Pontoise [] () ist eine französische Stadt in der Region Île-de-France mit Einwohnern (Stand ). Sie liegt rund 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Paris. Die Einwohner werden Pontoisiens genannt.
Seit dem 1. Januar 1968 ist Pontoise de jure Hauptstadt des Départements Val-d’Oise,Loi 64-707 du 10 juillet 1964 portant réorganisation de la région parisienne, JORF 162 du 12 juillet 1964, 6204–6209, fac-similé sur Légifrance. dessen Präfektur wurde indes 1970 in die Nachbarstadt Cergy verlegt.
Durch den langen Aufenthalt des impressionistischen Malers Camille Pissarro, der die Stadt in zahlreichen Werken darstellte, wurde Pontoise berühmt. Im Jahr 2006 wurde ihr der Titel Ville d’art et d’histoire (Stadt der Kunst und der Geschichte) verliehen.
Geografie { "type": "FeatureCollection", "features": [ { "type": "Feature", "properties": {}, "geometry": { "type": "Point", "coordinates": [ 2.351667, 48.856667 ]
] } mini|Lage von Cergy-Pontoise in der Grande Couronne vom Paris mini|Die Oise in Pontoise Die Stadt Pontoise liegt in der Grande Couronne, am rechten Ufer des Flusses Oise, etwa 28 Kilometer nordwestlich des Pariser Stadtzentrums. Sie bildet den historischen Teil des Gemeindeverbandes (Ville Nouvelle) Cergy-Pontoise. Das historische Zentrum von Pontoise liegt auf einem Felsvorsprung am Zusammenfluss der Flüsse Oise und Viosne. Die 717,02 Hektar der Gemeindefläche verteilen sich auf 463,95 Hektar bebautes Stadtgebiet (65 % der Gesamtfläche), 130,41 Hektar unbebautes Stadtgebiet (18 % der Gesamtfläche) und 122,66 Hektar ländliches Gebiet (17 % der Gesamtfläche). Entlang des Flüsschens Viosne verläuft in Südost/Nordwest-Richtung eine Eisenbahnlinie aus dem 19. Jahrhundert, welche die Stadt in zwei etwa gleich große Hälften teilt. Im Norden liegt der eher historische Teil mit der Zitadelle, der Kathedrale und kleineren Häusern aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Im Süden bzw. Südwesten liegt der gewerbliche Teil der Stadt mit Industrieanlagen, Bürogebäuden, großen Einkaufszentren, großen Wohnanlagen und Sporteinrichtungen. Der Südosten zeichnet sich aber auch durch schöne Wohnsiedlungen mit Parkanlagen aus.
Geologie Der Untergrund der Stadt besteht aus geologischen Schichten, die zu einem großen Teil aus dem Tertiär stammen, das vor etwa 65 Millionen Jahren begann und 60 Millionen Jahre dauerte. Sedimentgestein, das durch Ablagerungen in Lagunen und flachen Meeren entstanden ist, bildet diese Schichten.
Dort, wo heute das Zentrum liegt, bestehen die mächtigsten Schichten aus sehr feinem Sand, dem sogenannten Beauchamps-Sand, in den große Sandsteinplatten eingelagert sind. Darauf folgen Mergel- und Kieselschichten, im Wechsel mit zerbrochenem Kalkstein sowie Lehm- und Sandbetten. Schließlich folgt der Lutetianische Kalkstein, der in Pontoise eine Dicke von etwa 30 Metern erreicht. Darüber liegen der Sables de Cuise, grobe grünlich-graue Sande, in denen sich auch der Grundwasserspiegel befindet.
Am Ende des Tertiärs, während des Pliozäns (5,3 Millionen Jahre bis 1,9 Millionen Jahre) und des Calabriums (Unteres Pleistozän) wirkte die quartäre Erosionsdynamik. Das Flusssystem (Oise und Epte) floss auf dem Lutetianischen Kalksteindach zwischen den älteren, oligozänen Hügeln in Richtung der Sequanianischen Rinne, des Vorläufers der Seine. Das periglaziale Regime bewirkte das Kriechen großer Materialmengen. Starken Schwankungen des Meeresspiegels (Isostase und Resistase) führten zur Eintiefung der Täler und zur Entstehung von sekundären Drainagen. Im Mittelpleistozän führte die quartäre Dynamik mit den aufeinanderfolgenden Eiszeiten zu einer lössartigen Sedimentation und einem fluvialen Regime, das die Täler weiter eingrub. Im Jungpleistozän (Oberes Pleistozän bis vor etwa 10.000 Jahren) wurden große Mengen an Gesteinsmaterial in den Flussbetten abgelagert, die in den Kalkstein gegraben waren.
