Die Landstadt Warin liegt im Osten des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie gehört zum Amt Neukloster-Warin mit Sitz in Neukloster. Der Ort ist Teil der Metropolregion Hamburg und für seine Umgebung ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Warin befindet sich etwa 23 Kilometer südöstlich von Wismar. Sie ist umgeben von einer vielfältigen Naturlandschaft. Warin liegt am Nordrand der während der letzten Eiszeit entstandenen Sternberger Seenlandschaft, eingebettet zwischen dem Großen Wariner See und dem Glammsee. Beide Seen verbindet im Stadtgebiet der Mühlengraben. Bei den Ortsteilen Klein und Groß Labenz befindet sich der Groß Labenzer See.
Warin liegt im Naturpark Sternberger Seenland, der sich von Neukloster im Norden über Sternberg bis nach Pinnow im Süden erstreckt. Im östlichen Gemeindegebiet von Warin bei Laase liegt das Naturschutzgebiet Rothenmoorsche Sumpfwiese. Zu den Erhöhungen der Gegend zählen die Schanzenberge.
Stadtgliederung Zu Warin gehören die Ortsteile Allwardtshof, Graupenmühle, Groß Labenz, Klein Labenz, Mankmoos, Pennewitt und Wilhelmshof.Hauptsatzung der Stadt Warin
Geschichte Vom 12. Jahrhundert bis heute Der Großdolmen von Mankmoos, der Urdolmen von Mankmoos, der Großdolmen Groß Labenz 1 und ein Großsteingrab im rechteckigen Hünenbett sind die ältesten Relikte im Stadtgebiet.
1178 wurde der Name Warin erstmals urkundlich erwähnt. 1229 begann der Bischof von Schwerin mit dem Bau einer „Sommerresidenz“, vier Jahre später erwähnte Bischof Brunward Warin erstmals als Kirchdorf. Die durch Bischof Hermann I. von Schladen 1263 begründete Bischofsburg wurde 1284 „als im Bau befindlich“ erwähnt. Die unter dem Schutz der Burg entstandene Siedlung besaß bereits 1306 einen Rat, war also eine Stadt. Das genaue Datum der Verleihung des Stadtrechtes ist jedoch nicht nachweisbar.Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch (= Residenzenforschung, Bd. 15.I), 2003. ISBN 3-7995-4515-8 Die Bischofsburg wurde Pfingsten 1322 teilweise zerstört, der Bischofssitz verpfändet. Erst unter Bischof Friedrich II. von Bülow konnte nach 1366 der Bischofssitz wieder eingelöst und die Burg instand gesetzt werden. Unter Bischof Nicolaus Böddeker wurde die Burg 1447/48 grundlegend restauriert und erweitert.Dirk Handorf: Die Bischofsburg in Warin, In: Josef Traeger: Das Stiftsland der Schweriner Bischöfe um Bützow und Warin. 1984, S. 38–41.
mini|hochkant|Historische Siegelmarke Bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges stieg die Einwohnerzahl auf 250. 1628 besetzten dänische Truppen Warin, von 1634 bis 1635 schwedische Dragoner unter Oberstleutnant Osterling. 1636 brannte ein Großteil der Stadt ab. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte Warin noch 45 Bürger.
miniatur|links|hochkant|Stiftskirche mini|Gutshaus in Klein Labenz während der Sanierung, 2010 1648 kamen die Orte Warin und Bibow zum mecklenburgischen Herzogtum. Ein zweiter Großbrand vernichtete 1773 große Teile der Stadt. Von 1833 bis 1926 war Warin der Sitz des Amtes Warin, Neukloster, Sternberg und Tempzin. Auch das 1803 leihweise an Mecklenburg zurückgegebene Wismar wurde zeitweise von hier aus verwaltet. Die Bischofsburg wurde 1838 abgebrochen, die Burgkeller blieben erhalten. An der Stelle der Burg entstand die großherzogliche Landdrostei als Verwaltungssitz.
mini|Ehemaliger Bahnhof Warin Warin war ab 1851 Landstadt in Mecklenburg und als solche eine der Städte im Mecklenburgischen Kreis. Sie war bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Stände gleichberechtigt vertreten. Am 17. August 1869 wurde die Freiwillige Feuerwehr Warin gegründet. Sie ist damit eine der ältesten Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern. 1878 fand die Weihe der neugotischen Stiftskirche statt. Von 1879 bis 1952 bestand das Amtsgericht Warin. 1887 erhielt Warin einen Bahnanschluss an die Strecke Wismar–Karow.
