mini|Duhamel du Monceau; Lithographie von 1824 Henri Louis Duhamel du Monceau (* 20. Juli 1700 in PithiviersDie kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 2, Seite 189; † 22. August 1782 ebenda) war ein französischer Jurist, Botaniker, Chemiker und Ingenieur. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“. Auguste Denis Fougeroux de Bondaroy war sein Neffe.

Leben und Wirken

Dem Wunsch seines Vaters entsprechend absolvierte der Sohn aus adligem Haus von 1718 bis 1721 ein Studium der Rechtswissenschaften, obwohl seine Leidenschaft der Botanik galt. Er war Besitzer eines großen Landgutes, das er zu einem Musterbetrieb ausbaute, auf dem neue Methoden des Gartenbaus und der Land- und Forstwirtschaft entwickelt und erprobt wurden. Die Ergebnisse dieser Arbeiten publizierte Duhamel in zahlreichen Publikationen. 1728 wurde er von der Akademie der Wissenschaften beauftragt, zu erforschen, auf welche Ursachen die Schäden zurückzuführen seien, die in einer Safranzucht im Gâtinais auftraten. Als Schadorganismus entdeckte er einen parasitischen Pilz (später als Rhizoctonia crocorum beschrieben), der die Wurzeln der Safranpflanzen befällt. Für seine Leistung wurde er 1728 als Mitglied in die Akademie aufgenommen.

In den folgenden Jahren beschäftigte er sich vor allem mit physiologischen Fragestellungen an Nutzpflanzen. Unter anderem entdeckte er, beeinflusst von dem Mediziner Hans Sloane, Methoden zur Färbung von Knochen mit Krapp-Farbstoffen, mit denen er die Schichtung des Knochenaufbaus zeigen konnte und daraus den Schluss zog, dass Knochen ähnlich wachsen wie Gehölze.

Gemeinsam mit Georges-Louis Leclerc de Buffon unternahm er zahlreiche Untersuchungen zum Dickenwachstum der Bäume. Er bearbeitete zahlreiche weitere Objekte, beobachtete das Wachstum der Mistel und erforschte Brandpilze, unter anderem den Maisbeulenbrand und wurde so auch zu einem Wegbereiter der modernen Landwirtschaft. Seine bedeutendsten Leistungen beziehen sich dabei unter anderem auf die Vorgänge beim Okulieren und Pfropfen sowie auf die Bewegung des Saftes in der Pflanze und auf die Einwirkung der Luft und des Lichts auf die Entwicklung und die Ernährung der Gewächse.

Ab 1740 beschäftigte er sich mit meteorologischen Problemen, insbesondere deren Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktion.

Als Inspecteur général der französischen Marine (ab 1732) beschäftigte er sich wissenschaftlich auch mit Schiffbau, mit der Kenntnis und Konservierung des Holzes und selbst mit den sanitären Verhältnissen der Seefahrer.

Als ChemikerWinfried R. Pötsch (Federführung), Annelore Fischer, Wolfgang Müller: Lexikon bedeutender Chemiker, Harri Deutsch 1989, S. 126 bewies er, dass Kalisalz und Natriumhydrogencarbonat (als in Ägypten vorkommendes Mineral) verschiedene Stoffe sind, indem er Natron rein darstellte (er schlug vor aus Natriumsulfid mit Essigsäure Natriumacetat herzustellen und daraus durch Kalzinierung künstliches Soda). 1736 zeigte er, dass sich Steinsalz, Borax, Glaubersalz und Kochsalz daraus ableiteten und er zeigte, dass es verschiedene alkalische Komponenten in allgemein gebräuchlichen Salzen wie Soda und Pottasche gibt (Sur la bas de sel marin 1737). Damit gelang ihm auch die Unterscheidung von Soda und Pottasche. 1735 schlug er ein Verfahren zur industriellen Herstellung von Salmiak vor. Er analysierte den Purpurfarbstoff und stellte reinen Ether durch Destillation von Alkohol und Schwefelsäure her. Außerdem befasste er sich mit verschiedenen Fragen der chemischen Technologie wie der Herstellung von Stärke, Leim, Seifen, der Raffination von Rohrzucker und Messing-Herstellung.

Ab 1757 war er Nachfolger von Antoine Réaumur als Herausgeber des mehrbändigen Nachschlagewerks Description des arts et métiers.

Ehrungen Am 23. Januar 1735 wurde Duhamel als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt. Am 22. Januar 1728 wurde Duhamel als „adjoint chimiste“ in die Académie des sciences aufgenommen. Am 4. September 1730 wurde er „associé botaniste“ und am 5. Dezember 1738 schließlich „pensionnaire botaniste“. 1760 wurde Duhamel Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.

