mini|hochkant=1.2|Kloster Anrode (Lithographie, 19. Jahrhundert) mini|Oberer Hof mini|Unterer Hof Das Kloster Anrode ist eine ehemalige Zisterzienserinnen-Abtei in der Stadt und Landgemeinde Dingelstädt im Landkreis Eichsfeld (Thüringen).

Lage Das Kloster Anrode liegt etwa einen Kilometer westlich von Bickenriede auf einer schmalen Bergzunge zwischen der Luhne im Norden und dem Gießegraben im Süden.

Geschichte mini|Kloster Anrode, Gemälde von Otto Tomasczek Das Kloster Anrode wurde vermutlich 1267 durch die Zisterzienserinnen des Abtei Beuren gegründet. Das dafür benötigte Land war im Besitz eines Ratsherren Heinrich Kämmerer der benachbarten Reichsstadt Mühlhausen, es lag am Rande des Dorfes Anrode, welches unter dem Namen „Anninrod“ bis ins 13. Jahrhundert bestand. 1311 trug die Abtei Anrode zur Besiedelung des Klosters Worbis bei. Obwohl Kloster Anrode sowohl im Bauernkrieg 1525 als auch im Dreißigjährigen Krieg zerstört und wieder aufgebaut wurde bewahrte der Ort seinen klösterlichen Besitzstand und erreichte im 17. Jahrhundert eine letzte Blüte. Auch in der darauf folgenden Zeit schaffte es das Kloster nicht, sich völlig zu erholen. 1810 wurde das Nonnenkloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben.

Bereits 1811 wurde das Kloster an Johann Franz Justus von Wedemeyer verkauft. Bis 1886 gehörte das Gut der Familie von Wedemeyer, danach bis 1927 der Familie Wiersdorff. Diese nutzten die Klostergebäude und -ländereien landwirtschaftlich. In diese Zeit fällt der Aufenthalt des Schnellläufers Mensen Ernst in Anrode. Zwischen 1935 und 1957 bestand hier eine Flachsrösterei. Ab 1957 wurde in den ehemaligen Klostergebäuden eine Seilerfabrik als Zweigbetrieb des VEB Sponeta Schlotheim eingerichtet, die bis 1990 bestand.Eduard Fritze: Eichsfelder Kanonenbahn 1880–1994 und der Bahnhof Küllstedt. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2003, Seite 75 1993 wurde das Kloster von der Gemeinde Bickenriede gekauft und wird seitdem überwiegend mit Landes- und Bundesmitteln restauriert.

Dorf Anrode Vor der Gründung des Klosters Anrode bestand am gleichen Ort bereits eine größere dörfliche Ansiedlung. Die Besiedlung des „Rode“-Ortes ist für einen Zeitraum ab dem 10. Jahrhundert anzunehmen. Das Dorf Aninnrod wurde im März 1197 erstmals urkundlich erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 18. Das Dorf gehörte zum damaligen Burgbezirk Velsecke/Gleichenstein. Häufigere urkundliche Erwähnungen finden sich aber erst ab dem Jahr 1267 im Zusammenhang mit der Klostergründung. 1268 schenkte Heinrich Kämmerer von Mühlhausen dem Kloster die Kirche und 10 Hufen Land in villa Anninrod. Die Kirche ist vermutlich auf den Namen St. Johannes geweiht gewesen.

Bis 1301 hatte das Kloster alle Ländereien und Höfe in der Gemarkung von Anrode in seinen Besitz, das waren etwa 20 ½ Hufen Ackerland, Wald und eine Mühle. Dieses Land stammte aus dem Besitz verschiedener Adelsfamilien, wie den Kämmerern in Mühlhausen, dem Landgrafen Albert von Thüringen, dem Grafen von Gleichenstein, den Herren von Küllstedt und Stein.Rolf Aulepp: Mittelalterliche Wüstungen im Eichsfelder Teil des Kreises Mühlhausen. In: Eichsfelder Heimathefte, Hrsg. Pädagogisches Kreiskabinett Worbis, Eichsfelddruck Heiligenstadt 1989, Heft 4, S. 351–353 Vermutlich ist in diesem Zeitraum auch das Dorf wüst gefallen beziehungsweise im Klosterareal aufgegangen.

Ob die unmittelbar westlich von Anrode benannte Günzburg eine Burganlage darstellte, ist nicht bekannt. Archäologische Funde für die Dorfbesiedlung sind nicht bekannt und auf Grund der nachfolgenden Bautätigkeiten am Kloster auch nicht mehr zu erwarten.

