mini|Erste Kirche Christi, Wissenschafter in Boston, gesehen vom Skywalk des Prudential Tower Christliche Wissenschaft () ist eine 1866 von Mary Baker Eddy gegründete neue religiöse Bewegung, die als religiöse Sondergemeinschaft gilt.
Die Grundphilosophie formulierte Eddy in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift und veröffentlichte sie 1875 erstmals. Die religiöse Lehre ist an den Calvinismus und Puritanismus angelehnt, unterscheidet sich aber von ihnen in zahlreichen zentralen Aspekten. Unter anderem werden die Trinität und die Göttlichkeit von Jesus Christus verneint, und die materielle Welt wird als Illusion betrachtet. Als Folge davon werden auch Krankheiten als Illusionen betrachtet, die nicht medizinisch, sondern durch Gebet zu behandeln seien. Das sorgt für Kontroversen und Kritik, da viele Anhänger schwere Krankheiten spät oder überhaupt nicht behandeln lassen und auch ihren Kindern lebenswichtige medizinische Behandlungen vorenthalten. Eine Vergleichsstudie der Sterbedaten bei Frauen der Religionsgemeinschaft erwies, dass diese eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als eine Vergleichsgruppe.Glaube statt Medizin. In: Der Spiegel 44/1989, Archivlink vom 5. Mai 2024, abgerufen am 3. Juni 2026.
Name Kirche Christi, WissenschaftlerDie Kirche verwendet im Deutschen offiziell das traditionelle Wort Wissenschafter, die neuere und heute allgemein übliche bedeutungsgleiche Form Wissenschaftler findet sich seltener. ist der Name für die von Mary Baker Eddy begründete weltweite Glaubensgemeinschaft, die sich als Sprachrohr für Christian Science sieht. Die Mutterkirche ist in Boston. Die Ortsgemeinden sind Zweigkirchen der Mutterkirche, die rechtlich selbstständig sind und demokratisch von den Mitgliedern der Ortsgemeinden organisiert werden. Häufig wird auch allgemein von der Christian-Science-Kirche gesprochen.
Geschichte mini|Mutterkirche der Christlichen Wissenschaft in Boston Die erste Gemeinde wurde 1879 in Boston, USA gegründet. 1881 ließ sich Mary Baker Eddy zur Pastorin ihrer Kirche ordinieren. 1892 entstand aus der zwischenzeitlich aufgelösten Gemeinde die sogenannte Mutterkirche in Boston (). Diese Kirche ist Teil eines größeren Gebäudeensembles im Zentrum von Boston. 1895 wurde das Originalgebäude der Mutterkirche geweiht, 1906 ein Erweiterungsgebäude eröffnet.
Laut Angaben des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes, der sich auf Angaben auf der Website der Organisation bezieht, hat sich die Bewegung und deren Zweige in etwa 80 Ländern niedergelassen. Eddys Lehrbuch erschien in 17 Sprachen. Der Großteil der Kirchenmitglieder ist im englischsprachigen Raum angesiedelt: den USA, in Großbritannien, Kanada und Australien. In den meisten Ländern außerhalb des englischen Sprachraums bildeten sich überwiegend nur kleinere praktizierende Gruppen, wobei Deutschland eine bedeutende Ausnahme bildet.
Nach anfangs starken Zuwächsen verzeichnet die Bewegung etwa seit 1955 einen stetigen Mitgliederschwund.Christian Science Statistics. Die Erste Kirche Christi, Wissenschafter in Basel wird seit 2016 nicht mehr von der kleiner gewordenen Gemeinde genutzt. Mit der Eröffnung der Mary Baker Eddy Library for the Betterment of Humanity in Boston hat die Kirche ihre Archive für die Öffentlichkeit geöffnet sowie mit anderen Aktivitäten versucht, Bedeutung zurückzuerlangen. Im Jahr 2004 öffnete die erste Christian-Science-Gemeinde in der Ukraine ihre Pforten. Insbesondere in Afrika entstehen neue Kirchen. So wurden im Jahr 2009 zum ersten Mal mehr neue Mitglieder aus Afrika als aus den USA aufgenommen.Christa Case Bryant: Africa contributes biggest share of new members to Christian Science church. In: Christian Science Monitor. 9. Juni 2009. In Deutschland In Deutschland wurde 1896 die Christlichen Wissenschaft in Dresden und 1899 in Berlin durch Frances Thurber Seal eingeführt. In einigen Bundesländern hat die Christian Science den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Verbreitung Zur Gesamtzahl der Mitglieder liegt keine offizielle Eigenangabe vor, verschiedene Schätzungen gehen von 400.000 Mitgliedern aus, davon sind etwa 100.000 aktiv. Bei den Mitgliedern überwiegen zahlenmäßig Frauen, und die Gründerin Eddy ist seit Ende des 20. Jahrhunderts Gegenstand feministischer Forschung.
