Der Fährhafen Sassnitz ist ein deutscher Seehafen an der Ostsee im Ortsteil Mukran der Stadt Sassnitz. Er liegt an der Prorer Wiek im Osten der Insel Rügen. Der Hafen wurde im Oktober 1986 als Fährhafen Mukran für die Fährverbindung Mukran–Klaipėda in Betrieb genommen. Am 7. Januar 1998 fand die Umfirmierung und der Umbau als damalig größter deutscher Eisenbahnfährhafen an der Ostsee unter dem Namen Fährhafen Sassnitz statt. Betreiber ist die Fährhafen Sassnitz GmbH, die zu 10 % dem Land Mecklenburg-Vorpommern und zu 90 % der Stadt Sassnitz gehört. Der Hafen gilt als der östlichste Tiefwasserhafen Deutschlands.Täglicher Hafenbericht (THB): Mukrane Port, abgerufen am 28. Julki 2024

Seit Mai 2016 agiert die Fährhafen Sassnitz GmbH als Betreiber des Hafens unter der Marke Mukran Port.Eckhard-Herbert Arndt: „Mukran Port“ als neue Marke. In: Täglicher Hafenbericht vom 3. Mai 2016

Allgemeines mini|links|Anlegestelle von der Seeseite Von Sassnitz gibt es Fährlinien nach Dänemark (Bornholm). Der Hafen wird von der Fährhafen Sassnitz GmbH mit Sitz in Neu Mukran betrieben.

Auf dem Gelände des Fährhafens Sassnitz wurde von 2013 bis Anfang 2015 für 9,8 Millionen Euro ein rund 23 Hektar großes Gewerbegebiet zur Neuansiedlung erschlossen. Dazu wurden auch Fördermittel der EU zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur in Höhe von 5,5 Mio. Euro genutzt.Neues Gewerbegebiet für Sassnitz. Der Güterumschlag am Fährhafen hat sich innerhalb von 13 Jahren nahezu halbiert. In: Täglicher Hafenbericht vom 6. Februar 2015, S. 3

Für die Erweiterung der über 1200 Kilometer langen zweisträngigen Gas-Pipeline Nord Stream durch die Ostsee von Russland nach Deutschland wurden seit 2018 zwei weitere Stränge (Nord Stream 2) gelegt. Dazu wurden bereits ab Oktober 2016 Stahlrohre aus dem Ruhrgebiet mit der Eisenbahn angeliefert und im Hafen gelagert. Innerhalb von zwei Jahren wurden 612 Züge mit je knapp 150 Stahlrohren in Mukran entladen. Diese wurden hier ab Sommer 2017 von der Wasco Coatings Europe mit Beton ummantelt. Dazu wurde das bereits für die Fertigstellung der Rohre der ersten beiden Stränge der Nord-Stream-Pipeline errichtete Werk des französischen Pipelinebauers Eupec genutzt.Frank Binder: Ostsee: Nord Stream schafft Tatsachen · Erste Stahlrohre der umstrittenen Pipeline von Russland nach Deutschland für weitere Bearbeitung auf Rügen angeliefert. In: Täglicher Hafenbericht vom 28. Oktober 2016, S. 3Peter Kleinort: Produktionsstart für Röhrenwerk · Arbeiten an zweiter Ostsee-Pipeline „Nord Stream 2“ beginnen · Verlegung ab 2018. In: Täglicher Hafenbericht vom 10. Mai 2017, S. 15

mini|Beladung einer Fähre der Königslinie in Sassnitz

Eisenbahnfährhafen Der Fährhafen Sassnitz verfügt als einziger Hafen in Mitteleuropa über Gleisanlagen der russischen Breitspur. Zur Abfertigung der Eisenbahnfähren gibt es drei Anleger. Zwei davon sind doppelstöckig und in russischer Breitspur ausgeführt.

Die Bedeutung der Eisenbahnverladung ging in den letzten Jahren immer mehr zurück. In den 2000er Jahren wurden hier noch zwischen 60.000 und 70.000 Wagen pro Jahr mit den Eisenbahnfähren trajektiert, wobei der Hauptanteil von bzw. nach Schweden kam bzw. ging. Im Jahr 2015 waren es nur noch 1500 Wagen.Eckhard-Herbert Arndt: Deutsche Bahn: Rückzug aus Hafen Mukran · Normalspurnetz soll verkauft werden. In: Täglicher Hafenbericht vom 10 Mai 2016, S. 3

