miniatur|hochkant|Alessandro Stradella Antonio Alessandro Boncompagno StradellaDavide Mingozzi: Alessandro Stradella «bononiensis dominus». In: Il Saggiatore musicale. 25, 2018, Nr. 2, S. 299–308; . (* 3. Juli 1643 in Bologna; † 25. Februar 1682 in Genua) war ein italienischer Violinist, Sänger und Komponist. Er wurde unter ungeklärten Umständen auf offener Straße ermordet.Was heute geschah: Der Komponist Alessandro Stradella wird ermordet auf: BR-Klassik vom 25. Februar 2016.

Leben und Wirken Alessandro Stradella war der Spross einer aristokratischen Familie, die aus Fivizzano in der Toskana stammte. Über seine musikalische Ausbildung ist nur wenig bekannt; möglicherweise wurde er von seinem Stiefbruder Padre Francesco unterrichtet, und auch ein Studienaufenthalt in Bologna wird nicht ausgeschlossen, da er in späteren Schriftstücken mehrfach als bolognese bezeichnet wird. Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter 1653 mit ihren beiden Söhnen Alessandro und Stefano nach Rom, wo sie im Palast des Herzogs von Bomarzo Ippolito Lante Montefeltro della Rovere (1618–1688) Aufnahme fand. Stradella fand schnell Anschluss an die führenden Musiker der Stadt, wie Ercole Bernabei, Giacomo Carissimi und andere. Seine erste aufgeführte Komposition war ein heute verschollenes lateinisches Oratorium, das am 11. März 1667 gespielt wurde. Zu seinen zahlreichen Förderern zählte auch Christina von Schweden, von der er über mehrere Jahre Kompositionsaufträge erhielt. Im Umfeld der ehemaligen Königin machte er Bekanntschaft mit Carlo Ambrogio Lonati, der ebenfalls an ihrem Hof tätig war.

Stradella war auch in Venedig ein sehr gefragter Künstler, wohin er 1676 floh, weil er wegen einer versuchten Kuppelei verhaftet werden sollte. In Venedig absolvierte er Auftritte in vielen Fürstenhäusern, trat aber auch als Sänger geistlicher Musik in Erscheinung und wohnte im Palast seines Freundes, des venezianischen Adeligen Polo Michiel (1640–1686). Stradella führte ein abenteuerliches Leben und musste wegen seiner Eskapaden nach Rom nun auch Venedig verlassen. In Venedig verliebte er sich in die Schülerin Agnese van Uffele, die ihrerseits die Geliebte des einflussreichen Patriziers Alvise Contarini war. Stradella zog mit van Uffele nach Turin, wo Contarini sie zu stellen versuchte; durch Flucht in verschiedene Klöster entzogen sie sich dem Zugriff Contarinis. Dieser wies seinerseits den Turiner Erzbischof an, auf einer Hochzeit der beiden zu bestehen. Stradella stimmte am 21. August 1677 einer Heirat zu. Am 10. Oktober entging er schwer verletzt einem gezielten Mordanschlag, worauf er in der französischen Botschaft Schutz suchte.

Nach seiner Genesung zog Stradella Anfang 1678 nach Genua, wo er von der Aristokratie mit offenen Armen empfangen wurde. Man zahlte ihm ein großzügiges Gehalt und stellte ihm ein Haus mit Diener und Kost zur Verfügung. In Genua begegnete er wieder Carlo Ambrogio Lonati, mit dem er schon in Rom zusammengearbeitet hatte und der inzwischen Impresario des zum Palazzo Reale gehörenden Teatro Falcone war. Stradella schrieb in dieser Zeit mehrere Opern für das Teatro Falcone sowie geistliche und weltliche Musik für die verschiedensten Einrichtungen in Genua. Für Herzog Francesco II. d’Este in Modena komponierte er 1681 das Oratorium La Susanna und im selben Jahr für den in Rom residierenden Flavio Orsini, Principe di Nerola, die Oper Moro per amore. Am 25. Februar 1682 wurde Stradella von einem Unbekannten auf der Straße niedergestochen, wo er noch am Tatort verstarb; die Beisetzung erfolgte einen Tag später in der Kirche Santa Maria delle Vigne in Genua. Die Gewalttat konnte trotz Verdächtigungen nie aufgeklärt werden.

