Habitzheim (im lokalen Dialekt: Hoazem)Darmstädter Echo, Dienstag, 15. September 2015, S. 24. ist einer von sechs Ortsteilen der Gemeinde Otzberg im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg, die sich am 31. Dezember 1971 als bis dahin selbständige Gemeinden zur neuen Gemeinde Otzberg zusammengeschlossen haben. Mit seinen circa 1500 Einwohnern ist Habitzheim der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde und wird vom Bach Semme durchflossen.
Geschichte mini|Herrschaft Habitzheim der Löwenstein-Wertheim-Rochefort im 17. JahrhundertDie Ortschaften Burg und Dorf Habitzheim, Zeilhard, Spachbrücken und Groß-Zimmern waren Teil der Herrschaft (gelb umrandet). Der ausgeklammerte Ort Georgenhausen war wohl nur von ca. 1482 bis etwa 1611 bei den Löwensteinern. Der rote Pfeil zeigt die Lage der ehemaligen Wasserburg Habitzheim an, von der aus wohl dieses Gebiet kontrolliert wurde.Anmerkung: Ab ca. 1618 waren die Herren von Wallbrunn das weltliche und geistliche Oberhaupt von Georgenhausen. 1649, nach dem Dreißigjährigen Krieg, waren die von Walbrunn so verschuldet, dass sie Georgenhausen an den Kamptz zu Godow verkauften. Von ihm erbten 1671 die von Haxthausen Hofgut und Macht in Georgenhausen. 1806 kam der Ort wie auch die Herrschaft Habitzheim dann an das Großherzogtum Hessen. Mehr zu den Herrschaftsverhältnissen der verschiedenen Orte unter dem Eintrag der Stadt Reinheim, zu dem heute die Ortsteile Georgenhausen, Spachbrücken und Zeilhard gehören. Groß-Zimmern ist heute eine eigenständige Großgemeinde und Habitzheim Teil von Otzberg
Ortsgeschichte Habitzheim wurde erstmals 1262 als Habuchisheim urkundlich erwähnt. Suffia b. n. mater Donei .... Graslac et Erimannus fratribus in Mohsbach quondam agrum in Habuchisheim obligans ita ejus memoria apud frares per .... haberetur
Der Ort änderte seinen Namen im Laufe der Zeit, wobei auch um 1339 der heute noch im Dialekt gebräuchliche Name Hoazem entstand. Bereits 1323 besaß die Reichsabtei Fulda eine Wasserburg im Ort, die als Vorwerk zur Veste Otzberg gehörte.
Mehrere Adelsgeschlechter waren im Mittelalter Lehensnehmer der Fuldaer Äbte. Dazu zählten neben den Bickenbachern, die heute ausgestorben sind, auch die Grafen von Erbach und die Grafen von Wertheim sowie der Pfälzer Kurfürst.
Ab 1561 gehörte der Ort zum Besitz der späteren Grafen bzw. Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rochefort. Die ehemalige Wasserburg Habitzheim, heute ein Hofgut, befindet sich noch in ihrem Besitz (seit 2014 Johanna Freifrau Heereman, geb. Prinzessin zu Löwensteinsie ist eine Tochter von Felix zu Löwenstein und dessen Ehefrau). Zu dieser Herrschaft gehörten neben Habitzheim selbst auch die benachbarten Orte Spachbrücken, Zeilhard, Groß-Zimmern und Georgenhausen (dieser nur von 1482 bis vor 1618). 1806 fiel die Landeshoheit der kleinen Herrschaft Habitzheim im Zuge der Bildung des Rheinbunds und der Mediatisierung der Fürsten von Löwenstein-Wertheim an das Großherzogtum Hessen. In der Folge war die Herrschaft Habitzheim eine hessische Standesherrschaft, zu der neben dem Marktflecken Habitzheim sieben Dörfer gehörten.Johann Andreas Demian: Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen. Le Roux, 1825, S. 81 (Google Books) Bis 1822 gehört Habitzheim dann verwaltungsmäßig zum standesherrlichen Amt Habitzheim.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Habitzheim:
Gebietsreform in Hessen (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich Habitzheim zum 31. Dezember 1971 freiwillig mit den Gemeinden Hering, Lengfeld, Nieder-Klingen, Ober-Klingen und Ober-Nauses zur neuen Gemeinde Otzberg zusammen. Für die sechs ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Lengfeld.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Habitzheim angehört(e):
vor 1323: Heiliges Römisches Reich, Zent Umstadt (Kondominat), Amt Habitzheim des Klosters Fulda ab 1323: Heiliges Römisches Reich, Zent Umstadt, Amt Habitzheim an die Herren von Bickenbach ab 1360: Heiliges Römisches Reich, Zent Umstadt, Amt Habitzheim (Bickenbachischen Rechte gehen an die Schenken von Erbach) ab 1390: Heiliges Römisches Reich, Kurpfalz (durch Kauf; bis 1427 an Herrschaft Hanau verpfändet), Zent Umstadt, Amt Habitzheim ab 1504: Heiliges Römisches Reich, Zent Umstadt (Kurpfalz und Landgrafschaft Hessen je zur Hälfte), Amt Habitzheim 1567–1803: Hessischer Anteil zeitweise aufgeteilt zwischen Landgrafschaft Hessen-Kassel, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Hessen-Rheinfels ab 1528: Heiliges Römisches Reich, Zent Umstadt, Amt Habitzheim als Lehen an die Herren von Löwenstein-Wertheim ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Zent