Das Militärverwaltungsgebiet Serbien (amtlich Bereich des Militärbefehlshabers in Serbien), in Amtssprache , war ein Marionettenstaat unter der Militärverwaltung des nationalsozialistischen Deutschlands.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Königreich Jugoslawien 1941 im Zuge des deutschen Balkanfeldzuges besetzt und geteilt. Serbien wurde auf ein „Restserbien“ etwa in den Grenzen von 1912 vor den Balkankriegen reduziert. Im Banat wurde eine deutsche Zivil-Regierung installiert und um Kosovska Mitrovica ein autonomer Bezirk gebildet. Die oberste vollziehende Gewalt übte der deutsche Militärbefehlshaber Serbien (MBS) bzw. ab Herbst 1941 der Bevollmächtigte Kommandierende General (Bev.Kdr.Gen.) mit Sitz in Belgrad aus.

Die Zivilverwaltung übte eine von Ministerpräsident Milan Nedić geführte serbische „Regierung der nationalen Rettung“ aus, die mit der deutschen Besatzungsmacht kollaborierte. Die der Kollaborationsregierung unmittelbar unterstehenden paramilitärischen Verbände der Serbischen Staatswache, des faschistischen Serbischen Freiwilligen-Korps des Dimitrije Ljotić und der „legalisierten“ Tschetniks des Kosta Pećanac beteiligten sich am Kampf gegen die kommunistischen Titopartisanen und unterstützten die Besatzungsmacht bei der Durchführung des Holocaust.

Im Oktober 1944 wurde die serbische Hauptstadt Belgrad von der sowjetischen Roten Armee und der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee eingenommen (vgl.: Belgrader Operation). Nach Kriegsende wurde Serbien 1945/1946 eine Republik des sozialistischen Jugoslawiens.

mini|Zeitungsbericht über die Zivilverwaltung Serbiens, nämlich die Einteilung in 14 Okruge und die Ernennung deren Vorsteher (1942).

Geschichte Vorgeschichte Das Königreich Jugoslawien war zu Beginn des Zweiten Weltkrieges neutral. Am 25. März 1941 trat das Land dem Dreimächtepakt bei, zwei Tage später kam es zum Jugoslawischen Staatsstreich von 1941. Ministerpräsident Cvetković wurde durch General Dušan Simović gestürzt, und anstelle des Prinzregenten Paul übernahm der junge König Petar II. die Staatsführung. Die neue jugoslawische Regierung versuchte, sich mit dem Deutschen Reich zu verständigen, und schloss mit Stalin am 5. April 1941 einen Freundschafts- und Nichtangriffspakt. Einen Tag später begannen die Achsenmächte den Balkanfeldzug mit dem Luftangriff auf Belgrad. Binnen elf Tagen kapitulierte die jugoslawische Regierung.

Nach dem schnellen Sieg über das Königreich Jugoslawien wurde das Land in zehn Teile mit unterschiedlichem staatsrechtlichen Status aufgeteilt. Serbien, bestehend aus Altserbien (dem ehemaligen Gebiet Serbiens innerhalb der Grenzen von 1912, ohne Mazedonien) und dem Westbanat, wurde mit zusammen etwa 4,5 Millionen Einwohnern wegen seiner ökonomischen Bedeutung zur ausschließlich deutschen Einflusszone erklärt und unter Militärverwaltung gestellt. Das Gebiet umfasste mehr als ein Viertel der Gesamtfläche des späteren Jugoslawien. Vor allem die Roh- und Grundstoffindustrie war für die deutsche Kriegswirtschaft wichtig, auch Weizen und Mais wurde nach Deutschland geliefert. Von den Gebieten, die vor 1941 noch zu Serbien zählten, besetzte Ungarn den Südbaranja und die Batschka, Bulgarien besetzte den Großteil von Mazedonien und Syrmien wurde dem kroatischen Vasallenstaat zugeschlagen. Bis Kriegsende wurden die Grenzen Serbiens zwischen den Achsenmächten noch mehrfach verschoben. Das Deutsche Reich installierte in Serbien eine Kollaborationsregierung.

