mini|hochkant=1.5|Hortus Palatinus und Heidelberger Schloss, gemalt von Jacques Fouquières; Kurpfälzisches Museum Heidelberg mini|Hauptterrasse des ehemaligen Hortus Palatinus, 2006 Der ab 1616 errichtete Hortus Palatinus (deutsch: Pfälzischer Garten) war der Garten des Heidelberger Schlosses, einer der bedeutendsten Renaissance-Gärten in Deutschland. Er galt zu seiner Zeit als einer der berühmtesten Gärten Europas.

Geschichte mini|hochkant=1|Salomon de Caus, 1619 Auftraggeber des Hortus Palatinus war Kurfürst Friedrich V., der dadurch aber die Wehrkraft des Schlosses beeinträchtigte. Dieser Terrassengarten wurde von dem aus England berufenen französischen Ingenieur und Gartenarchitekten Salomon de Caus, der auch einer der größten Physiker seiner Zeit war, im Jahr 1616 begonnen und durch die kriegerischen Unruhen der folgenden Jahre (Dreißigjähriger Krieg) nie fertiggestellt. Die Gartenanlage ersetzte das so genannte Hasengärtlein, den spätmittelalterlichen Burggarten. Als Friedrich zum König von Böhmen gewählt wurde und seine Residenz nach Prag verlegte, wurden die Arbeiten am Hortus Palatinus eingestellt.

Nur durch die Entwürfe von de Caus und durch Gemälde sind Form und Anlage der Parterres überliefert. Salomon de Caus hat seinen Garten in einem reich mit Kupferstichen illustrierten Buch selbst beschrieben. Die Vorrede ist datiert auf den 20. Dezember 1619 und ist in französischer Sprache geschrieben, denn Salomon de Caus scheint der deutschen Sprache nicht mächtig gewesen zu sein.

Bemerkenswert ist der Baumbestand, der aus einer Sammlung des Kurfürsten resultiert. Der Hortus Palatinus wurde von den Zeitgenossen als „achtes Weltwunder“ betrachtet.

Die Entwicklung und die Gestalt des Gartens sind auf Stichen von Matthäus Merian festgehalten. Einer der Stiche diente dem flämischen Maler Jacques Fouquières als Vorlage für sein Gemälde des Schlossgartens im Zustand von 1620.

Nach dem Umzug des fürstlichen Hofes 1720 nach Mannheim waren für den Erhalt des Schlosses und des Gartens nur noch geringe Mittel verfügbar. 1743 wollte man die Nutzung des Gartens versteigern, nach Protesten überließ man ihn dem Hofgärtner zur Nutzung. Nach 1767 wurden die Boskette zu einer Rasenfläche zusammengefasst und mit Spalierobst gesäumt. Die Terrassen wurden mit Feldern bestellt und eine Baumschule eingerichtet. Auf Vorschlag von Christoph Wilhelm Jakaob Gatterer, Professor für Kameralwissenschaften, wurde ein „ökonomischer“ Garten eingerichtet. Dazu wurde er in einen Landschaftsgarten umgewandelt. Er enthielt Anlagen für die akademischen Lehranstalten, eine Art Arboretum mit heimischen und fremden Bäumen und Baumschulen. Durch die lange Vernachlässigung des Gartens waren die Wasserbecken und die Wasserleitungen verfallen und z. T. zugeschüttet. Auch die Große Grotte war stark beschädigt, das Portal zusammengebrochen und die Statuen beschädigt. Die Romantik führte dazu, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Wertschätzung des Gartens als Treffpunkt der Bürger und Besucher zunahm, die soziale Nutzung wurde wichtiger als die ökonomische.

Gartenterrassen des Hortus Palatinus Erste Terrasse (Untere Terrasse, Koniferenterrasse) mini|Pyramidentreppe, Kupferstich von Matthäus Merian, 1645 Lage: 6 Meter tiefer als die Hauptterrasse Die Untere Terrasse besaß in der Mitte ein Wasserbecken in der Form eines Geigenkastens, an dessen Seiten Figuren der Flussgötter Neckar und Main standen. Auf dieser Terrasse, die wegen ihres Bewuchses auch Koniferenterrasse genannt wird, stehen zwei bemerkenswerte Bäume: Griechische Tanne; Abies cephalonica: Die Griechische Tanne ist ein raschwüchsiger Baum, der bis 40 Meter hoch wird und Durchmesser bis 1 Meter erreicht. Erbsenfrüchtige Scheinzypresse; Chamaecyparis pisifera: Dieser Baum zeigt die so genannte „Schleppenbildung“, bei der sich die unteren Zweige zur Erde senken und eigene Wurzeln entwickeln.