Stradella war ein äußerst produktiver Komponist. Er schuf Werke nahezu aller Gattungen und überschritt dabei vielfach die Grenzen der musikalischen Konvention seiner Zeit. So gehörte er 1674 neben Massimiliano Neri zu den ersten Komponisten, die in der Gegenüberstellung von Soloviolinen und Violinchören die Bezeichnung Concertino und Concerto Grosso anwandten, eine Tradition, die später von Corelli, Torelli, Vivaldi und vielen anderen Komponisten fortgeführt wurde. Er arbeitete gemeinsam mit anderen Komponisten an dem Oratorium Santissimo Crocifisso.

Nachwirkung Musiktheater-Werke über Stradella Sein abenteuerliches Leben regte Friedrich von Flotow zur Komposition der in Hamburg uraufgeführten romantischen Oper Alessandro Stradella an. Auch die Kollegen Louis Niedermeyer, Philippe Auguste Alfred Pittaud de Forges und Paul Dupont sowie César Franck und Salvatore Sciarrino nahmen sich seiner bunten Biografie an.Manuel Brug: Er war der wildeste der Barockkomponisten in: Die Welt vom 22. November 2017. Die Werke in chronologischer Übersicht:

1837: Stradella. Comédie mêlée de chant in einem Akt von Auguste Pittaud de Forges und Paul Dupont (Uraufführung in Paris am 4. Februar 1837) 1837: Stradella. Oper von Louis Niedermeyer (Uraufführung in Paris am 3. März 1837) 1841: Stradella. Oper in drei Akten von César Franck (CFF 229) 1844: Alessandro Stradella. Oper in drei Akten von Friedrich von Flotow (Uraufführung in Hamburg) 1949: Stradella. Operette von Joseph Beer (Uraufführung am Stadttheater Zürich am 26. Februar 1949) 2017: Ti vedo, ti sento, mi perdo. Oper von Salvatore Sciarrino (Premiere an der Mailänder Scala)

The Stradella Project Das vom Musiker und Musikwissenschaftler Andrea De Carlo 2013 begründete The Stradella Project macht den Komponisten mit Aufführungen und weithin beachteten CD-Einspielungen, darunter vielen Ersteinspielungen, einem breiteren Publikum bekannt. Wesentlichen Anteil hierbei hat das seit 2005 bestehende Ensemble Mare Nostrum. Grundlage für die Interpretationen sind De Carlos wissenschaftliche Arbeiten zu Phonetik und Ästhetik italienischer Musik des 17. Jahrhunderts.

Stradella-Festival Das jährlich in Viterbo und Nepi stattfindende Festival Barocco Alessandro Stradella ist der historisch informierten Aufführung von Stradellas Kompositionen gewidmet. Unter der künstlerischen Leitung von Andrea De Carlo stehen Stradellas Werke im Dialog mit zeitgenössischen Kompositionen.

Werke Stradella schuf bemerkenswerte, Simfonia genannte Werke für ein und mehrere Streichinstrumente und Basso Continuo sowie Serenaden, Motetten, Madrigale, über 200 weltliche und geistliche Kantaten, sechs Oratorien und acht zu seiner Zeit sehr erfolgreiche Opern.

