mini|Fahrzeug der V8-Star-Serie mit Lexus-Hülle mini|Irmscher Omega V8 Star Die V8-Star (eigentlich: V8-S.T.A.R. für Silhouette Touring Automobile Racing) war eine zwischen 2001 und 2003 stattfindende herstellerunabhängige deutsche Tourenwagen-Meisterschaft mit Silhouettefahrzeugen. Fahrgestelle und Motoren waren bei allen Fahrzeugen gleich.
Die Rennfahrzeuge hatten keine technischen Gemeinsamkeiten mit einem Serienfahrzeug. Es gab zwar unterschiedliche Karosserien – sogenannte Silhouetten aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die dem Aussehen von diversen Mittelklassemodellen nachempfunden waren – aber technisch gab es bei allen Tourenwagen keine Unterschiede.
Geschichte Die V8-Star Serie war als herstellerunabhängige Rennserie für private Teams bescheiden gestartet und wurde schnell zu einer der populärsten Rennserien im deutschen Motorsport. Doch aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten kam es letztlich zu einem plötzlichen Ende der Serie nach nur 3 Jahren.
Hintergrund und Motivation Die Idee zur V8-Star entstand zum Ende der STW-Meisterschaft. Der deutsche Tourenwagensport steuerte in eine ungewisse Zukunft. Die einstige Top-Tourenwagen Serie, die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft, existierte schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Die STW-Meisterschaft konnte als 2. Liga des Tourenwagensports die DTM nie ersetzen und stand Ende 1999 auch vor dem Aus. Dazu steckten die Planungen für eine neue DTM noch in den Kinderschuhen. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich die Idee, eine herstellerunabhängige Tourenwagen-Serie mit Einheitschassis nach dem NASCAR-Vorbild aufzubauen.
Auf der Essen Motor Show 1999 präsentierten der frühere Ford-Motorsportchef Lothar Pinske, BMW-Ingenieur Thomas Ammerschläger und der frühere Rennfahrer und AMG-Berater Dieter Glemser dem ehemaligen DTM-Pilot Altfrid Heger ihren Plan. Heger spielte bei dem Aufbau der V8-Star eine zentrale Rolle, da er sich beruflich vom Rennfahrer hin zu einem Motorsport-Manager orientierte. Er konnte die Essener Hopf-Holding mit den zwei Halbbrüdern Stephan Holthoff-Pförtner und Frank D. Holthoff als Gesellschafter gewinnen, die nicht nur aufgrund ihrer Motorsport-Leidenschaft viel Geld in das Projekt V8-Star investierten. Sie sahen das Potential, mit dem auf mindestens 5 Jahre ausgelegten Projekt langfristig Geld zu verdienen. Als Geschäftsführer konnte Max Welti für die V8-Star verpflichtet werden. Dieser brachte neben seiner Erfahrung als ehemaliger Rennfahrer auch die Erfahrung als Rennleiter des Sauber Formel 1 Teams mit. Innerhalb eines Jahres konnte aus der ursprünglichen Idee ein ausgearbeitetes Konzept auf der Essen Motor Show 2000 vorgestellt werden.
Innerhalb eines halben Jahres entstand aus dem Konzept ein fertiges Rennfahrzeug. Nachdem im Spätsommer 2000 alle Verträge mit Zulieferern abgeschlossen wurden, konnte ein erster Prototyp aufgebaut werden. Die ersten Testfahrten wurden von Altfrid Heger noch vor der Vorstellung des Fahrzeugs durchgeführt. Im Oktober 2000 fand auf dem Nürburgring dann die Präsentation des ersten V8-Star-Prototyps statt. Vorgestellt wurde ein Fahrzeug mit einer schwarzen, nur leicht abgewandelten BMW-5er-Silhouette mit breit ausgestellten Kotflügeln und großem Heckflügel. Der Motor war ein 5,7-l-V8 von Jack Roush. Das Konzept der V8-Star kam bei vielen Rennteams gut an, sodass über den Winter 28 von 30 produzierten Chassis mit 5 verschiedenen Silhouetten verkauft wurden. Großen Wert legte die V8-Star auf das Marketing. Durch eine Umsetzung der Corporate Identity wurde das markante V8STAR-Logo in den Hausfarben blau, orange und weiß zu einem wiedererkennbaren Markenzeichen der Rennserie.