Umstadt, Amt Habitzheim (Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim) ab 1805: Heiliges Römisches Reich, Herren von Löwenstein-Wertheim (durch Tausch), Amt Habitzheim ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Habitzheim (Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim) ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Habitzheim (Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim) ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BreubergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Höchst) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich,Deutsche Reichsgründung infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen,Der Volksstaat Hessen war der Rechtsnachfolger des Großherzogtums Hessen (Hessen-Darmstadt), das infolge des Ersten Weltkriegs mit der Novemberrevolution 1918 und der Abschaffung der Monarchie in Deutschland zu Ende gegangen war. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg, Gemeinde OtzbergAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Otzberg. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Otzberg
Gerichte Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war: Zentgericht Umstadt aus dem ehemals fuldischen Vogteigericht hervorgegangen bis 1822: standesherrliches Amt Habitzheim ab 1822: Landgericht Höchst, zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1853: Landgericht Reinheim, zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1879: Amtsgericht Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt ab 1968: Amtsgericht Darmstadt mit der Auflösung des Amtsgerichts Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt
Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Habitzheim unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Habuthisheim (1262) Habelsheim (1371) Habetzheim (1427) Habothsheym (1321) Habolczheim; Habolßheim (1373) Heytzheym (1442) Haboltsheim (1322) Habiczheim (1384) Hatzen (1454) Hatzhem (1339) Habotsheim (1390) Hatsheim (1458) Habelsheym (1347) Haboltsheim (1392) Hatzhem (1472) Habechseym (1355) Habczheim (1395) Haytßheym (1482) Habetsheim (1360) Habeczheim (1396) Haytzem (1507) Habitzheim (1361, 1398, 1419, 1516) Habezheim (1412) Habeltzheim (1510) Haboltzheim (1365)Hatzheim (1418, 1422) Habitzheimb (1549)
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Habitzheim 1365 Einwohner. Darunter waren 57 (4,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 231 Einwohner unter 18 Jahren, 579 waren zwischen 18 und 49, 312 zwischen 50 und 64 und 246 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 564 Haushalten. Davon waren 141 Singlehaushalte, 150 Paare ohne Kinder und 207 Paare mit Kindern, sowie 57 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 102 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 390 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1633: 208 Einwohner • 1829: 1029 Einwohner, 140 Häuser • 1867: 998 Einwohner, 151 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 648 lutheranische (= 62,97 %), 20 reformierte (= 1,94 %), 57 jüdische (= 5,54 %) und 304 katholische (= 29,54 %) Einwohner• 1961: 657 evangelische (= 56,01 %), 513 katholische (= 43,73 %) Einwohner
Politik Ortsbeirat Für Habitzheim besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Habitzheim) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht zurzeit aus fünf Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen in Hessen 2026 gehören alle Mitglieder der MfO (Miteinander für Otzberg) an. Ortsvorsteher ist Alexander Legrum.
Wappen
Eine offizielle Flagge wurde nie genehmigt. Es gibt jedoch eine nichtamtliche Flagge, die auf rot-weißem Flaggentuch das Gemeindewappen zeigt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Natur und Schutzgebiete mini|Bachlauf der Taubensemme im Naturschutzgebiet Taubensemd (2020) Das Naturschutzgebiet Taubensemd von Habitzheim, Semd und Groß-Umstadt liegt zu einem Teil in der Gemarkung Habitzheim. Das artenreiche Schutzgebiet umfasst Feuchtwiesen, Röhrichte, offene und teils temporäre Wasserflächen und trockene Raine am Bachlauf der Taubensemme. Es ist Teil des Natura-2000-Gebietes „Untere Gersprenzaue“ (EU-Vogelschutzgebiet 6119-401).
Regelmäßige Veranstaltungen September: KerbDarmstädter Echo, Donnerstag, 10. September 2015, S. 22. 1. Advent: Hofweihnacht in Habitzheim
Weblinks
Ortsteil Habitzheim. In: Webauftritt der Gemeinde Otzberg.
Bilder Habitzheim In: fototrip.de
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Geographie (Otzberg) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung 1262 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971