mini|John McLaughlin (2008) John McLaughlin [] (* 4. Januar 1942 in Kirk Sandall in Yorkshire, England) ist ein britischer Musiker. Er betätigt sich als Jazz- und Rockgitarrist sowie als Komponist.
Leben und Wirken mini|John McLaughlin (1986) mini|John McLaughlin, Remember Shakti-Konzert, 2001 mini|McLaughlin mit Kenny Garrett und Vinnie Colaiuta (Five Peace Band, 2008)
McLaughlins Mutter war klassische Violinistin. Im Alter von sieben Jahren spielte er Geige und Klavier, mit elf Jahren griff er zur Gitarre und lernte die ersten Griffe von einem seiner Brüder. Nach dem Schulabgang arbeitete er in einem Musikalienladen, wo er mit vielen Musikern in Kontakt kam, und trampte als Sechzehnjähriger nach Manchester, um Flamenco-Gitarristen zu hören. Sein erstes Profiengagement als Musiker hatte er bei Big Peter Deuchar and His Professors of Ragtime. Nachhaltigen Eindruck machten zunächst die Gitarristen Muddy Waters, Big Bill Broonzy und Leadbelly auf ihn, etwas später hörte er ausgiebig Django Reinhardt, über Jazz at the Philharmonic lernte er Barney Kessel und Tal Farlow kennen. Als weitere Einflüsse nannte er 1973 John Coltrane, Eric Dolphy, Bill Evans, Elvin Jones, den spanischen Flamenco und die klassische indische Musik. Unter den Rockgitarristen bezeichnete er Jimi Hendrix, mit dem er einmal eine Nacht lang jammte, als seinen einzigen Einfluss.
John McLaughlin arbeitete zunächst im Bluesrockbereich mit Brian Auger und Georgie Fame. Mit Ginger Baker und Jack Bruce spielte er ab 1963 in der Graham Bond Organization. 1964/1965 gehörte er zum Quartett von Ray Ellington, begleitete aber auch die Four Tops und Wilson Pickett auf ihren Tourneen. 1967 gehörte er zu den Nighttimers von Herbie Goins. Zur gleichen Zeit machte er erste Jazzerfahrungen; er spielte mit Ian Carr, John Stevens und Jeff Clyne bzw. dem Kontrabassisten Danny Thompson und dem Saxophonisten Tony Roberts. Nachdem McLaughlin u. a. Mitglied in der Gruppe des deutschen Vibraphonisten Gunter Hampel geworden war und eine erste Solo-LP („Extrapolation“) eingespielt hatte, ging er in die USA. Den Anstoß gab der Schlagzeuger Tony Williams. Ihm hatte Dave Holland, der 1968 als Bassist zu Miles Davis geholt worden war, ein Tonband einer Jam-Session aus Ronnie Scott’s Club mit Jack DeJohnette, sich selbst und McLaughlin vorgespielt. Williams rief daraufhin McLaughlin an und bat ihn, sofort herüberzukommen. Unmittelbar nach der Ankunft in New York begannen im Harlemer Club Baron die Proben mit Williams, am nächsten Tag nahm dieser ihn mit zu Miles Davis, der ihn nach wenigen Sätzen zur Aufnahmesitzung des folgenden Tages einlud. Dort wirkte er zunächst auf den wichtigen Alben In A Silent Way und Bitches Brew von Miles Davis mit, der ihn als „the one, the killer“ bezeichnete.the one, the killer. musikexpress.de Zusätzlich verunsicherte ihn, dass ihn Davis’ Album Milestones Jahre zuvor tief beeindruckt hatte. Das Titelstück von In a Silent Way stammte von Joe Zawinul, Davis wollte es jedoch anders und bat McLaughlin, auf der Gitarre Harmonien und Melodie zugleich zu spielen. McLaughlin verstand die Anweisung nicht genau und tastete sich an dem Thema entlang, ohne zu wissen, dass auf ein Zeichen von Davis bereits das Band lief. Daraus wurden die Einleitungsphrasen des Titelstücks. Schon vor den Aufnahmen für Bitches Brew gründete er mit dem ehemaligen Davis-Schlagzeuger Tony Williams und dem Organisten Larry Young (Khalid Yasin) das Trio Lifetime, dessen erstes Album Emergency! im Mai 1969 aufgenommen wurde.[ Emergency!] auf Allmusic, abgerufen am 20. Mai 2010 Anfang 1970 wurde Lifetimes zweites Album Turn It Over (mit Jack Bruce) aufgenommen, einen Monat später das Miles Davis-Album A Tribute to Jack Johnson. McLaughlin wirkte auch – wie Bruce – an Carla Bleys richtungweisendem Werk Escalator over the Hill (aufgenommen 1968–71) mit. Mit Larry Coryell war er auf dessen Album Spaces (1969) zu hören, mit Miroslav Vitouš auf dessen Infinite Search (1969). Jeff Beck, selbst ein Ausnahmegitarrist, bezeichnet ihn als größten lebenden Gitarristen.
