mini|Detail aus den Bildsteinen von Stora Hammars zeigt einen Mann, der mit einer Waffe auf dem Rücken eines auf dem Bauch liegenden Mannes hantiert. Das über der Szene befindliche dreieckige Valknut-Symbol wird als Symbol für einen ekstatischen Zustand gedeutet. Der Blutaar oder Blutadler () war eine mutmaßliche Form der Hinrichtung durch Folter, die von den Wikingern praktiziert worden sein könnte.
Dem lebenden Opfer wurde dabei der Rücken aufgeschnitten, die Rippen beidseitig von der Wirbelsäule getrennt und – wie Adlerschwingen – zur Seite geklappt. Laut Beschreibungen werden anschließend noch die Lungen herausgezogen, um die Flügel eines Adlers zu symbolisieren. Allerdings wird diese Darstellung von einigen Wissenschaftlern abgelehnt, da die Lunge nach einem derart gewaltsamen Öffnen innerhalb von Sekunden in sich zusammenfallen würde. Einige Experten gehen daher davon aus, dass die Schulterblätter noch mit hochgeklappt wurden.
Mittlerweile ist nachgewiesen worden, dass es zwar anatomisch möglich wäre, dennoch ist unklar, ob das Ritual tatsächlich in der beschriebenen Form angewendet wurde.Folterritual könnte wirklich stattgefunden haben. Archäologie in Deutschland, abgerufen am 29. Juni 2023.
Quellen Der Blutaar ist an insgesamt zehn Stellen aus verschiedenen altnordischen Sagas (zum Beispiel der Orkneyinga saga und der in der altnorwegischen Königsbiographie Heimskringla überlieferten Haralds saga hárfagra) und Þættir sowie einem Skaldengedicht und einem Eddalied (Reginsmál) als Rache an Feinden belegt, wobei sich die Erwähnungen auf nur vier Tötungen beziehen. Der Ragnarssona þáttr berichtet davon, dass der in England eingefallene dänische König Ragnar Lodbrok von König Ælle besiegt und in einer Schlangengrube hingerichtet wurde. Ragnars Söhne unterwarfen Ælle später und töteten diesen durch das Ritzen eines Blutadlers.
Kontroverse Der Hintergrund des Rituals ist jedoch ebenso umstritten wie die Frage, ob es tatsächlich in der dargestellten Form ausgeübt worden ist oder ob es vielleicht auch nur eine besonders grausam wirkende literarische Ausschmückung zur Unterhaltung der Zuhörer war; so argumentiert zumindest die Skandinavistin Roberta Frank. Auch die Historikerin und Autorin Eleanor Rosamund Barraclough geht in ihrem Buch Beyond the Northlands: Viking Voyages and the Old Norse Sagas davon aus, dass die Folter- und Hinrichtungsmethode des Blutaar oder Blutadlers wohl eher auf einer poetischen Metapher als auf historischen Tatsachen beruht.Simon Worrall: Geschichte und Kultur. Wie viel Wahrheit steckt in den Sagen der Wikinger? National Geographic, abgerufen am 29. Juni 2023.
Ein Forscherteam der Universität Keele führte gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Island eine neue Studie durch, um die Frage zu beantworten, ob es überhaupt anatomisch möglich wäre, das Folterritual wie beschrieben durchzuführen. Die Analyse, an der auch Anatomieexperten und Wikingerhistoriker beteiligt waren, kam zu dem Ergebnis, dass es durchaus anatomisch möglich wäre, den Blutadler so durchzuführen, wie das Ritual in den mittelalterlichen Erzählungen beschrieben wurde. Dennoch ist nicht klar, ob es tatsächlich zur Anwendung kam, obwohl eine derartig brutale Hinrichtung zumindest nicht gegen die gesellschaftlichen Bräuche in Bezug auf damals angewendete rituelle Gewalt verstößt.
Andere Interpretationen sehen im Blutaar die Weiterentwicklung eines ursprünglichen Menschenopfers an den Gott OdinKritisch demgegenüber oder aber eine spezielle Racheform, die Söhne am Mörder ihres Vaters vollzogen.
Literatur
Weblinks
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