2001 mini|Irmscher V8-Star Opel Omega mini|Irmscher V8-Star Opel Omega In der Premierensaison schloss sich die V8-Star dem Veranstaltungspaket der Beru Top 10 an. Hier fungierte sie als zweites Highlight neben der Deutschen Tourenwagen-Challenge (DTC). Um das Wochenende attraktiver zu gestalten, trug die DTC wie gewohnt ihre Rennen sonntags aus, während die V8-Star samstags fuhr. Das sorgte dafür, dass die Top-10-Veranstaltungen erstmals samstags mehr Zuschauer besuchten als sonntags. Da die Beru-Top 10 auch im Rahmen des 24h-Rennens am Nürburgring fuhr, konnte die V8-Star sich dort einem großen Publikum präsentieren. Während das Rennen noch auf der GP-Strecke stattfand, fand die Auslaufrunde nach dem Rennen über die Nordschleife statt. Mit dem DSF fand die V8-Star auch einen TV-Partner, der die Rennen live im Fernsehen übertrug.
Das Fahrerfeld der ersten Saison bestand sowohl aus jungen Nachwuchspiloten als auch aus erfahrenen Piloten, die bei den Fans bekannt und beliebt waren. Dazu zählten unter anderem Ralf Kelleners, Karl Wendlinger, Kurt Thiim, Roland Asch, und Johnny Cecotto. Für Cecotto war es nach der Zwangspause durch den BMW-Ausstieg aus der STW ein Comeback als Vollzeitrennfahrer. Sein ehemaliger Teamkollege Heger vermittelte den Kontakt zum Irmscher-Team, das von der DTM in die V8-Star wechselte. Ergänzt wurde das Fahrerfeld durch junge Nachwuchspiloten wie Christian Hohenadel, Steffen Widmann, Thomas Mutsch und Marcel Tiemann. Eigentlich hatte Marcel Tiemann mit dem Team Zakspeed Forsythe Racing einen Vertrag für die Champ-Car-Serie unterschrieben. Doch da der Hauptsponsor absprang, konnte Peter Zakowski ihm nur einen Platz bei der V8-Star anbieten, den er in dem Glauben annahm, später doch Champ-Car zu fahren. Da dies nicht mehr zustande kam, entwickelte sich die Saison zu einem Titelduell zwischen Jung und Alt. Sowohl Fahrer-, Team- und Boxenstopp-Wertung entscheiden sich erst im letzten Rennen.
Das Duell um die Fahrerwertung führte zwischen Johnny Cecotto und Marcel Tiemann am Hockenheimring zu einem legendären Rennen, als Tiemann Cecotto umdrehte, 30 Strafsekunden kassierte, Cecotto dann Tiemann in einem Revanchefoul abschoss und ebenfalls 30 Strafsekunden erhielt. Das Rennen endete mit einem weiteren Unfall in der letzten Kurve. Sascha Bert drehte sich in Führung liegend, Kris Nissen konnte nicht ausweichen und traf auch noch Wendlinger. Gewinner des Rennens wurde überraschend Thomas Mutsch, der auch das nächste Rennen am Nürburgring gewinnen konnte. Im Finale in Oschersleben fiel Marcel Tiemann wieder durch seine harte Fahrweise auf, bei der er seinen Zakspeed-Teamkollegen Karl Wendlinger abschoss, der mit einem Differentialschaden kämpfte. Der Fernsehzuschauer bekam live die Funksprüche zwischen der Zakspeed-Box und den Fahrern kurz vorher mit: „Wenn er mich nicht vorbeilässt, schieße ich ihn ab“. Da Tiemann dafür nur eine Geldstrafe bekam, konnte er seinen Sieg behalten, der ihm aber nur für die Vizemeisterschaft reichte. Johnny Cecotto, der bereits 4 der ersten 6 Rennen gewann, konnte sich mit Platz 5 im letzten Rennen zum ersten V8-Star Champion krönen.