Seinen spirituellen Guru Sri Chinmoy traf McLaughlin 1970 im Meditationszentrum in Connecticut. Die Begegnung stellte sein Leben um. Hatha Yoga hatte er schon zuvor praktiziert, von nun an verzichtete er auf Alkohol, Tabak und Drogen und wurde Vegetarier. Von Chinmoy erhielt er den geistlichen Namen Mahavishnu, den er auch seiner Band gab, seine Frau nannte sich Mahalakshmi. Der Name bedeutet so viel wie „Göttliches Mitleid und Gerechtigkeit“. Eine Zeit lang begleitete er sie bei Andachtsliedern für die Glaubensgemeinschaft Chinmoys, in der sie Harmonium spielte und dazu sang. Nach dem Ende seiner Zeit bei Lifetime stand die Überlegung im Raum, fest zu Miles Davis zu gehen. Auf den Rat seines Managers Nat Weiss und seines Gurus stellte er stattdessen eine eigene Band auf die Beine und unterschrieb zugleich bei Columbia.
Mit dem 1971 gegründeten Mahavishnu Orchestra, in dem er mit Jerry Goodman, Jan Hammer, Billy Cobham und Rick Laird zusammenspielte, kam der Erfolg. Die Fusion aus Jazz und Rock war wegweisend für die (u. a. von Miles Davis eingeleitete) Fusion-Musik Anfang der 1970er. Im Mahavishnu OrchestraPower, Passion and Beauty, The Story Of The Legendary Mahavishnu-Orchestra konnte McLaughlin (der inzwischen unter dem Einfluss seines hinduistischen Gurus Sri Chinmoy Alkohol und anderen Drogen entsagt hatte) seine Gitarrentechnik sowie sein musikalisches Potential erstmals voll entfalten. Im August 1972 war McLaughlin beim Jazzprogramm der Olympischen Spiele in München zu hören, das ZDF sendete den Auftritt in seiner Reihe Sonntagskonzert. Schon zuvor war er mit Gunter Hampel in Berlin bei einer Veranstaltung der Free Music Production aufgetreten und hatte dort auch in einem Konzert mit Sonny Sharrock gespielt. Nach der Auflösung des ersten Mahavishnu Orchestra folgte ein zweites Mahavishnu Orchestra mit dem französischen Geiger Jean-Luc Ponty, dem Drummer Narada Michael Walden, der Keyboarderin Gayle Moran (Ehefrau von Chick Corea) und vielen anderen. Außerdem machte er Aufnahmen mit Carlos Santana.
Das anschließende – lediglich aus akustischen Instrumenten bestehende und stark an klassischer indischer Musik orientierte – Projekt Shakti mit dem Geiger L. Shankar und dem Tabla-Spieler Zakir Hussain war ein Schub für die Popularität indischer Musik im Westen. Sie hatten 1976 und 1977 Auftritte auf dem Montreux-Jazz-Festival und formierten sich 1999 unter dem Namen Remember Shakti erneut, woraus einige Alben und ein weiterer Auftritt in Montreux hervorgingen.
Am 5. Dezember 1980 (veröffentlicht 1981) nahm er zusammen mit den Gitarristen Al Di Meola (Larry Coryell als vormaliges Mitglied des Gitarrentrios ersetzend) und Paco de Lucía das berühmte Live-Album Friday Night in San Francisco auf, welches über zwei Millionen Mal verkauft wurde. 1982 folgte das Studio-Album Passion, Grace & Fire, das man ebenfalls zu den Klassikern der Akustik-Gitarren-Aufnahmen zählen darf. 1996 folgte das Studio-Album The Guitar Trio und eine Reunion-Tour, mit der sie an frühere Erfolge anknüpfen wollten.
Zu erwähnen ist auch der Zusammenschluss von John McLaughlin mit dem Schlagzeuger Dennis Chambers, den er in einem Interview als seinen „Waffenbruder“ bezeichnete und mit dem er seit Mitte der Neunziger intensiv zusammenarbeitete. So entstand das Trio The Free Spirits mit dem Hammond-Orgel-Virtuosen Joey DeFrancesco. Sie waren in dieser Formation 1993 und 1995 zu Gast auf dem Jazz Festival Montreux, unter anderem auch auf dem Festival Jazz à Vienne, und spielten das Album The Free Spirits – Tokyo Live ein. Außerdem entstand 1997 das Studio-Album The Heart Of Things, diesmal durfte Dennis Chambers John McLaughlins Duette mit dem Saxophonisten Gary Thomas unterstützen, im Jahre 1998 auch auf dem Montreux-Jazz-Festival.
2008 ging er mit seinem alten Freund Chick Corea und der Five Peace Band auf Tournee und spielte ein vielbeachtetes Live-Album ein, das im Jahre 2009 erschien. Zu diesem Projekt gehörten Kenny Garrett (Saxofon), Christian McBride (Bass) und Vinnie Colaiuta (Schlagzeug).