Nachdem im Jahr 1832 ein Lehrstuhl für Forstbotanik an der Technischen Hochschule Karlsruhe eingerichtet worden war, ließ das Interesse an diesen Anpflanzungen stark nach. Im Lauf der Jahre durchsetzten immergrüne Koniferen den ursprünglich mit Laubhölzern bestückten Park und veränderten den Gesamteindruck erheblich.

Um die vielen Springbrunnen und die Wasserkünste zu speisen, war eine große Menge Wasser erforderlich. Die Lage des Gartens am quellreichen Nordhang des Königstuhls erleichterte jedoch die Versorgung mit Wasser. Hatte das Wasser die Brunnen auf den verschiedenen Terrassen passiert, so wurde es im Bassin auf der Unteren Terrasse gesammelt. Von hier konnte es dann ins Friesentälchen abfließen.

Zu den dramatischen Treppenanlagen gehörte die Pyramidentreppe, die von der Hauptterrasse zum unteren Garten führen sollte. Beim Abstieg über die geländerlosen Steilseiten sollten die Besucher des Gartens den Eindruck bekommen, sie könnten über das Neckartal hinwegfliegen.

Zweite Terrasse (Große Terrasse, Hauptterrasse) Die Gestaltung der Hauptterrasse war durch eine Folge größerer Felder bestimmt, die mit ornamentierten Feldern gestaltet waren. Blumen spielten nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger waren zugeschnittene Hecken. Im Mittelpunkt eines Knotenfeldes stand der Säulenbrunnen.

Das Knotenornament bestand aus verschlungenen und sich kreuzenden Pflanzenbändern. Bevorzugt für diese Broderien waren Thymian, Rosmarin, Lavendel und Salbei. Die Zwischenräume wurden mit farbigen Kieseln, gestoßenem Glas oder gemahlenem Gestein ausgefüllt.

Hier begann Kurfürst Karl Philipp im Jahr 1719, die Gartenanlage Friedrichs V. in eine barocke Form zu bringen. Hier stand auch die Figurengruppe, die später – nach einem Zwischenaufenthalt im Schloss Schwetzingen und einigen Ergänzungen – im Jahr 1767 auf dem Marktplatz von Mannheim aufgestellt wurde.

Zu den exotischen Bäumen hier zählen: Kaukasische Flügelnuss; Pterocarya fraxinifolia Eschen-Ahorn; Acer negundo: Der Eschen-Ahorn ist ein schnell wachsender Baum, der oft mehrere Stämme hat. Fächerbaum; Ginkgo biloba: Der Ginkgobaum gelangte erst um das Jahr 1730 nach Europa. Mehlbeere; Sorbus aria: Die Mehlbeere stammt aus den Bergwäldern Südeuropas und wird oft als Straßen- und Parkbaum gepflanzt.

Parterregärten mini|Rekonstruierter Rest des Brunnenoktogons, 2006 Das Knotenfeld setzte sich aus vier Beeten zusammen, die aus jeweils individuellen Mustern mit sich gegenseitig überschneidenden Bändern bestanden. Das Knotenfeld war von einer wellenförmigen Einfassung und kleinen Laubbäumen umgeben.

In einem anderen Knotenfeld stand in einer achteckigen Beckeneinfassung der Brunnen mit Fratzengesichtern aus Metall. Die jetzige Beckeneinfassung wurde im Jahr 1973 mit einigen alten Steinen aus der Zeit von Salomon de Caus rekonstruiert.

Große Grotte mini|Rhenus („Vater Rhein“) als Brunnenfigur Vor der Großen Grotte befindet sich ein Wasserbassin mit der Figur des Rhenus („Vater Rhein“). Die 1974 restaurierten Bassins liegen nicht nur an der ursprünglichen Stelle, sondern entsprechen auch dem ursprünglichen Aussehen. Sie sind mit dem liegenden „Vater Rhein“ und dem Portal der Großen Grotte ein Blickfang in dieser Ecke des Schlossgartens.

Die Große Grotte hatte vier Räume, wobei nur die beiden inneren Grottenräume waren. Die beiden äußeren Räume waren wohl für technische Zwecke bestimmt. Salomon de Caus schreibt hierzu:

Im ersten Grottenraum floss das Wasser kaskadenartig in ein Becken, in dem ein Springbrunnen eine Kugel balancieren sollte. Durch Öffnungen in der Decke konnte das Ganze effektvoll beleuchtet werden. Im zweiten Grottenraum stand ein steinerner Tisch, in dem geheimnisvolle Wasserkünste (Wasserspiele) eingebaut gewesen sein sollen, die man durch einen versteckten Mechanismus einschalten konnte.

