Der Gold-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus agg.), manchmal auch Goldgelber Hahnenfuß, Goldschopf-Hahnenfuß oder Goldhaar-Hahnenfuß genannt, ist eine formenreiche Artengruppe aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Sie ist eine wichtige Modellgruppe in der Evolutionsbiologie, die für die Erforschung der Entstehung von Apomixis, Polyploidie und Artentstehung von großer Bedeutung ist.
Beschreibung mini|Habitus mini|Blüte mini|Typische Blüte mit einem fehlenden Blütenhüllblatt
Vegetative Merkmale Der Gold-Hahnenfuß ist eine ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 50 Zentimetern. Die Stängel tragen am Grund kleine Niederblätter.
Die Grundblätter sind lang gestielt und haben eine ungeteilte, nierenförmig-rundliche Spreite mit gekerbt-gezähntem Blattrand, die aber auch drei-, fünf- oder mehrspaltig sein kann. Es liegt Heterophyllie vor. Die zwei bis vier Stängelblätter unterscheiden sich stark von den Grundblättern: sie sind sitzend, fingerartig geteilt und haben linealische bis lanzettliche, teilweise gekerbt-gezähnte Zipfel.
Generative Merkmale Die Blütenstiele sind rund und nicht oder undeutlich gefurcht.
Der Blütenboden ist kahl bis behaart. Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Es sind immer fünf Kelchblätter vorhanden. Von den gelben Kronblättern sind nicht immer fünf voll ausgeprägt. Die diploid-sexuellen Stammarten besitzen meist eine vollständige Anzahl von Kronblättern, während die polyploid-apomiktischen Hybridtaxa (auch als „Kleinarten“ geführt) oftmals eine reduzierte Anzahl aufweisen. Die Anzahl der Kronblätter hängt dabei auch von umgebenden Umweltfaktoren ab.
Die dicht behaarten Nüsschen sind bei einer Länge von 3 bis 4 Millimetern eiförmig und enden in einem kurzen, hakigen Schnabel.
Chromosomensatz Die Chromosomenzahl beträgt meist 2n = 16 in den diploid-sexuellen Stammarten, und 2n = 32 in den tetraploid-apomiktischen Hybridtaxa.
Ökologie und Phänologie Der Gold-Hahnenfuß ist ein Hemikryptophyt und eine Schaftpflanze. Eine vegetative Vermehrung erfolgt durch das Rhizom.
Er ist ein Frühjahrsblüher. Blütezeit reicht von März bis Mai. Die Bestäubung erfolgt durch Fremdbestäubung (Insektenbestäubung) bei den Selbstinkompatibilität Stammarten, und oft durch Selbstbestäubung bei den selbstkompatiblen Apomikten. Obwohl die kronblattartigen Perigonblätter und Nektarien oft reduziert sind oder fehlen, erfolgt trotzdem Blütenbesuch durch Bienenverwandte, Zweiflügler oder kleine Käfer.
Die Fruchtreife erfolgt von Juli bis September. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch Zufallsausbreitung oder durch Zoochorie, beispielsweise durch die Rote Waldameise (Formica rufa). Die Apomikten können, je nach Umweltbedingungen und genetischer Disposition, einen geringen Prozentsatz sexueller Samen innerhalb eines Nüsschens produzieren.
Vorkommen Die Artengruppe des Gold-Hahnenfuß kommt in Europa in fast allen Ländern vor. Sie fehlt nur in Portugal und in Nordmazedonien.
Der Gold-Hahnenfuß kommt vor allem in Laub- und Auwäldern, in extensiv genutzten sickerfeuchten Bergwiesen und Sumpfwiesen, oft auch in Gärten und Parks vor. Meist gedeiht der Gold-Hahnenfuß neutrale bis kalkige, nährstoffreiche und grundwasserdurchzogene Lehmböden. Der Gold-Hahnenfuß steigt bis in die alpine Höhenstufe, an der Bernina bis in eine Höhenlage von 2100 Meter.
Die ökologischen Zeigerwerte, beispielsweise nach Landolt et al. 2010 in der Schweiz, sind: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = x, Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
Systematik Die Erstveröffentlichung von Ranunculus auricomus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 551.
