ChristchurchLage in Dorset (Grenzen bis 2019)140px|Old Town Hall von 1860Old Town Hall von 1860BasisdatenRegion South West EnglandUnitary Authority Bournemouth, Christchurch and PooleZeremonielle Grafschaft DorsetTraditionelle Grafschaft HampshireGSS-Code E04012814 auf dem Statistikportal der britischen Regierung. Vollständige Liste CSV-Datei, 574 kB, abgerufen am 8. Mai 2019. (englisch)
Christchurch ist eine Stadt und zugleich eine Gemeinde (Parish) mit dem Titel einer Town in der Unitary Authority Bournemouth, Christchurch and Poole in England. Vom 1. April 1974 bis 31. März 2019 war sie der Sitz der Verwaltung des Distrikt Christchurch. Christchurch gehörte traditionell zur Grafschaft Hampshire, seit 1974 jedoch zur zeremoniellen Grafschaft Dorset.
Geographie mini|Blick über Christchurch Harbour auf die Stadt Der historische Kern von Christchurch liegt zwischen dem rechten Ufer des River Avon und dem linken Ufer des River Stour. Beide vereinigen sich unmittelbar südlich zu einem gemeinsamen, von Salzwiesen gesäumten Ästuar, dem Christchurch Harbour, der wenige Kilometer südöstlich in die zum Ärmelkanal zählende Christchurch Bay mündet. Die Landschaft beiderseits der Flussauen ist Teil der Dorset Heaths, einer Heidelandschaft, die sich aufgrund der stark sandhaltigen Böden nur wenig für eine landwirtschaftliche Nutzung eignet. Christchurch bildete aufgrund seiner Lage und der naturräumlichen Voraussetzungen eine abseits der Verkehrsströme gelegene Siedlungsinsel in einer ansonsten nur spärlich besiedelten Gegend. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurden Stadt und küstennahes Umland zu einem bedeutenden Altersruhesitz und Fremdenverkehrsort. Bedingt durch die Entstehung des westlich gelegenen Bournemouth als Seebad und dessen Entwicklung zur Großstadt liegt Christchurch heute am östlichen Rand einer rund 400.000 Einwohner umfassenden Konurbation, die sich nach Westen über Bournemouth hinaus bis nach Poole erstreckt.
Angrenzend liegen, beginnend im Westen und dann im Uhrzeigersinn, das Stadtgebiet von Bournemouth, das unmittelbar westlich des Stour beginnt, sowie die Gemeinden Hurn, Sopley, Burton and Winkton und Highcliffe and Walkford.Darstellung von Lage und Grenzen auf dem Kartenserver des Ordnance Survey, abgerufen am 17. Mai 2019 (englisch)
Geschichte Frühgeschichte Der leicht erhöht über dem Mündungsbereich der beiden Flüsse liegende Kiesrücken lud bereits in prähistorischer Zeit Menschen zum dauerhaften Verweilen ein. Bei archäologischen Ausgrabungen in den 1970er und 1980er Jahren in Bargate, einer im Mittelalter angelegten Vorstadt unmittelbar nördlich des umwallten Kernbereichs konnten, beginnend mit der späten Jungsteinzeit, insgesamt vier unterschiedliche Besiedlungsperioden nachgewiesen werden. Ein hierbei ebenfalls entdecktes Gräberfeld vom Ende des sechsten oder dem siebten Jahrhundert wurde nachfolgend aufgelassen, der Bereich später landwirtschaftlich genutzt.Bericht zu den Ausgrabungen auf der von Historic England betriebenen Website Pastgate, abgerufen am 12. Mai 2019. (englisch) Zahlreiche Funde von Tonscherben aus der Römerzeit lassen die Existenz eines Gehöftes vermuten, für dessen Lage aber noch kein archäologischer Nachweis erbracht werden konnte.
