mini|300px|Stadtkern mit See aus der Luft mini|300px|Waldsee um 1910

Bad Waldsee (bis 1956 Waldsee) ist eine baden-württembergische Große Kreisstadt in Oberschwaben im Landkreis Ravensburg mit 20.838 Einwohnern. Es ist ein Mittelzentrum der Region Bodensee-Oberschwaben. Der Mittelbereich Bad Waldsee umfasst zudem die Stadt Aulendorf als Unterzentrum und die Gemeinde Bergatreute.

Bad Waldsee ist Moorheilbad und Kneippkurort. 926 erstmals erwähnt und 1298 zur Stadt erhoben, ist Bad Waldsee überregional bekannt für die historische Altstadt mit ausgedehnter Fußgängerzone und Rundweg um den Stadtsee. Es ist eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fasnet. So trägt die Narrengilde Schussentäler Reute aus der Teilgemeinde Reute-Gaisbeuren die Fasnet weit über die Ortsgrenzen hinaus.

Bad Waldsee liegt an der Schwäbischen Bäderstraße, der Oberschwäbischen Barockstraße, dem Oberschwäbischen Pilgerweg und dem Jakobsweg.

Berühmte Persönlichkeiten der Stadt sind die Mystikerin Elisabeth Achler, der Bauern-Jörg und der Reformator Jacob Schenck.

Geographie Lage Bad Waldsee liegt in Oberschwaben nördlich des Altdorfer Waldes auf 584 bis . Die Altstadt erstreckt sich auf einer Landenge zwischen zwei Seen, dem Stadtsee (Osten; ), der von dem aus Richtung Süden kommenden Urbach gespeist wird, und dem etwas kleineren Schlosssee (Westen), in den der vom Stadtsee kommende Pfaffenbach mündet und der durch die nach Westen fließende Steinach entwässert. Beim nordwestlichen Stadtteil Michelwinnaden entspringt einer der beiden Quellbäche des Donau-Zuflusses Riß.

Stadtsee Der Stadtsee kann neben der historischen Altstadt als „Visitenkarte“ von Bad Waldsee angesehen werden. Seit 1952 gibt es einen durchgehenden Uferweg. Der See liegt mitten in der Stadt und wird auch vom städtischen Freibad genutzt. Der städtische Ruderverein benutzt ihn als Trainingsgewässer, außerdem gibt es eine Bootsvermietung. Der See ist Eigentum der Stadt und wird vom örtlichen Fischereiverein bewirtschaftet.

Der Stadtsee Bad Waldsee ist ein natürlicher See mit einer Wasserfläche von 14,5028 Hektar. Sein Einzugsgebiet umfasst 11.975 Hektar. Die maximale Tiefe des Sees beträgt 10,7 Meter, die mittlere Tiefe liegt bei 6,7 Metern, was einem Volumen von 939.600 Kubikmetern entspricht. Sein mittlerer Pegel liegt bei 583,07 m ü. NN. Der Hauptzulauf erfolgt über den Urbach, während der Ablauf über den Schlosssee in die Steinach und weiter über die Schussen in den Bodensee führt. Der angestrebte und aktuelle Zustand des Sees entspricht der Trophiestufe 2. Entstanden ist der See vor rund 16.000 Jahren bei der letzten Kaltzeit, der Würm-Kaltzeit.

Der Stadtsee war zuletzt Gegenstand intensiver Forschung im Rahmen eines DFG-Projekts zum Einfluss städtischer Entwicklung auf Gewässer. Das interdisziplinäre Projekt erforschte hierbei den Einfluss des Menschen auf die Umwelt in Mittelalter und früher Neuzeit, um unter anderem Klimamodelle weiter zu präzisieren.

Schlosssee Der Schloßsee liegt ebenfalls mitten in der Stadt und hat eine Wasserfläche von 5,3 Hektar. Hydrologisch betrachtet beträgt sein Einzugsgebiet 2.086 Hektar, die maximale Tiefe 6,5 Meter und die mittlere Tiefe 3,1 Meter, was einem Volumen von 163.000 Kubikmetern entspricht. Der Hauptzulauf erfolgt über die Steinach vom Stadtsee, während der Ablauf ebenfalls in die Steinach mündet, die weiter in die Schussen und schließlich in den Bodensee fließt. Der aktuelle Zustand des Sees wird mit der Trophiestufe e1 angegeben, angestrebt wird die Stufe m. Der Schloßsee entstand gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 16.000 Jahren. Touristisch ist er kaum erschlossen, da es nur wenige öffentliche Zugänge zum Seeufer gibt. Der See befindet sich im Besitz des fürstlichen Hauses Waldburg-Wolfegg.

