Strelitz-Alt, umgangssprachlich auch Altstrelitz genannt, ist heute ein Stadtteil von Neustrelitz mit rund 3500 Einwohnern. Von 1349 bis 1931 war Strelitz – so der frühere Ortsname – eine selbstständige mecklenburgische Landstadt.

Im Ergebnis des Hamburger Erbvergleichs erfolgte an 8. März 1701 die Dritte Mecklenburgische Hauptlandesteilung. Es entstanden die mecklenburgischen (Teil-)Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Der nunmehr im Landesteil Mecklenburg-Strelitz regierende Mecklenburger Herzog, Adolf Friedrich II., wählte sein Strelitzer Wasserschloss als Hauptresidenz. Auch unter seinem Nachfolger, Adolf Friedrich III., blieb Strelitz Residenzstadt – bis 1712 das Strelitzer Schloss einem Brand zum Opfer fiel und nicht wieder aufgebaut wurde.Gustav-Adolf Strasen: Unsere Städte. In: Heimatbuch des Kreises Neustrelitz. 1954, S. 114–125.

Adolf Friedrich III. und seine Ehefrau Dorothea Sophie ließen sich ihr neues Residenzchloss im nahegelegenen Glieneke am Ufer des Zierker Sees bauen und bezogen es 1731. Aus der schlossnahen Siedlung der im Schloss Bediensteten entstand nach dem Aufruf des Herzogs zur Ansiedlung von Neubürgern vom 20. Mai 1733Gründungsurkunde der Stadt Neustrelitz vom 20. Mai 1733 (Digitalisat) In: Carolinum, Jg. 46, Nr. 88, S. 8–19, Göttingen 1982/83, Hrsg.: Altschülerschaft des Gymnasiums Carolinum. die Planstadt Neustrelitz als dessen neue Residenzstadt und Landeshauptstadt von Mecklenburg-Strelitz. Der gesamte Hof des Landesfürsten sowie fast alle Landesbehörden siedelten nach Neustrelitz um, sodass die Stadt Strelitz enorm an Einnahmen und damit an Bedeutung verlor.

Strelitz blieb bis zur Eingemeindung nach Neustrelitz (1931) selbstständige, landtagsfähige Landstadt. Offiziell wird dieser Neustrelitzer Stadtteil seit 1994 als Strelitz-Alt bezeichnet. Der weithin sichtbare Altstrelitzer Wasserturm ist heute das Wahrzeichen des Stadtteils. 2015 wurde in Altstrelitz das 666. Jahr der Stadtgründung gefeiert. → , abgerufen am 13. August 2015.

Geografie mini|Wasservogelwarte am Tiefen Trebbower See

Strelitz-Alt liegt im Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte umgeben von zahlreichen Seen und Wäldern, eingebettet in eine durch die Eiszeit geformte Landschaft. Das angrenzende Naturschutzgebiet Kalkhorst bietet einer Reihe von Tieren und Pflanzen einen gesicherten Lebensraum. Die nahegelegene Vogelwarte am Tiefen Trebbower See ermöglicht die Beobachtung zahlreicher Wasservogelarten. Zum Baden und Angeln eignet sich der Domjüchsee. Im Bereich der heutigen Badestelle befand sich früher die Altstrelitzer Badeanstalt. Domjüchsee und Tiefer Trebbower See sind über die Stendlitz verbunden. Der Bach versorgte früher die Domjüchmühle, den Schlossgraben und die Binnenmühle mit Wasser.Klaus Giese: Strelitz vor dem 650.Jubiläum, (8). In: Nordkurier. Strelitzer Zeitung. 1998. Zwischen Strelitz-Alt und Neustrelitz liegt der Bürgerhorst. Auf einem Festplatz in diesem Laubwald fand früher das Schützenfest statt.

In den sumpfigen Altstrelitzer Wiesen finden Weißstörche reichlich Nahrung. Auf einem Firmengelände in der Carl-Meier Straße wurde deshalb 1976 ein Kunsthorst als Nistgelegenheit für diese Vögel errichtet. Bis die Störche in der zweiten Augusthälfte nach Afrika in ihr Winterquartier fliegen, war es in den vergangenen Jahren möglich, von einem neben dem Storchennest errichteten Turm aus direkt oder vom Café am Alex aus per Webcam, einen Blick in das Storchennest zu werfen.Homepage „Altstrelitzer Kulturstammtisch“, abgerufen am 13. August 2015.