Auch außerhalb des Innenstadtbereiches sind prä- und frühhistorische Aktivitäten nachweisbar. Auf dem an der nördlichen Stadtgrenze gelegenen St Catherine’s Hill finden sich unter anderem die Überreste von acht Hügelgräbern und einem römischen Militärlager.St Catherine’s Hill camp and round barrows. Eintrag in der Liste denkmalgeschützter Objekte von Historic England, abgerufen am 17. Mai 2019 (englisch) Am Hengistbury Head, einer Landspitze, die den Christchurch Harbour vom Ärmelkanal abgrenzt, ist menschliche Besiedlung seit 10.000 v. u. Z. nachweisbar. Im Laufe der Bronzezeit entwickelte sich der Standort zu einem bedeutenden Hafen, über den Fernhandel bis nach Italien abgewickelt wurde und der erst mit dem Abzug der Römer um 450 zum Erliegen kam.Hengistbury Head Pre-History und Hengistbury Head from the Roman Period to the 16th Century auf einer Website zu Geschichte und Geologie von Hengistbury Head, abgerufen am 17. Mai 2019 (englisch)
Angelsächsische Zeit Das heutige Christchurch geht auf eine angelsächsische Siedlung des frühen Mittelalters zurück. Urkundlich erstmals erwähnt wird sie 900 in der Angelsächsischen Chronik als Tweoxneam, in späterer Zeit tauchen die Namen Twyneham und Twinham auf. Die Bezeichnungen beziehen sich auf deren Lage: altenglisch betweoxn (zwischen) and éam (Flüssen). Zum Schutz vor Überfällen der Wikinger erhielt der Ort eine Umwallung und wird daher im Burghal Hidage aufgeführt. Das Domesday Book, entstanden im späten 11. Jahrhundert, zählte die Siedlung zum Krongut.Eintrag zu Christchurch bei Opendomesday.org, abgerufen am 11. Mai 2019. (englisch)
Ebenfalls noch in angelsächsischer Zeit entstand ein Kloster. Auftraggeber war möglicherweise Birinus, der hier die Missionierung der noch heidnischen Bewohner fördern wollte.
Hoch- und Spätmittelalter mini|Ruine von Christchurch Castle Um 1094 begann unter dem, von William Rufus mit der Herrschaft über die Stadt versehenen Ranulf Flambard der Bau eines neuen Klosters, der Christchurch Priory, das aber erst unter seinen Nachfolgern fertiggestellt wurde. In die Klosterkirche wurden dabei Teile des Vorgängerbaus integriert, die übrigen Gebäude wurden abgerissen. Der neue Grundherr, Baldwin de Redvers, übergab um 1150 die Anlage einem Vorgängerorden der Augustiner, der die bestehenden 24 Säkularkanoniker durch Mönche aus den eigenen Reihen ersetzte.
Etwa 1100 entstand nordöstlich der Klosteranlage unter Richard de Redvers mit Christchurch Castle eine Burg in Form einer Motte and Bailey. 1148 wurde sie im Zuge der Anarchie von Walter de Pinkney belagert und eingenommen. Anschließend wurden ihre Befestigungen verstärkt, um 1160 wurde sie um ein am Ufer des Avon gelegenes Gebäude mit einem Rittersaal, das Constable’s House ergänzt, nach 1300 entstand anstelle der Motte ein Keep. Die Burg spielte nur eine unbedeutende Rolle in kriegerischen Auseinandersetzung und diente hauptsächlich als Wohnsitz, nach dem englischen Bürgerkrieg wurde die Anlage infolge eines Beschlusses des englischen Parlaments von 1651 geschleift.Christchurch Castle bei Pastscape, abgerufen am 17. Mai 2019 (englisch)
mini|Blick auf die Vorstadt zwischen den Brücken Beginnend unter Richard de Redvers bekam Christchurch im Laufe des Mittelalters eine Reihe einzelner Privilegien gewährt und entwickelte sich so zu einer Minderstadt. Unter seinem Sohn Baldwin wird erstmals 1150 ein bestehender Wochenmarkt, abgehalten an Montagen. Das zugehörige Marktrecht lag beim Kloster. Im 12. Jahrhundert erfolgte die Genehmigung zur Durchführung eines Jahrmarktes an Trinity Thursday, 1257 eine weitere im Herbst am Festtag von Saint Faith. Zwischen 1306 und 1308 konnte Christchurch einen Abgeordneten ins englische Parlament entsenden. Seit mindestens 1486 hatte Christchurch einen Bürgermeister (Mayor). Die wirtschaftliche Situation von Christchurch galt als schlecht, in zahlreichen Berichten werden die Ärmlichkeit und die geringe Bedeutung des Städtchens wie auch seiner Umgebung, dünn besiedelt und abseits der Hauptverkehrswege, hervorgehoben. Der Hafen der Stadt hatte nur Bedeutung für die lokale Fischerei. Ursächlich dafür war dessen schlechte Erreichbarkeit: Eine Kette von Felsen, sich erstreckend vor der Küste von Hengistbury Head bis zu den Needles der Isle of Wight verhinderte die Zufahrt von Schiffen mit höherem Tiefgang.