Stadtgliederung mini|Haisterkirch von Südosten Zu Bad Waldsee selbst gehören Steinach und die Weiler Englerts, Graben, Haslanden, Hifringen, Hopfenweiler, Kohhaus, Mattenhaus, Reichertshaus, Schellenberg, Schlupfen, Steinenberg und Wasserstall sowie einige Höfe. Reute ist seit 1971 Ortsteil der Stadt Bad Waldsee. Zu Reute gehören die Wohnplätze Durlesbach, Greut, Magenhaus, Obermöllenbronn, Untermöllenbronn, Stadel und Tobel (2400 Einwohner). Gaisbeuren mit den Wohnplätzen Ankenreute, Arisheim, Atzenreute, Dinnenried, Enzisreute, Haldenhof, Haldensäge und Kümmerazhofen (1785 Einwohner). (Seit 2014 sind die Gemeinden Reute und Gaisbeuren unter einer Gemeindeverwaltung zu Reute-Gaisbeuren zusammengeschlossen worden. Der Verwaltungssitz blieb in Gaisbeuren.) Haisterkirch mit den Wohnplätzen Bäuerle, Im Heustöckle, Hittelkofen, Hittisweiler, Osterhofen, Kurzes, St.-Magnushof und Ehrensberg (Eingemeindung auf die Gemarkung Haisterkirch: 1977) (1433 Einwohner). Michelwinnaden mit den Wohnplätzen Michelberg und Lenatweiler (618 Einwohner). Mittelurbach mit den Wohnplätzen Mennisweiler, Neuurbach, Oberurbach, Seeden, Unterurbach, Volkertshaus, Vorderurbach und Wolpertsheim (1347 Einwohner).

Nachbargemeinden Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Bad Waldsee (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Ingoldingen, Eberhardzell (beide Landkreis Biberach), Bad Wurzach, Wolfegg, Bergatreute, Baindt, Wolpertswende und Aulendorf (alle Landkreis Ravensburg)

Flächennutzung Die folgende Tabelle zeigt einen Überblick über den prozentualen Flächenverbrauch auf dem Stadtgebiet im zeitlichen Verlauf.

+ Flächennutzung in Bad Waldsee Art der Nutzung 1996 2000 2004 2008 2012 2016 2023 Entwicklung 1996–2023Wohnbaufläche2,6 % 2,7 % 2,9 % 3,1 % 3,1 % 3,3 % 3,4 % +0,8 %Industrie und Gewerbebau1,0 % 1,1 % 1,4 % 1,5 % 1,6 % 1,6 % 1,6 % +0,6 %Freizeit, Sport, Erholung1,0 % 1,5 % 1,7 % 1,8 % 1,8 % 1,8 % 1,8 % +0,8 %Verkehrsflächen4,1 % 4,1 % 4,5 % 4,5 % 4,5 % 4,5 % 4,6 % +0,5 %Landwirtschaft59,0 % 58,1 % 57,2 % 56,9 % 56,7 % 56,5 % 56,3 % −2,7 %Forstwirtschaft28,3 % 28,3 % 28,4 % 28,4 % 28,4 % 28,4 % 28,4 % +0,1 %Gewässer0,8 % 0,8 % 0,9 % 0,9 % 0,9 % 0,9 % 0,9 % +0,1 %

Geschichte Mittelalter Die erste geschichtlich fassbare Form des heutigen Ortsnamens Waldsee lautet Walahse. Dieser sogenannte „Walchenname“ bedeutet Walchsee oder Walchensee, wobei die landnehmenden Alemannen mit Walchen eine keltoromanische Bevölkerung bezeichneten, die sie an den beiden Seen siedelnd antrafen. Walchsee ist demnach als „See der Fremden“ zu deuten. Der keltoromanische Bevölkerungsrest dürfte von den Alemannen eher aufgenommen und integriert als vertrieben worden sein. Name und Ort Walahse sind in einem Güter- und Einkünfteverzeichnis (Urbar) der Benediktinerabtei Weißenburg im Elsaß eingetragen. Das Urbar wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hergestellt und enthält Einträge, die auf Quellen des Frühmittelalters basieren. Die enthaltenen Einträge zu Waldsee, Haisterkirch und Reute lassen sich in die Zeit bald nach dem Jahr 926 einreihen, da die Quelle den ins Jahr 926 gehörenden verheerenden kriegerischen Einfall der heidnischen Ungarn in den Bodenseeraum dokumentiert. Zu Waldsse heißt es konkret: „In Walahse ist ein ein Herrenhof von den Heiden verwüstet worden. Zu ihm gehören zwei Huben Ackerland, 60 Karren Wiesenheu, eine Mühle und eine Kirche“. Waldsee war, wie weitere Geschichtsquellen dokumentieren, wahrscheinlich von der Mitte des 9. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts Mittelpunkt einer durchaus umfänglichen Grundherrschaft der Abtei Weißenburg in Oberschwaben. Dieser Besitzkomplex dürfte der Abtei Mitte des 9. Jahrhunderts vom ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen übertragen worden sein.

