mini|Patricia Kopatchinskaja (2012)

Patricia Kopatchinskaja (* 23. März 1977 in Chișinău, Moldauische SSR, Sowjetunion) ist eine moldauisch-österreichisch-schweizerische Geigerin.

Leben Patricia Kopatchinskaja kommt aus einer moldauischen Musikerfamilie, auf der alten Homepage von Patricia Kopatchinskaja www.patkop.ch, abgerufen am 19. März 2014. ihre Mutter Emilia ist ebenfalls Geigerin, ihr Vater Viktor spielt das Zymbal. Weil ihre Eltern ausgedehnte Konzertreisen durch die Sowjetunion unternahmen, wuchs Patricia überwiegend bei ihren Großeltern auf dem Land auf.«Patricia Kopatchinskaja: Ich kenne Dich, ich habe Dich spielen gehört». Dokumentarfilm, 2012. (Regie: Béla Batthyany) Ab ihrem sechsten Lebensjahr nahm sie bei einer Schülerin von David Oistrach Geigenunterricht.

1989 emigrierte die Familie nach Wien und nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an. Patricia Kopatchinskaja studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Komposition und Violine. Im Alter von 21 Jahren wechselte sie als Stipendiatin an die damalige Hochschule für Musik und Theater in Bern. Dort diplomierte sie im Jahr 2000 mit Auszeichnung.

Patricia Kopatchinskaja lebt in Bern. 2016/17 nahm sie das Schweizer Bürgerrecht an. 2025 hat die Universität Bern Kopatchinskaja mit einem Ehrendoktortitel der Theologischen Fakultät ausgezeichnet.

Musikerin Nach Ansicht der Jury der Musikpreise der Royal Philharmonic Society sei Patricia Kopatchinskaja nicht nur eine der fantasievollsten Geigerinnen, die es heute gibt, sondern sie sei auch fähig, Kollegen zu elektrisieren und die Hörerschaft zu hypnotisieren. Wenn sie sich mit den düsteren Emotionen der Meisterwerke des 20. Jahrhunderts auseinandersetze oder wenn sie neue Werke vertrete, so sei sie so unwiderstehlich wie eine Naturgewalt: Leidenschaftlich, herausfordernd und völlig eigenständig in ihrer Sichtweise. Sie tritt in der Regel barfuß auf, um „direkte Verbindung mit der Erde“ zu haben.Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur zur Verleihung des Praetorius Musikpreis 2012 mit

Komponistin Patricia Kopatchinskaja komponierte seit der Studienzeit und in den letzten Jahren wieder vermehrt für verschiedene Besetzungen. Ihre Werke werden bei Birdsong verlegtPatKop Composer. harrisonparrott.com, abgerufen am 17. September 2026. und wurden von ihr selber sowie u. a. von Nicolas Altstaedt, Vilde Frang, Sol Gabetta, dem Trio Gaspard und der Camerata Bern aufgeführt. Eine Liste ihrer Kompositionen findet sich auf ihrer Website.PatKop Compositions. Website von Patricia Kopatchinskaja, abgerufen am 17. September 2026.

Solistin Patricia Kopatchinskaja ist mit führenden Symphonieorchestern Europas, der USA, Japans und Russlands aufgetreten, darunter die Berliner Philharmoniker, die Wiener Philharmoniker, New York Philharmonic und NHK-Symphony Orchestra Tokyo. Auftritte auch in Südamerika, Australien und China. Wiederholte Zusammenarbeit verbindet sie mit den Dirigenten Elim Chan, Teodor Currentzis, Thomas Dausgaard, Iván Fischer, Gustavo Gimeno, Mirga Gražinytė-Tyla, Jakub Hrůša, Vladimir Jurowski, Andrés Orozco-Estrada, Kirill Petrenko, Sir Simon Rattle und Lorenzo Viotti, sowie dem Australian Chamber Orchestra und dem Saint Paul Chamber Orchestra (Minnesota, USA).

Regelmäßige Kammermusikpartner sind die Pianisten Joonas Ahonen, Markus Hinterhäuser, Polina Leschenko, Anthony Romaniuk und Fazıl Say, die Cellistin Sol Gabetta und der Klarinettist Reto Bieri.

Das Repertoire von Kopatchinskaja reicht von der Renaissance über die Klassik bis zur Neuen Musik. Während ihres Kompositionsstudiums in Wien beschäftigte sie sich intensiv mit der Zweiten Wiener Schule: Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg. Zu ihren Lieblingskomponisten zählen außerdem György Kurtág, György Ligeti, die Schostakowitsch-Schülerin Galina Ustwolskaja und Michael Hersch.Hintergrundinformation zu ihrem Repertoire: , auf patriciakopatchinskaja.com

Zahlreiche Komponisten haben ihr Werke gewidmet (siehe unten, „Uraufführungen“).

