Der Kadett B war ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse und das zweite Modell der PKW-Baureihe Opel Kadett/Astra.
Der Kadett B wurde im September 1965 als Nachfolger des Kadett A vorgestellt. Wie der Vorgänger hatte er einen längs eingebauten Frontmotor und Hinterradantrieb. Bis Juli 1973 wurde er zusammen mit seiner gehobeneren Variante Olympia A über 2,7 Millionen Mal gebaut und gilt als eines der erfolgreichsten Opel-Modelle. Im August 1973 präsentierte Opel den Nachfolger Kadett C.
Modellgeschichte Allgemeines mini|Heckansicht der zweitürigen Limousine Konzeptionell orientierte sich der Kadett B mit längs eingebautem Vierzylinder-Viertaktmotor und Hinterradantrieb am Vorgängertyp Kadett A. Beibehalten wurde zunächst auch das blattgefederte Fahrwerk mit Doppelquerlenkern vorn und Zentralgelenk-Hinterachse.
Die neue Karosserie des Kadett B war 10 cm breiter, 18 cm länger und hatte einen um 91 mm vergrößerten Radstand von nun 2416 mm. Der Kadett B führte als Designelement nach amerikanischem Vorbild den „Hüftschwung“ auf dem europäischen Markt ein, der später unter anderem von Ford übernommen und am Rekord C deutlich ausgeformt wurde. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger war der B-Kadett auch mit vier Türen lieferbar, außerdem waren zunächst ein Coupé mit angedeuteten Entlüftungsschlitzen hinter den hinteren Seitenscheiben („Kiemencoupé“) sowie der dreitürige Kombi, bei Opel Caravan genannt, im Angebot. Später folgten noch weitere Karosserieversionen.
Der gegenüber dem des Kadett A auf 1,1 Liter Hubraum vergrößerte Motor bot in der Basisversion des neuen Opel-Modells 45 PS (33 kW) Leistung (4 kW/5 PS mehr). Der Kadett S mit dem höher verdichteten Superbenzin-Motor von 55 PS (40 kW) Leistung hatte serienmäßig 13-Zoll-Räder und Scheibenbremsen vorn, die gegen Aufpreis auch mit dem schwächeren Motor erhältlich waren. Für sportlich orientierte Käufer wurde das Coupé ab November 1966 auch als „Rallye-Kadett“ mit einem 60 PS (44 kW) starken 1,1-Liter-Motor und erweiterter Ausstattung angeboten.
Der Kadett B LS bildete die Basis für den luxuriösen Ableger Olympia A. Die Grundkonstruktion (Fahrwerk/Motor/Getriebe) übernahm Opel auch für den Sportwagen Opel GT. Ab 1966 wurde vom GM-Konzern der Vauxhall Viva HB produziert, der dem Kadett B konzeptionell ähnelte, sich jedoch vor allem das Fahrwerk betreffend deutlich unterschied.
Verbesserungen und neue Modelle ab Mitte 1967 Im Rahmen der Modellpflege gab es beim Kadett einen besonderen Einschnitt mit dem Ende der Werksferien im Juli 1967: Die danach hergestellten technisch verbesserten Fahrzeuge waren äußerlich an größeren Rückleuchten (außer Kombi) zu erkennen. Alle Modelle boten den Insassen mit einem stärker gepolsterten Armaturenbrett und einer Sicherheits-LenksäuleNeu im Opel-Programm OLYMPIA UND SICHERHEIT. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1967, S. 368–369. mit Dreispeichenlenkrad und Prallplatte eine höhere passive Sicherheit. Befestigungspunkte für Sicherheitsgurte waren in allen Kadett B ohnehin vorhanden. Die größte Veränderung betraf die Hinterachse: An der vom Kadett A übernommenen Zentralgelenkachse wurden die radführenden Blattfedern durch Längslenker, einen Panhardstab und Schraubenfedern ersetzt, was dem Wagen eine merkbar bessere Straßenlage gab. Weiterhin waren die vorderen Kotflügel bei der neuen Ausführung nicht mehr verschweißt, sondern angeschraubt. Das erste Fahrzeug mit diesen Verbesserungen hatte die Fahrgestellnummer 1234068. Im Teilekatalog wurde demnach zwischen „bis Fg.-Nr. 1234067“ und „ab Fg.-Nr. 1234068“ unterschieden, kurz: „Bis-Modell“ und „Ab-Modell“.
Auch bezogen auf verfügbare Karosserien, Motoren und Ausstattung gab es ab August 1967 umfangreiche Erweiterungen. Den Caravan gab es nun auch als Fünftürer, und für Limousine- und Coupé-Ausführungen kam ein 1,7-l-Motor mit 75 PS (55 kW) hinzu. Zudem wurden zwei- und viertürige Fließheck-Karosserien als Kadett „LS“-Limousine und als neues Modell Opel Olympia A produziert. Außerdem kamen das Olympia-Coupé und der Rallye-Kadett LS in einer eigenständigen Coupé-Karosserie (mit auf halber Höhe hinten spitz zulaufenden Ausstellfenstern; intern „Coupé F“ genannt) daher. Diese waren sogar als 1900 S mit 90 PS (66 kW) erhältlich. Der höhere Luftwiderstand des „Coupé F“ hatte bei allen Motorisierungen eine 5 km/h geringere Endgeschwindigkeit als beim älteren „Kiemen-Coupé“ zur Folge. Im Herbst 1967 standen 28 Kadett- und neun Olympia-Versionen zur Wahl.