Die Kirche wird von der Mutterkirche, in Boston, Massachusetts, USA, und deren ca. 2.000 Zweiggemeinden in 80 Ländern gebildet (nach Georg Schmid 3.000 Zweiggemeinden und Hochschulvereinigungen in 50 Ländern).
In Deutschland gibt es 42 Zweigkirchen, Vereinigungen und Hochschulvereinigungen. In der Schweiz existieren 14 Zweigkirchen und Vereinigungen, in Österreich sind es zwei. (Stand: April 2020)
Weltweit zählt Christliche Wissenschaft 1.091 offiziell eingetragene Christian-Science-Praktiker, davon 40 in Deutschland und sieben in der Schweiz. (Stand: April 2020)
Lehre und Praxis
Lehre mini|hochkant|Mary Baker Eddy, Begründerin der Christlichen Wissenschaft Nach Mary Baker Eddy ist Christian Science das Gesetz des Guten, die Wissenschaft des Christus, das auf die Lehren der Bibel zurückgehende christliche System geistigen Heilens. Grundlegende Ideen sind: Gott ist göttliche Liebe, höchster Vater-Mutter. Die wahre Natur jedes Individuums als Kind Gottes ist geistig. Gottes unendliche Güte, erfahren im Gebet, heilt.
Als Ausgangspunkt für die Bewegung wird eine spontane Heilung Eddys von den schweren Folgen eines Unfalls im Jahr 1866 angesehen, wobei Eddy ihre Gesundung auf eine Inspiration beim Lesen der in der Bibel dargestellten Heilung des Gelähmten (Matthäus 9) zurückführte. Kirchenvertreter erklären, dass der Gedanke, dass die Kraft hinter dem biblischen Heilungsgeschehen und dem Wirken Jesu Christi nicht auf biblische Zeiten beschränkt sei, der Antrieb für Eddys mehrjähriges Studium der Bibel gewesen sei, das zu der Publikation von Eddys Hauptwerk Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift führte. Der 1879 definierte Zweck der Kirche Christi, Wissenschaftler besteht laut einer zentralen Leitungsschrift darin, .
Eddy beschrieb die Überlegenheit der geistigen Kraft über die physische Kraft als die zentrale Tatsache der Bibel und ebenso als den Kernpunkt von Christian Science. Aus ihrer Sicht müsse diese Tatsache durch das Heilen der Kranken bewiesen werden.
Christian Science sieht Gott, Geist und Gemüt als einzige Ursache und Prinzip des Universums an. Der Mensch gilt ihr gemäß dem ersten Schöpfungstext der Genesis (Gen 1,1–2a) als Bild und Gleichnis Gottes, folglich sei er geistig. Materie und das Böse gelten als – vor Gott, Geist – unwirklich und zeitlich.
Gott wird in der Christlichen Wissenschaft mit sieben Synonymen beschrieben: Gemüt, Geist, Seele, Prinzip, Leben, Wahrheit und Liebe. „Gott ist [die] Liebe“, ein Zitat aus den Johannesbriefen, steht an der Stirnwand vieler Kirchengebäude der Christlichen Wissenschaft. Um die Namen oder Synonyme für Gott eindeutig hervorzuheben, schrieb Eddy sie im Englischen groß – im Deutschen wird entsprechend Kapitälchen- oder Großschreibung benutzt; so wird etwa das göttliche Gemüt von dem menschlichen Gemüt unterschieden (siehe weiter unten die Anwendung in der „Wissenschaftlichen Erklärung des Seins“).
Eddy setzte sich vor der Niederlegung ihrer Gedanken mit dem Mesmerismus des Phineas Parkhurst Quimby und den Beobachtungen der Homöopathie auseinander, den Auffassungen, dass Krankheiten mentalen Ursprungs seien. Eddys Auffassung unterschied sich allerdings deutlich von der Suggestionstherapie Quimbys durch ihre christliche Einstellung, die Gott im Zentrum sieht und nicht eine manipulative Kraft des Menschen. Eddy folgerte, dass der Mensch als Gottes Bild und Gleichnis geistig vollkommen sein müsse und daher Sünde, Krankheit und Tod allein durch die Zuwendung zu dem göttlichen Ursprung wirklich überwunden (geheilt) werden könnten und müssten.
