mini|270px|Kransberg von der Schlossstraße aus
Kransberg ist ein Stadtteil von Usingen im südhessischen Hochtaunuskreis.
Geographie Geographische Lage Kransberg liegt im östlichen Hintertaunus auf 250–320 m Höhe über NN, die umliegenden Höhenzüge erreichen bis zu 386 m Höhe über NN.Mittlere Höhe von Kransberg: TK Kompass – Östlicher Taunus 840 – 1:50.000 Das Dorfgebiet umfasst neben dem Ortskern ausgedehnte Waldflächen und einen geringen Anteil an landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 3 km, die Ost-West-Ausdehnung etwa 5 km.
Im Norden grenzt die Bundesstraße 275, im Osten Friedrichsthal, im Süden Pfaffenwiesbach und im Westen jenseits des Waldes die Kernstadt Usingen.
Das Dorfbild wird vom Schloss Kransberg und der „Pfarrkirche St. Johannes der Täufer“ bestimmt. Das Schloss steht auf einer Felsnase oberhalb des alten Ortskerns und überragt das Tal von West. Unterhalb des Schlosses erstreckt sich das Kerndorf entlang des Wiesbaches im Talgrund und an den steilen Hängen. Vom Ortseingang im Süden – aus Pfaffenwiesbach – führt in einer scharfen S-Kurve nach rechts eine Straße auf den Kurberg und zu einem Neubaugebiet. Am Ortseingang – auf der „Hauptstraße“ – kann man linker Hand, sehr dominant auf einem Felsvorsprung, die Pfarrkirche sehen. Nach ca. 200 Meter geht die „Hauptstraße“ in einer 90-Grad Linkskurve über den Wiesbach in den Ortskern und mit Zufahrt zu Kirche und Schloss.
Geologie und Klima Das Gebiet von Kransberg ist gegliedert durch Höhenrücken und Kuppen und wird vom Wiesbach und vom Holzbach sowie – am nördlichen Rand des Dorfes – von der Usa durchflossen.
Der Untergrund besteht aus stark gefalteten, überwiegend devonischen Tonschiefern, vereinzelt auch aus Diabas-Schalstein und Massenkalk. Zwar sind die höchsten Erhebungen dieses eher weichen Gesteins im Laufe der Zeit etwas eingeebnet worden, doch weist die Landschaft ähnlich steile Berghänge und schroffe Felsen wie der Hohe Taunus auf. Die dichtgelagerten devonischen Tonschiefer mit ihrem geringen Poren- und Kluftvolumen vermögen nur in geringem Umfang Grundwasser zu speichern.
Naturlandschaftlich handelt es sich um ein Luzula-Buchenwaldgebiet, in dem die Eiche aufgrund der mittelalterlichen Hutewald-Nutzung heute noch einen hohen Anteil einnimmt. Seit dem 17. Jahrhundert hat die Fichte Eingang gefunden und an Verbreitung gewonnen; sie ist heute die fast ausschließlich zur Aufforstung von Brachflächen verwendete Baumart.
Das Wetter in Kransberg ist meist etwas besser als im hessischen Durchschnitt. Der Taunus befindet sich bei West- und Nordwestwind im Lee von Hunsrück, Eifel und Westerwald, so dass die Luftmassen bereits einen großen Teil ihrer Feuchtigkeit abgeregnet haben, bevor sie Kransberg erreichen. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Kransberg etwa 650 mm während der Durchschnitt für Hessen 854 mm beträgt.
Geschichte mini|Schloss Kransberg um 1625
Die Gegend um Kransberg ist uraltes Siedlungsland. An der westlichen Dorfgrenze wurde zwischen Usa und Eschbach bei archäologischen Grabungen ein Erdwerk aus der Zeit der Bandkeramik, etwa 5.000 Jahre v. Chr., freigelegt. Nach neolithischen, bronzezeitlichen und keltischen Siedlungsepochen, von denen als Zeugnisse noch heute Hügelgräber und die Wallburg Holzburg am Holzberg erhalten sind, folgte die Periode römischer Landnahme. Kransberg liegt 3 km nordöstlich des Limes. Die erste Befestigungsanlage auf einem Felshügel stammt aus dem 11. Jahrhundert.
Mittelalter Im Jahre 1220 wurde Erwinus de Cranichesberc von Kaiser Friedrich II. mit der Hälfte der Dörfer Wiesbach, Wernborn und Ober- und Niederholzberg beliehen. Zur Sicherung seines Besitzes begann er mit dem Bau einer Burg in Kransberg. Erwinus führte in seinem Wappen einen Kranich, der dem Geschlecht und der Herrschaft Cransberg den Namen gab. Sein Sohn Eberwinus wird genannt „dictus da Cranchesberg“. Ein dritter Erwinus von Cranich hatte von 1281 bis 1289 das Schultheißenamt der Stadt Frankfurt inne. Der Sohn des Schultheißen, Erwinus IV., erbat im Jahr 1310 vom späteren Kaiser Heinrich VII. die Erlaubnis, das Reichslehen Cransberg an Philipp IV. von Falkenstein verkaufen zu dürfen, die am 27. März erteilt wurde. Die Herren von Cransberg starben im Jahre 1326 aus.