Eisenbahnanlagen mini|hochkant=0.75|Bahnverladung 2014 Das 340 Hektar große Areal hat direkten Anschluss an die Bahnstrecke Stralsund–Sassnitz. Es ist in einen Normalspurteil mit 48 Kilometern Gleislänge und einen Breitspurteil mit 24 Kilometern Gleislänge unterteilt. Hier besteht die Möglichkeit zum Umschlag von Eisenbahnwagen mit der in Finnland, Russland und den baltischen Ländern verwendeten Breitspur mit 1520 Millimetern Spurweite. Das Breitspur-Areal bietet mehrere Optionen zum Umladen der Güter. Neben fünf Umladehallen, Krananlagen, einer Umpumpanlage für flüssige Güter und einer Gefahrgutrampe ist die Umspuranlage von Breit- auf Normalspur und umgekehrt die zentrale Schnittstelle. Hier werden die Güterwagen angehoben und die Drehgestelle gegen solche der jeweils anderen Spurbreite ausgetauscht. Für die Rangieraufgaben wird eine Breitspurvariante der DR-Baureihe V 60 mit SA-3-kompatiblen Mittelpufferkupplungen Bauart INTERMAT eingesetzt. Die Umlade- und Umachsanlagen sind direkt mit den beiden doppelstöckigen Breitspur-Fähranlegern verbunden. Die Fähranleger sind jeweils fünfgleisig, um die Be- und Entladezeit kurz zu halten.

Die Be- und Entladung der Schiffe erfolgt aus Stabilitätsgründen gleichzeitig und mit möglichst gleicher Wagenanzahl auf zwei Gleisen. Bei der Entladung werden zuerst auf dem Oberdeck die beiden mittleren Gleise, dann die beiden Außengleise und zuletzt das Mittelgleis abgezogen, anschließend geschieht dies auf dem Hauptdeck in gleicher Reihenfolge. Die Beladung erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

Andere Hafenanlagen mini|Molenfeuer Mukran, dahinter der Bau weiterer Liegeplätze an der Hafenmole Insgesamt verfügt der Hafen Mukran Port über 19 Liegeplätze für Schiffe mit bis zu 365 Metern Länge und 9,5 Metern Tiefgang; drei weitere Liegeplätze sind 2019 an der Innenseite der Nordmole in Bau.Hafenplan, mukran-port.de, abgerufen am 19. Juni 2019 Neben den Eisenbahnfähren können RoRo-Fähren, Stück- und Schüttgutschiffe sowie Kreuzfahrtschiffe abgefertigt werden. Im östlichen Teil des Hafens befindet sich eine Kaianlage direkt an einer Fischverarbeitungsanlage.

Für den Schwerlastumschlag, insbesondere für die Offshore-Industrie, wurde 2013/2014 für 24 Mio. Euro eine Fläche von sechs Hektar aufgeschüttet. Der hier befindliche Liegeplatz 3a wurde speziell für die Verladung von Schwergut und Windenergieanlagen für Offshore-Windparks angelegt, damit hier Errichterschiffe Ladung aufnehmen können.Thomas Schwandt: Wind of Change im Fährhafen. Offshore-Windparks vor der vorpommerschen Küste bieten Sassnitz neue Perspektiven als Bau- und Servicehafen. In: NNN vom 10. Dezember 2014, S. 15Sassnitz setzt auf Offshore-Industrie · Der Standort an der Ostküste Rügens löst sich vom Fährgeschäft und wandelt sich zum Basis- und Servicehafen. In: Täglicher Hafenbericht vom 13. November 2015, Sonderbeilage Baltic Sea/Ostseehäfen, S. 5 2016/2017 wurde im östlichen Bereich der Liegeplatz 10 für die Schwergutverladung (Offshore-Industrie) ausgebaut.Riesiges Rohrlager an Rügens Ostküste · Mukran Port fungiert als Basisstandort für den Bau der Pipeline „Nord Stream 2“ und weitere Offshore-Projekte. In: Täglicher Hafenbericht vom 21. November 2017, S. 4 Im August 2016 wurde eine Schüttgut-Entladestelle für den Getreideumschlag in Betrieb genommen.Wolfhart Fabarius: Mukran: Offshore-Boom statt Fährverkehr · Neben Schwerlast setzt Sassnitz auf Getreideumschlag. In: Täglicher Hafenbericht vom 20. Oktober 2016, S. 3 Auf der Innenseite der östlichen Hafenmole wurden 2018–2020 weitere Liegeplätze angelegt.

Die Pläne für das LNG-Terminal Mukran zunächst als große schwimmende Plattformen vor Rügen wurden im Februar 2023 der Öffentlichkeit bekannt. Seit September 2024 ist das Terminal im Regelbetrieb. Im Juli 2024 wurde die Neptune an den Terminalstandort Mukran im Fährhafen Sassnitz verlegt.

Landseitige Verkehrsanbindung mini|Das Passagierterminal Eisenbahnseitig besteht mit der Bahnstrecke Stralsund–Sassnitz der Anschluss über die Ziegelgrabenbrücke nach Stralsund und somit Verbindung über die Bahnstrecke Stralsund–Rostock nach Rostock und über die Berliner Nordbahn oder die Bahnstrecke Angermünde–Stralsund und die Bahnstrecke Berlin-Stettin nach Berlin. Seit dem 21. Mai 2022 ist der Fährhafen mit der Regional-Express-Linie 27 auch wieder an den Schienenpersonennahverkehr angebunden. Die Nutzung des Zuges ist jedoch nur mit Fährticket möglich.

