mini|360px|Schlierstadt mini|Schlierstadt aus der Luft im Jahr 2020 Schlierstadt ist ein Stadtteil von Osterburken im Neckar-Odenwald-Kreis (Baden-Württemberg, Regierungsbezirk Karlsruhe). Es liegt im Bauland, einer sanften Hügellandschaft, südöstlich des badischen Odenwaldteils. Es ist Teil des Madonnenländle.

Geschichte Die GeschichteEine ausführlichere Darstellung der Geschichte von Schlierstadt ist nachzulesen bei Elmar Weiß: Schlierstadt im Wandel der Zeit, Juli 1997, Hg. Ortschaftsverwaltung Schlierstadt, S. 6–23 von Schlierstadt wird erst in römischer Zeit, zwischen 150 und 260 n. Chr. greifbar und nachvollziehbar. Baureste und Scherbenfunde zeugen von römischer Besiedlung. Im Jahr 1971 wurden im Gewann "Hellen Brünnle" Mauerzüge eines römischen Gutshofs (Villa rustica) freigelegtHeribert Hamann: Villa Rustica im "Hellen Brünnle" in Schlierstadt im Wandel der Zeit.

Der Obergermanisch-Raetische Limes verlief nur wenige Kilometer östlich. Der Ortsname lässt auf eine Siedlung im 7./8. Jahrhundert schließen. „Slier“ bedeutet so viel wie schlammiger, feuchter lehmiger Boden. Häufig wurde damals der Name einer Siedlung nach der Beschaffenheit des Bodens gewählt. Eine schriftliche Erwähnung in einer angeblich von Kaiser Otto III. im Jahr 996 ausgestellten Urkunde ist vermutlich eine Fälschung, die erst im 13. Jahrhundert angefertigt wurde. Zu jener Zeit hatte das Kloster Amorbach Besitz in Schlierstadt. Unter diesem Einfluss wurde auch die Ortskirche dem heiligen Gangolf geweiht.

In der Zeit zwischen 1103 und 1265 tritt ein nach dem Ort benanntes Adelsgeschlecht auf. Adalbero und Ulrich von Schlierstadt sind namentlich bekannt. Im 13. Jahrhundert treten die von Ernstein als Zehntbesitzer auf. An ihre Stelle traten später die von Neudeck und die Rüdt von Collenberg. Anfang des 13. Jahrhunderts hatten die Dürner Ministerialen Struzzelin und von Wagenhofen die örtliche Vogtei als Lehen der Herren von Dürn inne. 1236 wird das Kloster Seligental gegründet und die Quellen über Schlierstadt werden reichlicher. Das Kloster hatte die Ortsherrschaft bis 1561.

1376 gelangte Schlierstadt unter die Landeshoheit des Kurfürsten von Mainz. An diese Zeit erinnern noch heute Grenzsteine mit dem Mainzer Rad im Bereich des Klosterwaldes. Im Bauernkrieg (1525) waren die Einwohner von Schlierstadt auf Seite der aufständischen Bauern. Die Reformation hinterließ auch in Schlierstadt ihre Spuren, die Gemeinde blieb jedoch katholisch. 1656 gehörte die Pfarrei Schlierstadt zum Würzburger Landkapitel Odenwald in Buchen. Erst im 19. Jahrhundert kam die Pfarrei zur Erzdiözese Freiburg. mini|Grenzstein mit Mainzer Rad und der Jahreszahl 1747

Im Jahr 1766/67 wurde die heute noch stehende Kirche gebaut. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte Schlierstadt bereits über 800 Einwohner. Kurmainz bestimmte die Geschicke des Dorfes bis 1803, danach wurde Schlierstadt dem Fürstentum Leiningen zugeteilt. 1806 wurde der Ort großherzoglich-badisch. Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste die Auswanderungswelle auch Schlierstadt. Mehr als 120 Schlierstädter sind, vorwiegend nach Amerika, ausgewandert.

1884 wurde eine Spar- und Darlehenskasse gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Wasserleitung gebaut. Während des Ersten Weltkrieges erfolgte die Stromversorgung durch das Elektrizitätswerk Jagsthausen. 1933 erreichte die katholische Zentrumspartei 60 Prozent der Wählerstimmen in Schlierstadt.

Von großen kriegerischen Ereignissen blieb Schlierstadt im Zweiten Weltkrieg verschont, wenn man von der Besetzung durch die Amerikaner absieht. An die Opfer der Kriege erinnern das imperial aussehende Kriegerdenkmal von 1870 / 71 beim alten Rathaus in der Kirchstraße und die Gedenktafeln an der Friedhofshalle. 38 Schlierstadter Männer haben im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren. 59 Männer waren es im Zweiten Weltkrieg, wenn man die Vermissten mitzählt. mini|hochkant|Kriegerdenkmal 1870 71 Schlierstadt

Am 1. Januar 1975 wurde Schlierstadt nach Osterburken im Neckar-Odenwald-Kreis eingemeindet. Vor 1975 war die Gemeinde selbständig und Teil des Landkreises Buchen.

