mini|Wiesbaden-Schierstein mit dem Schiersteiner Hafen

Schierstein ist ein Ortsbezirk der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Geographische Lage Schierstein liegt etwa fünf Kilometer südwestlich der Innenstadt Wiesbadens am Rhein, unterhalb von Rhein-Kilometer 505. Schierstein hat zwischen der Reichsapfelstraße und dem Ufer einen Ortskern mit engen Gassen und vielen kleinen Häusern bis hinunter zur Hafenstraße. Diese dient als Uferpromenade am Schiersteiner Hafen, dessen Becken von vielen Bootsstegen und entsprechendem Bootsverkehr belebt wird. Wegen ihres mediterranen Flairs wird die platanenbestandene und verkehrsberuhigte Hafenpromenade „Schiersteiner Riviera“Schiersteiner Hafenfest: 200.000 feiern an der hessischen Riviera. In: Frankfurter Rundschau, 13. Juli 2009. Abgerufen am 25. Januar 2011 genannt. Der Lindenbach mündet hier in den Hafen. Die Dyckerhoff-Brücke überspannt die Hafeneinfahrt. Der Wiesbadener Zement-Hersteller Dyckerhoff stiftete diese Fußgängerbrücke im Jahr 1967 zu seinem hundertjährigen Bestehen. Mitten im Ortskern steht die Christophoruskirche im Baustil des Rokoko.

mini|Der Kettenborn-Palais neben der ehemaligen Sektkelterei der Firma Söhnlein Rings um den Ortskern haben sich Gewerbebetriebe angesiedelt. Im Westen lag die Söhnlein Rheingold Sektkellerei, deren Verwaltungsgebäude inzwischen als Rheingau-Palais für Büros der SGL Carbon genutzt wird. Nördlich der Bahnlinie haben sich vor allem die Glyco Metall-Werke ausgebreitet, nun ein Tochterunternehmen von Federal-Mogul und damit seit 1. Oktober 2018 im Besitz von Tenneco. Am Osthafen befindet sich das Bürogebäude der Schufa Holding AG. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben sich im Osten zwischen der Bahnlinie und dem Rheinufer angesiedelt an der Alten Schmelze, der Schoßbergstraße, der Rheingaustraße und der Äppelallee. Dieses Gewerbegebiet setzt sich östlich der Autobahn im benachbarten Stadtteil Biebrich fort.

Im Norden von Schierstein liegt die Siedlung Freudenberg, die zum Stadtteil Dotzheim gehört. Nordwestlich liegt Frauenstein, dazwischen auf Schiersteiner Gemarkung die Grorother Mühle. Westlich grenzt Schierstein an den Weinort Walluf, dazwischen befinden sich das Naturschutzgebiet Niederwallufer BuchtVerordnung über das Naturschutzgebiet „Niederwallufer Bucht“ vom 28. August 2000. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen, Nr. 40, 2. Oktober 2000, S. 3224–7.Naturschutzgebiete, Website der Stadt Wiesbaden, abgerufen am 2. April 2020. und das ausgedehnte Wasserschutzgebiet des Wasserwerks Schierstein,Wasserwerk-Neubau in Schierstein – Grundwasser aus Mainz für Wiesbaden. In: Wiesbadener Kurier, 26. Juni 2010. dessen Gelände von Weißstörchen zur Brut genutzt wird.Schiersteiner Störche, abgerufen am 30. März 2018 Südlich des Hafens befinden sich Bauernaue und Bismarksaue, In: Frankfurter Rundschau, 23. Januar 2010. Abgerufen am 11. März 2012, die die Hafeneinfahrt mit der Dyckerhoff-Brücke bilden. Die Rettbergsaue als eine der Rheinauen befindet sich ebenfalls teilweise auf Schiersteiner Gebiet und dient als Naherholungsgebiet.

Geschichte Urgeschichte mini|Ansichtskarte (um 1908) Aus der Gemarkung von Schierstein sind Funde der neolithischen Bandkeramischen Kultur und der Rössener Kultur bekannt. Im Bereich des Ortskernes von Schierstein befand sich in der Zeit der Michelsberger Kultur im 5./4. Jahrtausend vor Chr. ein Erdwerk, von dem 1913 ein ca. 120 m langer Teilabschnitt im Bereich der Ziegelei Dr. Peters dokumentiert wurde. Siedlungsfunde gibt es auch aus späteren Perioden der Hallstattzeit und der Latènezeit. In römischer Zeit befanden sich in der Gemarkung mehrere Gutshöfe, Villae Rustica. Von einem dieser Höfe stammt eine Jupitergigantensäule, die heute in Kopie noch in der Wilhelm-Loos-AnlageSchiersteiner Ostermarkt in der Wilhelm-Loos-Anlage, pluspunkt schierstein, 25. März 2014 an der Hafenpromenade zu besichtigen ist.Webseite der Landeshauptstadt Wiesbaden: Schierstein: Entstehung und Entwicklung bis zum 12. Jahrhundert. Abgerufen am 25. Januar 2012 Die Säule wurde am 28. Februar 221 n. Chr. von Viccius Seneca, einem Reiter der Legio XXII Primigenia, geweiht.

