Cetinje () ist eine Stadt in Montenegro zwischen Podgorica und Budva mit etwa 13.900 Einwohnern. Sie liegt 670 Meter über NN am Fuß des Lovćen-Massivs. Cetinje ist der Amtssitz des montenegrinischen Präsidenten und war bis 1918 die Hauptstadt des Landes.mit anderen Bezeichnungen
Bevölkerung Zur Volkszählung von 2011 hatte die Stadt Cetinje 13.918 Einwohner, davon waren 12.705 (91,28 %) Montenegriner und 539 (3,87 %) Serben. Außerdem leben in der Stadt Angehörige weiterer Bevölkerungsgruppen.
Die gesamte Gemeinde zählte demnach 16.657 Einwohner, von denen sich 15.082 (90,54 %) als Montenegriner und 727 (4,36 %) als Serben bezeichneten.
Geschichte mini|links|Vlaška crkva, Serbisch-orthodoxe Kirche aus dem Jahr 1450 im Dorf Donji Kraj mini|Albanische Männer in Cetinje, 1906 mini|Das Marienkloster auf einer montenegrinischen Briefmarke mini|Fußgängerzone in der Stadt Die Gründung erfolgte 1482. Das älteste Gebäude der Stadt ist die Vlaška crkva (dt. Walachische Kirche). Sie wurde um 1450 von in der Gegend wohnenden Hirten erbaut, die wegen ihrer aromunischen Sprache Walachen genannt wurden. Ivan Crnojević, Fürst der Zeta 1465–1490, gilt als Gründer von Cetinje. Nachdem die Osmanen 1479 das venezianische Shkodra eingenommen hatten, verlegte Ivan seinen Regierungssitz vom gefährdeten Žabljak am Skutarisee in die Berge östlich des Lovćen. Hier gründete er 1482 ein der Gottesmutter geweihtes orthodoxes Kloster, das zur Keimzelle von Cetinje wurde. 1495 wurde dort eine Druckerei eingerichtet.
Vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1918 war Cetinje die Hauptstadt Montenegros. Hier residierten zuerst die Fürsten aus der Familie Crnojević und seit 1516 die Vladikas, die Fürstbischöfe, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts geistliches und weltliches Oberhaupt der Montenegriner waren. 1692 eroberten die Türken Cetinje und zerstörten das Kloster, das Sitz des Bischofs war. 1696–1701 errichtete Vladika Danilo Petrović fast an derselben Stelle ein neues Kloster.
Unter dem vorletzten Vladika Petar II. Petrović-Njegoš (1830–1851) begann die Modernisierung Cetinjes. Man befestigte Straßen und errichtete erste Häuser im westlichen Stil. 1838 ließ der Vladika eine neue Fürstenresidenz erbauen. Diese Villa hieß im Volksmund Biljarda, weil Petar II. dort einen Billardtisch aufstellen ließ, ein für das damalige Montenegro sehr ungewöhnliches Möbel.
mini|Theater von Cetinje Fürst Nikola (1860–1918) baute den kleinen Ort zur modernen Hauptstadt Montenegros aus, dessen Unabhängigkeit 1878 international anerkannt worden war. In dieser Zeit wurden Wasserleitungen verlegt, eine Straßenbeleuchtung eingerichtet sowie mehrere Schulen, ein Krankenhaus, ein Museum und ein Gebäude für das Staatsarchiv gebaut. Die europäischen Großmächte errichteten Botschaften, die das neue Stadtbild mitprägten.
Während des Ersten Weltkriegs war Cetinje von 1916 bis 1918 österreichisch besetzt (siehe Österreichisch-Ungarische Besetzung Montenegros 1916–1918). Nach dem Krieg, als Montenegro Teil des neuen jugoslawischen Staates wurde, verlor Cetinje seine Hauptstadtfunktion, gewann sie aber wieder im von 1941 bis 1944 existierenden unabhängigen Staat Montenegro. Als Montenegro 1946 als Teilrepublik Jugoslawiens konstituiert wurde, bekam jedoch Titograd (heute Podgorica) den Zuschlag als Hauptstadt.
1967 war Cetinje Austragungsort der Internationalen Mathematik-Olympiade.
Seit der Unabhängigkeit im Jahre 2006 ist Cetinje zwar Amtssitz des Präsidenten, nicht aber der Regierung. Cetinje gilt heute als national bedeutende historisch-kulturelle Stätte. Die Stadt beherbergt die Fakultäten für Kunst, Musik und Schauspiel der Universität Montenegro.