Hydrologie und Risiko von Naturkatastrophen Das Gemeindegebiet durchziehen zwei Wasserläufe, die Oise und die Viosne. Die Oise entspringt in Belgien und mündet nach 341,1 km bei Conflans-Sainte-Honorine, einige Kilometer flussabwärts von Pontoise, in die Seine. Die Viosne durchschneidet das Vexin-Plateau in einem engen Tal auf einer 28,8 km langen Nord-Süd-Achse und mündet bei Pontoise in die Oise.
Die geografische Lage von Pontoise macht die Stadt anfällig für Naturkatastrophen. Der gesamte Steilabfall des Vexin-Plateaus, das über dem Schwemmland der Oise liegt, sowie der größte Teil des Stadtzentrums (Kalksporn des Mont Bélien) unterliegen dem Risiko von Bodenbewegungen. In den Niederungen besteht eine hohe Überschwemmungsgefahr bei Hochwasser der Oise, insbesondere im Stadtteil Chou, im Bahnhofsviertel, auf der Île de la Dérivation und im unteren Teil des Stadtteils Larris.
Klima Pontoise befindet sich in der gemäßigten Klimazone, präziser ausgedrückt in der verändert ozeanischen Zone. In dieser Übergangszone ist das Klima stark von der Entfernung zum Meer und der Nähe zu angrenzenden Höhenlagen beeinflusst. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 11,2 °C und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beläuft sich auf 635,7 mm. Der wärmste Monat ist der Juli mit im Mittel 18,8 °C, der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 4,3 °C. Der meiste Niederschlag fällt im Dezember mit 68,2 mm im Mittel, der wenigste Niederschlag fällt im April mit durchschnittlich 43,9 Millimetern.
Verwaltung Obwohl Pontoise Hauptstadt des Départements Val-d’Oise ist, befindet sich die Präfektur seit der Gründung des Gemeindeverbandes Cergy-Pontoise in der Nachbargemeinde Cergy, was im französischen Mutterland ein einmaliger Fall ist. Pontoise ist auch Verwaltungssitz des Arrondissements Pontoise. Die Stadt besitzt einen der wichtigsten Gerichtsstände des Landes.
Seit ihrer Abtrennung von der Diözese Versailles im Jahr 1966 ist die Stadt Sitz des Bistums Pontoise. Die Bischofskirche ist die Kathedrale Saint-Maclou.
Bevölkerungsentwicklung und Wohnsituation Die Einwohnerzahl der Gemeinde Pontoise nimmt seit 1962 kontinuierlich zu, während die Anzahl der Personen pro Haushalt von 3,8 im Jahr 1968 auf 2,29 im Jahr 2020 abnahm. +Einwohner der Gemeinde Pontoise von 1962 bis 2020 Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2011 20182020Einwohner 15.232 16.817 26.017 26.780 27.150 27.494 28.674 29.885 31.42231 973 Die Gesamtzahl der Wohnungen in der Gemeinde Pontoise stieg von 12.816 im Jahr 2008 über 13.494 im Jahr 2014 auf 15.030 im Jahr 2020. Im Jahr 2020 waren 91,0 % Hauptwohnsitze, 1,5 % Zweitwohnsitze und 7,5 % Leerstand. 21,5 % des Wohnraums waren Einfamilienhäuser und 77,0 % Wohnungen. Die Gemeinde verfügt über den im Artikel 55 des SRU-Gesetzes festgelegten Anteil von mindestens 25 % Sozialwohnungen. Am 1. Januar 2014 hatte Pontoise 4.249 Sozialwohnungen, was einem Anteil von etwa 32,8 % entspricht. Der Anteil hat sich bis 2022 auf 37 % erhöht.
Verkehr Pontoise besitzt einen eigenen Bahnhof und ist gut an das öffentliche Nahverkehrsnetz des Großraumes Paris angebunden. Der Bahnhof Pontoise ist mit den Bahnhöfen Paris-Saint-Lazare (Transilien J) und Paris-Nord (Transilien H) verbunden. Seit September 2000 wird er auch von der RER C bedient und damit vom Bahnhof Paris-Austerlitz. Pontoise ist auch in wenigen Minuten mit mehreren Buslinien vom Bahnhof Cergy-Préfecture aus zu erreichen, wo die RER A und die Transilien L verkehren.
Der Hafen wird kaum genutzt, da die Oise sehr schmal ist. Dennoch werden einige Schüttgut-Transporte mit Weizen und Mais aus dem Vexin in den Norden und nach Belgien durchgeführt. Ein kleiner Jachthafen mit einem schwimmenden Ponton befindet sich am rechten Ufer gegenüber der Touristeninformation.
Weiterhin gibt es den kleinen Flugplatz Pontoise-Cormeilles.