Mittelalter Ein Gräberfeld der Merowingerzeit (5.–7. Jhd.), das seit 1828 bekannt ist, fand sich nördlich des Bahnhofs. Funde des Gräberfeldes sind im Heimatmuseum Schierstein aber auch im Museum für Vor- und Frühgeschichte (Berlin) zu sehen.

Die älteste erhaltene Erwähnung von Schierstein stammt von 860. Der Name des Dorfes entwickelte sich von Skerdestein um 973 über Skerdisstein zu Scerstein im Jahr 1017 – was dem mundartlichen Scheerstaa ähnlich ist. Schierstein bedeutet Stein des Sherto – wobei Stein hier die Bedeutung von Burg hat.Webseite der Landeshauptstadt Wiesbaden: Geschichte Schiersteins, abgerufen am 10. August 2011

Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (540).

Da Schierstein zum Kronland der fränkischen Könige gehörte, trägt es einen Reichsapfel im Wappen.Geschichte Schiersteins auf den Seiten des Verschönerungsvereins, abgerufen am 25. Februar 2012

Neuzeit Im Jahre 1926 erfolgte die Eingemeindung nach Wiesbaden.Eingemeindungsvertrag von 1921 auf gruene-schierstein.de, abgerufen am 4. März 2025 Schierstein zählt heute rund 11.000 Einwohner. Wegen der unmittelbaren Lage am Rhein nennt sich Schierstein genauso wie der Nachbarort Walluf „Pforte zum Rheingau“.Schierstein auf rheingau.de, abgerufen am 25. Januar 2012

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Hatte Schierstein 1834 noch über 1192 Einwohner, wuchs die Zahl im Laufe des 19. Jahrhunderts zeitgleich mit dem Aufstieg Wiesbadens zur Weltkurstadt beständig und erreichte im Jahr 1895 bereits 2976 Bewohner. In den nächsten 10 Jahren ergab sich eine erneute Steigerung um fast 50 % auf 4431 Einwohner 1905. 1925, kurz vor der Eingemeindung nach Wiesbaden, lebten 4896 Personen in Schierstein. Am 1. Januar 2023 lebten 10.882 Menschen im Ortsbezirk.Amt für Statistik und Stadtforschung: Stadtteilprofile 2023, Ortsbezirk Schierstein. PDF

Religion mini|hochkant|Der Rokokobau der Christophoruskirche im Ortskern mini|Gedenkstätte der Schiersteiner Synagoge Um 860 ist in Schierstein die erste Kirche und Pfarrsprengel nachweisbar, die Kirche befand sich neben dem Zehnthof am damaligen westlichen Ortsrand. Nachdem sie 1732 teilweise einstürzte, wurde sie 1752 endgültig abgerissen und an anderer Stelle die Christophoruskirche errichtet, die 1754 eingeweiht wurde. Die zugehörige evangelische Christophorusgemeinde verfügt neben der Rokoko-Kirche über ein Gemeindehaus mit Kindergarten am Hafen.Homepage der Christophorusgemeinde. Christophorushaus bei , Kirche bei . In Schierstein-Nord befindet sich mit dem Gemeindezentrum mit Kindertagesstätte der Auferstehungsgemeinde eine weitere evangelische Gemeinde.Homepage der Auferstehungsgemeinde, abgerufen am 19. Februar 2019. Gemeindezentrum bei Die katholische Kirche St. Peter und Paul befindet sich nördlich des Ortskerns.Homepage der Pfarrei St. Peter und Paul, abgerufen am 19. Februar 2019. Kirche bei Sie ist seit Anfang 2013 Sitz der neuen Pfarrei St. Peter und Paul mit neun Kirchorten. Außerdem befindet sich seit August 2015 am Rande des Ortskerns die Adventgemeinde WiesbadenHomepage der Adventgemeinde Wiesbaden. Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten bei , die das Kirchengebäude der Neuapostolischen Kirchengemeinde erwarb und vollständig renovierte.Artikel über die Einweihung des neuen Kirchengebäudes Das Gemeindezentrum bei Die Gottesdienste der Neuapostolischen Kirchengemeinde fanden bis Ende 2012 statt.Bericht über den letzten Gottesdienst Ab dem 18. Jahrhundert bestand eine jüdische Gemeinde in Schierstein, deren letzte Mitglieder 1942 deportiert wurden. An die jüdische Vergangenheit Schiersteins erinnert noch eine Gedenkstätte, an der eine Rosette der 1858 eingeweihten, 1938 bei den Novemberpogromen abgebrannten und in den 1960er Jahren abgebrochenen Schiersteiner Synagoge ausgestellt ist.Schierstein mit Frauenstein (Stadt Wiesbaden): Jüdische Geschichte / Synagoge auf alemannia-judaica.de, Synagoge bei Zwischen Schierstein und dem westlichen Nachbarort Walluf wurde 1890 ein jüdischer Friedhof angelegt, der bis 1922/23 belegt wurde.Der jüdische Friedhof in Schierstein. In: alemannia-judaica.de. Siehe auch Fotos auf Commons. Der Anfang der 1920er Jahre angelegte neue jüdische Friedhof befindet sich auf dem Gelände des seit 1898 bestehenden städtischen Friedhofs am Westrand des Ortes.Friedhof Schierstein auf wiesbaden.de, abgerufen am 9. September 2012 Über das Schicksal jüdischer Bürger in der Zeit des Nationalsozialismus berichten die Stolpersteine in Schierstein.

