mini |Max Jacob im Jahr 1934Fotografie von Carl Van Vechten, aus der Van Vechten Collection der Library of Congress Max Jacob (auch: Jakob; * 12. Juli 1876 in Quimper; † 5. März 1944 im Sammellager Drancy) war ein französischer Dichter, Maler und Schriftsteller.

Leben

mini|hochkant|Max Jacob: Selbstporträt, 1901Max Jacob, cet inconnu www.cairn.info, abgerufen am 11. Juli 2022 Jacob verbrachte seine Jugend in der westfranzösischen Stadt Quimper. In seiner fiktiven Autobiographie, dem als Vorwort geplanten Abschnitt seines Romans Saint Matorel, beschreibt er sich als „an der Grenze der Bretagne“ geboren und „fünf Jahre als Matrose“ zur See gefahren.Picasso: Die Sammlung Ludwig; Zeichnungen, Gemälde, Plastische Werke; hrsg. von Evelyn Weiss in Verb. mit Maria Teresa Ocaña, Prestel, München 1992, ISBN 3 7913 1235 9, Tafel 13

mini|hochkant|Amedeo Modigliani: Porträt von Max Jacob, Öl auf Leinwand, 1916 Danach ließ sich Jacob in Paris nieder und entschied sich 1897 für eine künstlerische Laufbahn. Er besuchte häufig das Künstlerviertel Montmartre und lebte im Quartier Montparnasse. Hier frequentierte er das Künstlerlokal Le Lapin Agile. Am Boulevard Voltaire teilte er sich mit Pablo Picasso ein Zimmer. Durch ihn lernte er Guillaume Apollinaire kennen, durch den er Kontakte zu Jean Cocteau, Christopher Wood und Amedeo Modigliani knüpfte. Letzterer porträtierte ihn mehrmals. Jacob war auch mit dem späteren Politiker und Widerstandskämpfer Jean Moulin, der damals unter dem Pseudonym Romanin bekannt war, befreundet.

Im Jahre 1915 konvertierte Max Jacob vom Judentum zum Katholizismus. Dazu bewog ihn nach eigener Aussage eine Vision: „Es war Gott, der kam… Welche Schönheit! Eleganz und Milde! Seine Schultern, sein Gang! Er trägt einen Mantel aus gelber Seide mit blauen Ärmelaufschlägen. Er dreht sich um, und ich sehe dieses friedvolle und strahlende Antlitz…“

Max Jacobs künstlerisches Werk stellt eine wichtige Verbindung zwischen den Symbolisten und Surrealisten dar, deutlich wird das beispielsweise in seinen Prosagedichten Le cornet à dés (1917) und in seinen Gemälden, die 1930 und 1938 in New York ausgestellt wurden. mini|hochkant|Max Jacobs Grabstätte

Nachdem Jacob von 1921 bis 1928 ein zurückgezogenes Leben im Benediktinerkloster in Saint-Benoît-sur-Loire geführt, einige Reisen unternommen und sich kurzzeitig in Paris aufgehalten hatte, kehrte er 1936 in das Kloster zurück.

Am 24. Februar 1944 wurde Max Jacob nach dem Besuch der Morgenmesse von der Gestapo verhaftet und in das Gefängnis von Orléans gebracht. Zuvor waren bereits sein Bruder, seine Schwester und ihr Ehemann nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden. Jacob wurde später in das Sammellager Drancy gebracht. Jean Cocteau und Sacha Guitry hatten sich für eine Freilassung eingesetzt.Willi Winkler: Angewandter Augustinismus. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 117, 22. Mai 2020, S. 11.

In Drancy starb Max Jacob am 5. März 1944 an einer Lungenentzündung. Zunächst in Ivry-sur-Seine begraben, wurde sein Leichnam nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1949 auf Veranlassung seiner Freunde Jean Cassou, Picasso und René Iché auf den Friedhof von Saint-Benoît-sur-Loire überführt.