Kloster- und Patrimonialgericht Anrode mini|Der Gerichtsbezirk des Klosters Anrode im Jahre 1759 Zum Klostergerichtsbezirk gehörte das benachbarte Bickenriede (1344), Bebendorf (1381) und im Tausch mit dem St. Martinsstift in Heiligenstadt die Kirchen auf dem Hülfensberg (1357) und in Geismar (später an die Familie von Hanstein). Das Kloster besaß die niedere Gerichtsbarkeit über diese Orte und weitere Besitzungen. Unmittelbar am heute nicht mehr vorhandenen Struther Tor befindet sich das ehemalige Gast- und Gerichtshaus für die Verwaltung des Gerichtes Anrode. Ende des 18. Jahrhunderts war ein Johann Franz Ignaz Strecker Aktuar des Klosters.Friedrich Laufer: Die Stiftung des Johannes Koch von 1702. Verlag Mecke, Duderstadt 2002, Seite 173

Nachdem Franz Jost von Wedemeyer 1811 den Klosterbesitz von der Regierung des Königreiches Westphalen gekauft hatte, wurde ihm 1829 die Rittergutqualität und die Gerichtsbarkeit über die Gutsbewohner verliehen.Landesarchiv Sachsen-Anhalt Das Patrimonialgericht Anrode wurde 1849 aufgelöst. Dessen schriftliche Überlieferung im Umfang von 2,2 laufenden Metern aus dem Zeitraum (1572) 1803 bis 1859 wird am Standort Wernigerode des Landesarchivs Sachsen-Anhalt verwaltet.Dd 2 Patrimonialgericht Anrode

Äbtissinnen von Anrode Folgende Äbtissinnen sind bekannt:Bernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. St. Benno-Verlag Leipzig und Verlag F.W. Cordier Heiligenstadt 1968 1303 Johanne von Worbis 1306 Sidonie von Gerterode 1346 Adelheid von Gerterode RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 540, in: Regesta Imperii Online (Abgerufen am 1. August 2018) 1356 Else von Mila 1381 Adelheid von Gerterode 1475 N. von Bodenhausen 1495 Elisabeth von Eschwege 1508 Anna von Adelepsen 1525–1531 Elisabeth Luchtewald 1534–1547 Appolonia Uderstedt 1548–1554 Elisabeth von Eschwege 1556–1575 Anna von Hanstein 1585–1598 Anna Ludwig, 1588 Katharina Stapel 1601–1609 Katharina Koch 1623–1636? Agnes Merker 1635?–1672 Margarethe Koch 1673–1678 Christina Franziska Multhauf 1719–1760 Benigna Funke 1760–1768 Josepha Degenhard 1768–1777 Anna Cäcilia Dietrich 1777–1790 Bernarda Kopp 1791–1810 Rosalia Engelhardt

Die Klosteranlage und deren Bauten An das Kloster grenzte eine geschlossene Hofanlage mit Torhäusern, Scheunen und Stallungen. Die gesamte Anlage ist zu großen Teilen noch erhalten.

mini|Propstei / Herrenhaus 1. Propstei / Herrenhaus erbaut von 1652 bis 1654, Bauart insgesamt Bruchstein über drei Stockwerke in Klosterzeiten Wohnung des Propstes, Kaplans, Försters und eines Dieners, ab 1811 Gutsherrensitz, später Wohnung Souterrain: gepflasterte Küche, Speise-/Milchkammer, vier große Keller; erster Stock: Speisesaal, fünf Stuben, sechs Kammern; zweiter Stock: großer Saal, sieben Stuben, drei Kammern; Dachgeschoss: zwei Stuben, sieben Kammern 2008/2009 Sanierung durch die Gemeinde Anrode (Dach/Dachkonstruktion) folgende Pröpste sind bekannt: 1577–1585 David Böddener als weltlicher Klostervorsteher und 1585–1612 Propst 1744–1760 Adam kaltwasser 1760–1788 Anselmus Hunold 1789–1809 Stephanus Mande

2. Gast- und Gerichtshaus mini|Gast-, Gerichtshaus und Klosterkirche erbaut im Mittelalter, im Gemäuer an der Seite zur Straße befindet sich ein Steinrelief mit Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert 1998/1999 Sanierung durch die Gemeinde Anrode (Dach/Dachkonstruktion, Entfernung nicht historischer, später eingefügter Bauteile) steinernes Erdgeschoss: ursprünglich Schlacht-, Wasch- und Backhaus sowie Badestube; zweiter Stock: große Gerichtsstube, sechs weitere Stuben und Kammern; dritter Stock: drei Stuben und fünf Kammern; Dachgeschoss: Getreidespeicher; geräumige Keller für Vorräte, Biertonnen (für selbstgebrautes Bier) und Pökelfleischtonnen; eine große und mehrere kleine Gaststuben

3. Abtei / Rempter im 13./14. Jahrhundert erbaut, rechtwinklig zwischen Gast- und Gerichtshaus sowie der Kirche 1998/1999 Sanierung durch die Gemeinde Anrode (Dach und Dachkonstruktion, Entfernung nicht historischer, später eingefügter Bauteile) Ostseite mit eichenem Fachwerk und Schmuckerker, 1678 erneuert gemauerte Terrasse, nach 1810 errichtet Erdgeschoss: Rempter, der Speise- und Festsaal der Nonnen, reicht bis in den zweiten Stock; dort Gemach der Äbtissin, Wärmestube; dritter Stock: fünf Stuben für kranke und altersschwache Nonnen Ein großer Kamin war so eingebaut, dass er im Erdgeschoss die Sakristei, im zweiten Stock den Kapitelsaal und im dritten Stock die Stuben heizte. Bei archäologischen Grabungen wurde eine mittelalterliche Fußbodenheizung entdeckt. nach 1810 Verwalterwohnung, später Försterwohnung, danach Büro und Wohnung Im Gebäude befindet sich die in Thüringen größte mittelalterliche Hypokausten-Heizung, die seinerzeit den Speisesaal sowie das Dormitorium beheizte.