Alle bekannten Kompositionen In alphabetischer Reihenfolge – mit Nummerierung des Catalogo Gianturco-McCrickard

Kantaten Kantaten für Solostimme und Basso continuo G 1.1-1 – A che vale il sospirar (S [= Soprano], bc [= Basso continuo]) G 1.1-2 – A difender le mura dell’antica Sionne (S, bc) G 1.1-3 – Agli assalti del cieco volante (C [= Contralto], bc) G 1.1-4 – Amor, io son contento, né vuo’ gusto maggiore (S, bc) G 1.1-5 – Amorose mie catene, non vi chiedo libertà (S, bc) G 1.1-6 – A' piè d’annoso pino (S, bc) G 1.1-7 – A quel candido foglio (S, bc) G 1.1-8 – Arrest’il piè fugace (S, bc) G 1.1-9 – Aure, voi che spirate (S, bc) G 1.1-10 – Bella bocca, taci, taci (S, bc) G 1.1-11 – Ben è vile quel core (S, bc) G 1.1-12 – Che più speri, mio cor (S, bc) G 1.1-13 – Che vuoi più da me, Fortuna? (S, bc) G 1.1-14 – Chi dà fede alla speranza (S, bc) G 1.1-15 – Chi non sa che la bellezza (S, bc) G 1.1-16 – Chi non sa che la costanza (S, bc) G 1.1-17 – Ch’io nasconda il mio foco (S, bc) G 1.1-18 – Ch’io non ami, oh, questo no! (S, bc) G 1.1-19 – Congiurati a fiera guerra (C, bc) G 1.1-20 – Con un cor tutto pianti (S, bc) G 1.1-21 – Costanza, mio core, resisti se puoi (S, bc) G 1.1-22 – Crudi ferri, empi marmi (S, bc) G 1.1-23 – Dai legami amorosi (S, bc) G 1.1-24 – Dal guardo lusinghiero (S, bc) G 1.1-25 – Dalle sponde del Tebro (B [= Basso], bc) G 1.1-26 – Da mille pene a mille (S, bc) G 1.1-27 – Da una beltà superba (S, bc) G 1.1-28 – Deggio penar così (S, bc) G 1.1-29 – Difendetemi, pensieri, dagli influssi (S, bc) G 1.1-30 – Disperata rimembranza, lascia omai (S, bc) G 1.1-31 – Dopo aver soggiogato tutti i regni (T [= Tenore], bc) G 1.1-32 – Dopo incessante corso di lagrimoso umore (S, bc) G 1.1-33 – Dove aggiri, mia vita (S, bc) G 1.1-34 – Dove gite, o pensier? (S, bc) G 1.1-35 – Dove il Tebro famoso fa degli argentei flutti (S, bc) G 1.1-36 – Dove l’ali spiegate, ove indirizzate il volo (S, bc) G 1.1-37 – Ecco che già nell’Asia (S, bc) G 1.1-38 – Eccomi accinto, o bella (Br, bc) G 1.1-39 – Empio Amor, tiranno arciero (S, bc) G 1.1-40 – Eppur sempre a’ miei desiri (S, bc) G 1.1-41 – Ferma, ferma, ferma il corso (S, bc) G 1.1-42 – Fermatevi, o bei lumi (S, bc) G 1.1-43 – Figli, amici, Agrippina (S, bc) G 1.1-44 – Figli del mio cordoglio (S, bc) G 1.1-45 – Forsennato pensier, che far poss'io (S, bc) G 1.1-46 – Fuor della Stigia sponda (S, bc) G 1.1-47 – Genuflesso a tue piante (S, bc) G 1.1-48 – Già languiva la notte (S, bc) G 1.1-49 – Già le spade nemiche del trionfante Augusto (B, bc) G 1.1-50 – Giunto vivo alla tomba (S, bc) G 1.1-51 – Il destin vuol ch’io pianga (S, bc) G 1.1-52 – Il mar gira ne’ fiumi (S, bc) G 1.1-53 – Il penare per te, bella, m’è caro (S, bc) G 1.1-54 – Il più misero amante