Abū ʿUmar Yūsuf ibn ʿAbdallāh Ibn ʿAbd al-Barr (, geb. 978 in Córdoba; gest. 1071 in Játiva) war einer der bekanntesten Rechtsgelehrten seiner Zeit im islamischen Spanien, Qādī in Lissabon und Santarém.

Leben Sein Wirken fällt in eine Zeit der kulturellen Blüte von al-Andalus mit dem Zentrum Córdoba, das er während seiner Studienzeit nicht verlassen hatte. Nach den innermuslimischen Bürgerkriegen (1009–1031) verließ er die Stadt und trat seine Studienreise in al-Andalus an, um sich dann in Dénia niederzulassen. Er war persönlicher Freund des Theologen Ibn Hazm (gest. 1064) und zu Beginn seiner Laufbahn Anhänger der Zahiriten. Später gehörte er der malikitischen Rechtsschule an, sympathisierte aber auch mit den Schafiiten.

Werke Ibn ʿAbd al-Barr verweist in seinen Hauptwerken auf siebenundfünfzig Schriften, die er auf verschiedenen Gebieten der Islamwissenschaften – Koranwissenschaften, Hadith, Theologie, Fiqh und Historiographie – verfasste und die schon zu seinen Lebzeiten allgemeine Anerkennung fanden.Der Herausgeber seines Istiḏkār hat die Werktitel in der Einleitung, Bd. 1, S. 42–72 zusammengestellt; Carl Brockelmann: Geschichte der arabischen Litteratur. Band 1, S. 455–456. Brill, Leiden 1943

Seine Hauptwerke sind zwei umfangreiche Kommentare zum Muwaṭṭaʾ von Mālik ibn Anas:

Studium zur Erörterung der Richtungen der Rechtsgelehrten in den Provinzzentren darüber, was Mālik im Muwaṭṭaʾ an opinio und Tradition vorgelegt hat: . In diesem umfangreichen Rechts- und Hadith-Kompendium zitiert der Verfasser 116 Gelehrte,Siehe die Einleitung zum Istiḏkār, Bd. 1, S. 21–42 (Kairo 1993) erläutert das von Mālik ibn Anas im Muwaṭṭaʾ überlieferte Material und stellt es mit Hinweis auf die kontroversen Rechtslehren anderer Rechtsschulen dar. Das Werk ist erstmals im Jahre 1993 in siebenundzwanzig Bänden in Kairo im Druck erschienen.

Einleitung zu den Bedeutungen und Isnaden des Muwaṭṭaʾ . Die erste Druckausgabe des Werkes (Rabat 1967–1992) umfasst sechsundzwanzig Bände.M. Muranyi: Fiqh. In: Helmut Gätje (hrsg.): Grundriß der Arabischen Philologie. Bd. II: Literaturwissenschaft. S. 317. Dr. Ludwig Reichelt Verlag, Wiesbaden 1987 Dieses umfangreiche Werk, das der Zeitgenosse des Verfassers, der berühmte Vertreter der Zahiriten Ibn Hazm (gest. 1064), als das beste Werk der Hadithwissenschaften (fiqh al-ḥadīṯ) bezeichnete,Carl Brockelmann: Geschichte der arabischen Litteratur. Supplementband I. S. 298. Brill, Leiden 1937 ist nach den direkten Quellen des Verfassers des Muwaṭṭaʾ mit ihren jeweiligen Isnaden zusammengestellt. Die dort referierten prophetischen Aussagen ergänzt Ibn ʿAbd al-Barr mit den entsprechenden Varianten aus der Traditionsliteratur und fügt am Ende jedes Kapitels seine eigene Ansicht mit Hinweisen auf die Lehrdifferenzen seiner Vorgänger, die das Verständnis der Sunna betreffen, hinzu.