Die „Luxus-Ausstattung“ der L- und LS-Modelle umfasste eine Menge Chromzierrat außen und innen, Ausstellfenster bei den zweitürigen Modellen (die der dreitürige Caravan auch als Standard-Modell trägt), Stoßstangenhörner, Aschenbecher im Fond, Beleuchtung für Motorraum, Kofferraum und Handschuhfach, eine Uhr, einen beleuchteten Zigarrenanzünder, Teppichboden, Motorhaubenentriegelung von innen usw. Die Bordspannung betrug nun 12 Volt. Gegen Aufpreis wurde eine Drehstromlichtmaschine angeboten, in der Regel in Verbindung mit der heizbaren Heckscheibe. Weitere aufpreispflichtige Extras beim Kadett B waren unter anderem: Stahlkurbeldach, 3-Gang-Vollautomatikgetriebe mit hydraulischem Drehmomentwandler, Kopfstützen vorne, H4-Hauptscheinwerfer (ab Frühjahr 1972), Scheibenbremsen vorn (ab 55 PS/40 kW serienmäßig) usw. Ab Februar 1967 hatten alle Typen serienmäßig eine Zweikreisbremsanlage und bei vorderen Scheibenbremsen serienmäßig einen Bremskraftverstärker, der vorher nur als Extra erhältlich war.
Ab Februar 1969 gab es alle Modelle mit dem 55-PS- (40-kW)- Motor (1971 durch den 1,2-Liter-60-PS-(44-kW)-Motor ersetzt) auf Wunsch auch mit 3-Gang-Vollautomatik, ebenso wie bereits ab November 1968 für den Kadett 1700 S und ab Dezember 1970 den Rallye-Kadett LS 1900.
Sortimentsbereinigung 1970 Ab August 1970 wurden die drei Jahre vorher eingeführten Modelle mit Fließheck (Olympia und Kadett LS) sowie der fünftürige Caravan und das „Kiemen-Coupé“ nicht mehr hergestellt, ebenso war der besser motorisierte Kadett 1700 entfallen. Hintergrund war die damalige Einführung des Ascona A. Lediglich der Rallye-Kadett war weiterhin auch mit der Topmotorisierung als 1900 erhältlich, die Bezeichnung „LS“ war 1970 jedoch auch an diesem Modell entfallen. Die „Coupé F“-Karosserie war nun außerdem noch in Verbindung mit einfacher ausgestatteten Kadett-Varianten erhältlich. Mit dieser eingeschränkten Modellpalette wurde der Kadett B noch bis Juli 1973 gebaut und war somit eines der am längsten hergestellten Opel-Modelle dieser Epoche.
Ab August 1971 stieg die Leistung des 1,1-Liter-Normalbenzinmotors von 45 PS (33 kW) auf 50 PS (36 kW). Die 1,1-Liter-Superbenzinmotoren mit 55 PS (40 kW) und 60 PS (44 kW) wurden durch einen Motor mit 1,2 Liter Hubraum und 60 PS (44 kW) ersetzt. Erkennbar waren die Modelle ab August 1971 an dem vom Rallye-Kadett stammenden mattschwarzen Kühlergrill.
Ursprünglich war der im Sommer 1970 präsentierte Ascona A als Nachfolger des Kadett B vorgesehen. Da die Kölner Ford-Werke zur gleichen Zeit ihre Palette erweiterten, startete das eigentlich als Kadett C gedachte Modell als Ascona A.
Karosserieversionen mini|300px|Karosserievarianten des Kadett B
Interne Typbezeichnung, erste zwei Ziffern der Fahrgestellnummer Modell 31: zweitürige Limousine Standard (1965–1973) Modell 32: Coupé („Kiemen-Coupé“) in L-Ausstattung (1965–1970; ab 11/66 als Sondermodell „Rallye“) Modell 33: fünftüriger Kombi (Caravan) Standard (1967–1970) Modell 34: dreitüriger Kombi (Caravan) Standard (1965–1973) Modell 35: fünftüriger Kombi (Caravan) in L-Ausstattung, (1967–1970) Modell 36: viertürige Limousine Standard (1965–1973; Sondermodell Ascona für die Schweiz) Modell 37: viertürige Limousine in L-Ausstattung (1965–1973) Modell 38: zweitürige Limousine in L-Ausstattung, Sondermodelle Festival und Holiday (1965–1973) Modell 39: dreitüriger Kombi (Caravan) in L-Ausstattung (1965–1973) Modell 91: zweitürige Fließheck-Limousine LS (1967–1970; mit Zwangsentlüftung) Modell 92: zweitüriges Coupé mit Fließheck LS (1967–1973; ab B-Säule geändertes Heck („Coupé F“), auch als Kadett Rallye) Modell 95: zweitüriges Coupé (nur für US-Export) Modell 96: viertürige Fließheck-Limousine LS (1967–1970; mit Zwangsentlüftung) Modell 97: viertürige Fließheck-Limousine Olympia (1967–1970; wie Modell 96 mit geänderter Front und besserer Ausstattung) Modell 98: zweitürige Fließheck-Limousine Olympia (1967–1970; wie Modell 91 mit geänderter Front und besserer Ausstattung) Modell 99: zweitüriges Coupé Olympia (1967–1970; wie Modell 92 mit geänderter Front und besserer Ausstattung)
Bemerkenswert am Kadett B sind vier verschiedene Schrägheck-Karosserien, die an der C-Säule zu unterscheiden sind:
die hintere Seitenscheiben-Ecke ganz hochgezogen („Kiemencoupé“), dann in mittlerer Höhe spitz zulaufend („Coupé F“), und die Fließheck-Variante mit der Ecke unten bei den Kadett LS, die es zweitürig und viertürig gab.