Geschichte Name Belegt ist der Ortsname Strelitz bereits in den Jahren 1278, 1316, 1399, 1569 sowie in der Schreibweise Streliz 1329, Streltz 1349, Streltza 1350, Streltze 1387, Strelytze 1389, Strelisse 1389, Strelitze 1395. Er geht auf altslawisch Strělci (Schützen) zurück und war möglicherweise die Bezeichnung einer Dienstsiedlung, wie es sie im Mittelalter in Ostmitteleuropa mehrfach gab. Der Ortsname bedeutet damit „Ort der (Bogen-)Schützen“ bzw. „Ort, wo die Schützen wohnen“.Deutsches Ortsnamenbuch. Hrsg. von Manfred Niemeyer. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 448.Gustav-Adolf Strasen: Unsere Städte. In: Heimatbuch des Kreises Neustrelitz. 1953, S. 114–125. 1733 wurde in einem Reskript des regierenden Herzogs von Mecklenburg-Strelitz an das Ratskollegium von Strelitz erstmals von einer Umbenennung der Stadt gesprochen.Annalise Wagner: Wie aus der Meierei Glienke die Stadt Neustrelitz wurde. In: Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs, Heft 2, Aus dem alten Neustrelitz. 1968, S. 6–7. In diesem Schreiben gab Adolf Friedrich III. unter anderem der Hoffnung Ausdruck, dass der „Ort dergestallt anwachsen werde, daß mit der Zeit Neuen-Strelitz mit Alten-Strelitz combinieret werden“. Tatsächlich bewirkten Gründung und Ausbau von Neustrelitz aber den Niedergang von Strelitz. Am 10. September 1931 erfolgte die Eingemeindung nach Neustrelitz.Verlagsbeilage: 650 Jahre Strelitz-Alt. In: Nordkurier. 1999.L. Lose: Ein wichtiger Tag in der Geschichte. In: Freie Erde. Ein wichtiger Tag in der Geschichte der Stadt. 1983. Schon bald nach Gründung von Neustrelitz (1733) wurde Strelitz zur Unterscheidung auch Altstrelitz genannt.Ein zeittypisches Verfahren: auch Stettin nannte man zur Unterscheidung von Neustettin „Altstettin“ und Brandenburg an der Havel zur Unterscheidung von Neubrandenburg „Alt(en)brandenburg“. Die Bahnstation bezeichnete man schon Ende des 19. Jahrhunderts als Strelitz Alt (ohne Bindestrich). Strelitz wurde auch als Neustrelitz-Strelitz, Strelitz (Alt) oder Strelitz-Alt bezeichnet, aber nie umbenannt. Erst 1994 erhielt der heutige Neustrelitzer Stadtteil die offizielle Bezeichnung Strelitz-Alt.Künftig heißt es Strelitz-Alt. In: Amtsblatt der Stadt Neustrelitz. 94/03, 9. Februar 1994.vgl. Werner Lexow: Erst 1877 erreichte die Eisenbahn Neustrelitz. In: Freie Erde. Aus der Geschichte des Eisenbahnbaus in Mecklenburg-Strelitz. 1983.Mario Tumm: Zu Strelitz-Alt gehört jetzt der Bindestrich. In: Nordkurier. 1994.

Slawische Besiedlung Viele Ortsnamen und auch der Name Strelitz weisen noch heute auf eine frühe slawische Besiedlung des Raumes zwischen Oder und Elbe hin.Julius Bilek: Die slawischen Ortsnamen des Kreises Neustrelitz. In: Heimatbuch des Kreises Neustrelitz. 1953, S. 79. Auf Strelitzer Boden siedelten die zum Lutizenbund gehörenden Redarier.EB/Gerlinde Kienitz: Stargard kam als Lehen zu Mecklenburg. In: Nordkurier, In der Geschichte des Strelitzer Landes geblättert (2). → unter Bezug auf Adam von Bremen: Bischofsgeschichte der Hamburger Kirche. Es wurde überliefert, dass hier im Schutze umgebender Wasser- bzw. Sumpfflächen eine slawische Burg gestanden hat.Gerlinde Kienitz: Aus der Stadtgeschichte. In: Neustrelitz – Eine Führung durch die Stadt. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1985, S. 4. Siedlungsreste wurden jedoch bisher nicht gefunden.

1147 führten sächsische, dänische und polnische Fürsten den Wendenkreuzzug gegen die bis zu diesem Zeitpunkt unabhängigen Lutizen. Im Ergebnis wurden die liutizischen Lande zwischen den Herzogtümern Pommern (Südvorpommern) und Mecklenburg (Ostteil) sowie der Mark Brandenburg (Nordteil) aufgeteilt und damit dem Heiligen Römischen Reich einverleibt. Die bereits durch viele Kriegsjahre dezimierte slawische Bevölkerung wurde christianisiert und im Zuge der zunehmend deutschen Besiedlung assimiliert.

