mini|Doppelstander „C“ als Flagge aller deutschen Seeschiffe zwischen 1945 und 1951 mini|Der Signalwimpel „8“ als Erkennungszeichen der DMRL-Fahrzeuge Der Deutsche Minenräumdienst wurde 1945 auf alliierte Weisung aus verbliebenen Teilen der Kriegsmarine gebildet und hatte die Aufgabe, die Seeminen in den deutschen Küstengewässern zu beseitigen. Die englische Bezeichnung war „German Minesweeping Administration“ (GMSA), während neben dem Begriff „Deutscher Minenräumdienst“ mehrere deutsche Bezeichnungen überliefert sind, darunter „Deutsche Minenräumleitung“ (DMRL) und „Deutsche Minenräumverwaltung“.

Aufstellung und Aufgaben

Bereits am Tag der bedingungslosen Kapitulation, dem 8. Mai 1945, ordnete der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte an, dass die Kriegsmarine Minenräumfahrzeuge für die Räumung verminter Gewässer bereitzustellen habe. Um die Verwaltung und Erhaltung der deutschen Marineeinheiten und Marinewerften, die unter alliierter Kontrolle arbeiteten, sicherzustellen, blieb zunächst das Oberkommando der Marine (OKM) unter Leitung des von den Alliierten eingesetzten Generaladmirals Walter Warzecha bestehen. Es hatte folgende Aufgaben:Michael Salewski: Die deutsche Seekriegsleitung 1935–1945. 3 Bände. Band 2: 1942–1945. München 1975, ISBN 3-7637-5138-6, S. 562 ff. a. Reparaturen, Erhaltung und Ausrüstung von Minensucheinheiten, b. Weiterversorgung mit Minensuchgerät, c. Weiterversorgung mit technischen Nachrichtenmitteln für Minensucher, d. Weiterversorgung und Verteilung von Brennstoffen aus deutschen Quellen, e. Hafen- und Wasserwegebau, Hafenbetonnung und -befeuerung, f. Verwaltung deutscher Marinestützpunkte g. Besoldung, Bekleidung, Verpflegung.

Nach Auflösung des OKM am 21. Juli 1945 wurde die Deutsche Minenräumleitung (D.M./R.L.) eingerichtet, die diese Aufgaben übernahm.

Bis zum 10. September 1945 blieb der ehemalige Inspekteur der Sperrwaffen, Vizeadmiral Alexander Michels, für die Koordination im DMRL eingesetzt.

Leitung

Für die Koordination der Minenräumung in europäischen Gewässern hatten die Alliierten das International Mine Clearance Board (IMCB) in London eingerichtet. Die DMRL erhielt ihre Räumaufträge über die britische Besatzungsmacht.Übersicht über die deutschen Minenräumverbände 1945–47 im Bestand der Württembergischen Landesbibliothek

Commodore des GMSA waren Rear-Admiral als Commodore-in-charge H. T. England und ab 1947 Captain Donald Keppel Bain (* 1896). Darunter war der „Chef der Deutschen Minenräumleitung“ (Chef D.M./R.L.) unterstellt.

Als Chef D.M./R.L. wurde durch die britische Marine Konteradmiral Fritz Krauss eingesetzt, der diese Aufgabe bis zur Auflösung Ende 1947 wahrnahm. Britischer Chef des „MS-Büros“ war Lieutenant Commander Basil Chrystie Ward (* 1915) als Verbindungsmann zur Britischen Admiralität. Der Stab der DMRL befand sich zunächst in Glückstadt, später in Hamburg am Sitz des britischen Marinebefehlshabers Schleswig-Holstein im sogenannten Navy House.

Stellvertreter des Chefs D.M./R.L. war bis März 1946 Kapitän zur See Heinrich Gerlach, anschließend Kapitän zur See Heinz Assmann. Im Stab der D.M./R.L. wurden außerdem drei Direktoren eingesetzt, darunter Kapitän zur See Alfred Schumann, ehemaliger Leiter der Personalabteilung des DMRL. Zum Stab gehörten einige führende Offiziere der vormaligen Operationsabteilung des OKM oder der Seekriegsleitung (Skl) beim OKM, unter ihnen die späteren Inspekteure der Marine Karl-Adolf Zenker und Gert Jeschonnek.

Die Seefahrtabteilung wurde bis September 1945 von Kapitän zur See Martin Saltzwedel und anschließend von Korvettenkapitän Claus Henning von Grumbkow geleitet.

Die Personalabteilung wurde für kurze Zeit von Oktober 1945 bis Februar 1946 durch Kapitän zur See Alfred Schumann und dann durch Kapitän zur See Ernst-Ludwig Thienemann geführt. Leiter der Technischen Abteilung war Kapitän zur See Edward Wegener, der Haushaltsabteilung Flottenintendant Werner Thiele, der Ärztlichen Abteilung Geschwaderarzt Carl-Heinz Wandrey und der Rechtsabteilung Flottenrichter Otto Kranzbühler.