Nach Duhamel wurden die Pflanzengattungen Duhamelia und Hamelia aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) benannt.Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018 (online),

Schriften (Auswahl) Bücher Traité de la fabrique des manoeuvres pour les vaisseaux, ou L’art de la corderie perfectionné. Paris 1747 (Digitalisat). 2. Auflage, Paris 1769 (Digitalisat). Traité de la culture des terres, 1751, suivi d’Expériences sur cette culture, 1751–1760 Élémens de l’architecture navale, ou Traité pratique de la construction des vaisseaux. Charles-Antoine Jombert, Paris 1752 (Digitalisat). Charles-Antoine Jombert, Paris 1758 (Digitalisat). Avis pour le transport par mer des arbres, des plantes vivaces, des semences et de diverses autres curiosités d’histoire naturelle. Paris 1752 – mit Roland-Michel Barrin de La Galissonière. 2, beträchtlich erweiterte Auflage, L’Imprimerie Royale, Paris 1753 (Digitalisat). Vorschläge nach welchen der Transport der Bäume, Landgewächse, Saamen und verschiedener anderer Naturalien über die See zu veranstalten ist. Roth, Kopenhagen 1756 (Digitalisat) – übersetzt von Georg Christian Oeder. Traité de la conservation des grains et en particulier du froment, 1753 Traité des arbres et arbustes qui se cultivent en France en pleine terre. 2 Bände, H. L. Guérin & L. F. Delatour, Paris 1755 (Band 1, Band 2). Neue Auflage: 1785. Abhandlungen von Bäumen Stauden und Sträuchen, welche in Frankreich in freyer Luft erzogen werden. 3 Bände, Johann Michael Seligmanns seel. Erben, Nürnberg 1763 (Band 1, Band 2, Band 3) – übersetzt von Carl Christoph Oelhafen von Schöllenbach. Des semis et plantations des arbres, et de leur culture; ou méthodes pour multiplier et élever les arbres, les planter en massifs &c en avenues; former les forêts & les bois; les entretenir, & rétablir ceux qui sont dégradés: faisant partie du traité complet des bois & des forêts. H. L. Guérin & L. F. Delatour, Paris 1760 (Digitalisat) – Anhang zum Traité des arbres et arbustes. Von der Holz-Saat und Pflanzung der Wald-Bäume, auch derselber ferneren Wart; oder Arten, Bäume zu vermehren und zu erziehen, mit diesen Bäumen Dickige und Alleen, auch ganze Wälder anzulegen, dieselben gehörig zu erhalten, und die in Abnahm gekommene Wälder wieder in guten Stand zu setzen: als ein zur vollständigen Abhandlung von den Wäldern und Hölzern gehöriger Theil. Johann Michael Seligmanns seel. Erben, Nürnberg 1763 (Digitalisat, Digitalisat) – übersetzt von Carl Christoph Oelhafen von Schöllenbach. Traité des arbres et arbustes que l’on cultive en France, par Duhamel. Nouvelle édition, augmentée de plus de moitié pour le nombre des espèces, distribuée d’apres un ordre plus méthodique suivant l’état actuel de la botanique et de l’agriculture. 7 Bände, Paris 1800–1819 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5, Band 6, Band 7) – mit Abbildungen von Pierre-Joseph Redouté und Pancrace Bessa. Mémoires sur la garance et sa culture, avec la description des étuves pour la dessécher et des moulins pour la pulvériser. Paris 1757 (Digitalisat). École d’agriculture. Paris 1759 (Digitalisat). Moyens de conserver la santé aux équipages des vaisseaux, avec la manière de purifier l’air des salles des hôpitaux, et une courte description de l’hôpital Saint-Louis, à Paris, 1759 Histoire d’un insecte qui devore les grains de l’Angoumois; Avec les moyens que l’on peut employer pour le détruire. H. L. Guerin & L. F. Delatour, Paris 1762 (Digitalisat) – mit Mathieu Tillet. Eléments d’agriculture. 2 Bände, H. L. Guerin & L. F. Delatour, Paris 1762 (Band 1, Band 2). The elements of agriculture. 2 Bände, London 1764 (Band 1, Band 2) – übersetzt und überarbeitet von Philip Miller. De l’exploitation des bois, ou Moyens de tirer un parti avantageux des taillis, demi-futaies et hautes-futaies, et d’en faire une juste estimation: avec la description des arts qui se pratiquent dans les forêts: faisant partie du traité complet des bois & des forests. 2 Teile, Guerin & Delatour, Paris 1764 (Teil 1, Teil 2). Traité des arbres fruitiers, contenant leur figure, leur description, leur culture, &c. 2 Bände, Saillant / Desaint, Paris 1768 (Band 1, Band 2). 2. Auflage, 3 Bände, Paris 1782 (Band 1, Band 2, Band 3). Abhandlung von den Obstbäumen. 3 Bände, Adam Wolfgang Winterschmid, Nürnberg 1775–1783: Band 1: Abhandlung von den Obstbäumen, worinn ihre Gestalt, Erziehung und Pflege &c. angezeigt und beschrieben wird. Adam Wolfgang Winterschmid, Nürnberg 1775 (Digitalisat) – übersetzt von Carl Christoph Oelhafen von Schollenbach. Band 2: Pomona gallica oder Abhandlung von den Obstbäumen. Adam Wolfgang Winterschmid, Nürnberg 1782. Band 3: Pomona gallica oder Abhandlung von den Obstbäumen. Adam Wolfgang Winterschmid, Nürnberg 1783, darin: Beschreibung der Weinstöcke. Adam Wolfgang Winterschmid, Nürnberg 1783 (Digitalisat). Pierre Antoine Poiteau, Pierre Jean François Turpin: Traite des arbres fruitiers. Erweiterte Auflage, 6 Bände, Paris / Strasbourg 1835 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5, Band 6). Traité général des pesches, et histoire des poissons qu’elles fournissent, tant pour la subsistance des hommes, que pour plusieurs autres usages qui ont rapport aux arts et au commerce. 4 Bände, Paris 1769–1782 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4) – mit L. H. de La Marre Allgemeine Abhandlung von den Fischereyen, und Geschichte der Fische, die dadurch verschaffet werden, und die sowohl zum Unterhalte der Menschen, als zu vielen andern Arten von Gebrauche dienen, die sich auf die Künste und den Handel beziehen. Johann Jacob Kanter, Leipzig / Königsberg 1773 (Band 1, Band 2, Band 3) – übersetzt von Daniel Gottfried Schreber (1708–1777).