Am 12. August 2022 kam es in Cetinje zu einer Massenschießerei, bei der elf Menschen, darunter der Täter, starben und sechs weitere verletzt wurden. Es war die bis dahin tödlichste Massenerschießung in Montenegro.
Am 1. Januar 2025 kam es zu einem weiteren Schusswaffenangriff, bei dem dreizehn Menschen, darunter der Täter ums Leben kamen, was somit die zweite solche Tat in der Geschichte der Stadt war. Die montenegrinische Regierung rief am folgenden Tag eine dreitägige Staatstrauer aus.
Sehenswürdigkeiten
Heute können einige relativ gut erhaltene frühere königliche und Regierungsbauten sowie ein Kloster besichtigt werden. Zwei der früheren Paläste sind in Museen umgewandelt worden. Architektonisch interessant sind auch die zahlreichen früheren Botschaftsgebäude ausländischer Staaten, wie die von Russland oder Österreich-Ungarn.
Städtepartnerschaften Cetinje listet folgende Partnerstädte auf: StadtLandseitAlba Iulia 15px2021Bitola 15pxCharkiw 15px2011Dijon 15pxDubrovnik 15pxDytiki AchaiaGaeta 15pxGaziantep2013Kostroma 15pxLarnakaMali Iđoš 15pxMaribor 15pxNafplioNagykovácsi 15pxNovo Sarajevo (Sarajevo) 15pxNürnberg 15pxPembroke 15pxRijeka 15px2010Santa SeverinaShkodra 15pxSiena 15pxSinaia 15px2008Split 15pxSpoleto 15pxVelika Kladuša 15pxVisegrád 15pxVranje 15pxWeliko Tarnowo 15px2006
Söhne und Töchter der Stadt Jelena Ćetković (1916–1943), kommunistische Aktivistin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus Frédéric Rossif (1922–1990), Regisseur, Drehbuchautor, Fotograf und Dokumentarfilmer Miodrag Djuric (Dado) (1933–2010), Maler Milorad Knežević (1936–2005), Schachspieler Branka Radović (1949–2023), Musikwissenschaftlerin, Musikkritikerin und Universitätsprofessorin Nikola Jovanović (* 1952), Fußballspieler Veselin Vujović (* 1961), Handballspieler und -trainer Nikola Adžić (* 1962), Handballspieler und -trainer Veljko Uskoković (* 1971), Wasserballspieler Petar Kapisoda (* 1976), Handballspieler und -funktionär Zoran Roganović (* 1977), Handballspieler und -trainer Draško Mrvaljević (* 1979), Handballspieler Ivan Pavićević, Handballschiedsrichter Miloš Ražnatović, Handballschiedsrichter Milena Milašević (* 1984), Leichtathletin Filip Adžić (* 1986), Politiker Žarko Marković (* 1986), montenegrinisch-katarischer Handballspieler Aleksa Bečić (* 1987), Politiker Vasko Ševaljević (* 1988), Handballspieler Stevan Vujović (* 1990), Handballspieler Darko Pešić (* 1992), Zehnkämpfer Marija Vuković (* 1992), Hochspringerin Vladan Lipovina (* 1993), Handballspieler Dragan Pešić (* 1993), Leichtathlet Nebojša Simović (* 1993), Handballspieler Vuko Borozan (* 1994), Handballspieler Andrijana Tatar (* 1995), Handballspielerin Tatjana Brnović (* 1998), Handballspielerin Vasilije Kaluđerović (* 1998), Handballspieler Miljan Vujović (* 2000), slowenisch-montenegrinischer Handballtorwart
Literatur Sergio Anselmi (Hrsg.): Sette citta jugo-slave tra Medioevo e Ottocento: Skoplje, Sarajevo, Belgrado, Zagabria, Cettigne, Lubiana, Zara. Senigallia 1991. Dušan Martinović, Uroš Martinović: Cetinje. Spomenici arhitekture. Cetinje 1980. Pavle Mijović: Cetinje kao feniks. Cetinje 1997, ISBN 86-7079-061-0 (Kultur und Stadtgeschichte). Boro Radonjič: Cetinje und das montenegrinische Küstenland. Beograd 1955.
Weblinks
Website der Gemeinde Cetinje (serbisch, englisch)
Fußnoten
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