mini|hochkant=1.3|Schloss Gödöllő, Stadtseite mini|hochkant=1.3|Schloss Gödöllő, Gartenseite Schloss Gödöllő (, offiziell Königliches Schloss Gödöllő) ist die ehemalige Residenz der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth („Sisi“) in Gödöllő bei Budapest. Die barocke Dreiflügelanlage wurde ab 1735 im Auftrag von Anton Grassalkovich I. nach Entwurf von Andreas Mayerhoffer erbaut und dient heute als Museum. Nach der Budaer Burg ist es das größte Schloss in Ungarn.

Geschichte des Schlosses Überblick Das Schloss liegt ca. 25 Kilometer nordöstlich der ungarischen Hauptstadt Budapest in der Stadt Gödöllő. Es wurde im 18. Jahrhundert für den Grafen Antal Grassalkovich I. errichtet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es die bevorzugte Residenz der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth („Sisi“). Das Schloss wurde in der Zeit des sozialistischen Regimes 1949 bis 1990 stark vernachlässigt und fing an zu verfallen. 1996 begannen Restaurierungsarbeiten; seitdem ist das Schloss für Besucher zugänglich. Das Schloss ist, gemessen an der überbauten Grundfläche, der größte Barockpalast Ungarns.Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 23

Vorgeschichte der Schlossanlage Gödöllő, im Deutschen selten Getterle genannt, wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. Der Ort hatte bis zum Erwerb durch Antal Grassalkovich I. keine bedeutende Rolle in der Landesgeschichte gespielt. Bis zum 18. Jahrhundert war Gödöllő eine kleine, unbedeutende Bauernsiedlung in einem von niedrigen Hügeln begrenzten Tal. Die Ländereien gehörten zahlreichen Gutsherren. Die Eigentumsverhältnisse änderten sich mehrfach (auch unterbrochen durch die osmanische Herrschaft über Ungarn). Kern des Dorfes waren ein bescheidenes Herrenhaus und eine kleine Kirche, auf deren Grundstück später das Schloss errichtet wurde.Alle Informationen aus diesem Abschnitt aus Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 12

Die Ära der Grassalkovichs mini|hochkant|Der Bauherr des Schlosses, Antal Grassalkovich I., auf einem Gemälde des 18. Jahrhunderts Nach der Vertreibung der Osmanen bildete sich in Ungarn ab dem Ende des 17. und mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts eine neue Aristokratie heraus. Einer der bedeutendsten Vertreter seines Stands und seiner Zeit war Antal Grassalkovich I. Er schaffte es aus niederem kroatischen Landadel bis an den Wiener Hof und zählte dort zu den Vertrauten Maria Theresias.

Grassalkovich erwarb zwischen 1723 und 1748 die Gödöllőer Ländereien von ihren früheren Besitzern und begann ab 1735 mit der Errichtung des Schlosses und eines groß angelegten Gutsbetriebs. Das Schloss wurde als dreiflügeliger Bau, der noch heute den Innenhof umschließt, von 1735 bis 1745 errichtet. Es wurde von 1746 bis 1749 und von 1752 bis 1759 erweitert. Nach seinem Bauherrn wird es deshalb auch Schloss Grassalkovich genannt.

Antal Grassalkovich erhielt 1732 den Titel eines Barons und wurde 1743 durch die Kaiserin in den Grafenstand erhoben. Der Bau des Schlosses war Zeichen seines selbst erworbenen Reichtums und seiner politischen Stellung. Den Grafen und Maria Theresia verband ein freundschaftliches Verhältnis, und der Kaiserin wurde eine Zimmerflucht im Schloss eingerichtet, die sie 1751 kurze Zeit bewohnte.

Der Graf starb 1771 und hinterließ den Besitz seinem einzigen Sohn, Antal Grassalkovich II., der 1784 in den Fürstenstand erhoben wurde. Antal II. hatte wenig Interesse an dem abgelegenen Landsitz und residierte bevorzugt in Wien und Pressburg, der damaligen ungarischen Hauptstadt. Er ließ an Gödöllő einige Umbauten vornehmen; das Schloss wurde damals meist von einem Kastellan verwaltet. Antal II. ließ sich von 1789 an das Palais Grassalkovics in Wien bauen. Dem Sohn mangelte es an den ökonomischen Fähigkeiten seines Vaters, und der einstmals reiche Besitz wurde zunehmend mit Schulden belastet, die 1794 an Antal Grassalkovich III. übergingen. Der junge Fürst vergrößerte den Schuldenberg noch, und die Gödöllőer Ländereien wurden ab 1796 unter Zwangsverwaltung gestellt. Erst ab den 1820er Jahren hielt sich Antal Grassalkovich III. öfter in Gödöllő auf, das er vorher kaum genutzt hatte. Zu dieser Zeit ließ er den alten Barockgarten in einen Landschaftspark umgestalten und er empfing dort häufig den Reformer István Széchenyi.