Historische Aufführungspraxis Patricia Kopatchinskaja pflegt die Zusammenarbeit mit Originalklangensembles, z. B. mit Il Giardino Armonico, Orchestra of the Age of Enlightenment, Orchestre des Champs-Elysées und Akademie für Alte Musik Berlin sowie den Dirigenten Giovanni Antonini, Philippe Herreweghe und René Jacobs.

Leitung von Orchestern Patricia Kopatchinskaja leitet bei ihren Soloauftritten oft auch das Orchester, z. B. das Australian Chamber Orchestra, das Mahler Chamber Orchestra, die Camerata Salzburg, die Camerata Bern, das St. Paul Chamber Orchestra (USA), die Britten Sinfonia oder die Staatskapelle Berlin. Zurzeit ist sie artistic partner der Camerata Bern.

Sie konzipierte und leitete schon mehrere multimedial inszenierte Konzertproduktionen: u. a. „Tod und das Mädchen“ mit dem Saint Paul Chamber Orchestra, „Bye-Bye Beethoven“ und "Les Adieux" mit dem Mahler Chamber Orchestra, „Dies Irae“ mit den Lucerne Festival Alumni und „Krieg und Chips“ sowie „Zeit und Ewigkeit“ mit der Camerata Bern. Im Sommer 2018 hatte sie als music director die künstlerische Leitung des Ojai Music Festivals in Kalifornien.

Geige Patricia Kopatchinskaja spielt eine von Giovanni Francesco Pressenda (Turin) 1834 gebaute Geige, dem englischen Musikmagazin The STRAD zufolge „ein farbenreich klingendes Instrument, dessen Viola-ähnliche Qualität ihrem Spiel ein außerordentliches tonliches Interesse verleiht“. In Ensembles mit historischem Instrumentarium verwendet sie eine von Ferdinando Gagliano (Neapel) ca. 1780 gebaute Geige. Im Jahr 2010 spielte sie für kurze Zeit die 1741 von Guarneri del Gesù gebaute Violine „ex-Carrodus“, eine Leihgabe der Österreichischen Nationalbank. Auf deren weitere Verwendung musste sie verzichten wegen unlösbarer Probleme bei der Verzollung in der Schweiz.

Stimme Patricia Kopatchinskaja setzt die Stimme in verschiedenen Kompositionen ein: In John Cages Living Room Music, Jorge Sánchez-Chiongs Crin, Michael Herschs Duo für Violine und Cello Das Rückgrat berstend, Heinz Holligers Das kleine Irgendwas, in ihrer Kadenz zu György Ligetis Violinkonzert, in Kurt Schwitters’ Ursonate,Patricia Kopatchinskaja (englisch), auf rsb-online.de, abgerufen am 9. Juli 2025 in Ligetis Mysteries of the Macabre oder in Schönbergs Pierrot lunaire.

Uraufführungen Patricia Kopatchinskaja brachte u. a. folgende Werke zur Uraufführung:

2004/2005: Sieben Uraufführungen, davon neu für sie geschriebene Violinkonzerte von Johanna Doderer und Otto Matthäus Zykan 2005/2006: Für sie geschriebene Violinkonzerte von Gerald Resch und Gerd Kühr, mit dem Radio-Symphonieorchester Wien 2007/2008: Für sie geschriebene Violinkonzerte von Jürg Wyttenbach und Fazıl Say 2009: Für sie geschriebenes Violinkonzert von Faradj Karajew 2011: Für sie geschriebene Violinkonzerte von Maurizio Sotelo und Helmut Oehring („Vier Jahreszeiten“) sowie von Oh whispering suns für Doppelchor, Solovioline und Cymbal von Vanessa Lann 2012: Für sie geschriebene Romanze für Violine und Streichorchester von Tigran Mansurian, mit der Amsterdam Sinfonietta. 2014: Eigenes Violinkonzert Hortus animae, mit Camerata Bern. 2015: Dialogue, Konzert für Violine, Violoncello und Orchester von Mark-Anthony Turnage, mit Sol Gabetta und dem Gstaad Festival Orchestra. 2015: Für sie geschriebenes Violinkonzert von Michael Hersch, mit dem St-Paul Chamber Orchestra (USA). 2016: Mauricio Sotelo: Red Inner Light Sculpture für Solovioline, Streicher, Perkussion und Flamencotänzer (Auftragskomposition P.K.) 2017: Michael Hersch: Duo für Violine und Cello Das Rückgrat berstend, mit Jay Campbell. 2019: Michel van der Aa: Doppelkonzert für Violine und Violoncello, mit Sol Gabetta, Concertgebouw Orchester und Peter Eötvös. 2019: Doppelkonzert für Violine und Violoncello von Francisco Coll, unter der Leitung des Komponisten, mit Sol Gabetta und Camerata Bern. 2019: LaLuLaLied von Francisco Coll, in Bern. 2019: Duo für Violine und Cello von Marton Illes, mit Jay Campbell in Santa Barbara, California. 2020: Violinkonzert von Marton Illes, mit dem WDR-Orchester Köln unter Michael Wendeberg. 2020: Violinkonzert von Francisco Coll, mit der Philharmonie de Luxembourg unter Gustavo Gimeno. 2020: Violinkonzert Possible Places von Dmitri Kourliandski (geb. 1976), mit dem SWR-Orchester Stuttgart und Teodor Currentzis. 2020: Konzert für zwei Violinen Gemini von Helene Winkelmann, mit Helene Winkelmann und dem Basler Symphonieorchester unter Ivor Bolton. 2021: Violinkonzert Corpo elettrico von Luca Francesconi, in Porto, mit Orquestra Sinfónica do Porto Casa da Música unter Stephan Blunier (gefolgt von französischer Erstaufführung in Paris). 2021: Konzert für Violine, Orchester und Elektronik von Fred Popovici, mit dem Moldova Philharmonischen Orchester von Iasi (Rumänien) unter Adrian Petrescu in Iasi und Bukarest. 2023: 2. Violinkonzert Not alone we fly von Aureliano Cattaneo, mit der Philharmonie Essen unter Jonathan Stockhammer 2024: „A play“, Konzert für Violine, Cello und Orchester von Patricia Kopatchinskaja (patkop), mit Sol Gabetta und Orchestra della Svizzera Italiana in Lugano unter Markus Poschner.