Deutsche Volksgruppe mini|Geheimer Führerbefehl, unterzeichnet von August Meyszner Das serbische Banat mit etwa 131.000 Serbiendeutschen und ungarischer Bevölkerung blieb direkt unter deutscher Verwaltung. Ab 27. März 1941 lieferte die für Sabotage zuständige Abteilung Abwehr II des Amtes Ausland/Abwehr unter der Leitung von Erwin von Lahousen große Mengen Waffen an die deutsche Volksgruppe. Am 6. April 1941 unterstellte Volksgruppenführer Sepp Janko die gesamte Volksgruppe in militärischer Hinsicht Lahousens Abteilung. Die „Selbstschutzkommandos“ der Volksgruppe griffen nach dem Angriff der Achsenmächte auf Jugoslawien die jugoslawische Armee an und vertrieben jugoslawische Beamte.Bundesarchiv (Hrsg.): Europa unterm Hakenkreuz, Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941–1945). Band 8, Hüthig Verlagsgemeinschaft, ISBN 3-7785-2338-4, S. 275 f. Jugoslawische Donauschwaben im wehrfähigen Alter dienten auch in der jugoslawischen Armee und kämpften gegen die deutschen Truppen. Viele wählten aber stattdessen die Flucht in die Steiermark, nach Ungarn oder Rumänien oder versteckten sich, bis die deutschen Truppen eintrafen. Janko erhielt von der deutschen Besatzungsmacht erhebliche Autonomie-Vollmachten in Kultur- und Bildungsfragen sowie die Gerichtsbarkeit über alle Volksdeutschen. Diese Volksgruppe, eine nationalsozialistische Zwangsorganisation, konnte ihre Angehörigen besteuern, zum Dienst in der Polizei einberufen und bewaffnete Einheiten aufstellen, die ausschließlich dem Volksgruppenführer unterstanden, wie der „Ortsschutz“ oder die „Banater Staatswache“.

Im Sommer 1944 wurde nach dem Umsturz in Rumänien am 23. August 1944 die kommende militärische Niederlage sichtbar. Die Evakuierungspläne der deutschen Behörden stießen zunächst auf den Widerstand der Volksgruppenführung und der SS-Führung in Belgrad. Als die Rote Armee Anfang Oktober 1944 schnell nach Westen vorstieß, gelang die Evakuierung nur noch zum Teil. Große Teile der Donauschwaben wollten Haus und Hof nicht verlassen. Aus der Batschka wurde noch etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung evakuiert, aus dem Banat nur etwa 10 Prozent.Immo Eberl, Konrad G. Gündisch, Ute Richter, Annemarie Röder, Harald Zimmermann: Die Donauschwaben. Deutsche Siedlung in Südosteuropa. Ausstellungskatalog (hrsg. vom Innenministerium Baden-Württemberg), Wiss. Leitung d. Ausstellung Harald Zimmermann, Immo Eberl, Mitarb. Paul Ginder, Sigmaringen 1987, ISBN 3-7995-4104-7, S. 258.

Deutsche Okkupation und die Aufstandsbewegung mini|Deutsche Militärverwaltung Serbiens 1941–1944 mini|Soldaten der Wehrmacht neben gehängten serbischen Zivilisten in Užička Požega (1941) Nach der Aufteilung Jugoslawiens sicherte die deutsche Wehrmacht den serbischen Reststaat zunächst mit drei Divisionen, der 704., 714. und 717. Infanterie-Division. In Serbien operierten Sicherheitspolizei und der Sicherheitsdienst. Die Führung der Polizeikräfte der serbischen Kollaborationsregierung und aller SS-Kräfte unterstand dem HSSPF August Meyszner. Ihm oblag auch als Befehlshaber der Einheiten der Waffen-SS die Aufstellung der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“, deren Mannschaften vorwiegend aus der deutschen Minderheit in Serbien, vor allem aus dem Banat rekrutiert wurde. Trotzdem trug die Wehrmacht die Hauptverantwortung für die terroristischen Aktionen, darunter die Massaker von Kraljevo und Kragujevac; sie war für die „innere Sicherheit“ verantwortlich. Vorwiegend Wehrmachteinheiten exekutierten die Terrorpolitik, SS und Polizei waren ihr de jure und besonders bei Großeinsätzen auch taktisch unterstellt.