Personal und Fahrzeuge mini|Ein ehemaliger Passagier­dampfer diente als Unterkunft der Besatzungen von Minensuch­booten in Wilhelmshaven Die Angaben über den Personal- und Fahrzeugbestand variieren besonders für die ersten Monate nach der Aufstellung des Minenräumdiensts. So wird ein Anfangsbestand von 100.000 Mann genannt.Douglas C. Peifer. Drei Deutsche Marinen – Auflösung, Übergänge und Neuanfänge, S. 109 ff. Bochum 2007. ISBN 978-3-89911-101-9 Der spätere Befehlshaber der Flotte, Leutnant zur See Günter Fromm, stellte fest: „Das Oberkommando der Kriegsmarine ermittelte 1664 Fahrzeuge mit einem Personal von 44.600 Mann, die im Minenräumdienst eingesetzt waren. Weit mehr als die Reichsmarine und die Bundesmarine je ausmachten.“Günter Fromm. Die German Minesweeping Administration (GM/SA). In: Hartmut Klüver (Hrsg.): Stationen deutscher Marinegeschichte (II): Deutsche Seeverbände 1945–1956. S. 27ff. Im Herbst 1945 verfügte die DMRL noch über etwa 27.000 Marinesoldaten, eine Zahl, die sich bis 1946 auf etwa 16.000 Mann reduzierte. Der Fahrzeugbestand wird für 1946 mit 393 und für 1947 mit 294 angegeben.

Die Soldaten dienten als dienstverpflichtetes, nicht aus der Kriegsmarine entlassenes Personal im Status Surrendered Enemy Personnel, der ihnen nicht die Rechte eines Kriegsgefangenen zukommen ließ. Zunächst trugen die Besatzungen ihre alten Marineuniformen mit allen Orden, jedoch ohne Hakenkreuze. Der Zusammenhalt der Soldaten und der sich angesichts der Gefahr beim täglichen Räumdienst entwickelnde Korpsgeist wurden den Alliierten bald suspekt. Deshalb wurden im Mai 1946 neue Uniformen und eigene Dienstgrade eingeführt.

Die Hakenkreuzflagge durfte vom Zeitpunkt der Kapitulation an nicht mehr geführt werden. Die Alliierten wiesen an, stattdessen eine als Doppelstander abgewandelte internationale Signalflagge „C“ zu setzen, die von deutschen Schiffen bis 1951 geführt wurde. Am 16. Mai 1945 ordnete die Reichsregierung in Flensburg-Mürwik an, dass die im britischen Auftrag im Minenräumdienst eingesetzten deutschen Kriegsschiffe an der Gaffel den nationalen Signalwimpel „8“ zu führen haben. Ohne dass dafür eine Anweisung überliefert ist, führten einige Fahrzeuge außerdem die Signalflagge Q des nationalen Flaggenstells, die wegen ihrer Bezeichnung als Flagge „Quatsch“ als Protest der Kommandanten gegen die Flaggenordnung verstanden wurde.Andreas Herzfeld. Funkspruch an alle – Die letzte Flaggenanordnung des Deutschen Reiches. In: Marineforum, 5-2010, S. 51.

Die Fahrzeuge des Deutschen Minenräumdienstes kamen von ehemaligen Verbänden der Kriegsmarine. Dabei kamen u. a. Minenräumboote von ehemaligen Räumbootsflottillen, Minensuchboote von ehemaligen Minensuchflottillen, Sperrbrecher von ehemaligen Sperrbrecherflottillen und Marinefährprahme von ehemaligen Landungsflottillen oder Transportflottillen zum Einsatz. Das bisher bei der Kriegsmarine eingesetzte Räumgeschirr wurde für die Aufgabe im Rahmen des Deutschen Minenräumdienstes weiter verwendet, wobei als mechanische Räumgeräte grundsätzlich das Scherdrachengerät und das Ottergerät, entweder als Einzelausstattung auf den Booten oder als Kombination von beiden Geräten als sogenannten Einschiffsgerät, verbaut wurde. Das Scherdrachengerät war beim Deutschen Minenräumdienst als Hauptgerät gegen Ankertauminen für alle Minenräumfahrzeuge festgelegt. Im Vergleich zum Scherdrachengerät hatte das Ottergerät eine geringere Räumbreite, aber eine größere Tiefe und konnte so bis 85 m Tiefe räumen. Zusätzlich konnte das Ottergerät mit einer höheren Geschwindigkeit als das Scherdrachengerät eingesetzt werden (20 sm/h gegenüber 16 sm/h).Atlas der Minenräumgeräte, Teil II: mechanische Räumgeräte. Deutsche Minenräumdienstvorschrift Nr. 11, DMRL, 1946, S. 8.