Die Stadt wuchs im Mittelalter in zwei Richtungen, erstmals 1278 wurden Ansiedlungen außerhalb des umwallten Bereiches erwähnt. Zum einen war dies vor dem nördlichen Stadttor, dem Bargate, zum anderen östlich auf einer Flussinsel inmitten des Avon. Bezeichnet als between two Bridges war dies zugleich der früheste Nachweis der Existenz von Brücken über den Fluss. Bis zum 14. Jahrhundert entwickelten sich diese zu Vorstädten.
Frühe Neuzeit mini|Die Kirche der Christchurch Priory Mit der Auflösung der Klöster kam auch das von Christchurch 1539 in die Hände der Krone. Sie überließ dessen Kirche der anglikanischen Gemeinde zur Nutzung als Pfarrkirche, was diese auch 2019 noch tut.The Priory Church of the Holy Trinity auf der Website der Church of England, abgerufen am 14. Mai 2019. (englisch) An der wirtschaftlichen Situation des Städtchens änderte sich wenig, lediglich der Fang von Lachsen und die Produktion von Seidenstrümpfen hatte zeitweise eine gewisse Bedeutung. Zahlreiche Vorstöße zur Gewährung der Stadtrechte scheiterten, eine 1670 eigentlich vorgesehene Erteilung einer entsprechenden Charta wurde kurzfristig wieder zurückgezogen, hierzu sollte es dann erst 1886 kommen. 1571 wurde Christchurch vom Parlament zum Parliamentary Borough aufgestuft, die Stadt konnte ab zwei Abgeordnete ins Unterhaus entsenden; mit Inkrafttreten des Reform Act 1832 war es nur noch einer.
Während des englischen Bürgerkrieges wurde Christchurch 1644 von einer parlamentarischen Armee unter Führung von William Waller eingenommen, musste aber bereits im Januar des darauffolgenden Jahres wieder an royalistische Truppen übergeben werden.
Aufgrund des 1664 verabschiedeten River Avon Navigation Act wurde der Avon bis 1684 mit einer Reihe von Schleusen und Brücken versehen und dadurch bis Salisbury schiffbar gemacht. Ein 1695 gebauter und mit Wellenbrechern versehener Durchstich des Mudeford Sandspit verbesserte die Erreichbarkeit des Hafens vom Meer her. Die Schifffahrt auf dem Fluss wurde 1715 wieder eingestellt. Ein 1771 erfolgter Vorstoß, sie mit Hilfe eines parallel zu bauenden Kanals wieder aufzunehmen, scheiterte daran, dass zwischenzeitlich Salisbury durch einen ebensolchen mit Southampton verbunden worden war. Auch der Durchstich war mittlerweile versandet und nicht mehr nutzbar.Avon River Navigation Eintrag bei Pastscape, abgerufen am 17. Mai 2019 (englisch)
mini|Ehemaliges Wachhaus der Kaserne Die komplizierten Zugangsverhältnisse vom Meer her begünstigten ab dem 17. Jahrhundert den Schmuggel, in dessen Folge sich ein weiterverarbeitendes Gewerbe etablieren konnte. Zu nennen wären hier insbesondere Schnupftabak- und Bierproduktion in den 1770er Jahren. Legal von Cowes importiertes Getreide wurde in der Stadt gemahlen. Die bei den genannten Aktivitäten erzielten Gewinne wurden in der Stadt investiert, was sich auch in der hohen Zahl an denkmalgeschützten Wohnhäusern aus dieser Zeit in Mudeford, Purewell und der Bridge Street zeigt. 1803 bestand, neben dem Hafen von Christchurch noch ein weiterer in Mudeford. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war der Schmuggel unter Kontrolle gebracht, wozu auch die Besatzungen der Ende des 18. Jahrhunderts eingerichteten Kaserne beitrugen. Die genannte wirtschaftliche Entwicklung blieb nicht dauerhaft, eine staatliche Kommission berichtete 1832, dass es weder nennenswertes Gewerbe noch Handel gebe und die Stadt auch keine industriellen Aktivitäten zeige.
Ebenfalls in die 1770er Jahre fällt die Errichtung eines Herrenhauses im östlich angrenzenden Highcliffe. Dessen Nachfolgebau aus den 1830er Jahren, Highcliffe Castle, gilt als das bedeutendste erhaltene Bauwerk der von Picturesque und Romantik beeinflussten Neugotik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien.
Die Stadt selbst entwickelte sich in östlicher Richtung entlang der dorthin führenden Straße und erreichte nacheinander die Ortschaften Purewell, Stanpit und schließlich Mudeford.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mini|Das Red House, Heimatmuseum der Stadt mini|Eingangsgebäude von 1881