Kontroverse Lehrmeinungen Māliks und seiner Anhänger ; davon ist nur der erste Teil, der Fragen der rituellen Reinheit und des Gebets erörtert, erhalten.Hrsg. Ḥamid Laḥmer und Miklos Muranyi, Beirut 2003 Der Verfasser fasst die maḏhab-internen Lehrdifferenzen der malikitischen Rechtsschule mit Verweis auf Māliks Lehre und ihre Modifizierung außerhalb von Medina, vor allem in Fustat, Bagdad und al-Andalus, zusammen.

Die Erläuterung der (Ḥadīṯ)Wissenschaft und ihrer Vorzüge fasst anhand von Traditionen die Vorzüge der Beschäftigung mit den Hadith-Wissenschaften, die Kunst der Überlieferung des Hadith in der islamischen Gelehrsamkeit und seine Stellung in den Wissenschaften als Quelle der Jurisprudenz, als Sunna, zusammen. Dieses umfangreiche Werk ist im Orient mehrfach gedruckt worden. Eine kritische Edition in zwei Bänden ist im Jahre 1998 erschienen.Herausgegeben von Abū ʾl-Ašbāl az-Zuhairī. ad-Dammām/Riyadh 1998 (4. Auflage) Der Verfasser greift in diesem Werk vor allem auf Werke von Gelehrten aus dem islamischen Osten zurück, wie auf die traditionsmethodologische (uṣūl al-ḥadīṯ) Schrift des Hanafiten at-Tahāwī aus Ägypten zurück.aṭ-Ṭaḥāwī: Šarḥ muškili ʾl-āṯār. Band 1. S. 76–78 (Einleitung des Herausgebers Šuʿaib al-Arnaʾūṭ). Beirut 1987

Studium der Kenntnisse über die Prophetengefährten ist eine umfassende Biographie über die Gefährten Mohammeds. Das vierbändige WerkMehrfach gedruckt; zuletzt in der Edition von al-Biǧāwī. Kairo (o. J. ) enthält in alphabetischer Reihenfolge 4224 Eintragungen und beschreibt das Leben und Wirken der Prophetengefährten.

In einem weiteren Werk beschäftigte sich Ibn ʿAbd al-Barr mit den Biographien der drei großen Rechtsgelehrten Mālik Ibn Anas, Abū Hanīfa und asch-Schāfiʿī. Neben den oben genannten Büchern, die in orientalischen Drucken zugänglich sind, ist eine Zusammenfassung der Prophetenbiographie und der Feldzüge Mohammeds erhalten, die in ihrem Wert allerdings hinter der Prophetenbiographie des Ibn Ishaq und dem Werk al-Wāqidīs zurückbleibt. Die literarhistorische und rechtsgeschichtliche Bedeutung von Ibn ʿAbd al-Barr liegt vor allem in der Präsentation reichhaltiger Materialien sowohl aus dem islamischen Osten als auch aus dem islamischen Spanien, die im Verlauf der Jahrhunderte verlorengegangen sind.Maher Jarrar (1989), S. 138–150

Literatur Carl Brockelmann: Geschichte der arabischen Litteratur. Brill. Leiden 1943. Bd. 1, S. 453–454 ISBN 90-04-14624-5 (Reprint Februar 1996). Erster Supplementband. Brill, Leiden 1937. S. 628–629 The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S. 674, ISBN 90-04-08118-6 J. López-Ortez: Figuras de jurisconsultos hispano-musulmanes. In: Religíon y Cultura 16 (1931), S. 94ff. Maher Jarrar: Die Prophetenbiographie im islamischen Spanien. Ein Beitrag zur Überlieferungs- und Redaktionsgeschichte. Europäische Hochschulschriften. Reihe III. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften. Bd. 404. Peter Lang 1989. ISBN 3-631-42087-0 Manuela Marín: La obra genealógica de Ibn 'Abd al-Barr. In: Actas de las Jornadas de Cultura Arabe e Islámica (1978), S. 205ff. (Madrid 1981)

Einzelnachweise

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