Heute hat Schlierstadt rund 800 Einwohner. Die Bevölkerung ist überwiegend römisch-katholisch und pendelt größtenteils in die größeren Nachbarorte.

Sehenswürdigkeiten

Religiöse Bauwerke Die katholische Pfarrkirche St. Gangolf wurde 1766/67 anstelle einer wesentlich älteren Kirche erbaut und blieb zunächst turmlos. Der Turm wurde erst im Jahr 1953 ergänzt. Die Kirche wurde zuletzt von 2011 bis 2013 umfassend renoviert. Seit 1955 findet dort der jährliche Gangolfsritt, eine Reiterprozession zum Gangolfstag, statt. Das Kloster Seligental ist ein ehemaliges Nonnenkloster der Zisterzienser, das im Zuge der Reformation seinen Niedergang erlebte und 1568 aufgehoben wurde. Die Klosteranlagen sind in einem landwirtschaftlichen Anwesen aufgegangen. Kapelle am Pfarrersbild. Zwischen Schlierstadt und Hemsbach steht die "Pfarrersbild Kapelle". Die Kapelle wurde im Jahr 1947 von einer Schlierstadter Familie zum Gedenken an ihren im Jahr 1941 in Kiwisnoija in Russland gefallenen Sohn errichtet. Ehemals stand an dieser Stelle ein Holzkreuz. Über die Bedeutung des Kreuzes gibt es zwei verschiedene Ansichten. Früher wurde Schlierstadt einige Zeit durch den Pfarrer von Hemsbach mitbetreut. An der Stelle des Kreuzes soll der Pfarrer ausgeraubt und ermordet worden sein, als er auf dem Weg war zu einem Sterbenden um ihm die letzten Sakramente zu spenden. An der Stelle, wo die heilige Hostie noch lag, hätte ein Licht geleuchtet. Nach einer anderen Erzählung wäre das Pferd des Pfarrers an dieser Stelle stehen geblieben. Der Pfarrer hätte eine Erscheinung gehabt, die ihm befahl an dieser Stelle einen Wallfahrtsort oder einen Bildstock zu errichten.Alois Brümmer in "Der Wartturm" 3. Jahrgang Nr. 8 a, Mai 1928, S. 43 Mosaikbild des heiligen Gangolf. Beim "Tannenwäldle" steht das Mosaikbild des heiligen Gangolf. Ursprünglich war das Bild über dem Hauptportal der Pfarrkirche St. Gangolf angebracht. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Bild abgenommen und an der heutigen Stelle wieder aufgebaut. Die Schlierstadter sagen deshalb, der heilige Gangolf sei der erste Aussiedler von Schlierstadt. Das Standbild ist Ziel der jährlichen Gangolfsprozession. Hier finden dann die Pferdesegnungen statt. Das Bild wurde einst von Franz j. Dörr und dessen Frau Amanda gestiftet. Die Ausführung erfolgte durch einen Mosaikkünstler in Offenburg. Kapelle am Tannenwäldle. Die Kapelle wurde im Jahre 1885 von der Familie Karl Brümmer, dem Onkel des Alois Brümmer, erbaut. Die Kapelle wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts renoviert. Kapelle am Hemsbacher Weg (Fischerskapelle) mit Marienfigur Kapelle in der Geisbergstraße

Bildstöcke und Wegkreuze Sandsteinkreuz am Tannenwäldle Sandsteinkreuz an der Osterburkener Straße / Hemsbacher Weg. Bildstock in der Heckenstraße Der Bildstock in der Oberlandstraße erinnert an eine Bluttat. Er trägt die Inschrift: "Hier ist Michel Bischof mit einer Flinten erschossen 1721". Die Tat ist auf dem Bildstock bildlich dargestellt. Darunter stehen die Worte."Diesen Bildstock hat Mathes Bischof Gott zu Ehren errichten lassen 1721." Hier hat der Liebhaber eines Mädchens seinen Nebenbuhler erschossen. Bildstock in der Kirchstraße Der Bildstock an der Kirche verweist auf das Blutwunder von Walldürn. Das Wegkreuz am südlichen Ortseingang (Kreuzung Rathausstraße / Kirchstraße) wurde in den 80er Jahren durch Vandalismus beschädigt. Der Korpus des Gekreuzigten wurde in der Folge durch eine Bronzefigur ersetzt. Die Muttergottes am Hemsbacher Weg wurde 1978 von der Familie Grimmer an einem Acker am Hemsbacher Weg aufgestellt. Ursprünglich stand sie in der Nähe der heutigen Aussiedlerhöfe und wurde in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts beschädigt. Zur leichteren Bewirtschaftung des Feldes mit modernen Maschinen wurde sie an die heutige Stelle umgesiedelt. Ebenfalls am Hemsbacher Weg steht der Grabstein von Pfarrer Friedrich Stoll. Daneben das hölzerne Grabkreuz seiner Eltern, die in Mosbach beerdigt sind. Der Grabstein wurde nach Auflösung des Grabes, in dem auch sein Bruder beigesetzt wurde, an der heutigen Stelle aufgestellt. Am Grabkreuz seiner Eltern war ehemals eine Christusfigur aus Holz angebracht. Nachdem diese von Wespen, die das Holz zum Nestbau verwendeten, "aufgefressen" war, wurde das Kreuz restauriert und es wurde ein Christus aus Metall angebracht. An Pfarrer Stoll erinnert heute ein Gedenkstein unter dem Friedhofskreuz. Das Kreuz im Hohberg (Martinskreuz) erinnert vermutlich an einen Unfall oder eine Bluttat. Es handelt sich vermutlich um ein sogenanntes Sühnekreuz. Weitere Bildstöcke standen einst am Bofsheimer Weg und am Hutpfad. Beide Bildstöcke wurden vor Jahren durch Diebe entwendet. Beim Sportplatz stand einst ein Holzkreuz. Der Christuskörper dieses Kreuzes wurde vor vielen Jahrzehnten durch einen Schuss durchlöchert. Der Korpus befindet sich heute im Pfarrzentrum. Bei dem Täter soll es sich der Überlieferung zufolge, um einen wütenden Fußballfan gehandelt haben, der mit dem Spielergebnis nicht zufrieden war.