Den Aufständen in Serbien standen nur unzureichende deutsche Besatzungstruppen gegenüber. Hitler hatte festgelegt, dass in Serbien lediglich zwei Divisionen verbleiben sollten, zusammen mit einer weiteren Division im Kupferbergbaugebiet zwischen Morava und Donau. Um auch serbische Kräfte zur Partisanenbekämpfung zu gewinnen, wurde am 29. August 1941 die „Regierung“ von General Milan Nedić gebildet. Am 1. September 1941 proklamierte Nedić den Staat Serbien. Nedić war im Königreich Jugoslawien Verteidigungsminister, er stand dem Faschismus ideologisch sehr nah. Nahezu alle Teile des alten serbischen Staatsapparates standen ihm zur Verfügung.

mini|Tschetnik-Vojvode Budimir Bosiljčić hält eine Rede vor den gehängten Tito-Partisanen Ilija Katić und Tihomir Sarić (Westserbien, 1942) Die Regierung von Nedić wurde von Tschetnik-Truppen unter der Führung von Dimitrije Ljotić militärisch gestützt. Nedić unterhielt auch enge Kontakte zu Oberst Dragoljub Draža Mihailović, der den Deutschen wertvolle, zeitweise auch bewaffnete Hilfe gegen die Befreiungsbewegung leistete. Seine nationalserbische Bewegung war den Deutschen jedoch suspekt, der „großserbischen Idee“ standen sie ablehnend gegenüber, zumal sie sich auch gegen das Ustascha-Regime stellte. Außerdem nutzte die nationalserbische Bewegung, geschützt durch schriftliche Abkommen mit den Deutschen, die Gelegenheit zur weiteren politischen Expansion. Trotzdem versuchte das OKW, sich auch die Verbände der Michailović-Četniks militärisch nutzbar zu machen, und band sie im Sommer 1944 in zwei Großoperationen zur Partisanenbewegung ein. In der Folge schloss sich auch Nedić dieser antikommunistischen Allianz bedingungslos an. Die Deutschen standen der Allianz jedoch weiterhin misstrauisch gegenüber, lieferten ihr jedoch bis Ende August 1944 noch Waffen, wenn auch im beschränkten Umfang. Als im September 1944 die Tito-Partisanen Serbien massiv angriffen, konnten sie die mit deutscher Hilfe bewaffneten Hauptverbände der Michailović-Četniks zersprengen. Damit wurden diese militärisch wie auch politisch bedeutungslos.Klaus Schmider: Der jugoslawische Kriegsschauplatz. In: Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider, Klaus Schönherr, Gerhard Schreiber, Krisztián Ungváry, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8: Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten. im Auftrag des MGFA hrsg. von Karl-Heinz Frieser. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 1043 ff.

Das Nedić-Regime blieb bis Oktober 1944 bestehen, als sowjetische Truppen über die Grenzen Serbiens vorstießen und am 20. Oktober 1944 Belgrad gemeinsam mit Tito-Partisanen befreiten.

Wirtschaftspolitik mini|1 Serbischer Dinar (1942) Durch Partisanenkrieg und Besatzung sank die wirtschaftliche Produktion Serbiens. Soweit möglich, wurden seine Kapazitäten für die Besatzungsmacht eingesetzt, Betriebe wurden mit Rüstungsaufträgen belegt. Serbien lieferte einen bedeutenden Anteil des deutschen Bedarfs an Kupfer und anderen Rohstoffen. Große Mengen an Agrarprodukten, in der Hauptsache Mais, Weizen und Ölfrüchte, wurden nach Deutschland gebracht, vorwiegend aus dem Banat. Darüber hinaus waren die deutschen und die landeseigenen Truppen zu ernähren. Der Zivilbevölkerung wurde kaum noch etwas zur Verfügung gestellt. Ein großer Teil des Gegenwerts der an Deutschland gelieferten Güter wurde zwar in Dinar bezahlt, doch konnte Serbien für diese Währung in Deutschland fast nichts kaufen. Dazu hatte es die Besatzungskosten zu tragen. Die Folge waren eine Ausdehnung des Geldumlaufes, dem eine Verknappung der Güter gegenüberstand, was zu einer Inflation führte. Der Dinarumlauf stieg von 1941 bis 1944 fast um das Zehnfache. Die Preise stiegen stark an, und das weitgehende Einfrieren der Löhne führte zu Verarmung und Massenelend.

Zwangsarbeit und Deportationen mini|Serbische Gendarmerie beaufsichtigt die Erfassung von Juden für die Zwangsarbeit (Belgrad, April 1941)