mini|Renoviertes zweistöckiges Shotgun House in New Orleans mini|Einstöckiges Shotgun House, New Orleans Der Begriff Shotgun House, , bezeichnet eine vor allem im Süden der USA verbreitete Form von Einfamilienhäusern. Diese Häuser werden gelegentlich auch als Shotgun Shack, Shotgun Cottage, Shotgun oder als Railroad Apartment bezeichnet. Der im Deutschen gebräuchliche Begriff „Schießhütte“ hat mit diesen Gebäuden nichts zu tun. Häuser dieses Typs wurden erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts, vor allem aber in der Zeit zwischen dem Amerikanischen Bürgerkrieg und den 1920er Jahren errichtet. Der Baustil entwickelte sich zunächst in New Orleans und breitete sich von dort bis nach Chicago und Kalifornien aus.

Kennzeichnend für Shotgun Houses ist ihre sehr schmale, lange, rechteckige Form. In traditioneller Bauweise errichtete Shotgun Houses haben keinen Flur; die zwei bis fünf Zimmer des Hauses sind direkt miteinander verbunden.

Im 19. Jahrhundert waren Shotgun Houses sowohl bei ärmeren Bevölkerungsgruppen als auch solchen mit mittlerem Einkommen beliebt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde diese Hausbauform jedoch zu einem Symbol der Armut.

In vielen Städten des US-amerikanischen Südens wurden und werden im Rahmen von Stadtsanierungen Shotgun Houses abgerissen; andernorts setzt man sich für ihre Renovierung und Erhaltung als Teil der amerikanischen Baukultur ein wie zum Beispiel in Key West, Florida. Dort stehen diese Häuser unter Denkmalschutz. , (engl.) (vom 12. September 2008)

Namensherkunft und Begriffsverwendung Vor allem in Reiseführern ist häufig zu lesen, dass sich der Begriff Shotgun für diesen Haustyp eingebürgert habe, weil der Schrot einer solchen vor der Haustür abgefeuerten Waffe bei offenen Türen (wegen deren geringen Abstandes) ungehindert durch das Haus fliegen und es durch seine rückseitige Tür wieder verlassen kann.

Von einigen Architekturhistorikern ist diese Begriffserklärung jedoch als Urbane Legende bezeichnet worden.The Shotgun house - An African Architectural Legacy. in: Pioneer America. Wilmington NC 1976,8. Insbesondere der Ethnologe John Michael Vlach hat darauf hingewiesen, dass sowohl der Ursprung dieser Bauform als auch der Name sich nach Haiti und Afrika bis mindestens ins Jahr 1700 zurückverfolgen lässt. Die Bezeichnung für diese Bauform stammt nach seiner Ansicht von den Fon aus dem südlichen Dahomey (heute Benin) in Westafrika. Dort bedeutet to-gun Versammlungsort.John Michael Vlach: Shotgun houses. in: Natural History. New York 1977,86, S. 51–57. Die Bezeichnung, die wahrscheinlich in New Orleans von afro-haitianischen Einwanderern verwendet wurde, wurde im englischen Sprachgebrauch dann volksetymologisch umgedeutet.

Im eigentlichen Sinne versteht man unter Shotgun House einen für städtische Bebauung typischen Haustyp. Eine ähnliche Bauform gab es bereits im antiken Römischen Reich, das sogenannte Streifenhaus. Gelegentlich wird der Begriff Shotgun House auch für Häuser gebraucht, die in ländlichen oder kleinstädtischen Gebieten der Südstaaten zu finden sind. Auch dabei handelt es sich um einstöckige, langgestreckte Häuser, die im Hausinneren keinen Flur aufweisen. Diese Häuser wurden gleichfalls mit Armut assoziiert und wurden errichtet, weil die natürliche Klimatisierung im Hausinneren das Leben in dieser warmfeuchten Region angenehmer machte. Sie finden sich heute vor allem entlang von Gewässern im ländlichen Louisiana.Fred B. Kniffen: Louisiana House Types. in: Annals of the Association of American Geographers. Blackwell, Malden, S. 179–193.

Der Begriff „Double-barrel Shotguns“ („doppelläufige Schrotflinten“) bezieht sich auf eine Bauvariante, bei der sich zwei Shotgun Houses eine Hauswand teilen.