Seit 2009 arbeitet John McLaughlin mit den Musikern Gary Husband (keyb, dr), Ranjit Barot (dr) und Étienne M’Bappé (b) unter dem Bandprojekt John McLaughlin & The 4th Dimension zusammen. Aus der Zusammenarbeit resultieren die Studioveröffentlichungen To The One (2010), Now here This (2012) und Black Light (2015), sowie Liveveröffentlichungen wie Live@Belgrade (DVD, 2009), The Boston Record (2014), Live At Ronnie Scott's (2017) und Live in San Francisco (2018, mit Jimmy Herring). Die Band tourt regelmäßig wie z. B. 2011, 2012 und 2016 durch Europa sowie 2014 und 2017 durch die USA.Official Homepage. Musical Life, abgerufen am 26. Juli 2016.
Preise und Auszeichnungen John McLaughlin wurde von den Lesern des weltweit auflagenstärksten Jazzmagazins Down Beat sieben Mal (1972, 1973, 1974, 1992, 1993, 1994, 1995), sowie zweimal von den Musikkritikern (1992, 1995) zum Jazzgitarristen des Jahres gewählt.Down Beat Critics and Reader Polls. (englisch) downbeat.com; abgerufen am 21. Mai 2012
Im Leserpoll von 1972 wurde das Album The Inner Mounting Flame zugleich zum Jazzalbum und zum Popalbum des Jahres gewählt, das Mahavishnu Orchestra kam in der Rubrik Rock, Pop, Blues auf den ersten und als Jazzcombo auf den zweiten Platz, McLaughlin selbst wurde außerdem Zweiter in den Wertungen als Jazz- und als Popmusiker. Beim Leserpoll der deutschen Zeitschrift Sounds für 1972 belegten McLaughlin als Musiker und als Instrumentalist, das Mahavishnu Orchestra als Gruppe und dessen Langspielplatte jeweils den ersten Platz.
Am 20. März 2012 wurde er mit dem Frankfurter Musikpreis geehrt; ausgezeichnet wurde er für ein Werk, das sich nach Ansicht der Jury „immer durch Respekt und Offenheit gegenüber vielen anderen Richtungen, Ausdrucksformen und Kulturen ausgezeichnet hat, und nicht durch Genregrenzen und Dogmatismus“.Jazz-Gitarrist John McLaughlin bekommt Frankfurter Musikpreis. Der Standard, 21. Januar 2012
Der Rolling Stone listete McLaughlin auf Rang 68 der Zeitschriftenlisten 100 größten Gitarristen aller Zeiten. In einer Liste aus dem Jahr 2003 hatte er Rang 49 belegt.
2018 bekam er einen Grammy für seine Soloimprovisation im Stück Miles Beyond auf dem Album Live at Ronnie Scott’s.
Am 4. November 2024 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (197200) Johnmclaughlin.
Diskografie
Soloalben
Weitere Soloalben Where Fortune Smiles, 1970, Douglas/One Way (mit Surman, Karl Berger, Dave Holland und Stu Martin) Devotion, 1970, Douglas Electric Dreams, 1979, Columbia mit One Truth Band Music Spoken Here, 1982, Warner Bros. (Reissue von Wounded Bird Records) Mediterranean Concerto (For Guitar and Orchestra, Live), 1988, Columbia (Klassik mit dem London Symphony Orchestra) Live at the Royal Festival Hall, 1989, JMT Que Alegria, 1991, Verve (DE: ) Time Remembered: John McLaughlin Plays Bill Evans, 1993, Verve The Free Spirits – Tokyo Live, 1993, Polygram (mit Joey DeFrancesco & Dennis Chambers) After the Rain, 1994, Verve (mit Joey DeFrancesco & Elvin Jones) The Promise, 1995, Verve (mit Sting, Jeff Beck, Al Di Meola, Paco De Lucia, David Sanborn, Dennis Chambers, Vinnie Colaiuta, Michael Brecker, Trilok Gurtu) The Heart of Things, 1997, Verve (u. a. Gary Thomas, Dennis Chambers) The Heart of Things: Live in Paris, 2000, Polygram Thieves And Poets, 2003, Verve The Montreux Concerts, 2003, Warner Music (17-CD Kompilation mit Konzertaufnahmen zwischen 1974 und 1996) Industrial Zen, 2006, Abstract Logix (u. a. mit Hadrien Feraud, Gary Husband, Bill Evans, Vinnie Colaiuta, Mark Mondesir, Tony Grey) Floating Point, 2008, Abstract Logix (u. a. mit Hadrien Feraud) To the One, 2010, Abstract Logix (mit Gary Husband, Étienne M'Bappé & Ranjit_Barot) Now Here This, 2012 (mit Gary Husband, Étienne M'Bappé & Ranjit Barot) The Boston Record, 2014 Live – JM & The 4th Dimension (Gary Husband, Étienne M'Bappé & Ranjit Barot)