alternativtext=Schwarzweiß-Porträtfoto (Halbprofil) von Schobert|mini|Eugen von Schobert (Juli 1940) Eugen Siegfried Erich Schobert, ab 1918 Ritter von Schobert (* 13. März 1883 in Würzburg; † 12. September 1941 bei Mykolajiw) war ein deutscher Heeresoffizier (seit Juli 1940 Generaloberst). Schobert diente während des Ersten Weltkrieges als Offizier im bayerischen Heer und erhielt dort den Militär-Max-Joseph-Orden, durch den er in den persönlichen Adel erhoben wurde. Danach gehörte er kurzzeitig dem Freikorps Epp an und machte anschließend in der Reichswehr und Wehrmacht Karriere. In der Wehrmacht profitierte er von seiner frühen Bekanntschaft mit Adolf Hitler und seiner positiven Einstellung zum Nationalsozialismus. Im Zweiten Weltkrieg kommandierte Schobert zunächst das VII. Armeekorps und ab Herbst 1940 die 11. Armee, die er ab Juli 1941 von Rumänien am Südflügel des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion führte. Dabei weitete er den sogenannten Kommissarbefehl zur Erschießung der gefangengenommenen politischen Kommissare auf die zivilen Kommissare aus. Er war am Holocaust beteiligt und wirkte auf eine Zusammenarbeit mit der Einsatzgruppe D hin. Im September 1941 verunglückte Schobert bei der Landung seines Flugzeugs in einem Minenfeld tödlich. Er war der erste deutsche Armeeführer, der während des Zweiten Weltkrieges an der Front fiel.

Leben Eugen Schobert wurde am 13. März 1883 als Sohn des königlich-bayerischen Majors Karl Schobert und dessen Ehefrau Anna (geb. Michaely) in Würzburg geboren. Er besuchte von 1893 bis 1896 das Wilhelmsgymnasium in München und gehörte danach bis 1902 zum königlich-bayerischen Kadetten-Korps, in dem er schließlich das Abitur ablegte.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 662. Letzteres war damals nur bei wenigen Offiziersanwärtern der Fall; nur 34 der 246 Kadetten des Abschlussjahrgangs 1902 verfügten über diesen Bildungsgrad.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 45.

Am 14. Juli 1902 trat Schobert als Fähnrich in das 1. Infanterie-Regiment „König“ der Bayerischen Armee ein. Am 9. März 1904 erhielt er das Offizierspatent zum Leutnant. Ab April 1910 wurde er als Adjutant seines Bataillons verwendet.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 54. Da man damals versuchte, die Offiziere möglichst vielseitig auszubilden, um sie auf eine mögliche Verwendung im Generalstab vorzubereiten, gab es die Möglichkeit, sich in einer anderen Waffengattung ausbilden zu lassen. Schobert gehörte deshalb von Juni bis Dezember 1911 zur Luftschifferabteilung, wo er am Flugplatz Oberwiesenfeld als Flugzeugführer ausgebildet wurde.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 54 und 662. Er soll dabei eine Bruchlandung verursacht und sich eine Kopfverletzung zugezogen haben. Er blieb auch später der Fliegerei verbunden, als er zum Beispiel 1925 in Augsburg den örtlichen Ballonklub förderte.Leo Leixner: Generaloberst Eugen Ritter von Schobert. München 1942, S. 26.

