Die Hertzallee ist eine nach dem deutschen Physiker Heinrich Hertz benannte Straße im Berliner Ortsteil Charlottenburg (Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf) an der Grenze zum Ortsteil Tiergarten (Bezirk Mitte). Sie ist die älteste Straße in diesem Bereich und bestand bereits lange vor 1800.

Verlauf mini|links|Verlauf

Die Hertzallee führt vom Hardenbergplatz vor dem Zoologischen Garten zur Fasanenstraße und unterquert dabei das Viadukt der Stadtbahn. Sie endet am Campus der Technischen Universität.

mini|Unterführung unter der Stadtbahn am Beginn der Hertzallee

Der Abschnitt zwischen Ernst-Reuter-Platz und Fasanenstraße, auf dem späteren Stammgelände der Technischen Universität, wird als Parkplatz und nicht öffentliche Zufahrtsstraße zu den Gebäuden benutzt. Der frühere Straßencharakter ist deutlich erhalten geblieben, lediglich am nordwestlichen Ende beim Ernst-Reuter-Platz wurde ab 1955 das Gebäude des Instituts für Bergbau und Hüttenwesen quer über die Straße gebaut und riegelt den Campus vom Platz ab.

mini|Ende der Hertzalle an der Fasanenstraße, hinter dem Zaun nicht-öffentlicher Straßenteil auf dem Gelände der TU Berlin bis zum Ernst-Reuter-Platz

Die Nordseite der Straße liegt im Ortsteil Tiergarten, das nummerierte Grundstück Nr. 41 ist die Zoo-Gärtnerei.

Geschichte vor 1950: Kurfürstenallee Um 1800 gab es eine schnurgerade Straße von Charlottenburg bis zum Fasanengarten.Stadtplan 1802 Der nördliche Teil (später Berliner Straße, seit 1957: Otto-Suhr-Allee) bis zum Knie (seit 1953: Ernst-Reuter-Platz) war 1705 eröffnet worden, der südlichen Teil (später Kurfürstenallee, seit 1950 Hertzallee) war erstmals in einem Plan von 1777 gestrichelt dargestellt.

Die heutige Hertzallee war um 1800 noch völlig unbebaut. Sie führte damals bis zur Fasanerieallee (spätere Lichtensteinallee) und wurde bereits 1844 verkürzt, als auf dem Gelände der vorherigen Fasanerie der Zoologische Garten gebaut wurde. Auf einer fast parallelen Trasse entstand eine neue Straße, die südlich am Zoo vorbei führte und zur Durchgangsverbindung wurde, die heutige Hardenbergstraße.

Um 1857 lag an der Nordseite das Hippodrom, an der Südseite eine Baumschule.Stadtplan 1857

Die Straße erhielt 1862 den Namen Kurfürstenallee (damals noch als Churfürsten Allee). Nach dem Chronisten Otto A. Borchert erhielt sie ihren Namen zu Ehren des Kurfürsten Friedrich III. und wurde beidseitig mit Linden bepflanzt.

Um 1875 gab es noch keine Häuser in der Straße, um 1890 lagen die sechs Mietshäuser Hardenbergstraße 37 bis 42 mit ihrer Rückseite an der KurfürstenalleeAdressbuch 1890 Diesen wurde bis 1900 für ihre rückwärtigen Eingänge identische Hausnummern zugeteilt, so entstanden die Adressen Kurfürstenallee 37 bis 42, es waren um 1900 die einzigen vergebenen Hausnummern in der Kurfürstenallee. Seit Ende der 1950er Jahre sind die Grundstücke überbaut mit dem Ernst-Reuter-Platz und einem angrenzenden TU-Gebäude.Vergleich des Lageplans von 1910 mit späteren Jahren auf

mini|Die Gebäude der Vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule an der Hardenberg- Ecke Fasanenstraße, ca. 1880

Im Jahr 1900 lag östlich davon noch die Königliche Baumschule, dahinter der Neubau der Hochschule für MusikErster Entwurf für die Hochschule für Musik / Akademie der Bildenden Künste an der Hardenbergstraße Ecke Hertzallee; 1896. In: Archiv der TU Berlin. Auf der Darstellung befindet sich die Kurfürsten-Allee rechts und zeigt Schienen der gerade in Betrieb genommenen Pferdestraßenbahn, ebenso die Hardenbergstraße. Der zweite Entwurf von August Orth – architekturmuseum.ub.tu-berlin.de – verlegte den Haupteingang des Akademiegebäudes in die Kurfürsten-Allee, die hier mit ihrem üppigen Baumbestand dargestellt ist. und ein Abschnitt bis zur Stadtbahn. Von hier führte sie nordwestwärts wieder zurück; hinter der Fasanenstraße liegen die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule und der Sportplatz des Westens. Über die Kreuzung mit der Joachimsthaler Straße hinweg führte die Kurfürsten-Straße dann (ohne Nummerierung) bis zur Königlichen Hochschule im späteren Stadtviertel Tiergarten.

