Die Stainzerbahn oder Lokalbahn Preding-Wieselsdorf–Stainz ist eine Schmalspurbahn in der Weststeiermark. Die 1892 eröffnete Strecke der Steiermärkischen Landesbahnen wurde nach ihrer Einstellung 1980 von der Marktgemeinde Stainz übernommen und wird seitdem als Touristikbahn „Stainzer Flascherlzug“ betrieben.
Geschichte Mit der Konzession des Jahres 1871 zum Bau der Wieserbahn war für die Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbaugesellschaft auch die Berechtigung verbunden, eine normalspurige Zweiglinie nach Stainz zu errichten. Davon wurde nicht Gebrauch gemacht, die erwartete jährliche Frachtmenge bzw. deren Ertrag wurde nicht erreicht: Die Linie wäre nur bei einem voraussichtlichen Transportvolumen von 100.000 Tonnen zu errichten gewesen (zwei Mio. damalige Zollzentner).§ 3 Absatz 2 der Konzessionsurkunde vom 8. September 1871: österreichisches Reichsgesetzblatt XLIX. Stück, Nr. 129, ausgegeben am 17. November 1871, S. 344. Andere Projekte, die Dampfstraßenbahnen im Verlauf der Landesstraße zwischen Stainz und Preding vorsahen, wurden ebenfalls nicht verwirklicht. Es war bei der Planung der Wieserbahn auch überlegt worden, diese Bahn direkt über Stainz zu führen, dies hätte allerdings zur Überquerung der Täler der Weststeiermark eine Reihe teurer Kunstbauten erfordert. Die Wieserbahn quert das Tal des Stainzbaches daher ungefähr elf Kilometer südöstlich von Stainz.Herbert Fritz, Alfred Luft: Stainzerbahn. S. 1. mini|links|Der Fahrplan (Beispiel: Sommer 1914) war auf die Züge der Wieserbahn abgestimmtP=Personenzug, G=Zug mit Güter- und Personenbeförderung, SF: fährt nur an Sonn- und Feiertagen. Unterstrichene Minutenangaben: Nachtzeit, vor 6 Uhr morgens und ab 6 Uhr abends. Wellenlinie (zwischen Uhrzeiten): Briefpostbeförderung, Punkte: Gesamtpostbeförderung, zwei Striche: Bahnpost niederer Ordnung.
1892 wurde eine neuerliche Konzession erteilt, diesmal zum Bau einer Lokalbahn.Konzessionsurkunde vom 14. Mai 1892: österreichisches Reichsgesetzblatt XXXIII. Stück, Nr. 91, ausgegeben am 28. Juni 1892, S. 517–522. Die Bauarbeiten begannen am 17. Juni 1892, die Eröffnung war am 26. November 1892. Für den Eröffnungszug wurden, wie zeitgenössische Bilder zeigen, mehr Personenwagen verwendet als die Stainzerbahn jemals besaß: Es wird angenommen, dass damals auch Wagen der einige Wochen später eröffneten Lokalbahn Pöltschach–Gonobitz in der Untersteiermark herangezogen wurden.Herbert Fritz, Alfred Luft: Stainzerbahn. inneres Umschlagblatt. Die Bahn war die erste steirische Schmalspurbahn mit öffentlichem Verkehr und auch die erste Verbindung, auf der normalspurige Güterwagen aufgeschemelt auf Rollböcken transportiert wurden.Zehetner: 120 Jahre. S. 8. Damit wurde die Marktgemeinde Stainz an das normalspurige Streckennetz der Graz-Köflacher Eisenbahn angeschlossen.
Die mangelnden wirtschaftlichen Erfolgsaussichten der Bahn führten zu massiven finanziellen Belastungen. Das Land Steiermark hatte zwar Finanzierungszusagen gegeben, diese waren aber mit der Bedingung verknüpft, auch Straßenverbindungen auszubauen und deren Erhaltung durch den Bezirk zu übernehmen. Der damalige Bezirksausschuss StainzDas war das Organ der damaligen Bezirksvertretung im Gebiet von Stainz auf Grundlage des stmk. Landesgesetzes über die Bezirksvertretungen vom 14. Juni 1866, stmkLGBl. XV. Stück, Nr. 19. sah sich im März 1900 gezwungen, ein Schreiben zwecks Schuldenerlass an den Landtag zu richten.Karl Dudek: Die Schuldenlast der Gemeinden (1900/2025) In: Wochenzeitschrift „Weststeirische Rundschau“. Nr. 33 (15. August 2025), 98. Jahrgang 2025, , Seite 15.
1926 wurde eine Autobuslinie zwischen Stainz und Graz eröffnet. Die Konkurrenz des Straßenverkehrs auf der wesentlich kürzeren und direkten Straßenroute nach Graz (27 km statt 41 km mit der Bahn einschließlich einmaligem Umsteigen) und der Wegfall des größten Frachtkunden, der Stallhofer Zündwarenfabrik 1927 (nach anderer Quelle: 1930)Kroboth, Slezak, Sternhart: Schmalspurig. S. 35. führte mit 1. Februar 1932Tezak: Landesbahnen III. S. 4. erstmals zur Stilllegung der Schmalspurbahn. Lokomotiven und Waggons wurden zur Lokalbahn Kapfenberg–Au-Seewiesen gebracht.
