mini|300px|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 1922 mini|Wülflingen, vom Wolfensberg aus gesehen Wülflingen ist ein Stadtkreis der Stadt Winterthur in der Schweiz. Die ehemals selbständige Gemeinde Wülflingen wurde 1922 eingemeindet und bildet den heutigen Kreis 6.

Wappen Blasonierung In Gold auf grünem Boden ein sitzender roter Wolf, mit geraubter silberner, rotbewehrter Gans

Geographie Wülflingen ist der nordwestlichste Stadtteil der Stadt Winterthur. Er grenzt an die Kreise Winterthur, Veltheim im Nordosten und Töss im Südosten. Im Süden grenzt Wülflingen an die Gemeinde Brütten und im Westen an Oberembrach, Pfungen und Neftenbach. An einem kleinen Streifen im Norden besitzt Wülflingen eine gemeinsame Grenze mit Hettlingen.

Der Stadtkreis liegt eingebettet zwischen den bewaldeten Hügeln Wolfensberg, Taggenberg und Brüelberg. Ebenfalls zum Stadtteil gehört die Aussenwacht Neuburg im Süden. Das Zentrum des Stadtkreises wird von der Eulach durchflossen, die in Wülflingen in die Töss mündet. Der tiefste Punkt Winterthurs liegt in Wülflingen an der Grenze zu Pfungen unterhalb der Kläranlage Hard auf

Bildung In Wülflingen gibt es acht Kindergärten (Erlenstrasse, Härti, Rappstrasse, Siedlung Wässerwiesen, Talhofweg, Wässerwiesen, Wieshof und der Sprachheilkindergarten Rappstrasse), fünf Primarschulhäuser (Ausserdorf, Erlenstrasse, Langwiesen, Wyden und Talhofweg) sowie das Sekundarschulhaus Hohfurri. Die Aussenwacht Neuburg besass bis 2004 mit dem Schulhaus Neuburg eine eigene Schule. Die allgemein ansteigenden Schülerzahlen erfordern auch in Wülflingen einen Ausbau der Bildungseinrichtungen. So soll das Primarschulhaus Langwiesen bis 2032 renoviert und unter anderem mit einer Dreifachturnhalle erweitert werden.

Geschichte Frühzeit und alemannische Siedlungsgründung Vereinzelte Funde auf dem Gebiet Wülflingens datieren bis auf die Steinzeit zurück, jedoch gibt es auch in dieser Zeit noch keine Spuren einer festen Besiedlung. In der Bronzezeit verdichten sich die Fundbestände bereits, beim 1822 erfolgten Bau der Spinnerei Beugger wurde ein Depotfund aus diesem Zeitraum ausgehoben, der zu einer Bronzegiesserei gehört haben könnte. Aus der Latènezeit konnte in der Kiesgrube nördlich des Friedhofs Wülflingen ein Kriegergrab nachgewiesen werden. Auf dem Plateau des Beerenbergs befand sich in prähistorischer Zeit eine befestigte Höhensiedlung, von der heute aber nur noch eine Wallschüttung zu erkennen ist.

Die Römerzeit ist in Wülflingen durch Streufunde von römischen Münzen sowie durch Siedlungsspuren am Südhang des Taggenbergs nachgewiesen. Dort konnte beim Bau von Terrassenhäusern oberhalb der Haltenrebenstrasse eine römische Wasserleitung nachgewiesen werden. Diese Leitung aus Ziegelsteinen und Kalkguss dem Hang entlang wurde in Teilen durch Erdrutsche verschoben und könnte zu einer in Neftenbach nachgewiesenen Wasserleitung gehören, die zur Versorgung eines römischen Gutshofs in der Steinmöri südöstlich der Kirche Neftenbach diente. Ebenfalls dürfte eine von Vitudurum nach Tenedo (Zurzach) führende Römerstrasse durch Wülflingen geführt haben.

Der Name Wülflingen selbst leitet sich vom alemannischen Sippenführer Wulfilo ab. Aufgrund der Namensendung -ingen lässt sich vermuten, dass das Dorf Wülflingen zwischen 550 und 600 entstanden ist. Bei Grabungen bei der Kirche Wülflingen im Sommer 1972 konnte ein hölzerner Vorgängerbau gefunden werden, der etwa auf das Jahr 650 zu datieren ist, eine erste frühkarolingische Steinkirche an derselben Stelle dürfte um 700 gebaut worden sein. Erstmals erwähnt wurde der Ort als Wulvilinga am 27. Juli 897 als Treffpunkt für einen Gütertausch.