Galerie
Motoren
Im Kadett B wurden zwei Motorenarten eingesetzt: Die meisten erhielten einen OHV-Motor (Motor mit seitlicher Nockenwelle: 10N bis 12S, 40–60 PS/29–44 kW), der schon in zwei Varianten des Kadett A eingebaut war. Darüber hinaus wurde zusätzlich der CIH-Motor (Nockenwelle im Zylinderkopf) aus dem Opel Rekord C (15S bis 19H, 65–106 PS/48–78 kW) angeboten.
OHV-Motoren: 10N: 40 PS/29 kW (ab ?/72), nur für Export (zum Beispiel nach Italien) 10S: 48 PS/35 kW (ab ?), nur für Export (zum Beispiel nach Italien) 11L: 40 PS/29 kW (nur für Export) 11N: 45 PS/33 kW (bis 8/71) 11N: 50 PS/37 kW (ab 9/71) 11S: 55 PS/40 kW (bis 8/71) 11SR: 60 PS/44 kW (ab 11/66 bis 8/71) 12S: 60 PS/44 kW (ab 9/71)
CIH-Motoren: 15S: 65 PS/48 kW (ab 9/67 bis 8/70), nur für Export (zum Beispiel nach Schweden, Österreich und USA) 17S: 75 PS/55 kW (ab 9/67 bis 8/70). 19S: 90 PS/66 kW (ab 9/67) 19HL bzw. 19H: 106 PS/78 kW (ab 4/70)
Der 19S-Motor war in Deutschland dem Rallye-Coupé vorbehalten; für den USA-Export gab es ihn jedoch in allen Modellen.
Der 19HL (HL für „Hochleistung“, später nur noch mit Bezeichnung „19H“) war für 10.904,64 DM (Frühjahr 1971) als Kadett Rallye Sprint auf Sonderwunsch zu haben. Diese Variante wurde sowohl von den Opel-Händlern als auch von dem Tuner Steinmetz vertrieben und konnte normal bestellt werden. Dazu musste man allerdings Kenntnis von dieser Möglichkeit haben, denn in offiziellen Preislisten war diese Variante nicht enthalten. Somit blieb die Zahl der in Deutschland verkauften Rallye Sprint recht gering. Im Ersatzteilkatalog gibt es im Kapitel „Motor“ eine Ergänzungsseite mit sämtlichen beim Sprint-Kadett gegenüber dem normalen 1900er Rallye-Kadett abweichenden Teilen. Nach Schweden wurde der Kadett B Rallye mit der Sprint-Maschine häufiger verkauft.
Sondermodelle
Rallye Kadett mini|Opel Rallye Kadett („Coupé F“, 1967–1973)
Der Wagen wurde nur als Coupé angeboten; bis Juli 1967 ausschließlich als „Kiemen-Coupé“ mit dem 60 PS (44 kW) starken 1,1-Liter-SR-Motor mit Zwei-Vergaser-Anlage. Gegenüber dem S-Motor hatte sich zwar die Leistung um 5 PS (4 kW) erhöht, gleichzeitig aber lag das unveränderte maximale Drehmoment erst bei 3500–4500/min anstatt bisher 2400–3600/min an.Rallye-Kadett. In: Kraftfahrzeugtechnik. 5/1967, S. 155.
Äußerlich zu erkennen an den zusätzlichen Halogen-Fernscheinwerfern, der mattschwarzen Lackierung der Motorhaube zur Einschränkung von Lichtreflexionen, anderen Seitenstreifen, mattschwarz lackierten Türschwellern und der schwarzen Innenausstattung: Kunstledersitze, Himmel, Sonnenblenden usw. Auf Wunsch konnte der Wagen auch ohne mattschwarze Haube und Seitenstreifen geliefert werden, die schwarzen Schweller und die spezielle Innenausstattung blieben aber auch dieser „Understatement-Ausführung“ erhalten. Von dieser Möglichkeit machten aber nur sehr wenige Kunden Gebrauch.