4. Kirche, Johannes dem Täufer und dem Apostel Andreas geweiht mini|Deckenbilder mini|Kassettendecke einschiffiger Saalbau, orientiert von West nach Ost, Fenster in der Ost- und Nordseite (früher mit weit berühmten Chiverglasungen, Chi = X) 1525 im Bauernkrieg verwüstet, durch Brandstiftung brannte das gesamte Klosteranwesen bis auf die Grundmauern ab, 1610 erneuert und im Dreißigjährigen Krieg wiederum zerstört, von 1670 bis 1693 neu erbaut durch Antonio Petrini und geweiht 1811 profaniert, die Kunstgegenstände und das Inventar wurden auf bedürftige Kirchen im Eichsfeld verteilt Der Marienaltar, gefertigt 1698, kam in die Kirche nach Struth Der Barockaltar der Klosterkirche (vom Anfang des 18. Jh.) kam in die Kirche in Wiesenfeld. Die künstlerisch bedeutsame Kassettendecke von 1656 mit etwa 60 Gemälden, die die 12 Apostel, Engel und die Trinität darstellten, kam 1950 in die Kirche St. Nikolaus in Siemerode. später Stellmacherwerkstatt, Aufseherzimmer, Holzschuppen, Getreidespeicher, Milchkammer, Werkhalle, Lagerraum Der Hobbyschnitzer Günther Leister stiftete im April 1998 dem Kloster Anrode das Kruzifix an der Außenwand (siehe die Inschrift an der Wand). 1998/1999 Sanierung durch die Gemeinde Anrode (Dach und Dachkonstruktion, Entfernung von nicht historischen, später eingefügten Bauteilen) 2002 Sanierung des Kirchenportals, Einbau der großen Kirchentür Bei Grabungen am Fundament stießen Experten auf Knochen. Sie stammen von Zisterziensern, die so bestattet wurden, dass sie vom abfließenden Regenwasser benetzt wurden – als Symbol für Weihwasser.

5. Ehemaliges Nonnenhaus schließt direkt an die Kirche an, wegen Baufälligkeit im 20. Jahrhundert teilweise abgerissen und umgebaut war früher genauso hoch und breit wie die Kirche, Erdgeschoss massiv, die beiden oberen Stockwerke in Fachwerk, das Eichenholz an der Südseite war reich geschnitzt; tiefe gewölbte Keller, die früher einen Zugang vom ehemaligen Kirchhof aus hatten (Keller 1590 gebaut und 1670/1693 erneuert) obere Stockwerke dienten als Nonnenzellen, je sechs auf einer Seite, durch den Mittelgang abgegrenzt (also insgesamt 24 Zellen) spätere Nutzung des Erdgeschosses als Schrotausgabe, obere Stockwerke als Fruchtspeicher und Lagerhalle

6. Obere Scheune 1709 angelegt als Reserve-Nonnenhaus, 1727 wurde der Bau aus Geldmangel eingestellt ursprünglich in Massivbauweise dreistöckig, aus Bruchstein, mit großen Gewölbekellern Keller am Südende war Kerker; weitere Keller für Kartoffellagerung; erster Stock: enthielt das Backhaus, die Branntweinbrennerei, die Gärkammer und die Obstdörre; zweiter Stock: Holzschuppen nach 1810 Strohscheuer, Schuppen, Garagen

7. Außenscheune früher landwirtschaftlich genutztes Lagergebäude (baufällig)

mini|Büttstedter Torhaus 8. Büttstedter Torhaus 1730 erbaut, unterer Teil massiv mit gewölbter steinerner Durchfahrt, oberes Stockwerk aus Fachwerk ehemals Torwächterwohnung, nach 1811 Verlegung der Durchfahrt neben das Torhaus und dessen Umbau zur Schmiede, später Wohnung 2000 Sanierung durch die Gemeinde Anrode (Dach, Treppenanlage, und Fachwerk)

9. Schmiede frühere Wagner-, Böttner- und Schmiedewerkstatt später als Wagenremisen und Kohlenkeller genutzt, zuletzt als Garagen

10. Gesindehaus nach einem Brand von 1883 neu errichtet Im oberen Stock war eine Wohnung für die Mägde und eine Käsereikammer.

11. Stallungen