Weitere seiner Werke sind von Pierre-Antoine Poiteau, Pierre Jean François Turpin, Jean-Élie Bertrand und Étienne Michel wiederaufgelegt und erweitert worden.

Zeitschriftenbeiträge Observations des différents effets que produisent sur les végétaux les grandes gelées d’hiver & les petites gelées du printemps. In: Histoire de l’Académie royale des sciences, avec les mémoires de mathématique et de physique. Année M. DCCXXXVII. Paris 1740, S. 273–298 (Digitalisat) – mit Georges-Louis Leclerc de Buffon.

Als Übersetzer Jethro Tull: Traité de la culture des terres, suivant les principes de M. Tull, anglois. 6 Bände, H.-L. Guérin et L.-F. Delatour, Paris 1750–1761 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5, Band 6). Neue, korrigierte und erweiterte Ausgabe, 6 Bände, H.-L. Guérin et L.-F. Delatour (Paris), Paris 1753–1761 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5, Band 6).

Literatur Ältere Nicolas de Condorcet: Éloge de M. Duhamel. In: Histoire de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXII. Paris 1785, S. 131–155 (Digitalisat).

Neuere Pierre-Etienne Stockland: Fighting the Angoumois Grain Moth: Henri-Louis Duhamel du Monceau and his Network of Entomological Observers. In: Yves Segers, Leen Molle (Hrsg.): Agricultural knowledge networks in rural Europe, 1700-2000. Boydell, Woodbridge 2022, ISBN 978-1-78327-712-4, S. 75–93. Claude Viel: Duhamel du Monceau, naturaliste, physicien et chimiste. In: Revue d’histoire des sciences. Band 38, Nr. 1, 1985, S. 55–71 (). J. C. Zadoks: Mr. Duhamel’s 1728 treatise on the violet root rot of saffron crocus: ‘Physical explanation of a disease that perishes several plants in the Gastinois, and saffron in particular’. In: Mededelingen Landbouwhogeschool Wageningen. Band 81, Nr. 7, 1981 (PDF).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Naturforscher Kategorie:Botaniker (18. Jahrhundert) Kategorie:Chemiker (18. Jahrhundert) Kategorie:Forstbotaniker Kategorie:Agrarwissenschaftler (18. Jahrhundert) Kategorie:Autor Kategorie:Namensgeber für eine Pflanzengattung