In der Artengruppe des Gold-Hahnenfußes werden mehr als 800 beschriebene Taxa zusammengefasst. Eine Studie von 2020 basierend auf phylogenomischen und geometrisch-morphometrischen Methoden hat die zwölf existenten diploiden, teilweise tetraploiden Taxa zu fünf Stammarten basierend auf neusten Artkonzepten und Methoden der integrativ taxonomischen Forschung zusammengefasst. Eine der Stammarten, Ranunculus cassubicifolius, kommt auch in Süddeutschland und Österreich entlang des Nordalpenrandes, aber auch in den Karpaten vor. Die anderen Stammarten sind in den Pyrenäen und dem Zentralmassiv (Ranunculus envalirensis), in Österreich und Slowenien (Ranunculus notabilis), in den Apenninen (Ranunculus marsicus) und in den Karpaten (Ranunculus flabellifolius) verbreitet. Weitere aktuelle Studien basierend auf den 75 weitverbreitetsten europäischen, apomiktischen Taxa haben gezeigt, dass die Apomikten zum größten Teil durch Hybridisierung, Rückkreuzungen zu den Elternarten und Polyploidisierung entstanden sind, und oft Polyphylie als auch morphologisch nicht eindeutig auftrennbar sind. Sie wurden daher als Nothotaxa (Hybridtaxa) eingestuft.
Die klassische Gliederung in Ranunculus auricomus, Ranunculus cassubicus und Ranunculus fallax lässt sich nicht aufrechterhalten. Für Zentraleuropa werden mehr als 100 Nothotaxa angegeben.
Literatur (Abschnitt Ökologie) Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6. Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5, S. 285, 287 (Abb.), 289–299. – Digitalisat des gesamten Zeitschriftenbands 21 bei archive.org (32 MB). – Eine der wenigen Überblicksdarstellungen für ein größeres Gebiet in Deutschland.
Einzelnachweise Volker Melzheimer, Elvira Hörandl: Ranunculus sect. Auricomus. Die Ranunculaceae der Flora von Zentraleuropa, 2022, 1–147, . Kevin Karbstein, Elisabeth Rahmsdorf, Salvatore Tomasello, Ladislav Hodač, Elvira Hörandl: Breeding system of diploid sexuals within the Ranunculus auricomus complex and its role in a geographical parthenogenesis scenario. In: Ecology and Evolution, 10, 24, 2020, 14435–14450, . Kevin Karbstein, Salvatore Tomasello, Ladislav Hodač, Natascha Wagner, Pia Marinček, Birthe H. Barke, Claudia Paetzold, Elvira Hörandl: Untying Gordian knots: Unraveling reticulate polyploid plant evolution by genomic data using the large Ranunculus auricomus species complex. In: New Phytologist, Volume 235, 5, 2022, 2081–2098, . Kevin Karbstein, Salvatore Tomasello, Ladislav Hodač, Ellen Lorberg, Mareike Daubert, Elvira Hörandl: Moving beyond assumptions: Polyploidy and environmental effects explain a geographical parthenogenesis scenario in European plants In: Molecular Ecology, Volume 30, 11, 2021, 2659–2675, . Kevin Karbstein, Salvatore Tomasello, Ladislav Hodač, Franz G. Dunkel, Mareike Daubert, Elvira Hörandl: Phylogenomics supported by geometric morphometrics reveals delimitation of sexual species within the polyploid apomictic Ranunculus auricomus complex (Ranunculaceae). In: Taxon, Volume 69, 6, 2020, 1191–1220, . Ladislav Hodač, Kevin Karbstein, Salvatore Tomasello, Jana Wäldchen, John P. Bradican, Elvira Hörandl: Geometric morphometric versus genomic patterns in a large polyploid plant species complex. In: Biology, Volume 12, 3, 2023, 418, . Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 412–415. Jürgen Damboldt, Walter Zimmermann: Familie Ranunculaceae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band III, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1974, S. 288–289. E. von Raab-Straube, R. Hand, E. Hörandl, E. Nardi, 2014+: Ranunculaceae. Datenblatt Ranunculus auricomus coll. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Fotos bei Blumen in Schwaben.
Kategorie:Hahnenfuß