Der Fürst starb 1841 ohne männlichen Erben, wodurch die männliche Linie der Grassalkovichs ausstarb. Seine Witwe, die letzte Fürstin Grassalkovich, wurde am 27. Dezember 1864 in Gödöllő bestattet.Amtliche Tageszeitung Wiener Zeitung, 3. Jänner 1865, S. 18 Das noch immer unter Zwangsverwaltung stehende Schloss ging an eine weibliche Erblinie aus der Familie Viczay. 1849 diente die Anlage dem ungarischen Revolutionskämpfer Lajos Kossuth und seinen Truppen kurze Zeit als Basis. 1850/1851 wurde der Besitz an den Bankier Georg Simon von Sina verkauft.Amelie Lanier: Die Geschichte des Bank- und Handelshauses Sina, in der Reihe Europäische Hochschulschriften, Peter Lang, Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main usw. 1998, ISBN 978-3-631-33747-9, Abschnitt VI.2.3 Nach dessen Tod gelangte das Anwesen 1864 an eine belgische Bank.Über die Zeit der Grassalkovich: Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 17, 19, 21

Das Schloss als Residenz des ungarischen Königshauses mini|Die königliche Familie vor dem Schloss, Stich von 1869 1866 diente das Schloss als Lazarett für verwundete Soldaten des Deutschen Krieges. In dieser Zeit besuchte die österreichische Kaiserin Elisabeth das Schloss zum ersten Mal und äußerte den Wunsch, es zu erwerben. Der Kaiser lehnte dies wegen der Kosten des Krieges ab.

1867 war das Jahr des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs, mit dem die Habsburger auf dem ungarischen Königsthron bestätigt wurden. Am 15. März des Jahres leistete die Regierung ihren Treueid auf Franz Joseph I. und am 8. Juni 1867 fand die Krönung in Buda statt. Das alte Schloss der Grassalkovichs wurde vom ungarischen Staat gekauft und als Krönungsgeschenk an den König und seine Frau übergeben. Anlässlich der Krönung wurde das Schloss restauriert und umgebaut und der Park wurde aufgeforstet. Die damals neu geplante Bahnstrecke wurde am Schloss vorbeigeführt und für die königliche Familie wurde ein eigener Wartesalon gebaut.

Das Schloss wurde zu einem der bevorzugten Aufenthaltsorte von Königin Elisabeth, die die strenge Hofetikette im Schloss Schönbrunn und in der Hofburg hasste. In Gödöllő konnte sie, abseits von Protokoll und Hofzeremoniell, ein freieres Leben als in Wien führen. Bis zu ihrem Tode 1898 verbrachte sie dort mehr als 2000 Tage, vorwiegend im Frühjahr und im Herbst. Der Ort erlebte durch die regelmäßigen Besuche des Königshauses einen wirtschaftlichen Aufschwung und Gödöllő wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts eine beliebte Sommerfrische der Budapester Oberschicht.

Nach dem Mord an Elisabeth besuchte Franz Josef das Schloss immer seltener, zuletzt weilte er dort 1911. Sein Nachfolger Karl I. hielt sich nur kurze Zeit in Gödöllő auf, sein letzter Aufenthalt fand im Oktober 1918 statt und Ereignisse des verlorenen Ersten Weltkriegs machten eine Rückkehr unmöglich.Alle Informationen aus diesem Abschnitt aus Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 31, 33, 35, 37, 39

Das Schloss im 20. Jahrhundert Ab 1918 stand das Schloss unter der Verwaltung des ungarischen Finanzministeriums. Infolge der politischen Wendungen kam ab 1919 kurzzeitig die ungarische Räterepublik an die Macht, unter der das Schloss geplündert und zu einem Waisenhaus umfunktioniert wurde.

Nach Zusammenbruch der Räterepublik wurde Miklós Horthy ab 1920 als Reichsverweser eingesetzt, der das nun königslose Ungarn verwaltete. In seiner Eigenschaft als Stellvertreter des Königs erhielt er das Nutzungsrecht am Schloss von Gödöllő und bezog die früheren Räume Franz Josephs; seine Frau erhielt die Zimmerflucht von Königin Elisabeth. Das Schloss wurde dafür im Inneren umgestaltet und erhielt eine neue Möblierung. Horthy nutzte Gödöllő für repräsentative Zwecke und empfing hier bedeutende Mitglieder der Gesellschaft seiner Zeit wie Viktor Emanuel III. von Italien und den späteren britischen König Eduard VIII.