Bauliche Charakteristika mini|links|Zeichnung eines sogenannten Camelback-Shotguns, das im hinteren Teil des Hauses ein zweites Stockwerk aufweist. Links daneben eine der für Shotguns typischen Holzverzierungen. Die Räume eines Shotgun House befinden sich direkt hintereinander. Die Eingangstür des Hauses führt normalerweise direkt in den als Wohnzimmer genutzten Raum, dahinter befinden sich ein oder zwei Schlafzimmer. Die Küche bildet den Abschluss der Zimmerfluchten. Die ältesten in diesem Stil errichteten Häuser besaßen keine sanitären Einrichtungen; die Toilette befand sich außerhalb des Hauses. Häufig wurde in späteren Jahren ein Badezimmer im Haus eingebaut, indem von dem vorletzten Zimmer ein Teil als Badezimmer abgetrennt wurde. Bei einer Reihe von Shotgun Houses wurde das Badezimmer auch seitlich an die Küche angebaut. In vielen Fällen wurde die ursprüngliche Bauform der Häuser so verändert, dass sie heute einen Flur aufweisen.The Shotgun house - urban housing opportunities. Preservation Alliance of Louisville and Jefferson Co., Louisville 1980.

Das erste und zweite Zimmer hatten in der Regel jeweils eine Heizstelle, so dass sich diese Räume einen Schornstein teilen konnten. Ein zweiter Schornstein am Ende des Hauses wurde meist für den Küchenofen genutzt. Die Häuser sind grundsätzlich nicht unterkellert, sondern stehen gewöhnlich zwischen 60 Zentimeter und einem Meter über dem Erdboden erhöht. Einige Architekturhistoriker sehen darin ein weiteres Indiz, dass diese Bauform im hochwassergefährdeten New Orleans entstand.

mini|hochkant|Grundriss eines Shotgun-Hauses Neben dem charakteristischen Baukonzept haben Shotgun Houses eine Reihe weiterer gemeinsamer Merkmale. Die Grundstücke sind immer sehr schmal und in der Regel zwischen 3,5 und 9 Meter breit. Die Häuser stehen sehr nahe an der Straße, haben häufig keinen oder einen nur sehr kleinen Vorgarten oder Veranda. Die Frontseite zur Straße weist üblicherweise nur eine Tür und ein Fenster auf. Ursprünglich führten hölzerne Treppen zu der Eingangstür hinauf. Diese sind heute meist durch haltbarere Betontreppen ersetzt. Auf der rückwärtigen Seite des Hauses befindet sich meist gleichfalls eine Tür. Wegen der im Allgemeinen sehr engen Bebauung der Grundstücke haben Shotguns an den Seitenwänden des Hauses normalerweise keine Fenster. Im Inneren des Hauses liegen die Türen hintereinander; die Verbindungstür zwischen dem ersten und dem dahinterliegenden Zimmer ist häufig etwas breiter und seitlich leicht versetzt.

Beim Bau von Shotgun Houses wurde normalerweise Holz als wesentliches Baumaterial verwendet. Nur sehr wenige wurden in einer Ziegelbauweise oder mit behauenen Steinen errichtet. Viele Shotgun Houses, insbesondere die aus der frühesten Bauphase, haben ein Flachdach, das mit der Hauswand endet. Bei Häusern, die nach 1880 errichtet wurden, ragt das Dach meist über die Vorderwand des Hauses hervor und weist einen leichten Giebel auf. Das Vordach wird meist durch hölzerne Stützen getragen. Der so entstehende Raum wird als Veranda genutzt. Häufig ist unter dem Vordach ein Ventilator eingebaut.

Die Räume sind verhältnismäßig groß und hoch. Vor allem die Raumhöhe unterstützt dabei die natürliche Klimatisierung der Räume. Sowohl die Wände als auch die Decken der Räume sind häufig dekoriert. Typisch ist die Verwendung von Holzleisten für den Übergangsbereich zwischen Raumdecke und -wand oder Schnitzereien an den Türstürzen. Während des Zeitraumes, in denen besonders viele Shotguns errichtet wurden, gab es in Städten wie New Orleans eine Reihe von Betrieben, die teilweise aufwändig gearbeitetes Zierwerk für diese Häuser in industriellem Maßstab anfertigten. Sie waren so preisgünstig, dass sie selbst für Hausbesitzer mit niedrigem Einkommen erschwinglich waren.

Bauvarianten mini|Double Shotgun in New Orleans mini|Camelback Shotgun Ausgehend von dem ursprünglichen Grundriss – schmale Frontseite und mehrere aneinander gereihte Räume – weisen Shotgun Houses eine Reihe von baulichen Variationen auf. Einige Bauvarianten haben sich so stark durchgesetzt, dass man sie heute in einigen Städten häufiger antrifft als die ursprüngliche Bauform.

