Die HMS Illustrious (R87) war der erste von sechs Flugzeugträgern der Illustrious-Klasse, der Ende der 1930er-Jahre für die Royal Navy gebaut wurde.

Geschichte

Die Marinehaushalte der Jahre 1936 und 1937 sahen die Beschaffung von je zwei Flugzeugträgern vor. Admiral Sir Reginald Henderson, der für die Beschaffung zuständige Dritte Seelord, war entschlossen, nicht nur eine etwas modifizierte Variante der noch im Bau befindlichen Ark Royal zu beschaffen. Er war überzeugt, dass Flugzeugträger sich nicht durch ihre Flugzeuge verteidigen könnten, solange nicht ein zuverlässiges Frühwarnsystem zur Verfügung stand. Ohne ein solches System würden sie Angriffen von Landflugzeugen ausgesetzt sein, insbesondere in den zu erwartenden Einsatzgebieten, wie der Nordsee und dem Mittelmeer. Außerdem mussten die neuen Träger auch nach Angriffen, die Schäden verursacht hatten, noch einsatzbereit sein. Zudem waren die empfindlichen Flugzeuge zu schützen. Diese Forderungen konnten nur durch eine Panzerung des Hangars erreicht werden. Diese führte zu höheren Toppgewichten und erlaubte den Einbau nur eines Hangardecks, um den Trägern hinreichende Stabilität zu lassen. Gegenüber den bisherigen Trägern halbierte sich so auch die Zahl der möglichen Flugzeuge an Bord der Schiffe der Illustrious-Klasse. Man verringerte folglich das offensive Potential der Schiffe, um die Überlebensfähigkeit zu verbessern.Hobbs: S. 83.

Die Aufträge des Haushaltsjahrs 1936 gingen an Vickers-Armstrong und entstanden auf der Werft in Barrow-in-Furness bzw. zum High Walker Yard in Newcastle-on-Tyne.Friedman: British Carrier Aviation S. 139. Die Illustrious wurde am 27. April 1937 auf Kiel gelegt, am 5. April 1939 vom Stapel gelassen und durch Lady Henderson, die Ehefrau des Dritten Seelords, getauft.Hobbs: S. 90 Die Abnahme des Trägers verzögerte sich, da er mit einer neu entwickelten Radaranlage ausgestattet wurde, deren Installation den Einbau eines zusätzlichen Masts hinter der Insel erforderlich machte.Lyon: S. 227. Die Abnahmetests erfolgten in der Irischen See, und am 25. Mai 1940 folgte die Übernahme des Trägers durch die Royal Navy. Statt vor Dakar ging der Träger zum work-up in die Karibik. Die Flugzeuggruppe umfasste die Staffeln 815 und 819 mit zusammen 21 Fairey-Swordfish-Torpedobombern, die auch für Aufklärungsaufgaben eingesetzt wurden, und die Jagdstaffel 806 mit vorerst neun Jagdflugzeugen (vier Blackburn Skua und zwei Blackburn Roc sowie drei Fairey Fulmar). Der Kriegseinsatz des Schiffes sollte im Mittelmeer erfolgen.Brown: HMS Illustrious. S. 241f.

Mittelmeer mini|links|Die beschädigte Schiffsglocke der Illustrious im Kriegsmuseum auf Malta|181x181px Aufgrund des Kriegeintritts von Italien wurde die Illustrious im August 1940 zur Mittelmeerflotte unter dem Kommando von Admiral Cunningham abkommandiert, wo sie an Versorgungsoperationen für Malta teilnahm. Mit dem Beginn von Operation Hats am 29. August vereinigte sich die Force F (bestehend aus der Valiant, der Illustrious und den Kreuzern Calcutta und Coventry) mit der Mittelmeerflotte (bestehend aus der Eagle und den Schlachtschiffen Malaya, Warspite, dem 3. und 7. Kreuzergeschwader sowie 13 Zerstörern) um den Konvoi MF.2. Dieser umfasste drei Frachter mit 36.000 t Nachschub, darunter Verstärkung und Munition, und sollte nach Malta geleitet werden.Woodman: Malta Convoys 1940–1943 61ff. Bei der Rückkehr teilte Cunningham seine Flotte in Force I (bestehend aus der Illustrious, der Warspite, der Valiant, der Calcutta und sieben Zerstörern) und Force E (bestehend aus der Malaya, der Eagle, der Coventry und den restlichen Zerstörern). Während Force E sich von Süden her Kreta nähern sollte, erhielt Force I den Befehl, eine Position nordöstlich bei Dodekanes einzunehmen. Dort sollten die Schiffe einige Tage lang patrouillierten, in der Hoffnung, die italienische Marine abzufangen, falls diese die italienische Armee bei ihrer Invasion in Griechenland unterstützte. Zwar konnten Flieger der Illustrious und der Eagle den Flugplatz von Maritza auf Rhodos angreifen, doch kam es zu keinem weiteren Kontakt.Rohwer: S.37f.