Geschichte Auf dem Mont Bélien, einem Kalksteinsporn, der durch die Täler der Oise, der Viosne und des Ru du Fond Saint Antoine von der Vexin-Hochebene abgetrennt ist, liegt ein leicht zu verteidigender, strategischer Punkt, der das Tal kontrolliert. An dieser Stelle kann die Oise mittels einer Furt überquert werden. Die Furt zwang die Schiffer zu einer Portage, d. h., sie mussten ihre Waren umladen, um das Hindernis zu überwinden. Es gibt Hinweise auf eine neolithische Besiedlung an dieser Stelle aus der Zeit 3000 v. Chr. mini|Befestigungsanlage von Pontoise Pontoise ist die Hauptstadt des historischen Vexin. Es wurde bereits zur Römerzeit als Pontisara gegründet. Pontoise lag zu dieser Zeit an der wichtigen Julius-Cäsar-Straße zwischen dem ehemaligen Lutetia und Rotomagus (Rouen). Pontoise trug damals den gallischen Namen „Briva Isara“, was „Brücke über die Isara“ bedeutet. Im 7. Jahrhundert wurde der Name zu „Pons Isarae“ latinisiert, woraus „Pontoise“ entstand. Im Jahr 2024 wurde bei Bauarbeiten eine ausgedehnte gallische Nekropole entdeckt und anschließend ausgegraben. Das Gräberfeld enthält hauptsächlich Gräber aus der gallorömischen Zeit (3. und 4. Jahrhundert n. Chr.), die ältesten Gräber reichen aber bis in die Bronzezeit (1. und 2. Jahrhundert v. Chr.) zurück.Laurie Henry: Trésor archéologique : découverte d’une nécropole gauloise sous des courts de tennis à Pontoise. In: Science & Vie, 12. September 2024, abgerufen am 13. Mai 2025
Die Völkerwanderung und die spätere Bedrohung durch Wikinger zwangen die Einwohner, sich auf dem Felssporn über der Oise niederzulassen, wo sich auf dem Mont Bélien die mittelalterliche Handelsstadt entwickelte: Als befestigte Stadt an den Grenzen des Königreichs erlebte Pontoise seine Blütezeit im 12. und 13. Jahrhundert. Im Jahr 1188 gewährte Philipp II. eine Gemeinde-Charta,Herrschaftssystem, das sich ab dem 12. Jahrhundert in Frankreich entwickelte, bei dem ein Herrscher (Seigneur) einer Stadtbevölkerung Rechte und Privilegien einräumte, die als Gegenleistung Vasallen des Herrn wurden. Die Einwohner der Stadt schworen sich gegenseitige Hilfe und Treue. Dieses auf Gegenseitigkeit beruhende System wurde durch eine Charta bestätigt. die ihr als Gegenleistung für die Instandhaltung der Stadtmauern eine weitgehende Verwaltungs- und Justizautonomie sowie bedeutende Handelsvorteile einräumte. Häufig hielten sich die französischen Könige im Schloss von Pontoise auf, und Ludwig IX. machte es zu seinem ordentlichen Wohnsitz. Der Dichter François Villon sprach später ironisch von „Paris bei Pontoise“, der mächtigen und wohlhabenden Königsstadt. mini|hochkant|Sicht auf die Viosne mit einigen alten Waschhäusern Pontoise spürte die Auswirkungen des Hundertjährigen Krieges erst spät. Dennoch litt die Stadt unter dem Konflikt. Das 16. Jahrhundert war von den Religionskriegen geprägt. Trotz der Befestigungen wurde Pontoise mehrmals gestürmt und zerstört. Die Belagerungen von 1589 und 1590 setzten den Stadtmauern zu. Die Befestigungen wurden daraufhin erneuert und so ergänzt, dass sie Artillerieangriffen standhalten können. Wiederholte Belagerungen und Pest-Epidemien ließen die Stadt in dieser Zeit der Unruhen ausbluten.
Heinrich III. begann 1589 mit dem Bau einer Zitadelle in der Rue de Gisors, die jedoch nie fertiggestellt wurde. Im Laufe der Jahre vergrößerte sich das Königreich und so verlor Pontoise im 17. Jahrhundert nach und nach seine militärische Bedeutung. Die Stadtverwaltung war aber weiterhin für die Instandhaltung der Stadtbefestigung zuständig. Angesichts der finanziellen Schwierigkeiten der Gemeinde und des schlechten Zustands der Stadtmauer wurden die Festungsanlagen schließlich aufgegeben. Die Gräben wurden zugeschüttet, der eine wurde in einen öffentlichen Garten umgewandelt (den heutigen Jardin de la Ville) und der andere in einen Boulevard (den heutigen Boulevard Jean-Jaurès).
Im 19. Jahrhundert beeinflussten zwei Ereignisse das Schicksal der Stadt: der Bau der Eisenbahn und die Ausdehnung von Paris. Durch die Eisenbahn rückte Pontoise näher an Paris heran, während durch das Wachstum der Vorstädte Paris näher an Pontoise heranrückte.