand zunächst darin, nach den Fusionen die verschiedenen ursprünglichen Unternehmensstrukturen und Abläufe zu harmonisieren. Die Unternehmensleitung basierte dennoch weiterhin auf der Generaldirektion der Società Aerea Mediterranea unter Umberto Klinger. Positive Ergebnisse zeigten sich schon bald, einerseits für den Staat, dessen Subventionsaufwendungen spürbar sanken, und andererseits für Ala Littoria, die ihre Aktivitäten bis 1935 mehr als verdoppeln konnte.Flavio Riccitelli: Le ali della rondine: Ala Littoria S. A. (1934–1941). aida-aerofilatelia.orgLuciano Sadini: Sviluppo dell’aviazione commerciale italiana dai primi voli al 1940. Automotoclub Storico Italiano, Mai 2020, auf issuu.com
Ala Littoria hatte in Italien ein ausgedehntes Streckennetz. Auf sehr vielen Strecken setzte man Flugboote der Firma Savoia Marchetti ein. Im Ausland bediente die Gesellschaft vor allem Ziele in Europa und im Mittelmeerraum. Besonders gut ausgebaut waren die Verbindungen nach Albanien und in die italienischen Kolonialgebiete in Nord- und Ostafrika.
Nach Abkommen mit Lufthansa und KLM eröffnete Ala Littoria am 7. Mai 1935 eine tägliche Verbindung von Mailand über Frankfurt am Main nach Amsterdam. Ein ähnliches Abkommen mit Air France ermöglichte 1936 die Aufnahme von täglichen Flügen von Rom über Marseille nach Paris. Auf dieser ertragreichen Linie wurde vor allem die neue, viermotorige und rund 300 km/h schnelle Savoia-Marchetti SM.74 eingesetzt, die 24 Passagiere befördern konnte. Ein weiteres Abkommen mit der britischen Imperial Airways verbesserte 1935 die Verbindungen nach Afrika, insbesondere über Brindisi und Karthoum.
Wegen des Abessinienkriegs und der deswegen erlassenen Sanktionen wurde es noch 1935 notwendig, die Verbindungen nach Italienisch-Ostafrika vollständig in eigener Regie durchzuführen. Die sogenannte Linea dell’Impero wurde in kürzester Zeit zur wichtigsten interkontinentalen Strecke der Ala Littoria. Eingesetzt wurde hier in der Regel die dreimotorige, 340 km/h schnelle Savoia-Marchetti SM.73 mit Platz für 18 Passagiere. Der weitere Ausbau der Verbindungen innerhalb Italienisch-Ostafrikas und der Einsatz der verbesserten, etwas größeren und schnelleren Savoia-Marchetti SM.75 führte dann dazu, dass Ala Littoria 1938 in Afrika hinsichtlich des Linienausbaus und der Flugleistung an erster Stelle stand.
Das im Juli 1936 unterzeichnete Abkommen mit Griechenland erlaubte die Fortsetzung und den Ausbau der Verbindungen dorthin, insbesondere nach Thessaloniki und zeitweise weiter nach Sofia, sowie nach Athen und von dort aus weiter nach Rhodos in den damals italienischen Ägäis-Inseln. Ab 1937 flog Ala Littoria von Rhodos weiter nach Haifa, und ab 1939 von dort aus nach Bagdad und Basra. Weitere wichtige Ziele im Mittelmeerraum waren Istanbul, Kairo und Tunis sowie Italienisch-Libyen.
Der Ausbau des europäischen Streckennetzes erfolgte in Richtung Osten, insbesondere von Venedig über Klagenfurt und Bratislava nach Prag sowie von Rom über Belgrad nach Bukarest und zeitweise nach Constanța. Die Strecke von Venedig nach Wien verlängerte man vorübergehend bis nach Warschau, das dann mit Danzig über Budapest angeflogen wurde. Die Strecke nach Frankfurt und Amsterdam überließ man der Avio Linee Italiane und flog stattdessen nach München und Berlin. Wegen der Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg erfolgte auch ein Ausbau in westlicher Richtung, zunächst ab Oktober 1936 per Flugboot nach Pollença auf Mallorca und von dort dann ab Dezember 1936 weiter nach Melilla und Cádiz. 1938 kamen noch Málaga, Sevilla und Lissabon dazu, 1939 auch Barcelona.
Über eine Ausdehnung des Streckennetzes nach Lateinamerika, wohin viele Italiener ausgewandert waren, hatte man lange ergebnislos debattiert, obwohl Italien mit Italo Balbo, Arturo Ferrarin, Francesco De Pinedo und anderen über fähige Flugpioniere verfügte, die wiederholt mit z. T. größeren Flugzeugformationen über den Atlantik und auch nach Asien und Australien geflogen waren. Ala Littorias neue Atlantik-Abteilung unternahm erst am 20. März 1938 mit einem Flugboot vom Typ CRDA Cant Z.506 einen versuchsweisen Atlantikflug, von Rom über Cagliari, Bathurst, Salvador da Bahia und Rio de Janeiro nach Buenos Aires. Gleichzeitig gründete man in Argentinien mit italienischem Kapital die Corporación Sudamericana de Servicios Aéreos (CSSA), die mit ihren zunächst drei Macchi MC.94 die Anschlussflüge der künftigen Atlantiklinie von Ala Littoria übernehmen sollte. Weil man bei der Vorbereitung der Aufnahme von Luftpostdiensten nach Buenos Aires keine Kooperationsabkommen mit Air France und Lufthansa erreichen konnte, wandte man sich an Spanien und Portugal, die ihre Unterstützung zusicherten, aber ihre Einbindung in den Linienverkehr verlangten. Auf den damals portugiesischen Kapverden wurde 1939 der Flugplatz Sal als Zwischenstation eingerichtet. Interne und politische Querelen führten dann im September 1939 dazu, dass aus der Atlantik-Abteilung der Ala Littoria die Tochtergesellschaft Linee Aeree Transcontinentali Italiane (LATI) gebildet wurde, die wöchentliche Linienflüge (bei besonderem Bedarf auch mit Passagieren) mit konventionellen Savoia-Marchetti SM.83 und einigen anderen Modellen im Dezember 1939 auf der Strecke Rom–Sevilla–Lissabon–Villa Cisneros–Sal–Recife–Rio de Janeiro aufnahm. Kriegsbedingt stützte sich das deutsche Condor-Syndikat in Brasilien auf die Dienste der LATI, mit der ein Luftpostkonsortium gebildet wurde.Mario Bignami: Note sulla LATI e il trasporto aereo transatlantico auf ilpostalista.it Nach dem Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke ab Juni 1940 nur noch monatlich bedient, im Juli 1941 noch bis Buenos Aires verlängert, dann aber nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im Dezember 1941 aufgegeben. Ein Anschluss an die CSSA in Buenos Aires, die 1946 in der Aviación del Litoral Fluvial Argentino aufging, erfolgte somit nur wenige Monate.Samuel J. Pezzillo: The Italian Air Service to South America, December 1939—December 1941. Smithsonian Postal History Seminar, Bellefonte 2014, auf stamps.org
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