Am 15. September 1940 liefen Teile der Mittelmeerflotte aus, um mit den Flugzeugen der Illustrious Bengasi anzugreifen. Der Angriff der Trägerflugzeuge erfolgte in der Nacht zum 17. September mit Minen und Bomben. Der Zerstörer Borea und zwei Frachter wurden durch Bombentreffer versenkt, weitere Schiffe, darunter die Aquilone, liefen auf Seeminen und sanken.Rohwer: Seekrieg. 13.–19.9.1940, Nordafrika Vom 8. bis zum 14. Oktober begleitete die Illustrious den Konvoi MF.3 von Alexandria nach Malta und die Konvois ME.4 und AS.4 von Malta und Griechenland nach Alexandria. Dabei attackierten mehrere Swordfish den Hafen von Lakki auf Leros.McCart: The Illustrious & Implacable Classes of Aircraft Carrier 1940–1969. S. 14.

Den Gegenangriff italienischer Torpedoboote und Zerstörer wehrte der Kreuzer Ajax ab; er versenkte zwei Torpedoboote und beschädigte weitere Einheiten. Ein Sunderland-Flugboot entdeckte die schwerbeschädigte Artigliere im Schlepp des Schwesterschiffs Camicia Nera. Am 13. konnten noch drei Swordfish der Illustrious heranführt werden, die jedoch keine Treffer erzielten. Erst die Annäherung des Kreuzers York führte zur Aufgabe der Artigliere. Am Abend des 14. griffen italienische Torpedoflugzeuge den britischen Verband an und erzielten einen schweren Treffer auf der Liverpool. In der Nacht zum 25. griffen vierzehn Flugzeuge der beiden britischen Träger Tobruk mit Bomben an und verminten erneut die Hafeneinfahrt.Rohwer: Seekrieg. 24.–25.10.1940, Mittelmeer Vom 29. Oktober bis zum 2. November sicherte die Illustrious mit der Mediterranean Fleet die Landung britischer Heeres- und Luftwaffenstreitkräfte auf Kreta.Rohwer: Seekrieg. 29.10.–2.11.1940, Mittelmeer, Landung brit. Heeres- und Luftwaffenstreitkräfte auf Kreta.

Angriff auf Tarent

Um das Kräfteverhältnis im Mittelmeer zugunsten der Briten zu beeinflussen, entwickelte Konteradmiral Lumley Lyster einen Angriffsplan auf den Hafen von Tarent. Der Angriff sollte am 21. Oktober durchgeführt werden, dem Jahrestag des britischen Sieges in der Schlacht von Trafalgar. Mehrere Zwischenfälle sorgten jedoch dafür, dass der Angriff auf den 11. November verschoben werden musste. An diesem Tag gegen 18:00 Uhr stach die Illustrious zusammen mit der York, der Gloucester, der Hyperion, der Hasty, der Havock und der Ilex in See. Gegen 21:00 Uhr hatte sie eine Position etwa 270 km südöstlich von Tarent eingenommen.Miller: War at the Sea. S. 120ff. Kurz darauf startete die erste Angriffswelle, bestehend aus zwölf Swordfish-Maschinen. Gegen 22:58 Uhr erreichte die erste Welle den Hafen und teilte sich in zwei Gruppen. Die sechs mit Torpedos bestückten Maschinen erzielten einen Treffer auf der Conte di Cavour sowie je einen Treffer auf der Littorio. Die Andrea Doria und die Vittorio Veneto wurden verfehlt. Die zweite Welle, die eine Stunde später gestartet war, erreichte nun den Hafen und bombardierte einen Treibstofftank sowie die Caio Duilio.Geene, Massignani: The naval war in the Mediterranean 1940–1943. S. 106f.