Das Elektrizitätswerk lieferte 1906 der Mühle erstmals Strom, 1932 wurde die ehemalige Landdrostei zur Reichsbauernschule. Die Mecklenburgische Bauernschule in Warin bildete bis 1945 Fachkräfte für die Landwirtschaft aus, der erste Schulleiter war Karl-Heinz Bürger. Der Hochschule angegliedert war die Webschule Warin, in ihr wurden traditionelle Mecklenburger Trachten, Textilien und Tücher gewebt. Der Park am Hochschulgebäude, Altes Amtsgehöft genannt, wurde 1933 zu einem Naturdenkmal erklärt.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden jüdische Bürger des Ortes verfolgt und ermordet. Der jüdische Friedhof wurde beim Novemberpogrom 1938 verwüstet, die Reste nach 1945 abgeräumt, im Jahr 1961 mit einem Gedenkstein an ihn erinnert. 1940 nahm die Stadt eine größere Zahl baltendeutscher Umsiedler aus Lettland auf, zur Unterbringung wurde für die Umsiedler aus Libau und Niederbartau ein „Lettenhaus“ am Mühlgraben geschaffen. Einem Teil der Umsiedler wurden Kleinbauernstellen in der Umgebung angeboten.
Am 3. Mai 1945 besetzte die Rote Armee Warin. Kurz danach fanden im nahegelegenen Schloss Hasenwinkel Vorgespräche zur Potsdamer Konferenz statt. Auf dem Terrain der Bauernhochschule entstand 1948 das Kreiskrankenhaus. Ab 1960 fanden die Kollektivierungen in Landwirtschaft und Handwerk statt, 1962 wurden Wohnblocks am Fritz-Reuter-Platz errichtet. 1983 feierte Warin sein 750-jähriges Bestehen. Im Mai 1990 fanden freie Wahlen zur Gemeindevertretung statt.
Nach der Wiedervereinigung wurden rasch neue Infrastruktureinrichtungen geschaffen. Bereits 1992 entstanden ein Alten- und Pflegeheim sowie eine neue Kläranlage, 1993 wurde der Gewerbepark am Ziegelberg übergeben. Das Matratzenwerk fand einen neuen Eigentümer. Warin verlor aber auch wichtige Infrastruktur: das bisherige Kreiskrankenhaus wurde geschlossen; einen neuen privaten Investor gab es nicht.
Von 1952 bis 1994 gehörte Warin zum Kreis Sternberg (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit 1994 liegt die Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg.
Eingemeindungen Mankmoos wurde am 1. September 1973 eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Groß Labenz kam am 1. Januar 2004 hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
Ortsteile Allwardtshof, nach dem Mühlenbesitzer Allwardt benanntes „Gehöft“ Groß Labenz, einstigstes Gutsdorf, u. a. der briefadeligen Familie von Langen-Üselitz Klein Labenz, Dorf mit einem ehemaligen 397 ha großem Gut Mankmoos, Ortschaft mit vormals mehreren landwirtschaftlichen Betrieben, bereits 1171 ersterwähnt Pennewitt, Dorf mit einstmals sechs amtlich aufgeführten Höfen, Ortsgründung geht ursächlich auf eine jungslawische Siedlung zurück Wilhelmshof, Ort mit dem einstigen Gut der Familie Heinemann
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3691 1995 3907 2000 3699 2005 3736 2010 3524 2015 3275 Jahr Einwohner 2020 3239 2021 3191 2022 3121 2023 3198 2024 3255
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik miniatur|Rathaus und Naturparkzentrum mini|hochkant|Christian Wilhelm Conrad Telschow (1798–1874), einstiger Wariner Bürgermeister, Darstellung um 1820 (Staatliches Museum Schwerin)
Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Warin besteht aus 14 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Nordwestmecklenburg: Das sind die neuen Gemeindeparlamente. In: Ostsee-Zeitung, 29. Mai 2019. Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bürgerunion Wariner Seenland (BWS) – – 40,0 % 6 Gemeinsam Warin gestalten (GWG) 38,0 % 5 35,2 % 5 Wir Wollen Warin (WWW) – – 11,9 % 2 Zukunft Warin Ortsteile (ZWO) 18,1 % 3 11,1 % 1 Einzelbewerber Daniel Merkel – – 1,9 % – CDU 33,4 % 5 – – Für Warin 10,5 % 1 – – Insgesamt 100 % 14 100 % 14
Bürgermeister 2009–2019: Michael Ankermann (CDU) seit 2019: Björn Griese (Gemeinsam Warin Gestalten)
Griese wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 mit 62,1 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 Er wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 23. Juni 2024 mit 51,1 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 23. Juni 2024 Seine Amtsdauer beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)
Wappen
Historisches Stadtwappen
Flagge Die Flagge wurde von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick gestaltet und am 19. November 2004 durch das Ministerium des Innern genehmigt.