Linie Fahrtverlauf Takt Bergen auf Rügen - Fährhafen Mukran 2 Zugpaare Samstags/Sonntags

Straßenseitig ist der Hafen an die B 96b (E 22), mit der B 96 (E 22 und E 251) über die Rügenbrücke mit Stralsund und über eine Kraftfahrstraße mit der A 20 verbunden.

Mit Bussen des ÖPNV ist der Fährhafen vom Bahnhof Sassnitz mit den Linien 18 (direkt) oder der Linie 22 (auch aus Richtung Binz, ca. 20 min. Fußweg von der Haltestelle „Dubnitz“) der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) erreichbar.

Geschichte

Bereits ab 1909 wurde der Sassnitzer Stadthafen als Eisenbahnfährhafen für die Königslinie nach Trelleborg (Schweden) genutzt. Ab 1963 gab es Planungen für eine Fährverbindung zwischen der DDR und der Sowjetunion. Startpunkt der Fähren auf DDR-Seite sollte der Hafen Mövenort an der Nordküste der Insel Rügen sein. Diese Planungen wurden verworfen; neue Planungen für den Bau einer Fährverbindung begannen im Jahr 1977. Ab 1982 wurde der Fährhafen in Mukran als eines der letzten großen Verkehrsbauprojekte in der DDR für zwei Milliarden DDR-Mark gebaut. Es sollte insbesondere eine leistungsfähige Fährverbindung für den Güterverkehr mit dem damals zur Sowjetunion gehörenden litauischen Klaipėda (Memel) schaffen, um für den Transport von Gütern aus der DDR in die Sowjetunion den langwierigen und durch Transitgebühren kostspieligen Landweg zu umgehen, der zudem durch die damalige politische Lage in Polen unsicher geworden war. Am Hafenausbau waren auch zahlreiche Bausoldaten der NVA beteiligt.

Der Fährbetrieb auf der Verbindung von Mukran nach Klaipėda begann im Oktober 1986 und wurde bis 1989 auf einen Liniendienst mit fünf (von sechs ursprünglich geplanten)Holger Brydda, Arno Crotogino: Der Fährhafen Mukran auf Rügen (DDR). In: Hansa, Heft 4/1990, S. 224–227. Eisenbahnfähren ausgeweitet. Bis zum Ende der DDR war das Gelände gegenüber der Umgebung abgesperrt und nicht allgemein zugänglich. In den frühen 1990er Jahren bis Juli 1994 wurde ein Großteil der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte über Mukran heimtransportiert. Die Grundlagen hierzu wurden im Rahmen der Wiedervereinigung Deutschlands im Aufenthalts- und Abzugsvertrag geregelt. Ein im Jahr 2009 durch die Initiative Denk-MAL-Prora unter Denkmalschutz gestellter Wachturm erinnert an die ehemalige Grenzübergangsstelle.Chris-Marco Herold: Wachturm in Mukran wird Denkmal. In: Ostseezeitung, 31. Dezember 2009 Vielfache Bemühungen um die denkmalpflegerische Unterschutzstellung einer der letzten intakten DDR-typischen Versorgungseinrichtungen für die Soldaten und später auch die zivilen Baukräfte des Hafens – der „Versorger Mukran“ – scheiterten. Das bis 2013 als Gaststätte genutzte Gebäude wurde im Jahr 2016 entkernt.Stefan Wolter: Asche aufs Haupt! Vom Kampf gegen das kollektive Verdrängen der DDR-Vergangenheit in Prora auf Rügen. Band 3, Projekte-Verlag, Halle 2012, ISBN 978-3-86237-888-3, abrufbar unter http://www.denk-mal-prora.de/AscheaufsHaupt2012.pdf, S. 79 ff. Dabei wurde u. a. auch ein von Uta Wulsten entworfener großer künstlerisch anspruchsvoller Raumteiler entsorgt.

Nach 1990 bekam der bis dahin ausschließlich für den Güter- und Militärverkehr mit der Sowjetunion genutzte Hafen in Mukran zusätzliche Aufgaben. Wegen der Kapazitätsgrenzen im Sassnitzer Stadthafen wurde ab 1995 ein neues Fährterminal gebaut sowie an den vorhandenen Anlegern umfangreiche Umbau- und Erweiterungsarbeiten durchgeführt, um den damals zunehmenden Personenverkehr nach Skandinavien aufzunehmen. Nach zweijährigem Ausbau wurde am 7. Januar 1998 der größte deutsche Eisenbahnfährhafen an der Ostsee unter dem Namen „Fährhafen Sassnitz“ eröffnet. Ab diesem Tag verkehrte die Königslinie nicht mehr vom alten Stadthafen Sassnitz, sondern vom Fährhafen Sassnitz, wie sich der Hafen Mukran nun nannte aus.

Die den Hafen betreibende „Fährhafen Sassenitz GmbH“ ist neu gegründet worden und gehört zu 10 % dem Land Mecklenburg-Vorpommern und zu 90 % der Stadt Sassnitz.Struktur von Unternehmen Mukrane Port, abgerufen am 26. Juli 2024