mini|Die HMS Illustrious (R87) in der Werft von Norfolk im November 1941Am 7. Januar 1941 geleitete die Illustrious im Rahmen von Operation Excess einen weiteren Versorgungskonvoi nach Malta.Rohwer: S. 54. Dabei wurde sie am Morgen des 10. von Junkers Ju 87R der I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 1 (I./StG 1) und der II./StG 2 unter dem Kommando von Paul-Werner Hozzel angegriffen. Schwer beschädigt durch acht Bombentreffer lief sie zu Reparaturarbeiten nach Malta. Da ihre Maschinen nur sehr langsame Fahrt machen konnten (18 Knoten) und sie durch den Rauch des Feuers weithin sichtbar war, konnten die Italiener weitere Angriff auf das Schiff starten. Gegen 22:15 Uhr erreichte die Illustrious ihren Ankerplatz, und um 3:00 Uhr morgens waren sämtliche Feuer an Bord gelöscht. Obwohl sie am 16. und 19. Januar weiteren Angriffen ausgesetzt war, konnte sie Malta am 23. Januar verlassen und erreichte ohne weitere Zwischenfälle am Mittag des 25. Januar Alexandria. Dort wurden weitere Reparaturen vorgenommen, um sie für eine Überfahrt nach Virginia vorzubereiten. Am 20. März verließ das Schiff Port Suez und erreichte die Marinewerft von Norfolk am 12. Mai, wo das Schiff überholt und die Unterwasserschäden behoben werden sollten.Brown: S. 246.

1942: Einsatz im Indischen Ozean mini|links|Die Illustrious nach der Kollision mit der Formidable auf dem Rückmarsch aus den USA Erst im März 1942 war die Illustrious wieder einsatzbereit und wurde nun in den Indischen Ozean verlegt, da Japan inzwischen auf Seiten der Achsenmächte in den Krieg eingetreten war. Auf der Fahrt zum Indischen Ozean kam es vor dem Erreichen von Freetown zu einem Feuer an Bord, bei dem zehn Swordfish und eine Fulmar an Bord verbrannten und vier Seeleute starben. Einige Wochen später nahm sie zusammen mit der Indomitable an der Operation Ironclad, der Landung der Alliierten im von Vichy-Frankreich kontrollierten Madagaskar in Diego Suarez teil. Am 5. Mai versenkten Flugzeuge der beiden Träger das vichyfranzösische U-Boot Bévéziers.

1943: Erneuter Einsatz im Mittelmeer Am 5. August 1943 verließ das Schiff die Home Fleet, um im Mittelmeer die beschädigte Indomitable zu ersetzen. Dabei geleitete die Illustrious die Queen Mary mit Winston Churchill an Bord auf dem Weg nach Quebec, bis diese außerhalb der Reichweite der deutschen Luftwaffe war. Anschließend setzte der Träger seine Fahrt nach Gibraltar fort, wo er sich Force H anschloss. Zusammen mit der Formidable wurde der Träger am 21. August nach Malta verlegt, um die geplante Landung der Alliierten in Salerno im September 1943 (Operation Avalanche) gegen ein Eingreifen der italienischen Flotte abzusichern. Auf der Fahrt zur Sicherungsposition wurde der britische Verband in der Nacht zum 9. September von 30 deutschen Torpedobombern angegriffen, deren Angriff im Flakfeuer der beiden Träger, der Schlachtschiffe Nelson und Rodney sowie des Sicherungsschirms scheiterte.Brown: S. 254. Die Flugzeuggruppe der Illustrious umfasste bei dem Einsatz zur Sicherung von Avalanche erstmals 50 Maschinen (Staffel 810 mit zwölf Fairey Barracuda II, Staffeln 878 und 890 mit 28 Martlet V sowie Staffel 894 mit zehn Supermarine Seafire L.IIc). Die Seafires mussten an Deck geparkt werden, da sie nicht über beiklappbare Tragflächen verfügten. Schon am 12. wurde die Illustrious von der Aufgabe abgezogen. In den drei Tagen Einsatz hatten ihre Jagdflugzeuge 214 Einsätze ohne einen Verlust oder Unfall geflogen. Sechs ihrer Seafires wurden an den Leichten Träger Unicorn abgegeben und waren dann auch von einem der ersten Landestreifen im Landungsbereich im Einsatz. Ein weiterer Einsatz des Trägers beim geplanten Dodekanes-Feldzug wurde zeitweise erwogen. Ende September verlegte die Illustrious mit der Formidable wieder nach Großbritannien, wo die Illustrious am 29. Oktober in Birkenhead in die Werft kam, um für einen künftigen Einsatz bei der Eastern Fleet hergerichtet zu werden. Sie wurde für den Einsatz von Chance-Vought F4U-1B Corsair II hergerichtet, das Katapult wurde für die Nutzung durch vollbeladene Barracudas verstärkt, das Flugdeck erneut etwas verlängert und ein zusätzliches Paar kraftgesteuerter Oerlikon-Zwillinge installiert.

1944: Einsatz im Pazifik/Indischen Ozean