Bei der Gattung Bacteroides (Syn.: Capsularis , Bacteroidacea) handelt es sich um anaerobe, pleomorphe, gramnegative Stäbchenbakterien, die zur Normalflora der Schleimhäute des menschlichen Intestinaltraktes gehören.
Merkmale Die Vertreter der Gattung Bacteroides sind obligat anaerob, sie wachsen nur bei Abwesenheit von Sauerstoff. Sie bilden keine Sporen aus und ihr Stoffwechselweg ist die Fermentation. Sie verwerten verschiedene Zucker in einer Gärung und bilden dabei v. a. Acetat und Succinat. Einige Bacteroides-Arten können auch Citrat verwerten, als Gärungsprodukte entstehen u. a. Acetat und Formiat.
Viele Arten der Gattung Bacteroides enthalten als Besonderheit einen hohen bis überwiegenden Anteil verzweigter Fettsäureketten in ihren Lipidmembranen. Ein weiteres Merkmal ist die Produktion von Sphingolipiden.
Vorkommen Bacteroides spp. kommen im Darm, Genitaltrakt und Oropharynx des Menschen vor. Im Dickdarm des Menschen befinden sich etwa 1011 Individuen je Gramm Stuhl, damit ist Bacteroides die dort zahlenmäßig dominierende Bakterien-Gattung. Das Vorkommen der Bacteroides-Arten in den Faeces ist bei einigen Spezies als Bestandteil ihres Namens vermerkt, beispielsweise Bacteroides faecis, Bacteroides caccae oder Bacteroides coprophilus.
Systematik Einige Arten der Gattung:
Bacteroides caccae et al. 1986 Bacteroides coprophilus et al. 2007 Bacteroides faecichinchillae et al. 2012 Bacteroides faecis et al. 2010 Bacteroides fragilis (Typusart) Bacteroides intestinalis et al. 2006 Bacteroides pectinophilus Bacteroides thetaiotaomicron Bacteroides vulgatus Bacteroides xylanolyticus et al. 1988
Zahlreiche Arten, die an Entzündungen der Zahnwurzel beteiligt sind oder der Mundflora angehören und früher zur Gattung Bacteroides gestellt wurden, sind der Gattung Prevotella (in der Familie der Prevotellaceae) zugeordnet worden (Stand 2013), z. B. Bacteroides oralis ist nun Prevotella oralis, Bacteroides denticola wird nun korrekt als Prevotella denticola bezeichnet.
Medizinische Bedeutung Durch Bacteroides-Arten werden auch Infektionen verursacht. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um endogene Infektionen, da diese Bakterien nur geringe Pathogenität aufweisen. Sie verursachen vor allem Peritonitis, intraabdominelle Abszesse und Leberabszesse, des Weiteren Hirnabszesse (bei Mastoiditis), Aspirationspneumonie, Tuboovarial-Abszesse, Bakteriämie und Sepsis. Zur Behandlung geeignete Antibiotika sind Metronidazol, Ampicillin-Sulbactam und Amoxicillin-Clavulansäure, alternativ auch Imipenem und (wenn sensibel) Clindamycin. Penicillin sollte vermieden werden, da über 90 % der Bacteroides-Stämme resistent sind, und bei der empirischen Verwendung von Clindamycin sollte Vorsicht geboten sein, da 30 % der Bacteroides-Stämme resistent sind.
Weiterführende Literatur Bacteroides vulgatus: Tingting Zhang, Wei Wang, Jiayu Li, Xianlong Ye, Zhe Wang, Siyuan Cui, Shiwei Shen, Xinmiao Liang, Yong Q. Chen, Shenglong Zhu: Free fatty acid receptor 4 modulates dietary sugar preference via the gut microbiota. In: Nature Microbiology, 13. Januar 2025; doi:10.1038/s41564-024-01902-8 (). Dazu: Claudia Krapp: Darmbakterium heizt unsere Zuckerlust an: Wie Hormone aus Darm und Leber unseren Appetit auf Süßes steuern. Auf: scinexx.de vom 15. Januar 2025. Carly Cassella: Scientists May Have Discovered a Natural Alternative to Ozempic. Auf: sciencealert vom 20. Januar 2025.
Weblinks
Designer microbe shows promise for reducing mercury absorption from seafood. Zu Bacteroides thetaiotaomicron. Auf: EurekAlert! vom 1. Mai 2025.
Einzelnachweise LPSN: Genus Bacteroides Castellani and Chalmers 1919 (Approved Lists 1980). Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 261. T. Kaneda: Iso- and anteiso-fatty acids in bacteria: biosynthesis, function, and taxonomic significance. In: Microbiological Reviews, Band 55, Nummer 2, Juni 1991, S. 288–302, PMID 1886522 ().
Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock Mikrobiologie. Deutsche Übersetzung herausgegeben von Werner Goebel. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 978-3-8274-0566-1, S. 592, 693, 871.
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