Pomeranzenhain mini|Holzhaus für Pomeranzen im Winter, Kupferstich von Salomon de Caus, 1620 Die Pomeranze (Citrus aurantium L.) oder Bitterorange ist eine Zitruspflanze mit leuchtend oranger Schale und wird z. B. für Orangeat verwendet. Zu dem Feld mit den Pomeranzen schrieb der Gartenarchitekt Salomon de Caus,

Die etwa 60 Jahre alten Pomeranzenbäume wurden vom Herrengarten in der westlichen Vorstadt mit großem Aufwand auf das Schloss geschafft. Die Überführung der Bäume wurde als besondere gärtnerische Leistung in der Inschrifttafel der Nischenarchitektur mit dem Standbild Friedrichs gewürdigt.

Salomon de Caus stellte die kleinen Zitrusbäumchen mit ihren gelben Früchten bewusst auf Augenhöhe in hoch sitzende Erdkästen, um den Eindruck zu erwecken, dass die Pomeranzen das ganze Jahr über im Freien wachsen. Im Winterhalbjahr wurden aber diese empfindlichen Pflanzen durch einen Holzverschlag geschützt. Die alten Pomeranzenbäume wurden im Jahr 1619 vom unteren zum oberen neuen Garten gebracht. Nachdem Kurfürst Friedrich V. mit seinem Hof nach Prag gezogen war, um sich zum König von Böhmen krönen zu lassen, wurden die Arbeiten jedoch eingestellt.

Monatsblumengarten (Rosenrondell) mini|Jahreszeitenparterre, gemalt von Jacques Fouquières – Ausschnitt aus der Darstellung des Hortus Palatinus Zu den gärtnerischen Erfindungen dieser Anlage gehörte neben dem Wasserparterre das Jahreszeitenbeet am Nordende, das wohl vom botanischen Garten in Padua inspiriert wurde. Das Rund wurde für eine Blumenuhr genutzt, bei der die Blüte jeden Monat um drei Felder vorrückte.

In der Mitte dieses sogenannten Rosenrondells ließ Freiherr von Oberndorff im Jahr 1771 das Oktogon erbauen, ein achteckiges Lusthaus mit vier Türen und vier Fenstern, das wohl von ihm selbst zu gesellschaftlichen Zwecken genutzt wurde. Von diesem Gebäude ist keine Abbildung bekannt. Im Jahr 1891 wurde in der Mitte des Rondells das Scheffeldenkmal errichtet, das im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurde.

Die Wirtschaft im Rosenrondell wurde allmählich zum wichtigsten Teil des Gartens, für deren Erweiterung sich fast alle Kreise der Stadt einsetzten. Bereits 1865 richtete der Pächter an die Domänenverwaltung die Bitte, einen Musikpavillon zu errichten, denn das Musikzelt sei zu klein und unschön. Der Pächter verzichtete im Gegenzug auf seine Schweineställe. Schon im Jahr 1874 regte der Schlossverein ohne Erfolg eine Vergrößerung der Wirtschaft an. Im Jahr 1879 beantragte er die Errichtung eines neuen Musikpavillons, da die Akustik im alten sehr schlecht sei. Die Bauinspektion entgegnete, dass der Hauptmangel in der schwachen Besetzung des Orchesters mit 8 bis 10 Mann liege, die sich »auf ihren Instrumenten abmartern müßten«, um ihre Streichmusik zur Geltung zu bringen.

In den 1880er Jahren fanden täglich Konzerte in der Gartenwirtschaft statt. Das Finanzamt verlangte lediglich aus Fürsorge für das Städtische Orchester, dass wenigstens an einem Wochentag keine Konzerte abgehalten würden. Die Domänenverwaltung wehrte sich gegen den Ausbau der Gartenwirtschaft mit der Begründung, dass dies »unvereinbarlich mit dem landschaftlichen und historischen Charakter« des Schlossgartens sei. Aber 1895 gab sie nach und ließ eine neue Gartenwirtschaft erbauen. Durch diesen Ausbau der Gartenwirtschaft rückte der Schlossgarten immer mehr ins öffentliche Interesse und wurde zum Vergnügungspark.

Jahrzehntelang wuchsen die Sträucher und Bäume ungehindert, sodass das Schloss vom Garten aus so gut wie nicht mehr zu sehen war. Außerdem waren die Grotten und sonstigen Bauwerke zum größten Teil eingestürzt. Von 1923 vollzog sich jedoch ein Wandel als die Verwaltung des Schlosses und des Gartens vom Domänenamt auf das Bezirksbauamt überging.

Der Leiter dieses Amts begann nach längerem Studium der historischen Unterlagen des Hortus Palatinus mit Sanierungsarbeiten und wollte den Garten von den Zutaten befreien, die das harmonische Bild von Schloss und Garten beeinträchtigten. In jahrelanger Arbeit wurde der Garten so durchforstet, dass alle Gartenteile zueinander in erkennbare Beziehung kamen. Die hölzernen Schutzgeländer oder Hecken längs der Terrassen wurden durch steinerne Balustraden ersetzt, wodurch der Terrassenaufbau stärker in Erscheinung trat.