mini|Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz im April 2011 mini|Der Löwenbräukeller um 1888; aus Die Gartenlaube
Der Löwenbräukeller ist ein 1883 eröffneter Bierpalast in München. Er befindet sich am Stiglmaierplatz an der Ecke Nymphenburger / Dachauer Straße in der Münchner Maxvorstadt.
Geschichte
Um den Wirtsgarten der Löwenbräu von der Sandstraße zu seinem Brauereigelände zu verlegen, erwarb Ludwig Brey, damals Brauer und Eigentümer der Löwenbrauerei, die Nachbarsanwesen vom „Bierwirt“ Nikolaus Naßl am Stiglmaierplatz an der Grenze zwischen der Maxvorstadt und Neuhausen. In den Jahren 1882/83 wurde der Löwenbräukeller nach den Plänen von Albert Schmidt errichtet und am 14. Juni 1883 eröffnet. Schon 1893/94 wurde der Löwenbräukeller nach Plänen von Albert Schmidt umgebaut und erweitert. Schmidt arbeitete mit Friedrich von Thiersch zusammen.
Am 8. November 1923, einen Tag vor dem gescheiterten Hitler-Putsch, hielt Hermann Esser, ein Gefolgsmann Hitlers, eine Rede im Löwenbräukeller und entwarf eine „Proklamation an das deutsche Volk“.
Von 1940 bis 1943 fanden hier die Versammlungen anlässlich des Jahrestages des Hitlerputsches von 1923 statt, da der ursprüngliche Versammlungsort im Bürgerbräukeller durch das Attentat von Georg Elser bis Kriegsende unbenutzbar blieb. Am 8. November 1942 hielt Adolf Hitler am Vorabend des 9. November im Löwenbräukeller eine 55-minütige Ansprache. Darin thematisierte er besonders die Schlacht von Stalingrad, die er als weitgehend gewonnen skizzierte.
Durch einen Luftangriff der Royal Air Force am 17. Dezember 1944 wurde der Löwenbräukeller schwer beschädigt, der Saal völlig zerstört. 1950 wurde er wiederaufgebaut. Dabei wurde die Bühne von der Mitte der Nordseite zur Westseite verlegt; die Schwemme und die kleinen Säle wurden im damaligen Sinne moderner gestaltet. Schließlich wurde die Galerie an der Ostseite neu errichtet. 1955 war der Teil des Saales, der sich unter der großen Galerie befindet, wieder aufgebaut und wurde bis 1958 als Behelfsbüro genutzt. Im selben Jahr wurde die gesamte Fassade einschließlich des Turmes renoviert.
1973 kam es im Löwenbräukeller bei einer überfüllten Veranstaltung zu einer Panik mit zwei Toten und 22 Verletzten.
1984/85 wurden das Bräustüberl sowie mehrere angrenzende Räume nach denkmalschützerischen Kriterien neu gestaltet. In der Nacht vom 23. zum 24. Juli 1986 brannte der Festsaal mit Galerie, Balkon und Bühnenhaus aus. Die Wiederherstellung erfolgte durch das brauereieigene Baubüro nach Plänen von W. Flaschl. Am 21. April 1990 wurde im Löwenbräukeller ein Neonazi-Kongress unter dem Motto „Wahrheit macht frei“ durchgeführt. Dabei versuchten die Anwesenden in Anlehnung an den Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 einen „Marsch auf die Feldherrnhalle“.ID Archiv im internationalen Institut für Sozialgeschichte (Hrsg.): Die Drahtzieher im braunen Netz. Amsterdam 1992, S. 20 ff.Handbuch des Antisemitismus. Band 2. de Gruyter, 2009, ISBN 978-3-598-24072-0, S. 680 (books.google.de)
Die Brauereianlagen im Dreieck Nymphenburger-Dachauer-Sandstraße wurden 2007 abgerissen, um Platz für Wohn- und Bürogebäude zu schaffen.Zentrum – Baggern, Buddeln, Bauen. Münchner Wochen-Anzeiger, 8. Januar 2009
Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes ist der Münchner Wiesnwirt Eduard Reinbold, der den Löwenbräukeller Ende 2015 von der aus der Löwenbräu AG hervorgegangenen Custodia AG von August von Finck jr erworben hatte. Betreiber blieb zunächst Christian Schottenhamel, ebenfalls Wiesnwirt, bis im April 2018 Reinbolds Sohn Mathias Reinbold die Geschäftsführung übernahm.
Gastbereiche mini|Löwenbräukeller mit Stiglmaierplatz 1885 Festsaal Galeriesaal Bräustüberl Dachauer Stube Bennosaal Turmstüberl Biergarten (Nymphenburger Straße)
Sonstiges mini|Löwe von Wilhelm von Rümann Der Ruhende Löwe auf der Terrasse wurde um 1900 Wilhelm von Rümann gestaltet. Seit einigen Jahren ist der Löwenbräukeller Veranstaltungsort des traditionellen Münchner Schabernackts.
Literatur
Weblinks
loewenbraeukeller.com
Einzelnachweise
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