Mittelalter und Herrschaft Wülflingen

Im 10. Jahrhundert war das Dorf Heimat eines Adelsgeschlechts von Seen mit Sitz auf der Burg Alt-Wülflingen. Die Burg war Sitz über die Herrschaft Wülflingen, die bis zur Auflösung durch Zürich 1760 bestand und die hohe Gerichtsbarkeit innehatte. Als erste namentliche Vertreterin des Geschlechts von Seen ist eine Willebirg von Ebersberg bekannt, die nach dem Tod von Graf Ulrich von Eberberg im Frühling 1029 die Güter um Wülflingen erbte und sich fortan Willebirg von Wülflingen nannte. Sie war mit Lütold von Mömpelgard verheiratet, ihr Sohn Werner wurde 1065 Bischof von Strassburg, Kuno trat als Kuno von Wülflingen ihr Erbe auf Alt-Wülflingen an.

Die Herrschaft hatte viele wechselnde Besitzer. Im 13. Jahrhundert lag sie im Machtbereich der Habsburger, ab 1239 der Grafen von Habsburg-Kyburg. Weitere Besitzer waren unter anderen um 1300 die Herren von Hettlingen, Gefolgsleute von Habsburg-Kyburg, 1315–1386 die Herren von Seen, Ulrich von Landenberg-Greifensee, ab 1455 die Herren von Rümlang. Infolge der Verschuldung von Hans Konrad von Rümlang, der 1529 von den Zürchern geköpft wurde, gelangte die Burg 1525 in den Besitz von Wülflingen selbst, das die Burg vier Jahre später an die Familie Steiner verkaufte. Diese verkaufte die Burg an die Familie Escher – nachdem die Stadt Zürich den Verkauf der Burg und der damit verbundenen Herrschaft an die Stadt Winterthur unterbunden hatte – wohlgemerkt zeigte die Stadt Zürich kein Interesse am Kauf der Burg. Die Familie Escher verliess die Burg 1644 und zog ins neu erbaute Schloss Wülflingen, worauf die Burg schnell verfiel. Die Herrschaft Wülflingen gelangte danach noch an die Familien Meiss und Hirzel und wurde 1760 durch Zürich aufgelöst und der Landvogtei Andelfingen zugeordnet.

Weiter existierte um Wülflingen der Chorherrenstift Beerenberg. Dieser entstand aus einer 1318 eingerichteten Einsiedelei, die 1355 zu einem Stift der Augustiner-Chorherren ausgebaut wurde und bis zur Reformation bestand. Ebenfalls bestand unweit der Burg Hoch-Wülflingen mit der Neuburg eine hochmittelalterliche Burg, von der heute nur noch der Burgstall ersichtlich ist.

Das mittelalterliche Dorf Wülflingen Wülflingen selbst war lange Zeit ein Rebbauerndorf, das an den Südhängen des Wolfensbergs und Brüelbergs, an der Halde unterhalb des Taggenbergs sowie im Rumstal Reben anpflanzte. Einige Rebberge haben sich dabei bis heute erhalten. Das Dorf selbst wurde noch in ein Ober- und Unterdorf unterteilt, in dessen Mitte Kirche, Pfarrhaus und Kelnhof lagen. Beide Dorfteile besassen ein eigenes Zelgensystem. Bis zum 17. Jahrhundert wuchsen die beiden Dorfteile zusammen. Ab 1428 ist die Existenz der heutigen Wespi-Mühle belegt, die unter nationalem Denkmalschutz steht. Zehntenpflichtig war Wülflingen ab 1515 an das Spital Winterthur.

Auf Steuerrödel aus dem Jahr 1467 ist von 87 steuerpflichtigen Einwohnern in 33 Haushaltungen die Rede, woraus sich auf eine Dorfgrösse von rund 165 Einwohnern schliessen lässt. Neben dem eigentlichen Dorf umgaben Wülflingen auch viele Höfe und Weiler, von denen es Mitte des 17. Jahrhunderts 20 gab, wobei 1934 der grösste Weiler mit 35 Einwohnern Neuburg war. Weitere grössere Ansiedlungen waren Rumstal (25 Einwohner) sowie die Höfe Furt und Obereich mit je 20 Einwohnern. Wülflingen selbst umfasste zu diesem Zeitpunkt 689 Einwohner.

1627 wurde in Wülflingen erstmals ein Schulmeister erwähnt, spätestens um 1655 wurde in Neuburg eine weitere Schule eingerichtet. Ab 1692 wird ein Gemeindehaus erwähnt, das auch als Schulhaus gedient hat. 1798 endete in Zürich das Ancien Régime, und Wülflingen wurde eine selbstständige Gemeinde. 1799 zählte die Gemeinde Wülflingen 987 Einwohner.