In den Auseinandersetzungen des sogenannten Investiturstreits während der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ging der oberschwäbische Besitzkomplex für Weißenburg verloren, wobei das Hochadelsgeschlecht der Welfen Waldsee und seine Umgebung unter seine Herrschaft bringen konnte. Im Jahr 1171 sind erstmals die Ortsadeligen Herren von Wallsee als Dienstmannen (Ministerialen) der Welfen fassbar. Zehn Jahre später fallen Waldsee und die Herren von Wallsee im Zuge der staufisch-welfischen Erbeinigung an die Staufer. Das dokumentiert ein Privileg Kaiser Friedrichs I. Barbarossa vom 12. Mai 1181, mit dem der Kaiser ein Augustiner-Chorherrenstift in Waldsee errichtet hat.Württembergisches Urkundenbuch, Band 2, 1858, S. 214 Obwohl Friedrich I. bestimmte, dass die Herren von Wallsee (und damit auch der Ort Waldsee) unter die Herrschaft des (staufischen) Herzogs von Schwaben fallen sollten, ging die Entwicklung dahin, dass die Wallseer später der Ministerialität der Kaiser und Könige angehörten. Die Reichsministerialen von Wallsee schlossen sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts König Rudolf I. (von Habsburg) an und schließlich in die Dienste seines Sohnes, Herzog Albrechts I. von Österreich. Als Albrecht I. zum römisch-deutschen König erwählt wurde und u. a. mit Hilfe der Wallseer seine Herrschaft im Reich durchsetzen konnte, erwirkten die Wallseer, dass er dem Ort Waldsee 1298 das Ravensburger Stadtrecht verlieh. Dieser Stadtrechtsverleihung war ein längerer Stadtwerdungsprozess vorangegangen. Zu 1283 wird etwa eine Ummauerung der Ortschaft erwähnt, am Beginn des 15. Jahrhunderts wurde eine Stadterweiterung vollzogen, als die Wurzacher Vorstadt einbezogen und ummauert wurde. Der alsbald errichtete Wurzacher Torturm wurde als einziger der drei Tortürme Waldsees im 19. Jahrhundert nicht abgerissen und zählt heute zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Die Herren von Wallsee fanden seit dem Ausgang des 13. Jahrhunderts ihr Betätigungsfeld überwiegend in den österreichischen Herzogtümern, wo sie vier Linien begründeten, und verloren das Interesse an ihrer oberschwäbsichen Herrschaft, die sie 1331 an die Herzöge von Österreich verkauften. Die Stadt Waldsee gehörte fortan bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zum Haus Österreich.

1352–1375 Verpfändung der Stadt an die Grafen von Hohenberg und von Lupfen.

1386 verpfändete das Haus Habsburg die Stadt Waldsee an den Truchsess Johannes II. von Waldburg, woraufhin es zu Aufständen der Bürger kam. Der Truchsess setzte sich durch und erlegte der Stadt einen jährlichen Treueschwur auf.

1386 Stadtbrand

1397 Bau des Gewandhausesmini|Waldsee, 1834

1406 wurde die Pfandherrschaft der Waldburger erneuert, als die Habsburger Waldsee zusammen mit Mengen, Riedlingen, Munderkingen und Saulgau endgültig verpfändeten. Seit dieser Zeit ist der Zwangsbund dieser fünf Städte auch als Fünf vorderösterreichische Donaustädte bekannt. 1415 kam es zum zweiten Aufstand der Bürger gegen die Herrschaft des Truchsessen, der mit Waffengewalt niedergeschlagen wurde. 1426–1428 wurde das Rathaus errichtet. Siehe auch: abgegangene Burg Waldsee und Burgrest Neuwaldsee.

ca. 1480 Bau der FrauenbergkapelleJohann Daniel Georg von Memminger (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Waldsee (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886, Band 10). Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart / Tübingen 1834, S. 81–99; Volltext (Wikisource).

1487 wurden im Bereich des Ravensburger Tors 14 Häuser durch einen Brand zerstört.

Im Frühen 15. Jahrhundert wurden Kornhaus und Waaghaus erbaut.

Ab 1550 Bau des „Alten“ Schlosses durch Truchsess Georg IV.

Neuzeit bis zum 18. Jahrhundert Klosterschüler brachen nach Wittenberg auf, um bei Luther zu studieren, darunter der 1508 in Waldsee geborene Jakob Schenk, der später in Freiberg die Reformation durchsetzte. Zwei Augustiner-Chorherren schlossen sich der Reformation an, einer davon Johannes Willing, späterer Prediger in Ulmer Münster. 1530 wurde der Versuch von elf Schweizer Wiedertäufern gewaltsam beendet, die Stadt zu reformieren und die weltliche Herrschaft abzuschaffen. Der Propst wandte sich an seinen Vogt, den Truchsess Georg  III. Seine Reiter wurden auf dem Kirchplatz ermordet, daraufhin alle Schweizer auf dem Galgenbühl geköpft. Die Bürger von Waldsee wurden verschont.

1575 wurde das Gebäude des Spitals durch einen Brandfall beschädigt. mini|Stiftskirche Bad Waldsee