Beim Scherdrachengerät wurde in unterschiedliche Bauformen unterschieden (M für Minensuchboote, R für Räumboote mit und ohne Schwimmer und als Ausführung tief, F für KFK und P für Pinassen). Das Scherdrachengerät R mit Schwimmer wurde auf den Minensuchbooten eingesetzt, wobei das Scherdrachengerät R tief als Spezialgerät für Räumboote vorgesehen war.Atlas der Minenräumgeräte, Teil II: mechanische Räumgeräte. Deutsche Minenräumdienstvorschrift Nr. 11, DMRL, 1946, S. 9.

War ein Minensuchboot nicht mit einem Scherdrachengerät M oder R mit Schwimmer ausgestattet, wurde das Ottergerät verbaut. Das Ottergerät tief kam auf Minensuchbooten als Spezialgerät für große Räumtiefen zum Einsatz.

Zusätzlich wurden weitere Spezialgeräte für Sonderaufgaben auf allen eingesetzten Bootsformen verwendet.

Einheiten und Verbände mini|Deutsche Räumflottille im Kriegseinsatz Der Deutsche Minenräumdienst gliederte sich anfangs in drei Minenräumdienstkommandos (DMRK) und einer Marinedienststelle Norwegen, welchen vier Minenräumdivisionen unterstellt waren. Die 5. Minenräumdivision (Holland), ebenso wie die später eingerichtete 6. Minenräumdivision, war eigenständig. Hinzu kamen Kräfte unter französischer Führung, die nicht der Deutschen Minenräumdienstleitung unterstanden. In der mittleren Ostsee waren Kräfte unter sowjetischer Leitung eingesetzt. In den Niederlanden und Norwegen gab es damit keine Minenräumdienstkommandos, sondern nur die eine Marinedienststelle für Norwegen und die 5. Minenräumdivision in den Niederlanden, welche beide dem DMRL in Hamburg unterstellt waren.

Deutsche Minenräumdienstkommandos/Marinedienststelle Die Deutschen Minenräumdienstkommandos wurden mit der Einrichtung des Deutschen Minenräumdienstes aufgestellt und wurden direkt der Deutschen Räumdienstleitung in Glücksburg unterstellt.

Im April 1946 wurden die Minenräumdienstkommandos aufgelöst und die sechs Minenräumdivisionen direkt der Leitung unterstellt.

I. Deutsches Minenräumdienstkommando (Schleswig-Holstein) Das Kommando war in Kiel-Kronshagen beheimatet und hatte die 1. Minenräumdivision zugeteilt.

Geführt wurde das Kommando von Konteradmiral Günther Schubert.

II. Deutsches Minenräumdienstkommando (Westdeutschland) Das Kommando war in Buxtehude beheimatet und hatte die 2. Minenräumdivision zugeteilt.

Geführt wurde das Kommando von Kapitän zur See Karl Ernst Smidt.

III. Deutsches Minenräumdienstkommando (Dänemark) Das Kommando war in Kopenhagen beheimatet und hatte die 3. Minenräumdivision zugeteilt.

Geführt wurde das Kommando von Kapitän zur See Max Freymadl.

Deutsche Marinedienststelle (Norwegen) Das Kommando war in Oslo beheimatet und hatte die 4. Minenräumdivision zugeteilt.

Geführt wurde die Dienststelle von Fregattenkapitän Fro Harmsen, welcher am 1. September 1945 durch Verfügung des Alliierten Oberkommandos zum Kapitän zur See befördert wurde.

Minenräumdivisionen

1. Minenräumdivision Die 1. MRD in Kiel war für die deutschen Küstengewässer in der westlichen Ostsee zuständig und wurde von Fregattenkapitän Adalbert von Blanc (ehemaliger Kommandeur der 9. Sicherungs-Division) geführt.

Die Division bestand im Oktober 1945 aus:

2. Minensuchflottille (von der ehemaligen 10. Sicherungs-Division) 12. Minensuchflottille 31. Minensuchflottille (von der ehemaligen 9. Sicherungs-Division) 1. Räumflottille (als 1. Räumbootsflottille von der ehemaligen 9. Sicherungs-Division) mit u. a. Schiff M 566 8. Räumflottille 1. Sperrbrecherflottille (von der ehemaligen 5. Sicherungs-Division) KFK-Bewachungsverband aus sieben KFK-Gruppen KFK-Sondergruppe

2. Minenräumdivision mini|Ein Artilleriefährprahm (vorderes Modell) und mehrere Marinefährprähme (dahinter) waren Teil der 2. Transportflottille