Die Falkensteiner siedelten die nahegelegenen Dörfer Ober- und Niederholzberg in das Gebiet unterhalb der Burg um und erließen den Umsiedlern einen Teil der Abgaben. So entstand der Ort Cransberg. Bis zu dieser Zeit standen am Fuße der Burg nur einige Hütten, in denen der Überlieferung nach Fischer wohnten, die ihren Lebensunterhalt aus dem nahen See gewannen – heutige Ortsbezeichnung „Am See“. Die Falkensteiner konnten sich ihres Besitzes allerdings nur 100 Jahre lang erfreuen. Mit Werner von Falkenstein, Kurfürst und Erzbischof von Trier, starb das Haus im Jahre 1418 aus.
In die Jahre nach 1535 fällt die Einführung des evangelischen Bekenntnisses in den Dörfern Cransberg, Pfaffenwiesbach und Wernborn. Mit der Übernahme des Gebietes durch Kurmainz im Jahre 1581 setzte die Gegenreformation ein und die Dörfer wurden wieder katholisch. Der erste katholische Gottesdienst wurde in Kransberg am Passionssonntag, den 12. März, 1606 gehalten, und zwar durch den seitherigen Pfarrer Friedrich von Oppershofen.
Ab 1654 übte die Familie Waldbott von Bassenheim für die nächsten 200 Jahre die Herrschaft über den Ort Cransberg und das Amt Cransberg aus. Der wohl bekannteste dieses Geschlechtes war Casimir Waldbott von Bassenheim. Er hat sich durch Kirchen- und Schulstiftungen große Verdienste erworben. In Cransberg richtete er Wollwebereien ein. Kinder armer Eltern ließ er auf seine Kosten ein Handwerk erlernen.
19. Jahrhundert bis heute Im Jahre 1806 wurden die bassenheimischen Lande und mit ihnen das Dorf Cransberg von den Fürsten von Nassau annektiert. „Am 13. September 1814 gegen 1 ½ Uhr brach durch Selbstentzündung des Grummets in des Schultheißen Scheuer Feuer aus“. So lautete der erste Bericht des Accessisten Kreiß aus Usingen. Einige Tage später werden unbeaufsichtigt mit Feuer spielende Kinder verantwortlich gemacht. Da aber Namen der Kinder und deren Eltern nie genannt wurden, scheinen Zweifel berechtigt zu sein, dass sie die Schuldigen waren. Das Feuer wütete bis abends 8 Uhr. Es verschlang 18 Häuser, 33 Scheunen und 58 Ställe, die meistens versichert waren. Auch das Pfarrhaus mit dem Mobiliar des dort erst neu eingezogenen Pfarrers sowie die Kirchenbücher von Cransberg und Wernborn, und auch eine wertvolle Monstranz, wurden ein Raub der Flammen. Eigentümer des Pfarrhauses war die Nassauische Domänenverwaltung. Sie hatte das Haus nicht gegen Feuerschaden versichert und es dauerte 35 Jahre bis ein neues Haus gebaut wurde. Während dieser Zeit mussten die Pfarrer zwangsweise, mangels einer anderen Unterkunft, im Schloss wohnen. Vier Fünftel des ohnehin verarmten Dorfes mit 140 Gebäuden lagen darnieder. Die Cransberger verbrachten den Winter bei den Nachbarn in Pfaffenwiesbach und Wernborn und begannen im Frühjahr 1815 mit dem Wiederaufbau. Einige Cransberger, die ihre Äcker im Holzbachtal hatten, bauten ihre neuen Höfe oberhalb der Stelle, an der 400 Jahre zuvor die Dörfer Ober- und Niederholzburg gestanden hatten. So kam es, dass einige Nachkommen der Holzburger sich wieder in der Nähe des Ortes niederließen, den ihre Vorfahren verlassen mussten. Der neue Ort wurde Friedrichsthal genannt und gehörte zum wiederaufgebauten Cransberg.
Nach dem verlorenen Krieg gegen Preußen im Jahr 1866 wurde Nassau preußisch und die Gemeinde Cransberg-Friedrichsthal wurde Teil des Kreises „Obertaunus“. 1886 schied die Gemeinde aus dem Obertaunuskreis aus und wurde dem neu gebildeten Kreis Usingen zugeteilt. Im Januar 1937 wurde die Schreibweise des Dorfnamens von Cransberg in Kransberg geändert. Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau erließ diese Verfügung.Veröffentlicht im Kreis=Blatt für den Kreis Usingen, Jahr 1937, Nr. 12, Freitag, den 22. Januar 1937.