Den Begriff „Wissenschaft“ legte Eddy für sich neu aus. Die Frage nach einer christlich-wissenschaftlichen Erklärung des Seins beantwortete sie wie folgt:
Eddy stellte ihre „wissenschaftliche Erklärung des Seins“ in einen direkten Zusammenhang mit dem Bibeltext aus 1. Johannes 3:1–3, der ergänzend als sogenannte „entsprechende Schriftstelle“ jeden Sonntag am Ende des Gottesdienstes verlesen wird:
Dem Verlesen dieser beiden Texte folgt dann der Segen.
Eine Richtschnur für Beweggründe und Handlungen für die Mitglieder der Mutterkirche gab sie wie folgt im Kirchenhandbuch wieder:
Glaubensbekenntnis In Eddys Lehrbuch werden sechs Glaubenssätze vorgegeben, die von allen unterzeichnet werden müssen, die The First Church of Christ, Scientist, Boston beitreten wollen. Diese Glaubenssätze wenden sich gegen eine wörtlich-historische Auslegung der Bibel und gegen die Trinität. Vergebung wird als das geistige Verständnis, dass das Böse unwirklich ist, definiert. Erlösung geschehe durch Christus, durch Wahrheit, Leben und Liebe, und der Sinn der Kreuzigung und Auferstehung Jesu sei, „den Glauben zum Verständnis des ewigen Lebens zu erheben, zur Allheit der Seele, des Geistes, und zum Nichtsein der Materie“.
Gottesdienst Die Bewegung hat heute, anders als in ihrer Frühzeit, keine ordinierten Geistlichen. Die Bibel bildet zusammen mit dem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift den „Pastor“. Sonntags findet ein Gottesdienst statt; Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene treffen sich in der Sonntagsschule. Die Sonntagsgottesdienste bestehen aus Gesang, Gebet sowie Lesungen aus der Bibel und Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift. Grundlage der Predigt sind die Lesungen. Bei regelmäßigen Versammlungen am Mittwoch werden ebenfalls kurze Lesungen aus beiden Büchern gehalten, den Hauptteil dieses Treffens bildet allerdings der Austausch von Erkenntnissen, Erfahrungen und erlebten Heilungen.
Eine Taufe oder die Feier des Abendmahls mit Brot und Wein findet nicht statt. In den Zweigkirchen wird jedoch zweimal im Jahr ein Sakramentsgottesdienst veranstaltet, bei dem die Gemeinde kniend eine geistige Kommunion feiert.
Praktiker und Pfleger der Christlichen Wissenschaft
Die Bewegung hat eigene pflegerische Einrichtungen, Heiler und Pflegepersonal, die allerdings nicht über eine klassische medizinische Ausbildung verfügen, sondern in einem Elementarunterricht, dem sogenannten „Klassenunterricht“, durch Mitarbeiter der Christlichen Wissenschaften geschult werden. Das von der Bewegung entwickelte „Heilungssystem“ wird von den Heilern, die „Praktiker“ genannt werden, angewendet. Für die Heilung spielt das Gebet eine zentrale Rolle. Diese sich auf den Heilungsauftrag Jesu berufende meist vollzeitliche religiöse Ausübung findet normalerweise ihre Form in dem, was in der christlich-wissenschaftlichen Theologie christlich-wissenschaftliche Behandlung genannt wird und eine systematisierte Form des Gebetes umfasst. Dazu gehört die Bekräftigung der geistigen Tatsachen des Seins, der Vollkommenheit Gottes und des Menschen, der in der christlichen Wissenschaft und in Anlehnung an den ersten Schöpfungsbericht der Bibel als Widerspiegelung der Gottheit verstanden wird.
Die ideelle Basis für diese Form der religiösen Praxis findet sich für den Christlichen Wissenschafter in der Bibel und in dem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy. Die Praktiker werden in der Regel in dem offiziellen Organ der Bewegung, dem Christian Science Journal, sowie für Deutschland im Der Herold der Christlichen Wissenschaft offiziell gelistet.
In den USA werden laut eigenen Angaben der Bewegung die Kosten dieser Behandlungen von verschiedenen Krankenversicherungen oder vom staatlich finanzierten Programm Medicare gedeckt.
Lehrer der Christlichen Wissenschaft