Arturo „Thunder“ Gatti (* 15. April 1972 in Cassino, Italien; † 11. Juli 2009 in Porto de Galinhas, Brasilien) war ein kanadischer Profiboxer italienischer Abstammung. Er wurde IBF-Weltmeister im Superfedergewicht und WBC-Weltmeister im Halbweltergewicht.

Der Italo-Kanadier begann 1991 mit dem Profiboxen. Sein Stil galt als besonders spektakulär, weil er sich durch enormen Kampfgeist, gute Schlagkraft und überdurchschnittliche Nehmerfähigkeiten auszeichnete, die er aber auch benötigte, da er oftmals die Defensive vernachlässigte. Mehrmals gelang es ihm trotz schwerster Treffer und am Rande einer Niederlage, den Kampf doch noch zu seinen Gunsten zu entscheiden, was ihm schließlich den Spitznamen The real life Rocky einbrachte. Unbestritten war zudem seine enorme Popularität, die für ausverkaufte Hallen sorgte. Seit 1995 wurden seine Kämpfe von HBO im TV übertragen.

Das Ring Magazine, die älteste und bedeutendste Boxzeitschrift der USA, wählte vier seiner Kämpfe jeweils zum „Fight of the Year“. Sein erster Kampf gegen Micky Ward 2002, gilt laut Boxexperten und Fachzeitschriften zudem als einer der spektakulärsten und härtesten Kämpfe des Jahrzehnts. Vom legendären Ring-Ansager Michael Buffer, wurde er im Ring stets mit dem Titel „The Ultimate Blood and Guts Warrior“ angekündigt.

2013 wurde er in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen.

Amateurkarriere Seine Bilanz als Amateurboxer beträgt 86 Siege bei 14 Niederlagen. Ihm gelang sechsmal der Gewinn der kanadischen Golden Gloves, dem renommiertesten Amateurboxturnier des Landes.

Im März 1990 verlor er bei einem Länderkampf gegen den US-Amerikaner Tony Gonzales. Im September 1990 wurde er im Bantamgewicht bei einem Länderkampf gegen Polen eingesetzt, wo er Robert Gortat 3:0, Adam Belka 3:0 und Wiktor Jagiełko 3:0 besiegte. Im Oktober 1990 repräsentierte er Kanada bei der 6. Junioren-Weltmeisterschaft in Peru, wo er im Bantamgewicht an den Start ging. Dort verlor er jedoch bereits seinen ersten Kampf gegen Gilberto Otero aus Puerto Rico knapp nach Hilfspunkten (+22:22).

Anfänge der Profikarriere Er gewann seine ersten sechs Kämpfe in Folge, davon fünf durch Knockout, darunter vier in der ersten Runde. Dabei stellte er am 9. Juli 1991 mit einem K. o.-Sieg nach nur 19 Sekunden der 1. Runde einen neuen Rekord in der berühmten Blue Horizon Boxhalle von Philadelphia auf.

Am 17. November 1992 erlitt er eine knappe Punkteniederlage über sechs Runden gegen King Solomon aus Philadelphia. Am 23. März 1993 boxte er das einzige Mal seiner Karriere außerhalb der USA; er besiegte in Rotterdam den Bulgaren Plamen Gechev durch t.K.o. in Runde 1. Bis Mai 1994 gelangen ihm neun weitere Siege, davon acht durch Knockout.

US-Meister Am 28. Juni 1994 gewann er durch t.K.o. in der ersten Runde gegen Pete Taliaferro, den US-amerikanischen Meistertitel im Superfedergewicht. Taliaferro, der ebenfalls als harter Puncher bekannt war (25 Siege, 18 K. o.) verlor den Kampf drei Sekunden vor Ende der Eröffnungsrunde nach dem dritten Niederschlag aufgrund der „Three-Knockdown-Rule“. Anschließend verteidigte Gatti den Titel am 16. August 1994 durch t.K.o. in Runde 10 gegen Richard Salazar, der anschließend seine Boxkarriere beendete. In seiner dritten Titelverteidigung am 22. November 1994, siegte er einstimmig nach Punkten gegen den ehemaligen IBF-Weltmeister José Sanabria.

IBF-Weltmeister Zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, legte er den US-Titel nieder und besiegte anschließend noch vier Gegner durch Knockout, ehe er am 15. Dezember 1995 im Madison Square Garden von New York City um den IBF-Weltmeistertitel im Superfedergewicht boxte. Sein Gegner war der ehemalige WBC- und amtierende IBF-Weltmeister Tracy Harris Patterson, Adoptivsohn des Olympiasiegers und Boxweltmeisters Floyd Patterson. Tracy Patterson hatte bis zu seiner Titelverteidigung gegen Gatti, nur drei Niederlagen in 58 Profikämpfen hinnehmen müssen. Gatti, der als Nummer 1 in der IBF-Liste der Herausforderer geführt wurde, konnte Patterson bereits in der 2. Runde mit einem rechten Aufwärtshaken zu Boden schicken und gewann den Kampf schlussendlich durch einen klaren, einstimmigen Punktesieg.