Auszeichnungen 1997: 2. Preis in der Altersgruppe von 18 bis 23 Jahre in der Kategorie Streicher beim Internationalen Wettbewerb „Classica Nova“ In Memoriam Dmitri Schostakowitsch (Hannover)Classica Nova, Prize winners (strings) 2000: Tschumi-Preis des Konservatoriums Bern für den besten Jahresabschluss (Konzertdiplom). 2000: 1. Preis beim Internationalen Henryk Szeryng Wettbewerb in Mexico 2002: Credit Suisse Young Artist Award 2004: New Talent – SPP Award der European Broadcasting Union (EBU) 2006: Förderpreis Deutschlandfunk zum Bremer Musikfest-Preis auf radiobremen.de, abgerufen am 19. März 2014. 2008: Anerkennungspreis der Musikkommission des Kantons Bern, Schweiz 2009: ECHO Klassik im Bereich Kammermusik für CD-Einspielung mit Fazıl Say: Werke für Violine und Klavier von Beethoven, Ravel, Bartók & Say 2010: BBC Music Magazine award (orchestral category) für CD-Einspielung mit Philippe Herreweghe und dem Orchestre des Champs Elysees: Gesamtwerk für Violine und Orchester von Beethoven 2011: „Goldener Bogen“ der Musikfestwochen Meiringen, Schweiz 2012: Praetorius Musikpreis des Landes Niedersachsen in der Kategorie „Musikalische Innovation“ 2013: ECHO Klassik im Bereich Konzerteinspielung des Jahres (20./21. Jh.)/Violine, Gramophone Award „Recording of the year“ sowie Grammy Nomination, jeweils für die Doppel-CD mit Violinkonzerten von Bartók, Ligeti und Eötvös mit HR-Symphonieorchester Frankfurt bzw. Ensemble Modern unter Peter Eötvös (Naive) 2013: Royal Philharmonic Society Music Award 2013 (Category instrumentalist) 2014: International Classical Music Award (Category Concerto) für die Doppel-CD mit Violinkonzerten von Bartók, Ligeti und Eötvös mit HR-Symphonieorchester Frankfurt bzw. Ensemble Modern unter Peter Eötvös (Naive) 2014: Prix Caecilia (Belgien) für die CD mit Violinkonzerten von Stravinsky und Prokofjev mit London Philharmonic Orchestra unter Wladimir Jurowski (Naive) 2016: Musikpreis des Kantons Bern (Schweiz) 2017: Grand Prix des Schweizer Musikpreises 2017 2018: Grammy Kategorie Chamber Music/Small Ensemble für CD „Schubert: Tod und das Mädchen“ mit Saint Paul Chamber Orchestra, Alpha Classics.Patricia Kopatchinskaja, auf grammy.com/grammys/artists/patricia-kopatchinskaja 2019: 29. Würth-Preis der Jeunesses Musicales Deutschland 2020: Ehrenmitgliedschaft Konzerthausgesellschaft WienKopatchinskaja und Gerhaher neue Ehrenmitglieder der Wiener Konzerthausgesellschaft, auf magazin.klassik.com 2021: Opus-Klassik-Preis und Edison Award für „What's Next Vivaldi?“ (CD Alpha Classics) mit Il Giardino Armonico unter Leitung von Giovanni AntoniniFrühere Auszeichnungen, auf opusklassik.de, abgerufen am 9. Juli 2025 2024: Österreichischer Kunstpreis für Musik 2025: Honorary Membership of the Royal College of Music (Hon RAM)