mini|Jean Tirole, 2011 Jean Marcel Tirole (* 9. August 1953 in TroyesJ. T. : le quotidien en équations in Le Monde, 20. September 2007. Abgerufen am 13. Oktober 2014.) ist ein französischer Ökonom, der sich insbesondere mit Industrieökonomik beschäftigt. Er ist Professor der Ökonomie an der Universität Toulouse I sowie auch an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris.
Im Jahr 2014 wurde er „für seine Analyse von Marktmacht und -regulierung“ mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften („Wirtschaftsnobelpreis“) ausgezeichnet. Er untersuchte bei Oligopolen die Frage, wie unproduktive Unternehmen den Markteintritt von Konkurrenten verhindern und wie der Staat einem solchen Verhalten begegnen kann.
Leben und Wirken Jean Tirole graduierte 1976 in Ingenieurwissenschaften an der École polytechnique und mit einem Diplôme d’études approfondies, Schwerpunkt Entscheidungsverfahren, an der Universität Paris-Dauphine. 1978 graduierte er wiederum in Ingenieurwissenschaften an der École nationale des ponts et chaussées in Paris und promovierte 1978 in Quantitativen Methoden an der Universität Paris-Dauphine (Essais sur le Calcul Economique Public et sur le Taux d'Actualisation). 1981 schloss er ein ökonomisches Promotionsstudium zum Ph.D. am Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit der Arbeit Essays in Economic Theory ab.
1981 wurde er Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Corps des ingénieurs des ponts et chaussées (CERAS) der École nationale des ponts et chaussées. Von 1984 bis 1992 war er Associate Professor, später Professor für Volkswirtschaftslehre am MIT. 1989 war er der Taussig Visiting Professor of Economics an der Harvard University. Von 1994 bis 1996 war er Professor an der École Polytechnique und hatte Gastprofessuren an der ENSAE, der Universität Lausanne und der Universität Wuhan inne. Er war Gastwissenschaftler an der Stanford University (1983) und der Princeton University (2002).
Tirole ist wissenschaftlicher Direktor des Institut d’économie industrielle (IDEI) an der Universität Toulouse I. Seit dem Jahr 1995 ist er zudem Studiendirektor der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris.
Im Mittelpunkt von Tiroles Studien stehen Mono- bzw. Oligopole, wie sie etwa im beschränkten Markt für Stromtrassen, Eisenbahnen und im Telekommunikationsmarkt natürlicherweise auftreten. Klassischerweise schreibt der Staat den Teilnehmern eines Oligo- oder Monopols Maximalpreise vor, oder verbietet die Kooperation (z. B. Kartelle, Preisabsprachen). Jean Tirole und seine Mitarbeiter konnten zeigen, dass in spezifischen Fällen solche Vorschriften kontraproduktiv sind, und dass zum Beispiel die Übernahme eines Zulieferbetriebes je nach Fall erwünscht ist, wenn sie die Innovation fördert. Das Gesamtwerk Jean Tiroles gibt den Regierungen ein Werkzeug in die Hand, womit sie je nach Problemstellung die Monopole bzw. Oligopole so regulieren können, dass die einzelnen Unternehmen produktiver werden, und andererseits ihren Konkurrenten weniger Schaden zufügen.https://www.nobelprize.org/nobel_prizes/economic-sciences/laureates/2014/press.html (abgerufen am 13. Oktober 2014).
Tirole arbeitete über weite Strecken mit dem 2004 verstorbenen Kollegen Jean-Jacques Laffont zusammen.
Seine Bekanntheit verdankt er nicht zuletzt dem 1988 veröffentlichten Lehrbuch The Theory of Industrial Organization (MIT Press; deutsch: Industrieökonomik, Oldenbourg). Er verfasste drei weitere bekannte Lehrbücher: Theory of Incentives in Procurement and Regulation (MIT Press), Game Theory (MIT Press) und The Theory of Corporate Finance (MIT Press).
Im Jahr 2016 veröffentlichte Tirole das Buch „Économie du bien commun“, das unter dem Titel „Economics for the Common Good“ im Oktober 2017 auch in englischer Sprache erschienen ist.Vortrag von Jean Tirole an der Goethe-Universität, Goethe-Universität Frankfurt, 24. November 2017Populisten glauben nur, was sie glauben wollen, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10. Dezember 2017
Ehrungen 1993 Yrjö-Jahnsson-Preis 2007 Goldmedaille der Stadt Toulouse 2007 Ritter der Ehrenlegion 2007 Médaille d’or du CNRS 2008 BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award 2010 Officier dans l’Ordre National du Mérite 2014 Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften („Wirtschaftsnobelpreis“) 2014 Nemmers-Preis für Wirtschaftswissenschaften Ehrendoktorate der Université Libre de Bruxelles (1989), University of London (London Business School) (2007), Universität von Montreal (HEC) (2007), Universität Mannheim (2011), Athen University of Economics and Business (2012), Universität Rom Tor Vergata (2012), Hitotsubashi-Universität (2013), Université de Lausanne (2013), European University Institute (2015)
Mitgliedschaften 1986 Fellow der Econometric SocietyFellows of the Econometric Society. econometricsociety.org, abgerufen am 20. Oktober 2024 1993 Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences 1993 American Economic Association 2008 Académie des Sciences, Inscriptions et Belles Lettres, Toulouse 2011 Académie des sciences morales et politiques 2013 Royal Society of Edinburgh 2015 National Academy of Sciences 2015 Assoziiertes Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique 2019 British Academy
Werke Économie du bien commun. Presses Universitaires de France, Paris 2018, ISBN 978-2-13-080766-7.
Weblinks
Tirole auf der Website des IDEI Profil von Jean Tirole auf REPEC
Einzelnachweise
Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:Ökonom (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Massachusetts Institute of Technology) Kategorie:Hochschullehrer (École des hautes études en sciences sociales) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Toulouse) Kategorie:Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Träger des französischen Nationalverdienstordens (Offizier) Kategorie:Ehrendoktor der Université libre de Bruxelles Kategorie:Ehrendoktor der University of London Kategorie:Ehrendoktor der Universität Montreal Kategorie:Ehrendoktor der Universität Mannheim Kategorie:Ehrendoktor der Universität Tor Vergata Kategorie:Ehrendoktor einer Universität in Japan Kategorie:Ehrendoktor einer Universität in Griechenland Kategorie:Ehrendoktor der Universität Lausanne Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Académie des sciences morales et politiques Kategorie:Mitglied der Royal Society of Edinburgh Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der British Academy Kategorie:Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien Kategorie:Spieltheorie Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1953 Kategorie:Mann