Seinen Titel verteidigte er erstmals am 23. März 1996 in New York gegen Wilson Rodríguez (44 Siege, 7 Niederlagen, 3 Unentschieden) aus der Dominikanischen Republik. Das spektakuläre Duell gilt als der erste, typische Gatti-Kampf; Schon in der ersten Runde schwoll Gattis rechtes Auge durch schwere Treffer fast vollständig zu, in Runde 2 musste er nach einem linken Haken sogar zu Boden. In den folgenden Runden gelangen beiden Boxern abwechselnd harte Wirkungstreffer, wobei Rodríguez in Runde 5 nach einem Körpertreffer zu Boden ging. In Runde 6 ging der durch seine zahlreichen Schlagattacken sichtlich ermüdete Rodríguez durch einen linken Haken K. o., Gatti feierte damit seinen 21. Knockout im 24. Profisieg.

Nach einem weiteren K. o.-Sieg gegen einen Aufbaugegner, verteidigte er seinen Titel am 22. Februar 1997 in Atlantic City in einem Rückkampf gegen Tracy Harris Patterson. Dabei wurde Gatti wegen wiederholter Tiefschläge ein Punkt in Runde 8 abgezogen, ein angeblicher Niederschlag durch Gatti in Runde 9, stellte sich als ein Ausrutscher von Patterson heraus. Nach den vollen 12 Runden waren beide Kontrahenten stark im Gesicht gezeichnet, Gatti gewann jedoch erneut einstimmig und klar nach Punkten.

Am 4. Mai 1997 gewann Gatti in einem Nichttitelkampf durch technischen K. o. in der 7. Runde gegen den ehemaligen IBF-Weltmeister Calvin Grove. Am 10. April 1997 bestritt er eine spektakuläre Titelverteidigung gegen den ehemaligen WBC-Weltmeister Gabriel Ruelas (44 Siege, 3 Niederlagen) aus Mexiko. Gatti wurde mehrmals schwer getroffen, erlitt ein deutlich sichtbares Cut unter dem linken Auge und wäre in Runde 4 nach einem Aufwärtshaken beinahe zu Boden gegangen. In Runde 5 ließ sich Gatti auf einen offenen Schlagabtausch im Infight ein und gewann völlig unerwartet durch K. o., nachdem Ruelas von einem linken Haken zu Boden geschickt wurde. Das Ring Magazine wählte das Duell zum „Kampf des Jahres“, sowie den K. o.-Schlag von Gatti zum „Knockout des Jahres“. Anschließend legte er den WM-Titel nieder.

Niederlagen gegen Manfredy und Robinson Am 17. Januar 1998 boxte er in einem Nichttitelkampf in Atlantic City gegen WBU-Weltmeister Angel Manfredy. Bereits in der ersten Runde erlitt Gatti einen blutigen Cut über dem linken Auge, in Runde 2 kam er durch schwere Treffer sogar ins Wanken. Da Gatti jedoch auch immer wieder vereinzelte Wirkungstreffer landete, stand es zu Beginn der 3. Runde noch nach Punkten unentschieden. In der dritten Runde jedoch, ging Gatti in einem offenen Schlagabtausch durch einen linken Haken zu Boden und wurde angezählt, konnte sich jedoch wieder fangen. Die nächsten Runden entschied der wiedererstarkende Gatti für sich, jedoch platzte sein Cut wieder auf und der Ringrichter beendete den Kampf auf Anraten des Ringarztes gegen Ende der 8. Runde zu Gunsten von Manfredy.

Am 22. August 1998 traf er in einem weiteren blutigen Duell auf den ehemaligen US-Meister Ivan Robinson (25-2-0). In dem wilden Schlagabtausch musste Gatti viele schwere Treffer einstecken und erlitt mehrere blutige Cutverletzungen im Gesicht. In Runde 4 gelang Gatti jedoch ein Niederschlag, in Runde 10 brachte er Robinson an den Rand eines weiteren Niederschlages. Robinson torkelte zweimal in die Ringseile, ging jedoch nicht zu Boden. Robinson gewann den Kampf am Ende durch eine geteilte Punktentscheidung. Dieser Kampf wurde vom Ring Magazine zum Boxkampf des Jahres gewählt. Der Rückkampf am 12. Dezember verlief ähnlich spektakulär; Gatti war erneut schwer gezeichnet, erhielt einen Punktabzug wegen Tiefschlagens und unterlag nach 10 Runden seinem Gegner erneut nach Punkten. Robinson hatte in beiden Duellen technisch vielseitig geboxt und von seiner Schnelligkeit profitiert.