Die Flagge ist quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Rot, Gelb und Rot gestreift. Die roten Streifen nehmen je ein Viertel, der gelbe Streifen nimmt die Hälfte der Länge des Flaggentuchs ein. In der Mitte des gelben Streifens liegt das Stadtwappen, das zwei Drittel der Höhe des Flaggentuchs einnimmt. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 3:5.Hauptsatzung § 1 (PDF; 238 kB).
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift „STADT WARIN“.
Partnerschaften Seit 1991 kommunale Patenschaft mit Aukrug in Schleswig-Holstein
Sehenswürdigkeiten
Bauwerke Neugotische Stiftskirche, von 1874 bis 1878 nach Entwürfen des Baurates Theodor Krüger an der Stelle der ersten 1233 errichteten Kirche Naturparkzentrum Sternberger Seenland im Rathaus Predigerwitwenhaus von 1733, ältestes Gebäude der Stadt Gutshaus Groß Labenz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
miniatur|hochkant|Denkmal für Ernst Lübbert (Bildhauer Ferdinand von Miller) miniatur|hochkant|Ehemaliges Ernst-Lübbert-Denkmal von Erich Schmidt-Kestner (enthüllt 29. August 1935); zu Rüstungszwecken 1943 eingeschmolzen Denkmäler, Gräber und Gedenkstätten Urdolmen von Mankmoos, Großsteingrab Hünengrab von Pennewitt Ehemaliges Ernst Lübbert-Denkmal am Bahnhofsvorplatz Warin (Figur infolge des II.WK 1943 entfernt) Denkmal für den in Warin geborenen Maler und Illustrator Ernst Lübbert Ehrengrab auf dem Friedhof mit Gedenkstein zur Erinnerung an den Kommunisten Johann Schulz, der 1945 an den Folgen seiner KZ-Haft in Dreibergen-Bützow verstarb Ehrengrab der jüdischen Familie Wolff-Stapelmann, die dem Holocaust zum Opfer fiel Gedenkstätte mit Gedenkstein zur Erinnerung an den jüdischen Friedhof im Ortsteil Waldheim vor der Ausfahrt nach Ventschow (von 1963)
Natur Sternberger Seenland Historischer Rundgang um den Glammsee mit Schautafeln und Aussichtsturm (Blick über den Glammsee) Prinzessinenschlucht Radebachtal
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftlich ist für Warin der Tourismus von großer Bedeutung. Die staatliche Anerkennung als Erholungsort wird angestrebt.Gute Aussichten für Erholungsort. In: Schweriner Volkszeitung, 17. Oktober 2018
Verkehr
Warin liegt an der Bundesstraße B 192 zwischen Wismar und Brüel sowie an der Landesstraße L 31 nach Bad Kleinen. Die nächsten Autobahnanschlussstellen sind Jesendorf an der A 14 (Wismar–Schwerin) und Zurow an der A 20 (Lübeck–Rostock).
Der nächstgelegene Bahnhof ist Blankenberg (Meckl) (vier Kilometer südlich der Stadt) an der Bahnstrecke Bad Kleinen–Rostock. Er wird von den Regionalexpresslinien RE 1 (Hamburg–Rostock) und RE 4 (Lübeck–Szczecin) bedient. Der Bahnhof Warin lag an der Bahnstrecke Wismar–Karow. 1998 wurde der Personenverkehr eingestellt.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Hermann von Suckow (1792–1872), preußischer General August Cords (1859–1919), Reeder Ernst Lübbert (1879–1915), Maler und Illustrator Georg Hansen (1881–1965), plattdeutscher Mundartdichter, Töpfermeister in Warin