Im Zuge des Zweiten Weltkrieges erhielt das Schloss einen Bombentreffer, blieb aber ansonsten unbeschädigt. Ab Dezember 1944 besetzten Truppen der deutschen Wehrmacht das Schloss, die kurz darauf von der Roten Armee vertrieben wurden. In der Folgezeit wurde das Gebäude geplündert und anschließend militärisch genutzt. Den Nordflügel bezogen Einheiten der ungarischen Armee, der Südflügel wurde von sowjetischen Soldaten bezogen. Ab 1958 wurde das mittlerweile stark vernachlässigte Schloss zu einem Altenheim umfunktioniert. In die königlichen Salons wurden einfache Eisenbetten gestellt, der Festsaal zu einem Fernseh- und Aufenthaltsraum umgestaltet. Die Balkone des Hofs und die Durchfahrt durch den Mittelrisalit dienten als Kohlenbunker, in der Orangerie wurde eine Wäscherei eingerichtet und im Südflügel Wohnungen installiert. Obwohl das Gebäude bereits 1951 unter Denkmalschutz gestellt wurde, fand keine Sicherung der Bausubstanz statt und das Schloss begann zusehends zu verfallen. Ab 1981 wurden erste Pläne zu einer Sanierung aufgelegt, die jedoch aus finanziellen Gründen nicht in Angriff genommen werden konnte. 1984 stürzte das Dach des Reitschulenflügels ein.

Ab 1990 verließen die im Schloss angesiedelten Institutionen das Haus und bis 1994 war es komplett geräumt. In diesem Jahr wurde eine gemeinnützige Stiftung gegründet, welche sich die Restaurierung und den Erhalt des Schlosses zum Ziel setzte. Ein neues Nutzungskonzept für das Gebäude wurde erarbeitet und die Sanierung in Teilen begonnen. Die Dachstühle und Fassaden des Hauptbaus und der südlichen Flügel wurden erneuert, Wandmalereien freigelegt und der Stuck ausgebessert. Die Innenräume wurden aufwändig rekonstruiert. Im August 1996 wurde der wiederhergestellte Mittelflügel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.Alle Informationen aus diesem Abschnitt aus Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 67, 69, 79

mini|hochkant|Konzert im Oktober 2017 Das Schloss in der Gegenwart Das Königliche Schloss in Gödöllő wird jährlich von mehr als 200.000 Menschen besucht.Homepage des Schlossmuseums Seit seiner Öffnung 1996 ist es eines der bedeutendsten Ausflugsziele in der Umgebung von Budapest. Das Schloss beherbergt ein Schlossmuseum, in dem derzeit knapp 30 Räume zu besichtigen sind. Der Fokus des Museums wurde auf die königliche Zeit Gödöllős und das Leben Königin Elisabeths gelegt. In den unteren Räumen werden zudem regelmäßig wechselnde Ausstellungen präsentiert. Das Schloss ist in eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen wie Konzerte und Theateraufführungen eingebunden. Eine private Anmietung verschiedener Räume für Festlichkeiten oder Konferenzen wird angeboten, außerdem wurde ein gastronomischer Betrieb eingerichtet.

Gleichwohl ist die vollständige Sanierung des Gebäudes bis heute nicht abgeschlossen. Die nördlichen Flügel sind weiterhin in einem ruinösen Zustand und der Zeitpunkt einer vollständigen Restaurierung bisher nicht absehbar, gleiches gilt für die Parkanlage. Das Mitte der 1990er Jahre erarbeitete Nutzungskonzept konnte nicht in allen Punkten umgesetzt werden, so war im Südflügel die Einrichtung eines Hotels geplant, doch eine entsprechende Vermietung ist bis heute nicht erfolgt.

Baulichkeiten Das Schloss Die Schlossgebäude Als Baumeister des Schlosses wurde der Salzburger Architekt Andreas Mayerhoffer verpflichtet, der unter anderem auch die Budapester Universitätskirche und die Mariä-Verkündigungs-Kirche in Szentendre entwarf.

Die Gebäude um den Ehrenhof mini|Blick in den Ehrenhof, der von den drei Ursprungsflügeln des Schlosses umgeben ist. Hinter den hohen Bogenfenstern des Mittelbaus verbirgt sich auf dieser Seite das große Treppenhaus Das Schloss war zur Erbauungszeit bereits als höfische Residenz geplant.