Siege gegen Muñoz, Gamache, Jakubowski und Hutchinson Nach diesen drei Niederlagen meldete sich Gatti jedoch eindrucksvoll zurück, als er am 14. August 1999 gegen Reyes Muñoz (21-3-0) in den Ring stieg. Gatti gewann bereits in der ersten Runde durch Ringrichterabbruch, nachdem Muñoz nach einem schweren Niederschlag benommen umhertaumelte und anschließend mit einer Trage aus dem Ring gebracht werden musste.

Am 26. Februar 2000 boxte Gatti gegen Joey Gamache. Gamache war bereits als Amateurboxer eine nationale Bekanntheit und war 1991 der erste Boxweltmeister aus dem US-Bundesstaat Maine geworden. Er hatte 55 seiner 58 bisherigen Kämpfe gewonnen, davon 38 durch K. o. und war ehemaliger WBA-Weltmeister im Leicht- und Halbweltergewicht. Für Empörung sorgte die Gewichtsüberlegenheit von Gatti. So hatte er einen Tag vor dem Kampf noch 141 Pfund auf die Waage gebracht. Am Tag des Kampfes maß die Waage jedoch 160 Pfund. Er hatte also innerhalb von 27 Stunden, 19 Pfund (ca. 8,6 kg) zugelegt und wäre somit bereits zwei Gewichtsklassen höher einzustufen gewesen.

Im Kampf selbst, war Gatti von Anfang an weit überlegen und schlug Gamache bereits in der ersten Runde zweimal zu Boden. Aufgrund der Three-Knockdown-Rule wäre Gamache bei einem dritten Niederschlag automatisch aus dem Kampf genommen worden, jedoch überstand er mit Mühe die weiteren Schlagattacken. Gatti fiel dabei ein weiteres Mal negativ auf, als er ca. zwei Sekunden nach Ertönen des Rundengongs Gamache noch mit einer Linken traf, die diesen sichtlich erschütterte. In der zweiten Runde traf Gatti in schneller Folge mit einem Aufwärtshaken, gefolgt von einem linken und einem rechten Haken, wodurch Gamache schwer K. o. ging. Er kam mehrere Minuten nicht mehr auf die Beine, verbrachte eine Woche im Krankenhaus und musste aufgrund chronischer gesundheitlicher Probleme seine Karriere beenden.

Am 29. April 2000 besiegte er Eric Jakubowski (20-6-0) durch technischen K. o. in der zweiten Runde, wobei er ihn bereits in der ersten Runde am Boden hatte. Am 8. September bestritt er einen bizarren Kampf gegen den ungeschlagenen Joe Hutchinson. In der zweiten Runde geriet Gatti in Bedrängnis und wurde von Hutchinson in die Seile getrieben. Möglicherweise durch einen Wirkungstreffer, platzte dabei seine linke Augenbraue auf, worauf es zu einer Kampfunterbrechung kam. Gatti behauptete wütend, die Verletzung sei durch einen Kopfstoß entstanden, der Ringrichter bestritt dies jedoch. Hatte solch eine Verletzung im Kampf gegen Manfredy noch zu einem Kampfabbruch geführt, wurde ihm diesmal eine Behandlung während der Unterbrechung gestattet und der Kampf fortgesetzt. Hutchinson entging den meisten von Gattis Haken durch seine hohe Beweglichkeit im Oberkörper. In der dritten Runde platzte durch einen Kopfstoß auch seine rechte Augenbraue auf, wofür er sich jedoch mit einem Kopfstoß revanchierte und daraufhin verwarnt wurde. In Runde 4 wurde Gatti aufgrund eines Tiefschlages mit einem Punktabzug bestraft. In Runde 6 gelang Gatti schließlich ein Niederschlag, während in Runde 8 nun auch Hutchinson aufgrund eines Tiefschlages mit Punktabzug bestraft wurde. Nach den vollen zehn Runden wurde Gatti jedoch zum einstimmigen Punktesieger erklärt.

Niederlage gegen de la Hoya und Sieg gegen Millett Am 24. März 2001 kam es zum länger erwarteten Aufeinandertreffen mit dem fünffachen Weltmeister Óscar de la Hoya (32-2-0) im Weltergewicht. Gatti musste bereits in der ersten Runde harte Treffer einstecken und am Ende der Runde sogar zu Boden gehen. Eine starke Cutverletzung unter dem rechten Auge, war kein großes Hindernis für Gatti, jedoch erkannte man, wie oft De La Hoya traf. In der 5. Runde hatte Gattis Ringecke ein Einsehen und warf das Handtuch.

Am 26. Januar 2002 gewann er durch t.K.o. in der vierten Runde gegen den ehemaligen IBF-Weltmeister Terron Millett (26-2-1). Dabei hatte er Millett gleich dreimal am Boden.

Trilogie mit Micky Ward