Strelitz wird Stadt mini|Karte von Mecklenburg um 1300

1278 wurde Strelitz – damals noch ein Dorf im Land Stargard – erstmals urkundlich erwähnt. Um 1300 kam das Land als brandenburgisches Lehen an Mecklenburg.Franz Christian Boll: Heinrich von Mecklenburg in Besitz des Landes Stargard mit Lychen und Wesenberg. Der Vertrag von Wittmannsdorf. In: Geschichte des Landes Stargard bis zum Jahre 1471. Band 1. Neustrelitz 1846, S. 123–129 (Digitalisat). Infolge von Erbschaftsstreitigkeiten wurde es 1315 im Norddeutschen Markgrafenkrieg (1308–1317) vom Brandenburger Markgrafen Waldemar überfallen.Georg Christian Friedrich Lisch: Die Schlacht bei Gransee im Jahre 1316. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 11. Schwerin 1846, S. 216–220 ((Digitalisat). Dieser belagerte die Stadt Woldegk (1315/16) und zog nach vergeblicher Belagerung gegen Neubrandenburg, um dort den Mecklenburger Fürsten Heinrich II. zu stellen. Heinrich – auch der Löwe genannt – wollte hier nicht eingeschlossen werden, positionierte seine Streitmacht zwischen Strelitz und Fürstensee und besetzte den Mühlenberg. 1316 kam es dann zur „Schlacht an der Domjüch“.Walter Karbe, Walter Gotsmann: Die Schlacht an der Domjüch. In: Strelitzer Allerlei. Vom schönen Neustrelitz. Buchhandlung Otto Wagner, Neustrelitz 1938, [Nachdruck: Druckerei Lorrenz, Neustrelitz 1991, Hrsg.: Karbe-Wagner-Archiv, S. 32. → unter Bezug auf den Historiker Karl Friedrich von Klöden: Schlacht an der Domjüch In: Geschichte des Markgrafen Waldemar. Die Reimchronik des Ernst von Kirchberg auf Krümel und die Schmettausche Karte. „Am schrecklichsten und blutigsten aber war das Gefecht auf dem die Seen teilenden Wege.“ schrieb der Historiker Karl Friedrich von Klöden. Abschließend bemerkte er: „Die Zahl der Gefangenen wie der Toten war außerdem sehr groß, und das Gefecht für die Brandenburger verloren. Es muß dies in der letzten Hälfte des Februars vorgefallen sein.“ Im Ergebnis von Friedensverhandlungen zwischen dem König von Dänemark, Heinrich II. von Mecklenburg und den Brandenburgern mussten die Markgrafen Waldemar und Johann von Brandenburg noch 1316 ihr Strelitzer Schloss verpfänden.Annett Wieking: Erhaltenswertes in Strelitz-Alt. In: Nordkurier. Strelitzer Zeitung. Serie: Denkmale in Mecklenburg-Strelitz (15). Neustrelitz 29. Oktober 1997, S. 14. → unter Bezug auf einen Vertrag von 1316. Heinrich II. konnte Waldemar schließlich in der Schlacht bei Gransee im August 1316 endgültig besiegen und bekam mit dem Templiner Frieden (25. November 1317) die Herrschaft Stargard als brandenburgisches Lehen zugesprochen.Gerlinde Kienitz: Stargard kam als Lehen zu Mecklenburg. In: Nordkurier. In der Geschichte des Strelitzer Landes geblättert (2).Reiner Szczesiak: Der Niederadel des Landes Stargard vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. In: Mecklenburg–Strelitz, Beiträge zur Geschichte einer Region. Band 2. Friedland/Meckl 2002, ISBN 3-9807532-7-1, S. 36 ff.

1328 wurden Otto und Ulrich von Dewitz – die Erzieher und Berater von Heinrich II. – für ihre Verdienste mit „Hus und Dorf Strelitz“ belehnt.Annalise Wagner, E. Lubs: Geschichtliches von Alt-Strelitz In: Neustrelitzer Stadtführer. Hrsg. Rat der Stadt Neustrelitz, Einband und Zeichnungen Gerd Gombert, Neustrelitz 1965, S. 6. Dazu kamen eine reiche Feldmark, die drei in den märkischen Fehden untergegangenen Dörfer Buristorpe, Cavelsbroke (Cobelbrok) und Domjuche (Domjüch) sowie das kleine Land Ahrensberghe (Ahrensberg). Das Strelitzer Schloss befand sich 1328 im Besitz von Otto von Dewitz.Klaus Giese: Burg Arnsberg bringt langwierige Fehde. In: Nordkurier. Strelitzer Zeitung. Strelitz vor dem 650. Jubiläum (19). Neustrelitz 1998.

1329 starb Heinrich II. Seine Söhne Albrecht II. und Johann zu Mecklenburg teilten sich nun die Herrschaft in Mecklenburg. Das Land Stargard – darin „hus unde dorpp“ Strelitz – wurde vom brandenburgischen Markgrafen Ludwig an die beiden Fürsten als Lehen vergeben. Die Lehnsabhängigkeit von den Brandenburger Markgrafen endete 1347 mit der Erhebung der Herrschaft Stargard zum Reichslehen durch den römisch-deutschen König und späteren Kaiser Karl IV. und der Vergabe an die mecklenburgischen Fürsten.Hermann Krabbo: Der Übergang des Landes Stargard von Brandenburg auf Mecklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 91 (1927), S. 17 (Digitalisat).

mini|Otto von Dewitz als Graf von Fürstenberg (Reitersiegel, 1349)