Auf Drängen der Marktgemeinde Stainz wurde ab 16. November 1933 (nach anderer Quelle mit 1. Februar 1933) wieder ein beschränkt-öffentlicher Güterverkehr aufgenommen, ab 28. August 1941 der öffentliche Güterverkehr. Personenzüge wurden ab Februar 1945 wieder geführt, allerdings nur so lange, als die Autobuslinie nach Graz nicht wieder in vollem Umfang eingerichtet war. Dies war ab 1. Februar 1951 der Fall, der Personenverkehr wurde mit diesem Datum zum zweiten Mal, diesmal endgültig, eingestellt. Der Güterverkehr wurde bis 1980 geführt, als die Erneuerung des Vierschienengleises bei Preding-Wieselsdorf fällig wurde. Die verbliebene Frachtmenge – hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte – rechtfertigte größere Investitionen nicht mehr, als größere Kunden waren nur mehr ein Obstverarbeitungsbetrieb (EGOS) in Stainz und eine Mühle in Herbersdorf verblieben. Auch mit dem Transport von Stainzerplatten und Holz konnte keine Kostendeckung erzielt werden. Zuletzt wurden Diesellokomotiven verwendet. Die ersten Exemplare dieser Lokomotiven waren aus Beständen der Heeresfeldbahn erworben worden.
Die Konzession für die Eisenbahnstrecke erlosch mit 1. November 1980. Die 120-Jahr-Feier des Bestandes der Stainzerbahn wurde am 26. November 2012 mit einer Sonderfahrt des „Flascherlzuges“ gefeiert.
Strecke mini|Der „Flascherlzug“ an der wieder aufgebauten Abfahrtstelle im Bahnhof Preding-Wieselsdorf der GKB (2016). mini|hochkant|Umsetzen der Lokomotive S11 in der Endstelle Wohlsdorf, 1988. mini|Haltestelle Herbersdorf mit Ladegleis. mini|Das denkmalgeschützte Stainzer Bahnhofsgebäude mit Güterschuppen von der Straßenseite. Die Strecke ist 11,5 km lang, einspurig mit einer Spurweite von 760 mm (sogenannte Bosnische Spur). Mit Nebengleisen wurden insgesamt 12,7 km Gleis verlegt. Ursprünglich wurden neun Meter lange Schienen verlegt (Gewicht 17,9 kp/m), es war ein Achsdruck von 6 t zulässig. Später wurde der zulässige Achsdruck auf 12 t erhöht. Ausschlaggebend für den Bau einer Schmalspurbahn waren finanzielle Überlegungen: Der Bau einer normalspurigen Bahn war um 90.000 Gulden teurer geschätzt worden. Die größte Steigung der Strecke liegt bei 10 ‰, der kleinste Bogenradius bei 100 m.
Die Strecke der Stainzerbahn beginnt im Bahnhof Preding-Wieselsdorf der Wieserbahn auf 287 m Seehöhe. In diesem Bahnhof befindet sich die Abfahrtsstelle im Zufahrtsbereich westlich des Bahnhofes, eigene Gebäude für die Stainzerbahn wurden dort nicht errichtet. Im südlichen Bahnhofsbereich wurden zwei Anlagen für die Umsetzung von Normalspurwaggons auf Rollböcke (Schemelgleise) gebaut. Im Süden des Bahnhofes mündete die Strecke bis 1980 in das Gleis der Wieserbahn: Auf 428 m benützten beide Bahnen ein gemeinsames Gleis, in dem zwischen den beiden Schienen für die Normalspur noch zwei weitere Schienen für die Schmalspur lagen (Vierschienengleis). Damit konnte die Stainzerbahn die Errichtung eines eigenen Bahnkörpers und einer Brücke über das Bett des damaligen Stainzbaches (heute, nach umfangreichen Flussregulierungen in den Jahren um 1960: Oisnitz) vermeiden. Das Vierschienengleis wurde 1980 abgetragen, danach endete die Strecke kurz vor der ehemaligen Einmündung in die Wieserbahn bei Wohlsdorf. Diese Haltestelle „Wohlsdorf“ war von 1980 bis 1999, bis zur Wiedererrichtung des fehlenden Streckenstücks, Endstation der Schmalspurbahn und ihrer touristischen Nutzung, der Flascherlzüge.
1999 wurde im Zuge der Sanierung der Wieserbahn in diesem Streckenteil parallel zur Wieserbahn ein selbstständiger Unterbau für die Stainzerbahn errichtet, auf dem die Strecke seither wieder zum Bahnhof Preding-Wieselsdorf führt. Die Brücke über den früheren Stainzbach (nun: Oisnitz) wurde durch einen Durchlass ersetzt. Im Bahnhof stehen heute zwei Parallelgleise mit zwei Weichen für das Umsetzen der Lokomotive zur Verfügung.