Nach Ende des Ancien Régime 1802 wurde im damals noch eigenständigen Wülflingen mit der Spinnerei Hard die erste mechanische Grossspinnerei Europas gebaut. Im Jahr 1812 kaufte sich die Gemeinde vom Zehnten los, die Gesamtsumme von 77'340 Gulden wurde bis 1820 in jährlichen Raten abbezahlt. Der Loskauf von dem Grundzins folgte zum Ende der Restaurationszeit im Jahr 1830. Von 1820 bis 1870 existierte die Spinnerei Beugger, heute ist dort die Integrierte Psychiatrie Winterthur beheimatet. Von 1834 bis 1883 gab es eine Papierfabrik in Wülflingen. Ab 1864 wurde von Wülflingen her der «Demokratische Weinländer» herausgegeben. Wülflingen entwickelte sich in den kommenden Jahren zusehends zum Arbeiterdorf und Winterthurer Vorort. Ab 1870 gab es einen Konsumverein im Dorf. 1876 erhielt das Dorf mit dem Bahnhof Wülflingen Anschluss an die neu gebaute Bahnstrecke Winterthur–Bülach–Koblenz. In den 1890er-Jahren wurde ein Arbeiterverein im Dorf aktiv. 1891 wurde eine zentrale Trinkwasserversorgung für das ganze Dorf eingerichtet, nachdem erste Planungen durch ein Hochwasser im Sommer 1876 gestoppt wurden.

Gemeinsam mit der damals ebenfalls selbstständigen Gemeinde Töss war Wülflingen um 1900 eine der ersten Gemeinden im Kanton Zürich mit einer sozialdemokratischen Mehrheit. 1903 wurde in Wülflingen eine Poststelle eröffnet. Die Eröffnung der Linie 2 der Strassenbahn Winterthur 1915 band das Dorf Wülflingen verkehrstechnisch noch näher an die Stadt Winterthur. Der 1909 als letzter Gemeindepräsident Wülflingens gewählte Jakob Erb trieb die Vereinigung der Winterthurer Agglomerationsgemeinden mit der Stadt Winterthur massgeblich voran, ein Engagement, das mit der Gutheissung der Winterthurer Stadtvereinigung am 4. Mai 1919 durch den Zürcher Souverän zum Erfolg führte. Die Überlegenheit der Sozialdemokraten in den letzten Jahren der eigenständigen Gemeinde Wülflingen zeigte sich auch gut bei den Nationalratswahlen 1919, bei der die SP 10'740 Stimmen auf sich vereinen konnte und damit dreimal so viel wie die nächstbeste Liste der Demokraten, die auf 3'237 Stimmen kam. 1920, kurz vor der Eingemeindung, umfasste Wülflingen 3845 Einwohner.

Wülflingen als Stadtteil von Winterthur mini|Luftbild aus 400 m von Walter Mittelholzer (1923) 1922 wurde Wülflingen mit den anderen Vororten in die Stadt Winterthur eingemeindet, nachdem es in den vergangenen Jahren mit wesentlichen finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Wülflingen hatte der entsprechenden Vorlage am 4. Mai 1919 mit 776 Ja- zu 44 Nein-Stimmen deutlich zugestimmt. Im Rahmen einer Grenzbereinigung trat die ehemalige Gemeinde Wülflingen dabei beim Übertritt den Hof Obereich der Gemeinde Brütten ab.

Nach der Eingemeindung wuchs die Bevölkerungszahl rasant an, innert 30 Jahren nach der Eingemeindung verdoppelte sich die Bevölkerungszahl bis 1950 auf 6'934 beinahe und verdreifachte sich bis 1960 auf 10'191 Einwohner. Die Überbauung zwischen Neuwiesen und dem Wülflinger Ortskern wurde durch einen 1925 erarbeiteten Bebauungsplan geregelt. Trotzdem konnte Wülflingen nach der Eingemeindung seinen Dorfcharakter beibehalten, und insbesondere im Zentrum rund um den Lindenplatz ist der Ortskern bis heute noch weitgehend erhalten.

1938 wurde die Tramlinie als erste städtische Tramlinie durch die bis heute verkehrende Trolleybuslinie 2 ersetzt. 1939 wurde am äussersten Ende Wülflingens mit dem Bau der Kläranlage Hard begonnen. 1943 wurde der Verlauf der Eulach zwischen dem Dorfkern und der Töss korrigiert. 1964 genehmigte Winterthur den Bebauungsplan für das Gebiet Winterthur-West, der das Bild Wülflingens zusammen mit der bis 1968 erbauten Autobahn A1 weiter veränderte. Im Sommer 1967 wurde das Schwimmbad Wülflingen eröffnet.

Verkehr miniatur|Aufnahmsgebäude aus den Anfangszeiten der Eisenbahn Wülflingen ist von einer grossen Hauptstrasse durchzogen, der Wülflingerstrasse, die vom Stadtzentrum Richtung Westen nach Neftenbach respektive Tössallmend führt. Der Autobahnanschluss Winterthur-Wülflingen der A1 mündet in die Umfahrungsstrasse Salomon-Hirzel-Strasse, welche an beiden Enden zur Wülflingerstrasse verläuft. Weitere Verbindungsstrassen führen im Osten übers Schlosstal nach Töss (Schlosstalstrasse), im Süden über Neuburg ins ebenfalls zu Töss gehörende Dättnau repektive über das Rumstal nach Pfungen und im Norden nach Riet bei Neftenbach.