Erster Weltkrieg Im August 1914 führte Schobert als Oberleutnant eine Kompanie seines Regiments in den Ersten Weltkrieg.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 71. In den nächsten Jahren wurde er durchgehend als Truppenoffizier an der Westfront eingesetzt. Obwohl er einen überdurchschnittlichen Bildungsgrad vorweisen konnte, gelangte Schobert während des Weltkrieges nicht in den Generalstabsdienst. Damit hob er sich, wie auch Ernst Busch, deutlich von den anderen späteren Heerführern der Wehrmacht in den ersten Kriegsjahren ab.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 58 und 73. Tatsächlich wurde später in einer Propagandapublikation berichtet, dass Schobert freiwillig auf eine Laufbahn im Generalstabsdienst verzichtet hätte. Ende 1915 soll Schobert ein entsprechendes Angebot erhalten haben, auf das er antwortete: „Mir is viel lieber, i bleib’ bei meinen Leut’n.“Leo Leixner: Generaloberst Eugen Ritter von Schobert. München 1942, S. 20. Diese Version wurde jedoch von dem Historiker Johannes Hürter in Zweifel gezogen.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 72 Fn. 8.

Im Frühjahr 1915 kam es zu einem Disziplinarverfahren gegen Schobert und einen seiner Zugführer, weil es mit ihrem Wissen am 31. März 1915 im Niemandsland an der Westfront zwischen den Linien zur Verbrüderung ihrer Soldaten mit französischen Soldaten gekommen war. Schobert soll dabei auch Fotografien angefertigt haben. Zeitweise wurden die Beschuldigten von ihrem Kommando entbunden, doch schon am 13. April wurde das Verfahren vom Regimentskommandeur eingestellt.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 82. Diese Episode schadete Schobert nicht weiter, denn bereits am 9. August wurde er zum Hauptmann befördert. Nach einer kurzen Verwendung als Regimentsadjutant wurde er im Oktober 1917 Bataillonskommandeur.

Während der deutschen Offensive „Michael“ an der Somme erzwang Schobert am 23. März 1918 mit seinem Bataillon den Übergang über den Crozat-Kanal. In einem Augenzeugenbericht des Leutnants Endl heißt es:

Dafür erhielt er das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens, durch den er in den persönlichen Adelsstand erhoben wurde und nunmehr Eugen Ritter von Schobert hieß.Rudolf von Kramer: Virtuti Pro Patria. Der königlich bayerische Militär-Max-Joseph-Orden. München 1966, S. 217 und 404 f.; Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 77 Fn. 31. Zuvor hatte er am 14. September 1914 und am 11. November 1915 schon das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse und den Bayerischen Militärverdienstorden erhalten. Am 6. Mai 1918 wurde er zudem mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern ausgezeichnet.Reichswehrministerium (Hrsg.): Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Mittler & Sohn Verlag, Berlin, S. 117. Im Juli 1918 erlitt Schobert eine schwere Kopf- und Armverwundung.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 77. Den Waffenstillstand von Compiègne vom 11. November 1918 erlebte er deshalb im Lazarett in Aschau am Chiemsee.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 86 Fn. 64; Leo Leixner: Generaloberst Eugen Ritter von Schobert. München 1942, S. 42.

Reichswehr Schobert schloss sich nach dem Ende seines Lazarettaufenthalts dem Freikorps Epp an. Dieser etwa 700 Mann starke Verband war auf Anweisung des Reichswehrministers Gustav Noske für den Grenzschutz Ost aufgestellt worden. Im April 1919 schlug diese paramilitärische Einheit zusammen mit dem Militär die Münchner Räterepublik nieder. Danach wurde das Freikorps der Reichswehr eingegliedert und Schobert als Führer der 8. (MG-)Kompanie des Schützen-Regiments 42 eingeteilt. In dieser Zeit lernte er offenbar Adolf Hitler kennen. Zumindest schrieb General Edmund Glaise von Horstenau 1941 in seinem Tagebuch über ein Gespräch mit Schobert: „Mit dem Führer verbinden ihn seit 1919 persönliche Beziehungen und eine durch nichts zu beeinträchtigende Anhänglichkeit.“Zit. nach: Peter Broucek (Hrsg.): Ein General im Zwielicht. Die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau. Bd. 2, Wien 1983, S. 631. Angeblich lernten sich beide kennen, als Hitler einen seiner Vorträge in der Kompanie Schoberts hielt.Leo Leixner: Generaloberst Eugen Ritter von Schobert. München 1942, S. 42. Schobert war danach im März und April 1920 im Raum Oberhausen an der Niederschlagung des Ruhraufstandes beteiligt.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 93.