Im Jahr 2026 erschienen mit Olivier Rasimis Saint Max (Actes Sud) und Philippe Douroux' Max Jacob et le jeune SS (Flammarion) zwei literarische Annäherungen an Jacobs Verhaftung und Tod im Sammellager Drancy 1944, die sich in Form und Deutung grundlegend unterscheiden. Rasimi erzählt Jacobs Leben und Tod als hagiografisch geprägten, in vierzehn „Stationen“ gegliederten Passionsbericht, der die religiöse Konversion und mystische Erfahrungen des Dichters in den Mittelpunkt stellt, während Douroux in einer dokumentarischen Doppelbiografie Jacobs Schicksal mit dem des jungen Dichterschülers Jacques Évrard verschränkt, der später in die Waffen-SS-Division Charlemagne eintrat. In der Literaturkritik werden beide Bücher als komplementäre, einander ergänzende Zugänge gelesen, von denen der eine die religiöse Innerlichkeit, der andere die bürokratische und ideologische Dimension von Jacobs Tod erschließt.

Siehe auch Liste der vom NS-Regime verfolgten Kunstschaffenden der Bildenden Kunst

Werke Bilder

Liste

1910: Apollinaire et sa muse 1911: La Côte 1912: Œuvres burlesques et mystiques de Frère Matorel 1914: Le Siège de Jérusalem‚ grande tentation céleste de Frère Matorel 1917: Le Cornet à dés 1918: Le phanérogame 1919: La Défense de Tartufe 1920: Cinématoma 1921: Le laboratoire central 1921: Le Roi de Béotie 1922: Le Cabinet noir 1922: Art Poétique 1923: Filibuth ou la Montre en or 1923: Le Terrain Bouchaballe 1924: Visions infernales 1924: L’Homme de chair et l’Homme reflet 1925: Les Pénitents en maillots roses 1927: Le fond de l'eau 1929: Le tableau de la Bourgeoisie 1931: Rivage 1932: Bourgeois de France et d'ailleurs 1938: Ballades

Veröffentlichungen

Saint-Matorel. Galerie Kahnweiler, Paris 1911. Deutsche Erstausgabe: Saint-Matorel. Roman. Mit vier Radierungen von Pablo Picasso. Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort von Una Pfau. Osburg, Hamburg 2020, ISBN 978-3-95510-214-2, Rezension. Le Cornet à Dés, Le Cornet à II, Derniere Poèmes. Éditions Gallimard, Paris 1945, 1955, 1961. Deutsche Ausgabe: Der Würfelbecher. (= Bibliothek Suhrkamp, Band 220.) Gedichte in Prosa. Aus dem Französischen übersetzt und mit einer Nachbemerkung von Friedhelm Kemp. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968, Rezension.Marianne Kesting: Max Jacob, der mystische Clown. In: Die Zeit, Nr. 36, 28. August 1970, S. 16. Conseils à un jeune poète. Éditions Gallimard, Paris 1945. Erste deutsche Ausgabe: Ratschläge für einen jungen Dichter. Aus dem Französischen übersetzt von Friedhelm Kemp. Mit 27 Offsets von Horst Antes nach dem Zeichenalphabet der Stummen. Kösel, München 1969. Zweite deutsche Ausgabe: Ratschläge für einen jungen Dichter. Aus dem Französischen übersetzt und mit einer Nachbemerkung von Friedhelm Kemp. Alexander, Berlin 1985, ISBN 3-923854-16-1.

Literatur

André Billy: Max Jacob. Une étude. Nachdruck der Ausgabe Lyon 1945 bei Seghers, Paris 1956. Béatrice Mousli: Max Jacob. Flammarion, Paris 2005, ISBN 2-08-06-8074-9.

Tobias Wyss: Dialog und Stille. Max Jacob. Giuseppe Ungaretti. Fernando Pessoa. Dissertation Universität Zürich 1969. Juris Druck und Verlag Zürich, Zürich 1969. Rosanna Warren: Max Jacob: a life in art and letters. W. W. Norton & Company, New York 2020, ISBN 978-0-393-07885-5.

Filme

2007: Monsieur Max. Spielfilmbiografie, Frankreich; Regie: Gabriel Aghion; mit Jean-Claude Brialy

Weblinks

Kurzbiografie zu Max Jacob Gedichte von Max Jacob biokritische Seite über Max Jacob (französisch) Association les Amis de Max Jacob (französisch) Max Jacob & ses amis: Ausstellung im Musée des beaux-arts Quimper

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Mort pour la France Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1876 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann