mini|Port d'Alcúdia, im Hintergrund Menorca

Alcúdia ist eine Gemeinde auf der spanischen Baleareninsel Mallorca. Die gleichnamige Kleinstadt ist Verwaltungssitz der Gemeinde in der Region (Comarca) Raiguer.

Die Gemeinde Alcúdia hat Einwohner (Stand: ) auf einer Fläche von 59,89 km². Dies entspricht 361 Einwohnern pro km². Im Jahr 2006 betrug der Ausländeranteil 25,5 % (4128), der Anteil deutscher Einwohner 3,1 % (499). Amtssprachen sind Katalanisch und Spanisch (Kastilisch). Der auf der Insel gesprochene katalanische Dialekt wird Mallorquí genannt.

Der Name Alcúdia kommt von dem arabischen und bedeutet „der Hügel“, was auf die Lage des historischen Stadtkerns hinweist, der auf dem Bergsattel zwischen der Bucht von Pollença und der Bucht von Alcúdia liegt, welche durch eine flache Bergkette voneinander abgetrennt sind.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Alcúdia liegt 54 Kilometer von der Inselhauptstadt Palma entfernt an der gegenüberliegenden Nordostküste der Insel. Sie bildet den Nordosten der Landschaft Raiguer und besteht aus der Halbinsel des Cap des Pinar (auch Victòria genannt), die die Meeresbuchten von Pollença und Alcúdia teilt, und einer Zone des Inselinneren, begrenzt durch die Gemeinden Pollença im Norden und Sa Pobla und Muro im Süden. Die Stadt Alcúdia befindet sich etwa in der Mitte des Gemeindegebietes, genau zwischen den beiden Buchten Badia de Pollença und Badia d’Alcúdia am Ende der Halbinsel. Ihr Hafen Port d’Alcúdia, heute ein Touristenort, liegt im Süden der Stadt an der Bucht von Alcúdia. Die Küstenlinie der Gemeinde misst eine Länge von etwa 30 Kilometern.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Alcúdia gehören folgende Orte: Alcúdia (6328 / 6647 Einwohner) Mal Pas – Bonaire (599 / 611 Einwohner) Marina Manresa (595 / 596 Einwohner) Platja d’Alcúdia (5306 / 5340 Einwohner) Port d’Alcúdia (4745 / 4772 Einwohner) mit Alcanada Son Fe ( – / 361 Einwohner) Die Einwohnerzahlen in Klammern stammen vom 1. Januar 2008. Die erste Zahl gibt dabei die Einwohner der geschlossenen Ortschaften an, die zweite Zahl die Einwohner der Orte einschließlich der hinzu zu rechnenden „verstreut“ lebenden Bevölkerung außerhalb der eigentlichen Siedlungen. (Quelle: INE)

Naturraum mini|Cap des Pinar mini|Venus-Zisterne Das urbanisierte Gebiet der Stadt Alcúdia und des südlichen Hafens Port d’Alcúdia an der Landenge zwischen den Buchten Badia de Pollença und Badia d’Alcúdia trennt das Gemeindegebiet in zwei unterschiedliche Naturräume. Östlich erhebt sich die Halbinsel Victòria am sa Talaia (Talaia d’Alcúdia) bis auf eine Höhe von 444 Meter über den Meeresspiegel. Die heutige Halbinsel hatte sich im Quartär als Felseninsel ausgebildet und ist sehr zerklüftet. Ihre teilweise Unzugänglichkeit führte zu einer nur spärlichen Besiedlung, so dass das bergige Massiv noch immer von Steineichen und Kiefern bestanden ist.

Westlich der Stadt Alcúdia liegt eine Ebene, die aus Schwemmmaterial des Meeres besteht, das im Laufe der Zeit eine Verbindung der Halbinsel Victòria mit dem restlichen Mallorca hergestellt hat. Das nördlich an Pollença grenzende s’Albufereta ist noch heute ein niedrig liegendes Feuchtgebiet, wenn auch aus Süßwasser bestehend. Das Flachland wird als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt. Davon ausgenommen sind nur einige Erhebungen der südlichen Hügelkette, wie Puig de Sant Martí (247 Meter Höhe), Puig de sa Galera (123 Meter) und Puig de Son Fè (268 Meter).

Klima Alcúdia hat ein mildes subtropisches Klima. Die Durchschnittstemperatur des Jahres beträgt 16,8 °C bei durchschnittlichen Höchsttemperaturen von 20,5 °C und Tiefstwerten von 13,4 °C. Für die verschiedenen Jahreszeiten betragen die Durchschnittswerte im Frühling 14,5 °C, im Sommer 23,5 °C, im Herbst 18,6 °C und im Winter 10,7 °C. Die mittleren Wassertemperaturen, gemessen in der Bucht von Alcúdia, betragen 18,5 °C, bei Maximalwerten im August von 25,7 °C und den niedrigsten Temperaturen im Februar von bis zu 12,3 °C.

Das Gemeindegebiet ist durch den Gebirgszug der Serra de Tramuntana vor Nord- und Westwinden weitestgehend geschützt, vorherrschend sind Nordost- bzw. Ostwinde. Da sich viele Tiefdruckgebiete schon an den Serra de Tramuntana abregnen, gibt es in Alcúdia nur eine mittlere Zahl von 82 Regentagen pro Jahr mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 536 l/m². Besonders die Sommer sind als sehr trocken zu bezeichnen.

Geschichte Archäologische Funde belegen, dass der Bereich der Gemeinde Alcúdia bereits ab 2000 v. Chr. besiedelt war. Aus der Zeit bis 1300 v. Chr., dem sogenannten Vor-Talaiotikum, sind künstlich angelegte Höhlen bekannt, die Begräbniszwecken dienten, wie die Cova de la Murada in der Nähe der mittelalterlichen Stadtmauer Alcúdias oder die beiden Höhlen im Inneren der Zuschauer-Sitzreihen (càvea) des Teatre Romà von Pol·lèntia. Aus talaiotischer Zeit, die den Zeitraum von 1300 v. Chr. bis 123 v. Chr. umfasst, sind die Großsteinbauten von Son Siurana de Dalt, Son Simó, Biniatria, Oriolet und sa Figuera Roja teilweise erhalten.

mini|links|Ruinen von Pollentia mini|links|Blick auf die Stadtmauer Nach der Eroberung der Insel Mallorca wie der gesamten Balearen im Jahre 123 v. Chr. durch die römischen Truppen unter Konsul Quintus Caecilius Metellus Balearicus (auch: Cecili Metel) kam es aufgrund der strategisch günstigen Lage um 70 v. Chr. zur Gründung der Stadt Pol·lèntia, unmittelbar südlich der heutigen Stadtmauern von Alcúdia. Die Stadt erlebte eine lange Blütezeit als Hauptstadt Maioricas und der römischen Provinz Balearica, bis sie 426 n. Chr. von den Vandalen geplündert und zerstört wurde. Pollentia soll jedoch auch danach, während der Herrschaft der Vandalen ab 465 n. Chr. und der Byzantiner ab 534 n. Chr., teilweise besiedelt gewesen sein.

mini|Porta del Moll mini|Königswappen an der Kirche mini|Denkmal für Karl I. von Spanien In den Jahrhunderten zwischen 902 und 1229 beherrschten die Mauren und Araber die Inseln der Balearen einschließlich Mallorcas. Die Stadt oder Siedlung Pollentia bestand zu dieser Zeit nicht mehr. Stattdessen gehen der Entwurf des heutigen Alcúdia wie auch der Name der Stadt, der übersetzt „der Hügel“ bedeutet, auf die muslimische Herrschaft zurück. Allerdings bestand der Ort zur Zeit der aragonesischen Eroberung der Insel 1229 durch König Jakob I. von Aragon (katalanisch Jaume I. el Conqueridor) nur als Landgut, das der König an einen Vasallen namens Ruí Peris abtrat. Um das Landgut Alcúdia, dessen erste urkundliche Erwähnung unter diesem Namen in einem notariellen Protokoll aus dem Jahre 1282 stammt, bildete sich bald darauf eine Siedlung, die 1298 durch König Jakob II. von Mallorca (Jaume II. de Mallorca) zur Pfarrgemeinde und Zentrum eines Verwaltungsbereiches erhoben wurde. In diese Zeit zurück reicht der Baubeginn der Kirche (ab 1302) und der alten Stadtmauer (ab 1298), die 1362 fertiggestellt wurde und von der noch Teile erhalten sind, wie die beiden Stadttore Porta de Sant Sebastià (auch Porta de Mallorca genannt) und Porta del Moll (auch Porta de Xara).

In den folgenden Jahrhunderten war Alcúdia ein wichtiges Machtzentrum im Norden Mallorcas. Unter König Karl I. von Spanien aus dem Hause Habsburg, dem späteren Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reiches, wurde Alcúdia 1523 mit den damit verbundenen Privilegien zur Stadt ernannt. Noch heute ziert der Habsburger Doppeladler das Stadtwappen. Grund der Verleihung der Stadtrechte für Alcúdia war die Unterstützung des Königs bei der Niederschlagung der Revolta de les Germanies, eines Aufstands der städtischen Zünfte im Bündnis mit den Bauern gegen hohe Abgaben und die Feudalherren. Ausgehend von Valencia hatte sich die Revolte 1521 auf Mallorca ausgedehnt, wo die „Agermanados“ (Zunftbrüder) unter ihrem Führer Joan Crespí, später dem Bauernführer Joanot Colom, zwei Jahre lang in Palma regierten. Die Adligen zogen sich unter anderem in den befestigten Ort Alcúdia zurück, von wo aus 1522 ein Heer den König bei der Einnahme Palmas unterstützte.