Schobert heiratete 1921 Alice Rieder-Gollwitzer. Sie bekamen in den folgenden Jahren zwei Söhne und eine Tochter. Im selben Jahr gehörte Schobert dann zu den nur etwa 4.000 in die neue Reichswehr übernommenen Offizieren. Er diente ab dem 1. Januar 1921 im 19. Infanterie-Regiment in Lindau und soll dort an der Ausbildung und geheimen Aufrüstung der „Schwarzen Reichswehr“ beteiligt gewesen sein. Im Jahr 1923 sympathisierte Schobert offenbar offen mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch. Er soll einen Teil seines Bataillons nach München in Marsch gesetzt haben, um Hitler zu unterstützen.Leo Leixner: Generaloberst Eugen Ritter von Schobert. München 1942, S. 43 f. Dies schadete seiner Karriere jedoch nicht, denn schon am 22. Februar 1924 erhielt er die Beförderung zum Major und im Oktober des Jahres wurde er Bataillonskommandeur im 19. Infanterie-Regiment in Kempten. Von Januar 1926 bis Februar 1927 wurde Schobert erstmals in einem Generalstab verwendet. Dies war der Stab der 7. Division in München, wo zu dieser Zeit auch der spätere Generaloberst Friedrich Dollmann diente. Dort war er insbesondere an der Verfassung von Dienstvorschriften und Lehrwerken beteiligt.Zum Beispiel: Eugen Ritter von Schobert: Anleitung zur Ausbildung im Schießen mit s. M. G. mit Beispielen. Auf Grund der Schießvorschrift für s. M. G. Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1926. Danach wechselte Schobert ins Reichswehrministerium, wo er bei der Inspektion der Infanterie (In2) beschäftigt war. Nach zwei Jahren kehrte er im Februar 1929 als Kommandeur des in Augsburg stationierten II. Bataillons zum 19. Infanterie-Regiment zurück. Dort wurde er am 1. April 1929 Oberstleutnant. Am 1. Oktober 1930 wurde er Leiter des Ausbildungsstabes der Infanterie in Döberitz. Im November 1932 wechselte er zum Stab des Gruppenkommandos 2 in Kassel, wo er am 1. April 1932 die Beförderung zum Oberst erhielt.

Wehrmacht mini|hochkant=1.0|Truppen der SS bei dem Reichsparteitag von 1935, an dessen Organisation Schobert Anteil hatte|alt=Schwarzweiß-Foto eines Massenappells Im Jahr 1933 gehörte Schobert als Oberst zur Spitze der Reichswehr, obwohl er nicht aus dem Generalstab hervorgegangen war.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 103. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten verbesserte seine Karrierechancen in den nächsten Jahren erheblich. Schon im April 1933 wurde er Chef des Stabes der Inspektion der Infanterie im Reichswehrministerium, und im August 1934 wurde er als Infanterie-Führer VII wieder nach München versetzt. Dort erhielt er am 1. Oktober seine Beförderung zum Generalmajor.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 663. Schobert „profilierte sich als linientreuer, politischer Offizier, wie viele Nationalsozialisten ihn sich wünschten.“Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 126. So entließ er im Juni 1935 einen Soldaten, der sich negativ über die SA geäußert hatte, und begründete dies damit, dass dieser als Ausbilder mehr Feingefühl für die Zusammenarbeit mit der Partei hätte zeigen müssen.Manfred Messerschmidt: Die Wehrmacht im NS-Staat. Zeit der Indoktrination. Hamburg 1969, S. 103. 1934 und 1935 organisierte Schobert jeweils den „Tag der Wehrmacht“ bei den NSDAP-Parteitagen in Nürnberg.Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. München 2007, S. 126 Fn. 18.