Am westlichen Ortsrand zwischen der Autobahn A66 und der rechtsrheinischen Bahnstrecke errichtete der marokkanische Kulturverein „Masjid Badr“ ein muslimisches Gemeindezentrum.Marokkanischer Kulturverein „Masjid Badr“, abgerufen am 10. Mai 2020. Gemeindezentrum bei

Politik mini|Rathaus Schierstein, Sitz der OrtsverwaltungOrtsverwaltung Schierstein,

Wahlergebnisse

Wie die anderen Wiesbadener Ortsbezirke verfügt Schierstein über einen Ortsbeirat. War die Einwohnerzahl zum relevanten Stichtag größer als 10.000 Einwohner, wurden 15 und sonst 11 Personen in das Gremium gewählt.Hauptsatzung der Landeshauptstadt Wiesbaden, § 3.

Bis 2006 war die Zusammensetzung des Ortsbeirats dominiert durch zwei große Fraktionen von CDU und SPD, die FDP erreichte nur in rund der Hälfte der Wahlen einen Sitz, die Grünen ab 1985 immer, zweimal auch die Freien Wähler. Ab 2011 etablierte sich mit der Vergrößerung des Ortsbeirats von 11 auf 15 Personen auch die grüne Fraktion mit mehreren Sitzen. 2021 erhielt die Wählergruppe „Zukunft Schierstein“ überraschend die meisten Stimmen – 2026 trat sie nicht mehr an.Zukunft Schierstein tritt bei der Kommunalwahl nicht mehr an. In: Wiesbadener Kurier, 3. Oktober 2025. Mit der Wahl 2026 waren auch AfD und Die Linke erstmals mit einem Sitz vertreten.

Nach den Kommunalwahlen in Wiesbaden ergab sich jeweils folgende Sitzverteilung im Ortsbeirat Wiesbaden-Schierstein (alle Angaben in Prozent, Anzahl Sitze in Klammern):Landeshauptstadt Wiesbaden – Schierstein, Ortsbeiratswahl 15.03.2026.Ortsbeiratswahl in Schierstein 2026: Ergebnisse in Grafiken. In: Wiesbadener Kurier, 16. März 2026. CDU GRÜNE SPD FDP Linke AfD ZSZukunft Schierstein, nur 2021 angetreten. FW Sonst.1981 und 1985 trat die Deutsche Kommunistische Partei, 2006 die Linke Liste Wiesbaden und 2011 die Bürgerliste Wiesbaden an. Wahlbeteiligung Sitze gesamt 2026 36,2 (6) 17,3 (2) 34,4 (5) 1,3 (–) 3,3 (1) 7,4 (1) – – – 48,8 % 15 2021 26,2 (4) 17,5 (3) 25,8 (4) 3,6 (–) – – 27,0 (4) – – 42,7 % 15 2016 32,3 (5) 17,7 (3) 39,7 (6) 10,2 (1) – – – – – 44,2 % 15 2011 35,7 (5) 15,9 (3) 39,7 (6) 1,6 (–) 2,4 (–) – – 3,5 (1) 1,2 (–) 43,0 % 15 2006 39,5 (5) 9,5 (1) 47,3 (5) 2,7 (–) – – – – 1,0 (–) 41,9 % 11 2001 36,4 (4) 8,0 (1) 49,6 (5) 6,0 (1) – – – – – 50,4 % 11 1997 35,0 (4) 10,5 (1) 50,8 (6) 3,6 (–) – – – – – 65,2 % 11 1993 32,5 (3) 10,0 (1) 42,3 (5) 5,5 (1) – – – 9,6 (1) – 68,6 % 11 1989 32,6 (4) 7,1 (1) 55,4 (6) 5,0 (–) – – – – – 74,3 % 11 1985 42,0 (6) 5,0 (1) 48,6 (8) 3,7 (–) – – – – 0,6 (–) 70,9 % 15 1981 45,9 (7) – 46,0 (7) 7,3 (1) – – – – 0,8 (–) 69,1 % 15 1977 46,8 (7) – 47,6 (8) 5,6 (1) – – – – – 73,4 % 15 1972 34,3 (5) – 59,2 (9) 6,5 (1) – – – – – 77,9 % 15

Ortsvorsteher in Wiesbaden-Schierstein mini|Weinstand am Hans-Römer-Platz mini|Dieter-Horschler-Promenade