ch’in amorosa fiamma (S, bc) G 1.1-55 – Il più tenero affetto che mai destasse Amore (S, bc) G 1.1-56 – In quel sol che in grembo al Tago (S, bc) G 1.1-57 – In sì lontano lido a che dunque m’aggiro (S, bc) G 1.1-58 – Io che lasciato fui più che dagl’occhi altrui (S, bc) G 1.1-59 – Io non vuo’ più star così (S, bc) G 1.1-60 – Io vi miro, luci belle (S, bc) G 1.1-61 – L’anima incenerita ai rai del mio bel sole (S, bc) G 1.1-62 – La speranza del mio core sol voi siete (S, bc) G 1.1-63 – L’avete fatta a me (S, bc) G 1.1-64 – Lontananza e gelosia son tormenti (S, bc) G 1.1-65 – Mentre d’auree facelle adornavan le stelle (S, bc) G 1.1-66 – M’è venuto a fastidio lo sperare (S, liuto?, bc) G 1.1-67 – Noiosi pensieri, fuggite dal seno (S, bc) G 1.1-68 – Non avea il sole ancora dall’algosa magion (S, bc) G 1.1-69 – Non disserrate ancora avea le porte d’oro (S, bc) G 1.1-70 – Non me ne fate tante (B, bc) G 1.1-71 – Non mi curo di fedeltà (B, bc) G 1.1-72 – Non più piaghe al mio cor (C, bc) G 1.1-73 – Non sei contento ancora, o dispietato arciero (S, bc) G 1.1-74 – Non si creda alla fortuna (S, bc) G 1.1-75 – Non sperar, beltà lusinghiera (S, bc) G 1.1-76 – Ombre, voi che celate dell’etra i rai (S, bc) G 1.1-77 – O mio cor, quanto t’inganni (S, bc) G 1.1-78 – Or che siam soli, Amore (C, bc) G 1.1-79 – Per molti anni è stato occulto (S, bc) G 1.1-80 – Per pietà, qualche pietà (S, bc) G 1.1-81 – Piangete, occhi, piangete lungi da me (S, bc) G 1.1-82 – Pietà di Belisario, cieco, ramingo (T, bc) G 1.1-83 – Presso un rivo ch’avea d’argentato cristal (Ms, bc) G 1.1-84 – Pria di punir, crudele, chi mai sempre t’amò (S, bc) G 1.1-85 – Privo delle sue luci (S, bc) G 1.1-86 – Qual di cieca passione (S, bc) G 1.1-87 – Quando mai vi stancherete (S, bc) G 1.1-88 – Quando stanco dal corso (S, bc) G 1.1-89 – Sciogliete pur, sciogliete i vostri accenti (S, bc) G 1.1-90 – Scorrea lassù negli stellati campi (S, bc) G 1.1-91 – Se Nerone lo vuole, se lo soffron gli dei (S, bc) G 1.1-92 – Se Neron pur mi vuole morto (B, bc) G 1.1-93 – Se non parti, o Gelosia (S, bc) G 1.1-94 – Se t’ama Filli, o cor (S, bc) G 1.1-95 – Si, ch’io temo e non disamo (S, bc) G 1.1-96 – Si salvi chi può, vacillan le sfere (S, bc) G 1.1-97 – Soccorso, olà, Cupido (S, bc) G 1.1-98 – Soffro misero e taccio (S, bc) G 1.1-99 – Solca il mar da rie tempeste (S, bc) G 1.1-100 – Solcava incauto il legno (S, bc) G 1.1-101 – Son gradito, e pur m’affanno (S, bc) G 1.1-102 – Sono in dubbio d’amar (S, bc) G 1.1-103 – Son principe, son re (S, bc) G 1.1-104 – Sopra candido foglio, nuncio delle mie pene (S, bc) G 1.1-105 – Sopra tutte l’altre belle (S, bc) G 1.1-106 – Sopra un’eccelsa torre cui le nubi del ciel (B, bc) G 1.1-107 – Sotto l’aura d’una speme (S, bc)