Als „Double Shotgun“ oder „Double-barrel Shotgun“ werden solche Shotguns bezeichnet, bei denen zwei Häuser sich eine Hauswand teilen. Dadurch ist pro Haus weniger Grundstücksfläche notwendig als beim traditionellen Shotgun und der Materialaufwand bei der Errichtung ist geringer. Diese Bauform wurde besonders häufig in armen Regionen genutzt. Häuser dieser Variation wurden erstmals in New Orleans im Jahre 1854 gebaut. Ein „Camelback Shotgun“ (= Kamelrücken), gelegentlich auch als „Humpback Shotgun“ (= Buckel) bezeichnet, weist im hinteren Teil des Hauses ein zweites Stockwerk auf. Diese Bauform entwickelte sich in der späten Bauphase von Shotgun Houses. Die Raumanordnung und die Konstruktion gleicht weitgehend den traditionellen Shotgun Houses. Lediglich im letzten oder vorletzten Raum führt eine Treppe in die zweite Etage. Diese zweite Etage, auch als „hump“ bezeichnet, wies zwischen einem und vier Räumen auf. Da mit dieser Bauweise das Haus nur partiell zweistöckig war, wurde es in den meisten Städten als einstöckiges Haus versteuert. Dieser steuerliche Aspekt war auch der Hauptgrund für diese Konstruktionsweise.Steven Holl: Rural and Urban House Types in North America. Princeton Architectural Press, Princeton 1990, S. 34–39. ISBN 0-910413-15-0 Seltener als die anderen Bauvarianten sind „Double Width Shotguns“ anzutreffen. Es handelt sich um besonders breite Shotgun Houses, die auf zwei Baugrundstücken errichtet wurden. Ihre Entstehungsgeschichte ist meist darauf zurückzuführen, dass ein einzelner Bauherr zunächst einen ganzen Straßenblock erwarb, der als neue Baugrundstücke ausgewiesen wurde. Für sich selbst baute er dann ein besonders großes Haus und auf den restlichen Grundstücken errichtete er die mehr traditionellen Shotguns, um sie entweder zu verkaufen oder zu vermieten. „North shore Houses“ werden die Shotguns genannt, die an drei Seiten des Hauses eine Veranda aufweisen. Sie tragen ihren Namen, weil sie meist an der nördlichen Seite von New Orleans Lake Pontchartrain gebaut wurden, wo sie wohlhabenden Weißen als Sommerhäuser dienten.

Innerhalb dieser Standardvarianten existieren weitere, allerdings nur noch selten zu findende Varianten. Dazu zählt das „Double Camelback shotgun“, bei dem beide Haushälften in der hinteren Hälfte eine zweite Etage haben. Gelegentlich findet man auch Shotguns, bei denen sich eine weitere Eingangstür an der Seite des Hauses befindet oder eine Veranda entlang der Hauslänge gebaut wurde.

Geschichtliche Entwicklung des Baustils Der afrikanisch-haitianische Ursprung mini|Shot Gun, New Orleans Die Theorie, dass der Begriff Shotgun House eine Verballhornung eines Begriffs aus der Sprache der Fon ist, wird auch durch die geschichtliche Entwicklung dieses Baustils unterstützt.

New Orleans zog gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Reihe von neuen Siedlern an, die wegen des dortigen Sklavenaufstands die französische Kolonie Saint Domingue – heute Haiti – verließen. Die Pflanzer, Sklaven und freie Schwarze brachten nicht nur karibische Kultur und den Voodoo-Kult mit nach New Orleans, sondern führten in dem damals noch kleinen Städtchen auch neue Baustile ein.

1803 lebten 1355 nicht versklavte Schwarze in New Orleans. Im Jahre 1810 betrug ihre Zahl bereits 10.500, die Anzahl der weißen Einwohner New Orleans lag zu dieser Zeit bei etwa 4.500. Der Anstieg der Einwohnerzahl löste in New Orleans einen Bauboom aus. Viele der Erbauer und Bewohner der neu errichteten Häuser waren afrikanischen Ursprungs und über Haiti nach New Orleans gekommen. Historiker halten es für wahrscheinlich, dass sie ihre neuen Häuser entsprechend den Bauformen errichteten, die sie aus Haiti beziehungsweise aus Afrika kannten. Tatsächlich erinnern viele der heute noch existierenden haitianischen Gebäude aus dieser Zeit an die einstöckigen Shotgun Houses von New Orleans. Im haitianischen Port-au-Prince entsprechen sogar noch 15 Prozent der Bausubstanz diesem Haustypus. Die Theorie des afrikanischen Ursprungs wird daher von einer sehr großen Anzahl von Historikern geteilt.Southeast shotguns, (vom 16. Mai 2006)