2002 Nach der ersten überaus erfolgreichen Saison wurde bereits Ende 2001 auf der Essen Motorshow die neue Saison 2002 eingeleitet. Es gab zwei neue Silhouetten, mehr Motorleistung, und der sportliche Ablauf wurde durch ein Top-12- anstatt eines Top-8-Qualifyings umgestaltet. Bei der Fernsehübertragung wechselte DSF auf den bekannten TV-Kommentator Rainer Braun, der in den Vorjahren bereits DTM- und STW-Rennen kommentierte und bei den Fans für seine Kommentare sehr beliebt war. Innerhalb der umstrukturierten V8-Star-Organisation bekam Altfrid Heger den Titel des Präsidenten. Trotzdem absolvierte er die meisten Testfahrten im Winter zur Abstimmung des geänderten Motors und der neuen Silhouetten persönlich. Die V8-Star weckte zudem das Interesse von vielen bekannten Rennfahrern. Aus der DTM kamen neben Hubert Haupt auch Pedro Lamy, der zusammen mit Robert Lechner bei Zakspeed ein neues Duo bildete. Aus der DTC wechselten unter anderen Dirk Adorf und die einzige DTM-Lauf-Siegerin Ellen Lohr. Auch aus der Truck-Europameisterschaft gab es einen Wechsel von Markus Oestreich. Mit Roland Asch, Thomas Mutsch und dem Meister 2001 Jonny Cecotto blieben ebenfalls wichtige Protagonisten der ersten Saison der V8-Star erhalten. Und somit kam es wieder zu einem Titelkampf zwischen Jonny Cecotto, Thomas Mutsch und den Zakspeed-Piloten Robert Lechner und Pedro Lamy. Mit 4 gewonnenen Rennen reichte es für Thomas Mutsch trotz der meisten Einzelsiege am Ende der Saison nur für Tabellenplatz 3. Im vorletzten Saisonrennen konnte Jonny Cecotto bereits seinen Titel vorzeitig verteidigen. Mit zwei Siegen in den letzten 2 Rennen konnte sich somit Robert Lechner noch die Vize-Meisterschaft sichern. Aus sportlicher Sicht war die Saison 2002 der Höhepunkt der V8-Star-Geschichte. Wirtschaftlich zeichneten sich bereits die ersten Probleme ab, die sich hinter den Kulissen abspielten und gar nicht an die Öffentlichkeit drangen. Den Ausgaben standen zu wenige Einnahmen gegenüber. Zudem gab es im Sommer 2002 vom Finanzamt den Vorwurf der Liebhaberei.
2003 Die Präsentation der Saison 2003 fand wieder einmal auf der Essen Motorshow nur fünf Wochen nach dem Saisonfinale 2002 statt. Dort wurden drei Neuerungen vorgestellt. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage sollte ein neues „V8STAR-Team-Package“ die Einsatzkosten für die Teams reduzieren. Der sportliche Ablauf sollte geändert werden, indem samstags das freie Training, Zeittraining und das Top-12-Qualifying ausgetragen werden sollte und sonntags das Rennen nach einem Warm-up. Hinsichtlich des Rennkalenders präsentierte die V8-Star die Änderung, nicht mehr alle Rennen im Rahmen der Beru Top 10 zu fahren. Zusätzlich sollte stattdessen beim German 500 sowie beim Truck GP am Nürburgring gestartet werden. Außerdem waren zwei Ovalrennen auf dem EuroSpeedway Lausitz geplant. Im Februar 2003 wurde jedoch überraschend verkündet, dass sich die V8-Star komplett von der Beru Top 10 trennt. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit im Winter waren viele Verträge von anderen Rennserien mit Rennstrecken bereits geschlossen. Somit konnte die V8-Star nur noch als Rahmenrennserie bei anderen Veranstaltungen starten und musste Antrittsgelder bezahlen. Dadurch bestand der Rennkalender aus drei Rennen am Nürburgring (im Rahmen des GTP Weekend, des 24h Rennens und des Truck GP), einem am Sachsenring, zwei in Zandvoort (im Rahmen des Marlboro Masters und der Trophy of the Dunes) sowie drei am EuroSpeedway Lausitz (im Rahmen des German 500 auf dem GP-Kurs und zweimal im Oval). Die Selbstständigkeit der V8-Star erhöhte den organisatorischen Aufwand, da nicht mehr auf die bestehenden Strukturen der Beru Top 10 zugegriffen werden konnte. Zudem schied Gründungsmitglied Max Welti noch vor der Saison aus der Geschäftsführung der V8STAR aus, die er zuletzt gemeinsam mit Dr. Georg Scheid geleitet hatte.
Obwohl die Renndauer von 70 min auf 50 min reduziert wurde, wurden die Rennen nicht mehr live im Fernsehen übertragen. Es konnte zwar der TV-Vertrag mit dem DSF verlängert werden, jedoch wurde die Berichterstattung deutlich reduziert und die Rennen nur noch in Zusammenfassungen am Abend gezeigt. Auch in anderen Medien brach die Berichterstattung ein. So war von den damals noch dominierenden Printmedien kein einziger Journalist der Motor Presse Stuttgart zum ersten Ovalrennen einer deutschen Rennserie erschienen.
In dieser angespannten wirtschaftlichen Lage musste die V8-Star ihre Ausgaben reduzieren, wodurch die finanzielle Unterstützung der Teams zurückgefahren werden musste. Dies wirkte sich negativ auf die Starterzahlen aus und führte zu einer deutlichen Fluktuation der Teams, die teilweise nur einzelne Rennen aufgrund von Einmal-Sponsoren fahren konnten. Da das Starterfeld mit finanzkräftigen Herrenfahrern aufgefüllt werden musste, sank zudem die Leistungsdichte im Starterfeld.