Im 16. Jahrhundert wurde Alcúdia mehrmals von Piraten überfallen, woraufhin die Stadtmauern bis 1660 durch einen zweiten Mauerring im Renaissancestil erweitert wurden. Ab dem späten 17. Jahrhundert verlor die Stadt an wirtschaftlicher Bedeutung, was sich auch an der im 18. und 19. Jahrhundert beträchtlich sinkenden Einwohnerzahl, auch infolge von Epidemien, unter anderem der Pest, bemerkbar machte. Der Ausbau des Hafens für den internationalen Handel im Jahr 1779 konnte den wirtschaftlichen Niedergang nicht verhindern. 1870 brach die alte Pfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert zusammen. Sie wurde ab dem Jahr 1882 neu errichtet und erhielt bis 1893 ihr gegenwärtiges Aussehen.

Die Wirtschaftslage besserte sich erst mit den Anfängen des Tourismus in den 1930er Jahren und dem Bau des Kohlekraftwerks zur Stromversorgung von Mallorca im Hafen von Alcúdia 1957, das mit seiner Silhouette der beiden hohen Schornsteine noch heute das Stadtbild aus der Ferne prägt. In den 1980er Jahren erfolgte die Stilllegung des alten und der Neubau eines effizienteren Kohlekraftwerkes außerhalb der Touristenzone. Es entstand am Ende einer eigens neu gebauten Ringstraße um die Hotelbereiche herum vom Hafen bis zur Stichstraße nach Sa Pobla, einem einheimischen Mallorquinern vorbehaltenem Wohnort mitten in der Gemüseanbauregion direkt südlich des Erholungsgebietes von Albufera. Für das alte Kraftwerk ist der Umbau zu einem der modernsten Museen Spaniens geplant.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirchen und Klöster Església de Sant Jaume mini|Església de Sant Jaume mini|Innenraum von Sant Jaume Die in neugotischem Stil errichtete Pfarrkirche Sant Jaume (Església Parroquial) von Alcúdia steht am Südwestrand der Altstadt in einer Lücke der Stadtmauer. Sie wurde zwischen 1882 und 1893 errichtet, nachdem der Vorgängerbau aus dem 14. Jahrhundert im Jahre 1870 zusammengebrochen war. Die Kirche ist dem Heiligen Jakob geweiht.

Sant Crist Neben der heutigen Pfarrkirche Sant Jaume blieb vom Vorgängerbau die Kapelle des wundertätigen Christus erhalten. Sie wurde in den Jahren 1675 bis 1697 im Renaissance-Stil erbaut. Die dort verehrte Christusstatue ist eine Holzfigur aus der Zeit vor 1507, der Aufsatz des Hauptaltars stammt aus dem Barock.

Oratori de Santa Anna Die kleine gotische Kirche Sant Anna südlich der Stadtmauern an der Carretera Cementiri ist ein Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert. Über dem Eingangsbereich befindet sich ein Bildnis der Muttergottes der fröhlichen Botschaft (Verge de Bona Nova). Das niedrige Kirchenschiff wird durch drei Trennbögen getragen, die den Innenraum in vier Segmente unterteilen.

Ermita de la Victòria Die Einsiedelei Mare de Déu de la Victòria (der Muttergottes des Sieges) stammt aus dem 13. Jahrhundert. Im Jahr 1697 wurde die kleine Kirche mit dreifach unterteiltem Schiff und Rundbogengewölbe im Stil des Barock errichtet. Die geschnitzte Figur der Mare de Déu stammt aus dem 15. Jahrhundert, der große Altar, wie die Kirche, aus der Zeit des Barock. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche restauriert. Die Ermita ist Wallfahrtsort am 2. Juli jeden Jahres.

Theater und Kulturhäuser Auditori d’Alcúdia mini|Auditorium Das am 8. Juli 2000 eingeweihte Kulturzentrum (Auditorium) bietet Räumlichkeiten für Konzerte, Theater, Ausstellungen, Feierlichkeiten und Kongresse. Es verfügt über einen Saal für 496 Personen sowie einen kleineren Saal für bis zu 50 Personen. Das Auditori d’Alcúdia befindet sich an der Plaça de la Porta de Mallorca nahe der Stadtmauer.

Museen Museu monogràfic de Pol·lèntia