Ab 1939 wurden in Kransberg und insbesondere im Schloss umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt. Adolf Hitler, der im Herbst 1939 den Angriffskrieg gegen Frankreich plante, ließ seine Reichsbaumeister Albert Speer und Fritz Todt Schloss Kransberg in den militärischen Komplex Adlerhorst/Ziegenberg integrieren. Im Dorf und unter dem Schloss wurden eine Reihe von Bunkern angelegt. Für die Umbauarbeiten wurden im Winter 1944/45 auch KZ-Gefangene aus dem KZ Buchenwald eingesetzt, die dazu im Lager „Tannenwald“ als Außenkommando von Buchenwald unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht waren. mini|Nachkriegsansicht Kransbergs von Nord, auf Hauptstraße und Schloss Nach dem Krieg errichteten die Kransberger im Jahr 1952 als eine der ersten Gemeinden in Hessen ein Dorfgemeinschaftshaus. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständige Gemeinde Kransberg auf freiwilliger Basis in die Stadt Usingen eingemeindet, zugleich wurde der Ortsteil Friedrichsthal nach Wehrheim umgegliedert. Für den Stadtteil Kransberg wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden, ein Ortsbezirk eingerichtet.
Im Jahr 2006 wurde das Dorf in ganz Hessen bekannt, als es sich am Wettbewerb „Dolles Dorf“ des Hessischen Fernsehens beteiligte und den Sieg im Finale errang. Das Dorf diente 2011, ebenso wie das Schloss, als Kulisse für die Tatort-Folge Das Dorf. miniatur|Herrnmühle um 1905
Mühlen miniatur|Herrnmühle um 1907 miniatur|Herrnmühle um 1907, links J.P. Woerner An der Usa, die zwischen Usingen und dem Abzweig Kransberg parallel zur B 275 (Strecke: Bad Schwalbach – Lauterbach) fließt, gab es im 20. Jahrhundert diverse Mühlen (Schlappmühle, Hessenmühle, Schlossermühle, Kleinmühle, Herrnmühle, Kreuzmühle).
Die Herrnmühle hatte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts auch eine Sommerwirtschaft und ist heute nur noch ein Restaurant. Sie war in früheren Jahrhunderten eine Erbbestandsmühle der Grafen von Waldbott-Bassenheim. Die erste schriftliche Erwähnung datiert vom 11. November 1682 in einem Bestandsbrief über die Mühle an Müller Johann Henrich Niedernhoefern. Es folgten wechselnde Pächter mit Bestandsbriefen der Grafen von Bassenheim bis zum Verkauf der gesamten Herrschaft Cransberg mitsamt der Mühle im Jahre 1853 zum Preis von 65.000 Gulden an die Nassauische Domänenverwaltung. Der erste private Besitzer durch Kauf war der Müller Johannes Heid mit seiner Ehefrau Eva, geb. Lotz. Sie betrieben, wie alle vorherigen Müller, eine Mahlmühle, welche durch den Wiesbach und einen Mühlgraben, der von der Usa abgezweigt war, das notwendige Wasser bekam. Einer der nachfolgenden Müller war Johann Peter Wörner.
Im Jahr 1903 empfahl er sich in einer Anzeige im Kreis-Blatt Usingen als Roggenmüller. Gleichzeitig betrieb er ein Sommerrestaurant „Zum Kühlen Grunde“. Unter dem Müller Otto Jung brannte am 14. Mai 1926 ein Teil der Mühle ab. Er errichtete ein neues Wohnhaus und stellte den Mahlbetrieb endgültig ein. Einige Jahre betrieb auch er eine Gaststätte, bis er zusammen mit seiner Ehefrau wegen Versicherungsbetrugs zu einer Zuchthausstrafe verurteilt wurde. Es folgte eine Teilung des Grundbesitzes und die Mühle hatte bis zum heutigen Tag mehrere Eigentümer. Alle betrieben dort eine Gaststätte (mit Tanzveranstaltungen) und ein Ausflugslokal. Sie bauten an das alte Wohnhaus immer wieder neue Gebäudeteile an. In den 1960er Jahren kehrte dort (während seiner diversen Kuraufenthalte in Bad Nauheim) verschiedentlich König Ibn Saud von Saudi-Arabien mit seinem Gefolge ein und hinterließ mit Hundertmarkscheinen als Trinkgeld für die Bedienung einen bleibenden Eindruck. Auch Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion waren dort einige Zeit untergebracht. Seit 1983 ist die Herrnmühle ein Restaurant.
Politik Ortsbeirat Für Kransberg besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Kransberg) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.