Nach dem Abbiegen von der GKB-Strecke (früher: Verlassen des Vierschienengleises) überquert die Strecke auf einer Stahlbrücke den heutigen Lauf des Stainzbaches. Diese erst 1962 über das begradigte Bett des Stainzbaches gebaute Brücke ist der einzige größere Brückenbau der Stainzerbahn, die anderen nur kleinen Bäche werden über eine kleinere Brücke (Langwiesenbach kurz vor dem Bahnhof Stainz) oder gemauerte Durchlässe gequert.
Die Einmündung in das Vierschienengleis wurde damals durch ein Distanzsignal gesichert (aufklappbare rote Scheibe mit weißem Rand), welches das letzte Signal seiner Art in Österreich war. Bei ihm befand sich eine Gleisabzweigung (Stumpfgleis), deren Weiche über ein eigenes kleines Stellwerk gesteuert wurde. Das Distanzsignal wurde vom Bahnhof Preding-Wieselsdorf aus gestellt. Dieses Signal war auch das lange Zeit einzige Signal auf der Strecke der Stainzerbahn, auf der in der Regel nur ein Zug auf der ganzen Strecke verkehrte (ein ähnliches Signal beim Bahnhof Stainz wurde abgebaut).Herbert Fritz, Alfred Luft: Stainzerbahn. S. 4. Es gibt auf der Stainzerbahn keine Schrankenanlagen oder Lichtsignaleinrichtungen, Eisenbahnkreuzungen werden durch Andreaskreuze oder händisch mit Fahnen gesichert. Das Stumpfgleis war von 1980 bis 1999 durch eine zweite Weiche ergänzt und zum Umsetzen der Lokomotiven verwendet worden, diese Weiche wurde wieder ausgebaut. Die Stainzerbahn besitzt keine hohen Bahndämme, tiefe Einschnitte oder sonstige umfangreichen Kunstbauten, sie verläuft vollständig am Rand des weiten, flachen Tales südlich des Stainzbaches.
Fünf Kilometern nach Preding-Wieselsdorf liegt an der Strecke die Haltestelle Kraubath (auch Kraubath bei Stainz, Kraubath in der Weststeiermark genannt, ursprünglich mit dem Namen „Gussendorf“Fournier: 100 Jahre. S. 18. geplant). Dort befindet sich ein 1974 errichtetes Ausweichgleis, von dem ein weiteres Gleis in einen kleinen Lokschuppen führte. Darin war eine Draisine abgestellt.Zehetner: 120 Jahre. S. 72. Dieser Lokschuppen beherbergt heute WC-Anlagen für die Passagiere des Flascherlzuges.
Bei den weiteren Haltestellen Neudorf bei Stainz und Herbersdorf befanden sich je ein Ladegleis, jenes von Neudorf wurde mangels Bedarf bald wieder abgetragen. Die Haltestelle Neudorf war erst 1900 errichtet worden, ursprünglich trug die Haltestelle Herbersdorf den Namen „Neudorf“. Über das Ladegleis bei Herbersdorf wurde einer der Hauptkunden der Bahn, die „Hans Gogg Mühle“ bedient. In den Gebäuden südlich der Haltestelle Herbersdorf befinden sich Mauerreste des früheren Schlosses Herbersdorf.
Bei km 10,972 kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Stainz zweigte ein 597Zehetner: 120 Jahre. S. 37. (nach anderen Angaben: 300, 393Fournier: 100 Jahre. S. 19. oder „fast 400“) m langes Anschlussgleis zur Zündwarenfabrik in Stallhof ab. Dieser Gleisanschluss wurde nach Einstellung dieses Werkes 1927 nicht mehr benötigt, aber erst 1967 abgetragen.
Der Bahnhof Stainz liegt auf 325 m nur um 38 m höher als der Streckenbeginn. In ihm befand sich ein Stück Normalspurgleis, auf dem Normalspur-Güterwagen abgestellt und ent- bzw. beladen werden konnten, um die Rollböcke unterdessen neuerlich verwenden zu können. Der Bahnhof hat mehrere Abstellgleise, die in eine breite Remise münden.
Eigentümerin der Strecke ist die Marktgemeinde Stainz, die Grundstücke wurden teilweise mit dem Kauf aus dem Eisenbahnbuch in das allgemeine Grundbuch übertragen.Kaufvertrag vom 30. Dezember 1993: Bezirksgericht Stainz, Grundbuch 61239 Stainz, Einlagezahl 535. Weitere Grundbuchsdaten: KG 61217 Herbersdorf EZ 181, KG 61210 Grafendorf EZ 244, KG 61212 Graschuh KG 87, KG 61227 Neudorf KG 69, KG 61029 Kraubath EZ 201, KG 61074 Wohlsdorf KG 110, KG 61079 Wieselsdorf KG 99 und 194. Teilweise Übertragung aus dem Eisenbahnbuch GB 02301 EZ 1601, 1602, 1604, 1605, 1608, 1908, 1910 (abgerufen am 4. September 2012).
Regulärer Betrieb
mini|Die Originallokomotive 2 mit dem Namen „Stainz“ in Murau hinterstellt (2006)