Technische Bauwerke Der Kandel an der Ortsverbindungsstraße zwischen Schlierstadt und Osterburken im Rinschbachtal mag zunächst den Eindruck eines Aquädukts römischer Herkunft erwecken. Tatsächlich wurde die Anlage aber erst 1834 von der leiningschen Verwaltung gebaut. Bis in das Jahr 1968 wurden mit dieser Anlage die Wiesen im Rinschbachtal bewässert. Das Wasser wurde zu diesem Zweck an einem Wehr in Höhe des Dreimärkers an der Grenze zur Bofsheimer und Osterburkener Gemarkung entnommen und in einem Kanalsystem aus Sandstein zum Kandel geleitet. Die Anlage wurde von der Wassergenossenschaft Hemsbachtal betrieben. Der letzte „Wässerwart“ war der Landwirt Wilhelm Zimmermann aus Schlierstadt. Dieser hatte das Amt 1945 von seinem Vater übernommen. Bewässert wurde von Mai bis August. Vor der Wässerung wurden die Wiesenbesitzer unterrichtet, damit sie das Wasser im angegebenen Zeitpunkt auf die eigene Wiese ableiten konnten. Alle zwei Jahre waren für ein Ar Fläche 10 Pfennig an die Wassergenossenschaft zu zahlen. Dabei kamen zuletzt 183,82 DM zusammen. Davon waren die Unterhaltung der Anlage und die Personalkosten zu bezahlen. Der Einsatz von Kunstdünger und der sinkende Wasserstand in der Rinschbach führten dazu, dass die Anlage nicht mehr weiterbetrieben wurde.Pius Sanns, Als der Kandel für Rekord-Heuernten sorgte, in Unser Land 2003, , ISBN 3-929295-68-7, S. 149 ff.

Wirtschaft Drei Unternehmen (eine Elektrofirma, das Bauländer Kunststoffwerk und Fliesenlegerei Seibold) sind im Ort als Arbeitgeber ansässig. Auf den mageren Kalkböden werden vorwiegend Getreide, Mais, Raps und Zuckerrübe angebaut, in neuerer Zeit auch wieder Dinkel, die für das Bauland typische Grünkern-Getreideart. Bei den zwei verbliebenen Haupterwerbslandwirten (Hofgut Hübl und Agrar Sack) handelt es sich um Mischbetriebe, die Rinder- und Schweinezucht, sowie Ackerbau betreiben.

Ehemalige Handwerks- und Gewerbebetriebe Die Festschrift zum Heimattag 1952Festschrift zum Heimattag 1952, S. 18–26. verzeichnet noch folgende Anzeigen von Gewerbebetrieben in Schlierstadt:

Spar- und Darlehnskasse e.G.m.u.H. Schlierstadt. Die Genossenschaftsbank wurde 1884 gegründet. Als Dienstleistung bot sie die Annahme von Spareinlagen, den Überweisungsverkehr, Beratung in Geldangelegenheiten und die Lieferung sämtlicher landwirtschaftlicher Bedarfsartikel an. Später wurde sie zur Raiffeisenkasse und dann zur Volksbank. Heute ist sie in der Volksbank Franken aufgegangen. Kolonialwaren - Textilien, L. Zimmermann, Inhaber Karl Zimmermann Lebensmittelgeschäft Karl Holderbach, Lebensmittel immer gut, billig und frisch Lebensmittelgeschäft Ida Hornung, Qualitätswaren sowie Rauchwaren Wagnerei Karl Thomas Ebel (Wagnermeister) Wagnerei Josef Seibold (Wagnermeister) Schuhgeschäft Arthur Stich, Schuhwaren, Maß- und Reparaturwerkstätte