Nach 1900 setzte eine umfangreiche Bebauung der gesamten Gegend ein, entlang der Südseite der Kurfürsten-Allee wurden weitere Gebäude der Technischen Hochschule, sowie einer frisch gegründeten Militärtechnischen Akademie zu Charlottenburg geplant und gebaut. Bis zum Jahr 1930 entstanden außerdem: Nr. 15–10 Studentenhaus Charlottenburg mit einer Akademischen Krankenkasse, einem Hochschul-/Auslands-Verlag und Buchvertrieb sowie einem Studentenheim; Nr. 9, ein Gebäude im Eigentum des Berliner Fiskus für die Preußische Bau- und Finanzdirektion, für das Institut und den studentischen Ausschuss für Leibesübungen sowie einige Wohneinheiten. Direkt an der Stadtbahn befanden sich Baracken der Eisenbahndirektion Osten, an der Hardenbergstraße (ohne Nummer) die Ingenieurschule, die Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, die Baumschule.

Vor 1943 waren die Grundstücksnummern nun im Zickzacksystem neu vergeben worden, also linke Seite ungerade, rechte Seite gerade. Sie bezeichneten: 1–11 eine Grünfläche, 13–29 den Preußischen Fiskus, 29 einen Kohlenhof. Alle geraden Nummern von 12 bis 42 waren nun der Hardenbergstraße (Nummern 42, 41, 40, […], 32a) zugeordnet, die meisten gehörten zu Einrichtungen der Technischen Hochschule (wie das Physikalische Institut; Hertzallee 18/22 → Hardenbergstraße 34/35).

Geschichte ab 1950: Hertzallee

Im Jahr 1950 beschloss der Senat von Berlin die Umbenennung der Kurfürstenallee in Hertzallee zu Ehren des Physikers Heinrich Hertz.

Ein Straßenteil am Busbahnhof in Tiergarten erhielt am 18. Dezember 1961 ebenfalls den Namen Hertzallee. Am 19. Mai 1964 wurde der Teil der Hertzallee zwischen Ernst-Reuter-Platz und Fasanenstraße, der durch das Gelände der TU verläuft, schließlich entwidmet. Grosser Berliner Stadtplan, Richard Schwarz Nachf. Dieser Teil soll bis 2016 umgebaut und als öffentliche (aber teilweise autofreie) Straße wieder eröffnet werden. Der Einbau einer verglasten Fassade im Institut für Bergbau soll eine Sichtachse zum Ernst-Reuter-Platz ermöglichen.Große Pläne für die verlängerte Hertzallee. In: Berliner Zeitung, 6. Oktober 2014.

Cranzbau mini|Im 1905 fertiggestellten Cranzbau (Ansicht von der Hofseite) waren Laboratorien der Militärtechnischen Akademie untergebracht. Der Cranzbau (Jebensstraße 1, nach Carl Cranz, 1903–1920 Ordentlicher Professor an der Militärtechnischen Akademie) ist ein Baudenkmal aus dem Jahr 1905. Der Königliche Baurat Karl Weisenberg hatte die Pläne für ein Ballistisches und Chemisches Labor der Militärtechnischen Akademie zu Charlottenburg detailliert ausgearbeitet.Baupläne von Karl Weisenberg für Fachgebäude der Militär-Akademie. In: Archiv der TU Berlin. (Diese Akademie wurde später mit der Technischen Hochschule Charlottenburg zur TU Berlin zusammengeschlossen.)

Die nördliche Straßenseite heute mini|Betriebshaltestelle Hertzallee, im Hintergrund die Bibliothek Neben der Eisenbahnbrücke liegt der Eingang zum Wirtschaftshof des Zoos. Hier war das Great Berlin Wheel geplant, ein 185 Meter hohes Aussichtsrad mit 36 klimatisierten Gondeln. Im Jahr 2007 führte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, den symbolischen ersten Spatenstich aus, darauf folgten jedoch keine weiteren Arbeiten. In den 2010er Jahren wurde der Immobilienfonds für das Riesenrad aufgelöst, das Projekt wird nicht mehr weiterbetrieben.

Daneben befindet sich eine Busaufstellfläche der BVG, die für die Haltestelle Zoologischer Garten als Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin bedeutsam ist. Hinter dem Busbahnhof an der Fasanenstraße, in die die Hertzallee mündet, befindet sich die 2004 eröffnete Zentralbibliothek der TU und UdK Berlin.

Weblinks

Homepage der Great Berlin Wheel GmbH

Einzelnachweise

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